Bluthochdruck

Bluthochdruck

Der Blut­hoch­druck gilt als das Volks­lei­den in den Indus­trie­staa­ten. Die Krank­heit beschreibt einen zu hohen Druck im Blut­kreis­lauf mit einer dau­er­haf­ten Über­schrei­tung der zuläs­si­gen Grenz­wer­te. Allein in Deutsch­land wei­sen unge­fähr 25 Mil­lio­nen Men­schen eine Nei­gung zu unge­sun­den Blut­druck­wer­ten auf. Als Fol­ge erlei­den die Gefäß­wän­de irrepa­ra­ble Schä­den. Das Risi­ko für eine Throm­bo­se mit ein­her­ge­hen­dem Hirn- oder Herz­schlag steigt dadurch beträcht­lich an. Auch ande­re Orga­ne wer­den bei Blut­hoch­druck in Mit­lei­den­schaft gezo­gen.

Definition – was bedeutet überhaupt Bluthochdruck?

Beim hohen Blut­druck (Hyper­to­nie) sind sys­to­li­sche wie dia­sto­li­sche Druck­wer­te lang­fris­tig erhöht. Die­se obe­ren und unte­ren Spit­zen­wer­te mar­kie­ren den maxi­ma­len (sys­to­li­schen) und mini­ma­len (dia­sto­li­schen) Aus­deh­nungs­zu­stand der Gefäß­wän­de. Die­se wei­ten sich durch die Pump­kraft des Her­zens, vari­ie­ren je nach Akti­vi­tät des Herz­mus­kels und zie­hen sich im Anschluss wie­der zusam­men. Die Art der kör­per­li­chen Betä­ti­gung nimmt maß­geb­li­chen Ein­fluss auf Mess­wer­te. Daher erfol­gen Mes­sun­gen immer im rela­ti­ven Ruhe­zu­stand in einer auf­rech­ten Sitz­po­si­ti­on oder im Lie­gen. Nur dadurch las­sen sich ein­heit­li­che und ver­gleich­ba­re Ergeb­nis­se erzie­len. Der Blut­druck unter­liegt dabei leich­ten Tages­schwan­kun­gen, die auch von der Kon­di­ti­on und dem der­zei­ti­gen Belas­tungs­grad des ein­zel­nen Men­schen abhän­gen. Prin­zi­pi­ell ord­net sich der Grund­wert bei gesun­den erwach­se­nen Per­so­nen immer auf etwa 120/80 mmHg ein. Dage­gen haben Kin­der je nach Alter einen wesent­lich nied­ri­ge­ren Blut­druck.

Sys­to­le: Das Herz zieht sich zusam­men und wirft Blut über die Haupt­schlag­ader (Aor­ta) aus. Eine sich aus­brei­ten­de Druck­wel­le hat eine Deh­nung des kom­plet­ten Blut­ge­fäß­sys­tems zur Fol­ge.

Diasto­le: Der Herz­mus­kel dehnt sich und erzeugt einen Sog. Dar­auf­hin füllt sich die Herz­kam­mer mit neu­em Blut. Wäh­rend­des­sen sinkt der Druck in den Blut­ge­fä­ßen stark ab. Der dia­sto­li­sche Mess­wert ist somit immer nied­ri­ger im Ver­gleich zu sei­nem sys­to­li­schen Gegen­spie­ler.

Die Einteilung der Blutdruckstärke

Typi­sche Mess­ver­fah­ren geben den Blut­druck in mmHg (Mil­li­me­ter-Queck­sil­ber­säu­le) wie­der. Der ers­te Wert steht immer stell­ver­tre­tend für das sys­to­li­sche, der zwei­te Wert für das dia­sto­li­sche Ergeb­nis. Als opti­mal gilt bei jun­gen Men­schen 120/80 mmHg. Abwei­chen­de Resul­ta­te ord­net die Medi­zin ver­schie­de­nen Klas­si­fi­zie­run­gen zu. Ein Son­der­fall stellt die iso­liert erhöh­te Sys­to­le (ab 140 mmHg) dar, ohne einen Anstieg der Diasto­le zu ver­zeich­nen. Die­sem Phä­no­men liegt manch­mal eine Stö­rung der Herz­klap­pe als Ursa­che zugrun­de.

