Mundgeruch – Ursachen und Bekämpfung

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 12.08.2019 Lesezeit: 6 Minuten

Rund jeder vier­te Bür­ger der deut­schen Bevöl­ke­rung ist von Mund­ge­ruch betrof­fen. In der Regel ste­cken in sehr sel­te­nen Fäl­len ernst­haf­te gesund­heit­li­che Pro­ble­me hin­ter dem unan­ge­neh­men Geruch aus dem Mund. Den­noch ist es ein sehr gro­ßes Pro­blem, das die Betrof­fe­nen immer mehr in die sozia­le Iso­la­ti­on treibt. Infol­ge des schlecht rie­chen­den Atems wer­den Gesprä­che und sozia­le Inter­ak­tio­nen gemie­den.

Mund­ge­ruch ist zudem ein ech­tes Tabu­the­ma, das kein Betrof­fe­ner frei­wil­lig offen anspricht. Das muss jedoch nicht sein, denn es gibt vie­le effek­ti­ve Hilfs­maß­nah­men, um den schlech­ten Atem zu besei­ti­gen und neu­er Geruchs­bil­dung vor­zu­beu­gen.

Das Wich­tigs­te vor­ab:
  • Lang­an­hal­ten­der Mund­ge­ruch kann unter Umstän­den ein Hin­weis auf eine Grund­er­kran­kung sein. In die­sem Fall soll­te ärzt­li­cher Rat ein­ge­holt wer­den.
  • Auch Fas­ten­ku­ren, Diä­ten und Medi­ka­men­te wie Anti­de­pres­si­va oder Anti­bio­ti­ka kön­nen Mund­ge­ruch för­dern.
  • Auch Mund­tro­cken­heit infol­ge von zu gerin­ger Flüs­sig­keits­zu­fuhr steht im engen Zusam­men­hang mit unan­ge­neh­mer Geruchs­bil­dung.
  • Die Natur bie­tet wirk­sa­me Hil­fe: Pfef­fer­min­ze, Kaf­fee­boh­nen, Zitro­ne, Ing­wer oder Peter­si­lie hel­fen gegen übel rie­chen­den Atem.
  • Wert­vol­le Hil­fe bie­ten auch Chlo­ro­phyll-Tablet­ten oder Kau­gum­mis.
Was hilft bei Mundgeruch
Mundgeruch – Ursachen und Bekämpfung

Mundgeruch – was ist das eigentlich?

Die medi­zi­ni­sche Fach­be­zeich­nung für Mund­ge­ruch lau­tet „Hali­to­sis und Foe­tor ex ore“. Hier­mit wird ein schlecht rie­chen­der Atem bezeich­net, der aus dem Mund­raum kommt. Der schlech­te Atem hat nur in äußerst sel­te­nen Fäl­len tat­säch­lich ernst­haf­te Ursa­chen, den­noch stellt er für die Betrof­fe­nen ein immenses Pro­blem dar, denn sie trau­en sich im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes nicht, den „Mund auf­zu­ma­chen“.

Medi­zinex­per­ten unter­schei­den im All­ge­mei­nen zwi­schen „Foe­tor ex ore“ und „Hali­to­sis“:

  • Foe­tor ex ore: Hier­mit ist schlech­ter Geruch gemeint, der beim Aus­at­men ent­steht. Die­ser übel rie­chen­de Geruch ist also nur dann wahr­nehm­bar, wenn der Mund offen ist oder wenn gespro­chen wird. Die Ursa­chen lie­gen meis­tens an den Rachen­man­deln oder in der Mund­höh­le selbst.
  • Hali­to­sis: Hier ist der schlech­te Geruch bereits beim Aus­at­men durch die Nase zu rie­chen. Ledig­lich rund 10 Pro­zent aller betrof­fe­nen Per­so­nen lei­den unter die­ser Form des Mund­ge­ruchs. Die Ursa­chen lie­gen hier nicht nur in der Mund­höh­le, son­dern vor allem auch im Rachen- und Nasen­raum.

