Präventionskurse: Was zahlt die Kasse?

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 12.07.2019 Lesezeit: 5 Minuten
Praeventionskurse Krankenkasse
Präventionskurse: Was zahlt die Kasse?

Was besagt der Paragraph 20 im Sozialgesetzbuch?

Das fünf­te Buch der Sozi­al­ge­setz­ge­bung (SGB V) defi­niert im Para­gra­phen 20, dass Kran­ken­kas­sen durch finan­zi­el­le För­de­rung ent­spre­chen­der Ange­bo­te an der Gesund­heits­prä­ven­ti­on ihrer Ver­si­cher­ten mit­wir­ken. Ziel ist das Sen­ken der Erkran­kungs­quo­te. Defi­niert ist etwa, dass eine gesun­de Lebens­füh­rung, das gesun­de Altern sowie die gesund­heit­li­che Kom­pe­tenz geför­dert wer­den sol­len. Fer­ner sind noch spe­zi­fi­sche Fäl­le defi­niert, in denen die Gesund­heit för­dern­de Ange­bo­te bei­spiels­wei­se bestimm­te Erkran­kun­gen ver­hin­dern oder bestimm­te Arbeits­be­las­tun­gen kom­pen­sie­ren sol­len. Somit defi­niert das SGB hier einen Hand­lungs­auf­trag.

Kon­kret geht es um die Mit­wir­kung der Kran­ken­kas­sen beim Erstel­len von prä­ven­ti­ven Ange­bo­ten und eine ent­spre­chen­de Bezu­schus­sung der Kos­ten. Die­se Ange­bo­te kön­nen indi­vi­du­ell wahr­ge­nom­men wer­den oder in die Gesund­heits­po­li­tik einer Fir­ma (betrieb­li­che Gesund­heits­prä­ven­ti­on) ein­ge­pflegt wer­den.

Unter­schie­den wird hier nach Prä­ven­ti­on und För­de­rung. Prä­ven­ti­on bezeich­net Maß­nah­men, die Krank­hei­ten ver­hin­dern sol­len oder min­des­tens Belas­tun­gen kom­pen­sie­ren. För­de­rung bezeich­net Maß­nah­men, die gesun­den Men­schen noch mehr Mög­lich­kei­ten geben, gesün­der zu leben.

Was Krankenkassen sich aus der Gesundheitsprävention versprechen

Es stellt sich zurecht die Fra­ge, war­um Kran­ken­kas­sen die Gesund­heits­kur­se und -ange­bo­te ihrer Ver­si­cher­ten bezu­schus­sen. Schließ­lich wird die Bezu­schus­sung von Ange­bo­ten nie einen finan­zi­el­len Vor­teil erbrin­gen – so die kurz­fris­ti­ge Rech­nung.

Rich­tig ist aber, dass ver­hin­der­te Krank­hei­ten die Kos­ten im Nach­hin­ein für die gesam­te Ver­si­cher­ten­ge­mein­de sen­ken. Ein paar exem­pla­ri­sche Krank­hei­ten, die bei­spiels­wei­se mit hohen Kos­ten ein­her­ge­hen, die von den Kran­ken­kas­sen über­nom­men wer­den, sind die­se:

  • Lun­gen­krebs und COPD
  • Depres­sio­nen
  • Mal­for­ma­tio­nen des Bewe­gungs­ap­pa­ra­tes und ent­spre­chen­de The­ra­pi­en
  • Ope­ra­tio­nen infol­ge von Organ­schä­den
  • Dau­er­haf­te Medi­ka­men­ten­ga­be

Es ist offen­sicht­lich, dass vie­le die­ser Lei­den ver­hin­dert wer­den kön­nen, wenn die Risi­ko­fak­to­ren mini­miert wer­den. Und genau hier setzt Gesund­heits­för­de­rung an. Es liegt letz­ten Endes aber bei den Ver­si­cher­ten selbst, die­se Ange­bo­te auch wahr­zu­neh­men. Gesun­de Ver­si­cher­te sind – und damit zurück zur Wirt­schaft­lich­keit von Kran­ken­kas­sen – gewinn­brin­gen­de Ver­si­cher­te.