120–129 / 80–84 mmHg (Nor­mal)
130–139 / 85–89 mmHg (Hoch-Nor­mal)
140–159 / 90–99 mmHg (leich­ter Hoch­druck)
160–179 / 100–110 mmHg (mitt­le­rer Hoch­druck)
ab 180 / 110 mmHg (schwer­wie­gen­der Hoch­druck)

Bei vor­lie­gen­dem Ver­dacht auf einen erhöh­ten Blut­druck soll­te immer an bei­den Armen gemes­sen wer­den, um ein ver­fälsch­tes Ergeb­nis durch ande­re Erkran­kun­gen aus­zu­schlie­ßen.

Welche Ursachen und Risiken gibt es für einen dauerhaft hohen Blutdruck?

In vie­len Fäl­len fin­den Medi­zi­ner kei­ne kör­per­li­chen Aus­lö­ser für lang­fris­tig erhöh­ten Blut­druck. Theo­re­tisch gel­ten Pati­en­ten in die­sem Fall als voll­kom­men gesund. Der pri­mä­re Hyper­to­nus bezeich­net also das Auf­tre­ten ohne kon­kre­te Zusam­men­hän­ge mit Betei­li­gung eines feh­ler­haft arbei­ten­den Organs. Aller­dings kön­nen die indi­vi­du­el­len Lebens­um­stän­de einen ungüns­ti­gen Ein­fluss aus­üben. Schar­fes, sal­zi­ges Essen und Lakrit­ze sind für ihre den Blut­druck stei­gern­de Wir­kung bekannt. Rau­chen und inten­si­ver Genuss von Alko­hol wirkt sich eben­so nach­tei­lig auf die Druck­ver­hält­nis­se in Gefä­ßen aus. Typ-2-Dia­be­tes gilt genau wie Über­ge­wicht als Risi­ko­fak­tor. Zu schwe­re Men­schen benö­ti­gen einen stär­ke­ren Druck, um das Blut durch die erhöh­te und dich­te­re Kör­per­mas­se zu trans­por­tie­ren. Zudem spielt Bewe­gungs­man­gel eine gro­ße Rol­le.

Diver­se Grund­er­kran­kun­gen kön­nen eben­so aus­schlag­ge­ben­de Fak­to­ren dar­stel­len. Liegt ein chro­ni­sches Krank­heits­bild wie eine geschä­dig­te Nie­re vor, tritt der Hyper­to­nus sekun­där als unmit­tel­ba­re Fol­ge auf. Spä­ter lässt die Elas­ti­zi­tät der Gefäß­wän­de nach und ebnet damit höhe­ren Abwei­chun­gen von der Norm den Weg. Ten­den­zi­ell besit­zen Senio­ren einen leicht erhöh­ten Grund­wert, der als Hoch-Nor­mal immer noch im akzep­ta­blen medi­zi­ni­schen Bereich liegt.

Was sind die unmittelbaren Symptome von zu hohem Blutdruck?

Vie­le Pati­en­ten wei­sen zu Beginn der Erkran­kung kei­ner­lei Sym­pto­me auf. Da die Aus­wir­kun­gen meist irrepa­ra­bler Natur sind, bleibt eine recht­zei­ti­ge Erken­nung mit ange­mes­se­ner The­ra­pie unver­zicht­bar. Bei kon­ti­nu­ier­lich und mar­kant erhöh­tem Druck offen­ba­ren sich typi­sche Beschwer­den. Dar­un­ter fal­len gele­gent­li­cher Schwin­del, Schlaf­pro­ble­me, über­mä­ßi­ge Ner­vo­si­tät, Ohren­sausen, mor­gend­li­che Kopf­schmer­zen, eine erhöh­te Nei­gung zum Nasen­blu­ten und ver­stärk­tes Auf­tre­ten von gerö­te­ten Gesichts­par­ti­en. Außer­dem führt die Belas­tung des Herz-Kreis­lauf­sys­tems zu einer unge­wöhn­lich rasch ein­set­zen­den Ermü­dung sowie eine auf­fäl­li­ge Kurz­at­mig­keit bei gestei­ger­ter Akti­vi­tät.