Mundgeruch Ursachen

Der Mund­raum des Men­schen wird von rund 800 bis 1000 unter­schied­li­chen Bak­te­ri­en besie­delt. Um fort­be­stehen zu kön­nen, nut­zen die­se Bak­te­ri­en ver­blei­ben­de Zell­res­te und Nah­rungs­be­stand­tei­le. In Form von Plaque set­zen sie sich teil­wei­se spür­bar an den Zahn­ober­flä­chen ab. Sie gedei­hen beson­ders gut an den Stel­len im Mund­raum, die von der täg­li­chen Hygie­ne nicht voll­stän­dig erfasst wer­den. Ein opti­ma­ler Nähr­bo­den für die­se Bak­te­ri­en ist zum einen die Zun­ge, mit ihrer gro­ßen Ober­flä­che und zum ande­ren die Zahn­zwi­schen­räu­me.

Bei der Nah­rungs­ver­wer­tung set­zen man­che die­ser Mikro­or­ga­nis­men eini­ge Neben­pro­duk­te frei wie zum Bei­spiel Schwe­fel­ver­bin­dun­gen, Poly­ami­ne und Fett­säu­ren. Dies führt schließ­lich zur Ent­ste­hung von Mund­ge­ruch.

Auch Fas­ten­ku­ren oder Diä­ten sowie bestimm­te Medi­ka­men­te kön­nen der Aus­lö­ser für schlech­ten Atem sein.

Eine beson­de­re Rol­le bei der Ver­mei­dung von Mund­ge­ruch kommt dem Spei­chel zu. Er umspült zum einen die Zäh­ne und trägt zum ande­ren Nah­rungs­res­te inklu­si­ve Pilz­spo­ren und Bak­te­ri­en davon. Des Wei­te­ren sind im Spei­chel anti­bak­te­ri­el­le Bestand­tei­le ent­hal­ten, die den Zahn­schmelz schüt­zen. Das erklärt einen schlecht rie­chen­den Atem am Mor­gen, denn im Schlaf wird weni­ger Spei­chel pro­du­ziert und gleich­zei­tig die Schluck­ak­ti­vi­tät ver­min­dert. Das begüns­tigt die Geruchs­bil­dung.

Ein übel rie­chen­der Atem aus dem Mund­raum ent­steht in den meis­ten Fäl­len infol­ge von Pro­ble­men in der Mund­höh­le. So kön­nen bei­spiels­wei­se Zahn­fleisch­ent­zün­dun­gen oder Kari­es die Ent­ste­hung von Mund­ge­ruch begüns­ti­gen.

Die ora­len Ursa­chen auf einen Blick – Mund­ge­ruch im Mund­raum:

  • man­geln­de Zahn­hy­gie­ne wie zum Bei­spiel Kari­es oder bak­te­ri­el­ler Zahn­be­lag
  • schlech­te Zun­gen­hy­gie­ne wie bei­spiels­wei­se bak­te­ri­el­ler Zun­gen­be­lag
  • Zahn­fleisch­ent­zün­dun­gen
  • Par­odon­ti­tis
  • Pilz­in­fek­tio­nen in der Mund­höh­le
  • tro­cke­ner Mund auf­grund von Schnar­chen, über­mä­ßi­gem Stress oder einer zu gerin­gen Flüs­sig­keits­zu­fuhr
  • Abszes­se oder Tumo­re

Extra­o­ra­le, das heißt, außer­halb des Mund­raums lie­gen­de Ursa­chen kön­nen sein:

  • Man­del­ent­zün­dun­gen oder Sinu­si­tis (Pro­ble­me im Hals-Nasen-Ohren-Bereich)
  • Nah­rungs­mit­tel­all­er­gi­en
  • Fas­ten­ku­ren und Diä­ten
  • bestimm­te Arznei­prä­pa­ra­te wie zum Bei­spiel Anti­bio­ti­ka oder Anti­de­pres­si­va
  • Stress
  • Schwan­kun­gen im hor­mo­nel­len Haus­halt wie bei­spiels­wei­se in den Wech­sel­jah­ren
  • Grund­er­kran­kun­gen wie zum Bei­spiel Reflux oder Dia­be­tes

Kurz­fris­tig auf­tre­ten­der Mund­ge­ruch ist vor allem eine Fol­ge von bestimm­ten Genuss- oder Lebens­mit­teln. Hier­zu gehört zum Bei­spiel Knob­lauch, der mit sei­nem Inhalts­stoff „Alli­cin“ für die bekann­ten „Aus­düns­tun­gen“ sorgt. Die­sen Inhalts­stoff baut der mensch­li­che Kör­per in der Regel inner­halb von 24 Stun­den ab und son­dert ihn über den Urin, die Haut und den Schweiß aus.