Warum Betriebe immer mehr auf Gesundheitsförderung setzen

Einem gesun­den Kör­per wohnt ein gesun­der Geist inne. Was für das Indi­vi­du­um stimmt, stimmt somit auch auto­ma­tisch für den Erfolg eines jeden Betrie­bes. Denn wo Men­schen sich trotz kör­per­li­cher Belas­tung noch wohl füh­len, ist die Moti­va­ti­on zuhau­se. Für Unter­neh­men ist es also sinn­voll, ihren Mit­ar­bei­tern Mög­lich­kei­ten zur Gesund­heits­för­de­rung zu bie­ten.

Prak­tisch ver­hält es sich dabei so, dass Kran­ken­kas­sen mit Unfall­ver­si­che­run­gen und der Arbeits­schutz­be­hör­de zusam­men agie­ren, um die betrieb­li­che Gesund­heits­för­de­rung auf den Weg zu brin­gen. Zu unter­schei­den sind Maß­nah­men zur Ver­hin­de­rung der Erkran­kung, zur Gene­se und zum wei­te­ren Wohl­be­fin­den. Bei letz­te­ren Maß­nah­men flie­ßen ins­be­son­de­re Über­le­gun­gen zur Work-Life-Balan­ce und das psy­chi­sche Wohl­be­fin­den mit ein. Auch kön­nen betrieb­li­che Sport­stät­ten und Erho­lungs­räu­me (bei­spiels­wei­se Sau­nen) hier­un­ter fal­len.

Es wer­den Kon­zep­te erar­bei­tet, die zum Arbeits­ort pas­sen. Die Fol­ge­schrit­te wer­den in Maß­nah­men auf der Ver­hält­nis- und auf der Ver­hal­tens­ebe­ne unter­teilt. Auf der Ver­hält­nis­ebe­ne wer­den kon­kre­te Schrit­te umge­setzt, wie etwa:

  • Ergo­no­misch sinn­vol­le Büro­mö­bel
  • E-Mail-Sper­re nach Fei­er­abend
  • Umbau von rücken­schä­di­gen­den Arbeits­sta­tio­nen

Auf der Ver­hal­tens­ebe­ne geht es um den ein­zel­nen Mit­ar­bei­ter, dem Ange­bo­te gemacht wer­den. Hier­un­ter fal­len bei­spiels­wei­se:

  • Gesund­heits- und Ernäh­rungs­kur­se
  • Ent­span­nungs- und Rück­zugs­räu­me
  • Fir­men­sport
  • inter­ne Seel­sor­ge

Ent­spre­chen­de Ange­bo­te kön­nen durch die Zusam­men­ar­beit der Kran­ken­kas­sen, ihren Sach­ver­stän­di­gen sowie wei­te­ren Stel­len erstellt wer­den. Kran­ken­kas­sen betei­li­gen sich finan­zi­ell an den Kos­ten, die Maß­nah­men zur Gesund­heits­för­de­rung im Betrieb mit sich brin­gen.

Dar­über hin­aus ist es für einen Arbeit­ge­ber mög­lich, jähr­lich bis zu 500 Euro pro Jahr und Mit­ar­bei­ter auf­zu­wen­den, um Gesund­heits­prä­ven­ti­on oder -för­de­rung zu leis­ten. Es han­delt sich hier­bei meis­tens um Pro­duk­te oder finan­zi­el­le Bei­hil­fen zur Gesund­heits­för­de­rung und Erho­lung. Die­se müs­sen nicht als geld­wer­ter Vor­teil ver­steu­ert wer­den, sind also lohn­steu­er­frei.

Inso­fern Betrie­be Maß­nah­men zur Krank­heits­prä­ven­ti­on und Gesund­heits­för­de­rung eta­blie­ren wol­len, ist es sinn­voll, sich an eine Kran­ken­kas­se zu wen­den, bei der auch ein Teil der Beleg­schaft ver­si­chert ist.



Förderungen auf individueller Ebene

Die meis­ten Ange­bo­te zur Erhal­tung und För­de­rung der Gesund­heit wer­den noch immer im pri­va­ten Rah­men in Anspruch genom­men und sind meis­tens in Form von Sport-, Ent­span­nungs- und Kurs­an­ge­bo­ten genutzt.