Welche langfristigen Gefahren gehen von zu hohem Blutdruck aus?

Kurz­fris­ti­ger Blut­hoch­druck bringt pri­mär leich­tes Unwohl­sein und Ner­vo­si­tät als Haupt­merk­mal mit sich. Die dadurch ent­stan­de­ne Belas­tung kom­pen­siert der mensch­li­che Kör­per, sofern kei­ne schwe­re Blut­hoch­druck­kri­se vor­liegt. Lang­fris­tig besteht jedoch die Gefahr ernst­haf­ter Schä­den an den Herz­kranz­ge­fä­ßen und ande­ren Orga­nen wie Gehirn oder Nie­ren. Bis es zu den struk­tu­rel­len Ver­än­de­run­gen und Gefäß­ver­kal­kun­gen (Arte­rio­skle­ro­se) kommt, ver­strei­chen vie­le Jah­re. Ent­spre­chend wer­den gering­fü­gi­ge Beschwer­den oft lan­ge igno­riert.

Dazu zählt etwa die koro­na­re Herz­krank­heit, die mit teils schmerz­haf­ter Sauer­stoff­un­ter­ver­sor­gung ein­her­geht. Eine deut­lich her­ab­ge­setz­te Belast­bar­keit des Her­zens sowie Rhyth­mus­stö­run­gen tre­ten als wei­te­re Kom­pli­ka­ti­on in Erschei­nung. Zudem gilt Blut­hoch­druck als ver­brei­te­tes Risi­ko für einen Schlag­an­fall. Beim Vor­lie­gen eines Aneu­rys­mas, einer Aus­stül­pung in den Gefäß­wän­den, kann der hohe Druck zu einem Riss des Gefä­ßes füh­ren. Schwe­re, inne­re Blu­tun­gen mit Todes­fol­ge oder blei­ben­den Schä­den sind lei­der nicht sel­ten die Fol­ge. Dabei spielt die Loka­li­sa­ti­on des Aneu­rys­mas eine wich­ti­ge Rol­le für die Über­le­bens­chan­ce. An der Haupt­schlag­ader oder im Hirn gilt ein der­ar­ti­ger Defekt immer als poten­zi­ell töd­lich.

Doch bei die­sen Gefah­ren bleibt es nicht: Blut­hoch­druck setzt auch den Nie­ren dra­ma­tisch zu. Deren Fil­ter­funk­ti­on nimmt im Lauf der Zeit bis hin zu einem kom­plet­ten Nie­ren­ver­sa­gen ab. Außer­dem kann die Netz­haut schwe­ren Scha­den neh­men und auch ande­re Orga­ne sind durch eine Hyper­to­nie bedroht.

Therapie von zu hohem Blutdruck

Nach offi­zi­el­len Anga­ben der Deut­schen Hoch­druck­li­ga liegt ein behand­lungs­be­dürf­ti­ger Hyper­to­nus ab Wer­ten von grö­ßer als 140/90 mmHg im Tages­durch­schnitt vor. Eine ein­heit­li­che The­ra­pie exis­tiert nicht. Jeder Fall bedarf der indi­vi­du­el­len Ein­schät­zung der Kör­per­ge­sund­heit und der Dia­gno­se der mög­li­chen Ursa­chen. Abhän­gig von der Inten­si­tät des Lei­dens und Grad der Aus­prä­gung vari­ie­ren die The­ra­pie­an­sät­ze. Zusätz­lich berück­sich­ti­gen Ärz­te auch Alter und even­tu­el­le Grund­er­kran­kun­gen (Dia­be­tes Typ 2, Nie­ren­schä­den) des Pati­en­ten.

Die Abkehr von unge­sun­den Lebens­ein­flüs­sen wie man­geln­dem Schlaf, beruf­li­chem Stress und über­schüs­si­gem Kör­per­ge­wicht beglei­tet die medi­ka­men­tö­se Behand­lung. Salz­ar­me und medi­ter­ra­ne Küche för­dern zum Bei­spiel die natür­li­che Regu­la­ti­on des Blut­drucks. Salz bin­det Was­ser und führt auto­ma­tisch zu einem Anstieg des Gesamt­vo­lu­mens im Herz-Kreis­lauf­sys­tem. Da Rau­chen Arte­rio­skle­ro­se und einen schnel­le­ren Puls begüns­tigt, müs­sen Pati­en­ten dem blau­en Dunst mög­lichst voll­stän­dig ent­sa­gen. Die glei­che Regel gilt für den Genuss von Alko­hol oder kof­fe­in­hal­ti­gen Geträn­ken wie bestimm­te Ener­gy­drinks, Tee­sor­ten oder Kaf­fee.

Liegt eine mit­tel­schwe­re oder extre­me Form des Hoch­drucks vor, ver­schrei­ben Ärz­te pas­sen­de Medi­ka­men­te. Diure­ti­ka ver­fol­gen einen ent­wäs­sern­den Ansatz. Je nach [tool­tip tip=“Medikament, das B-Rezep­to­ren im Kör­per blo­ckiert und somit zur Sen­kung des Blut­drucks führt.”]Betablocker[/tooltip] ent­fal­tet sich die Wir­kung am Herz­mus­kel und/oder an den Blut­ge­fä­ßen. Kal­zi­um­ant­ago­nis­ten sor­gen für eine Wei­tung der Blut­ge­fä­ße und für eine Sen­kung des vas­ku­lä­ren Wider­stands. ACE-Hem­mer und AT-2-Rezep­tor-Ant­ago­nis­ten beein­flus­sen die Eng­stel­lung der Gefä­ße. Die Behand­lung bleibt pri­mär sym­pto­ma­tisch. Eine Besei­ti­gung des Aus­lö­sers ist der­zeit mit Medi­ka­men­ten nicht erreich­bar.

Präventionsmaßnahmen

Sport und regel­mä­ßi­ge Bewe­gung sind die bes­ten Metho­den zur natür­li­chen Vor­beu­gung erhöh­ter Blut­druck­wer­te. Jedoch ist gro­ße Vor­sicht gebo­ten, um nicht in eine Blut­druck­kri­se zu gera­ten. Ansons­ten dro­hen unter zusätz­li­cher Last die sys­to­li­schen Wer­te in gefähr­li­che Regio­nen empor­zu­stei­gen. Dar­um eig­net sich Kraft­sport mit schwe­ren Gewich­ten weni­ger zur Auf­recht­erhal­tung eines gesun­den Blut­drucks. Ein aus­ge­gli­che­nes und mode­ra­tes Aus­dau­er­trai­ning steht an ers­ter Stel­le eines effek­ti­ven Prä­ven­ti­ons­pro­gramms. Gene­rell nütz­ten alle Maß­nah­men, die den Kör­per­kreis­lauf gezielt anre­gen und die Durch­blu­tung för­dern. Dazu zäh­len wech­sel­war­me Duschen und Bäder, ein Besuch in der Sau­na oder auch ent­span­nen­de Mas­sa­gen.

Da Über­ge­wicht sowie Dia­be­tes einen zu hohen Blut­druck begüns­ti­gen, ist ein akti­ver Lebens­stil mit aus­rei­chend Bewe­gung und einer abwechs­lungs­rei­chen sowie gesun­den Ernäh­rung der Schlüs­sel für eine erfolg­rei­che Vor­beu­gung. Daher bleibt der Ver­zicht auf Ziga­ret­ten und der Genuss gro­ßer Men­gen Alko­hol emp­feh­lens­wert. Zur Stress­be­wäl­ti­gung und emo­tio­na­len Sta­bi­li­sie­rung eige­nen sich Ent­span­nungs­tech­ni­ken wie Yoga und aus­rei­chen­de Ruhe­pau­sen für den Kör­per von den All­tags­stra­pa­zen. Eben­so soll­te auf eine aus­rei­chen­de Schlaf­hy­gie­ne geach­tet wer­den, da ein andau­ern­der Schlaf­man­gel ernst­haf­te Kon­se­quen­zen für das Herz-Kreis­lauf­sys­tem nach sich zie­hen kann.

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