Sehr vie­le Kran­ken­kas­sen bie­ten etwa ein Bonus­pro­gramm mit finan­zi­el­lem Anreiz. So sol­len die Ver­si­cher­ten dazu moti­viert wer­den, etwas für ihre Gesund­heit zu tun. Maß­nah­men, die ver­gü­tet wer­den, sind etwa:

  • Sport­ver­eins­mit­gleid­schaf­ten und Sport
  • ein gesun­des Gewicht
  • Ziga­ret­ten­ver­zicht
  • Vor­sor­ge­un­ter­su­chun­gen
  • medi­zi­ni­sche Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men

Hier haben die Kran­ken­kas­sen sehr indi­vi­du­el­le Pro­gram­me. In kei­nem Fall wiegt der finan­zi­el­le Vor­teil die Kos­ten für Sport­kur­se und Ähn­li­ches auf. Den­noch sind sol­che Ange­bo­te gera­de für ohne­hin gesund­heits­be­wuss­te Men­schen attrak­tiv.

Im Fokus ste­hen bei den bezu­schuss­ten und über­nom­me­nen Leis­tun­gen durch die Kran­ken­kas­sen Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men. Hier­un­ter zäh­len bei­spiels­wei­se Brust­krebs-Scree­ning, Darm­krebs­vor­sor­ge, Zahn­kon­trol­len und vie­le wei­te­re medi­zi­ni­sche Vor­sor­ge­un­ter­su­chun­gen, die in bestimm­ten Zeit­ab­stän­den erfol­gen soll­ten. Die­se wer­den nahe­zu immer voll­stän­dig von den ent­spre­chen­den Kas­sen bezahlt.

Wei­ter­hin gibt es auch Sport- und Fit­ness­an­ge­bo­te. Hier ist die Sache etwas kom­pli­zier­ter, denn die Kran­ken­kas­sen stel­len Ansprü­che an die Pro­fes­sio­na­li­tät. Pri­va­tes Box­trai­ning wird so nie­mals bezu­schusst wer­den. Viel­mehr müs­sen ange­bo­te­ne Gesund­heits­kur­se wis­sen­schaft­lich fun­diert und durch einen aus­ge­bil­de­ten Trai­ner gelei­tet wer­den. In vie­len Sport­stät­ten gibt es Kur­se, die zusam­men mit der Kran­ken­kas­se ent­wor­fen wur­den. Häu­fig fin­den sich ent­spre­chen­de Pla­ka­te und Hin­wei­se, ins­be­son­de­re in Fit­ness­stu­di­os und Schwimm­bä­dern.

Die Bezu­schus­sung sol­cher Kur­se durch die Kran­ken­kas­sen beträgt in der Regel 80 bis 90 Pro­zent der Kurs­ge­büh­ren, wobei der Zuschuss von cir­ca 75 bis 100 Euro reicht. Das heißt, dass kos­ten­in­ten­si­ve­re Kurs­an­ge­bo­te zu einer höhe­ren Selbst­be­tei­li­gung füh­ren. Beson­ders prä­sent in der indi­vi­du­el­len Gesund­heits­för­de­rung sind der­zeit das Rücken­trai­ning, das Schwim­men und sons­ti­ger leich­ter Sport, der vor allem dem Bewe­gungs­ap­pa­rat dient. In Anbe­tracht des­sen, dass Men­schen häu­fig zu viel sit­zen und sich zu wenig bewe­gen, ist dies auch ange­bracht.

Förderung von Kursen zur Gesundheitsprävention durch die Krankenkasse beantragen

Wer einen Kurs zur Gesund­heits­prä­ven­ti­on in Anspruch neh­men möch­te, soll­te sich drin­gend vor­her bei sei­ner Kran­ken­kas­se dar­über schlau­ma­chen, wel­che För­de­rungs­mög­lich­kei­ten bestehen. Dies regeln alle Kran­ken­kas­sen und alle Stand­or­te unter­schied­lich. Es hängt auch von der bis­he­ri­gen Krank­heits­ge­schich­te, den loka­len Kapa­zi­tä­ten und wei­te­ren Über­le­gun­gen ab, ob und wie etwas geför­dert wird.

Grund­sätz­lich haben Kur­se, die zur Prä­ven­ti­on von Krank­hei­ten die­nen, eine bes­se­re Chan­ce, als Erho­lungs­an­ge­bo­te. Aqua-Fit­ness, die Rau­cher­ent­wöh­nung und Rücken­trai­ning sind häu­fig bezu­schuss­te Kur­se. Wo die Kran­ken­kas­se sel­ber einen Kurs anbie­tet, kann der Ver­si­cher­te meis­tens kos­ten­los teil­neh­men. Ansons­ten gilt die oben genann­te För­de­rung des Kur­ses. Die Kran­ken­kas­se för­dert zudem maxi­mal zwei Maß­nah­men im Jahr. Vor der För­de­rung wird über­prüft, ob der Kurs dem Leit­fa­den Prä­ven­ti­on genügt. Eine Über­sicht über loka­le Ange­bo­te fin­den Ver­si­cher­te online auf den Sei­ten ihrer Kran­ken­kas­se.

Zusa­gen der Kran­ken­kas­se zur För­de­rung von expli­zi­ten Kur­sen kön­nen zudem schrift­lich ein­ge­holt wer­den. Es ist wich­tig, dass auch wirk­lich der bespro­che­ne Kurs in Anspruch genom­men wird und nicht etwa ein ähn­li­ches Ange­bot in einer ande­ren Sport- und Gesund­heits­stät­te.

Kon­kre­te Chan­cen auf För­de­rung haben laut GKV-Spit­zen­ver­band:

  • ver­hal­tens­ori­en­tier­te Bewe­gungs­pro­gram­me
  • sport­li­che Betä­ti­gung des gesam­ten Kör­pers
  • Ent­span­nungs­tech­ni­ken wie Qigong und auto­ge­nes Trai­ning
  • Ernäh­rungs­kur­se
  • Sucht­ent­wöh­nung

Nicht geför­dert wer­den:

  • Ver­eins­mit­glied­schaf­ten
  • Kur­se, die auf das Ver­trei­ben von Begleit­pro­duk­ten (Diät­pil­len, Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel etc.) aus­ge­legt sind
  • Mas­sa­gen
  • ein­sei­ti­ge Bewe­gung; das Erler­nen einer Sport­art

Bei Kurs­an­ge­bo­ten ist eine Bezu­schus­sung durch die Kran­ken­kas­se nur denk­bar, wenn eine Erho­lungs­kur nach­weis­lich zur Prä­ven­ti­on eines Krank­heits­aus­bru­ches die­nen kann. Die­se Kurs­an­ge­bo­te wer­den von vie­len Kran­ken­kas­sen in der Regel nicht über­nom­men.

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Gesundheitsprävention – ein Fazit

Gesund­heits­prä­ven­ti­on hilft dabei, nicht zu erkran­ken. Die För­de­rung der Kran­ken­kas­sen für ent­spre­chen­de Maß­nah­men betrug für betrieb­li­che Gesund­heits­prä­ven­ti­on und -för­de­rung 2017 158 Mil­lio­nen Euro und für indi­vi­du­el­le Ange­bo­te 203 Mil­lio­nen Euro (Quel­le: GKV-Spit­zen­ver­band; Prä­ven­ti­ons­be­richt). Ins­ge­samt wur­den 1,68 Mil­lio­nen Kurs­teil­nah­men ver­zeich­net und 1,75 Mil­lio­nen Men­schen in Betrie­ben erreicht. Die Ten­denz ist stei­gend.

Gesund­heits­prä­ven­ti­on liegt den­noch größ­ten­teils in der Ver­ant­wor­tung des Ein­zel­nen. Somit liegt es beim Ver­si­cher­ten selbst, sich Gedan­ken zu für ihn sinn­vol­le Maß­nah­men zu machen. Gera­de kör­per­lich belas­te­te Men­schen pro­fi­tie­ren von den bezu­schuss­ten und ange­bo­te­nen Kur­sen und kön­nen ihre Gesund­heit bes­ser erhal­ten. Das Ange­bot der Kran­ken­kas­se bezüg­lich der Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men min­des­tens ein­mal zu sich­ten, kann sich des­halb nur loh­nen.

Gleich­zei­tig redu­ziert die Prä­ven­ti­on von Krank­hei­ten auch die Fol­ge­kos­ten für die Gemein­schaft der Ver­si­cher­ten. Indi­vi­du­el­le Gesund­heits­vor­sor­ge sowie betrieb­li­che Maß­nah­men hel­fen dabei, die gesam­te Gesell­schaft zu ent­las­ten.

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