Die mög­li­chen Aus­lö­ser für kurz­fris­ti­gen Mund­ge­ruch:

  • bestimm­te Genuss­mit­tel wie zum Bei­spiel Niko­tin oder Alko­hol
  • bestimm­te Nah­rungs­mit­tel wie zum Bei­spiel Zwie­beln oder Knob­lauch
  • Mund­tro­cken­heit, bei­spiels­wei­se infol­ge einer län­ge­ren Mund­at­mung oder zu wenig Flüs­sig­keit

Wie lässt sich Mundgeruch feststellen?

Im All­ge­mei­nen kann durch die Metho­de des Anhau­chens fest­ge­stellt wer­den, ob Mund­ge­ruch vor­liegt oder nicht. Das geht auch allei­ne oder zusam­men mit einer Ver­trau­ens­per­son. Wie stark der Mund­ge­ruch aus­ge­prägt ist, lässt sich anhand einer fest defi­nier­ten Ska­la beur­tei­len:

  • Kann der Mund­ge­ruch aus ca. 10 Zen­ti­me­tern Ent­fer­nung wahr­ge­nom­men wer­den, wird von einem leich­ten Mund­ge­ruch gespro­chen.
  • Kann der übel rie­chen­de Atem aus ca. 30 Zen­ti­me­ter Ent­fer­nung wahr­ge­nom­men wer­den, wird von mitt­le­rem Mund­ge­ruch gespro­chen.
  • Kann der Geruch aus dem Mund­raum aus rund einem Meter wahr­ge­nom­men wer­den, liegt ein star­ker Mund­ge­ruch vor.

Wie kann man Mundgeruch bekämpfen?

Um selbst­si­cher auf­tre­ten und inter­agie­ren zu kön­nen, ist ein fri­scher Atem eine Grund­vor­aus­set­zung. Aus die­sem Grund ist es sehr wich­tig, recht­zei­tig gegen mög­li­che Ursa­chen und Risi­ko­fak­to­ren vor­zu­ge­hen. Eine sehr gute Mund­hy­gie­ne ist hier eine abso­lu­te Basis­maß­nah­me:

  1. Zäh­ne gründ­lich und regel­mä­ßig rei­ni­gen: Im Ide­al­fall wird zwei Mal täg­lich (mor­gens und abends) geputzt. Üben Sie beim Put­zen nicht zu viel Druck aus.
  2. Die Zahn­zwi­schen­räu­me nicht ver­ges­sen: Bak­te­ri­en sind eine der Haupt­ur­sa­chen für die Ent­ste­hung von übel rie­chen­dem Atem und set­zen sich beson­ders gern in den Zahn­zwi­schen­räu­men ab. Um die­se Bak­te­ri­en gezielt zu besei­ti­gen, reicht eine nor­ma­le Zahn­bürs­te oft gar nicht aus. Hier kann zu Sei­de oder zu spe­zi­el­len Inter­den­tal­bürs­ten gegrif­fen wer­den.
  3. Zun­ge regel­mä­ßig rei­ni­gen: Die Zun­gen­rei­ni­gung ist ein fes­ter Bestand­teil der Mund­hy­gie­ne und eine grund­le­gend wich­ti­ge Maß­nah­me bei der Besei­ti­gung von Mund­ge­ruch. Hier­für gibt es spe­zi­el­le Zun­gen­rei­ni­ger und Zun­gen­bürs­ten. Ganz wich­tig ist hier, die Zun­ge von hin­ten nach vor­ne und ohne Druck zu rei­ni­gen!
  4. Zahn­bürs­te wech­seln: Rei­ni­gen Sie Ihre Zahn­bürs­te gründ­lich und wech­seln Sie die­se spä­tes­tens alle ein bis zwei Mona­te durch eine neue Bürs­te aus.

Tipps und wertvolle Maßnahmen gegen Mundgeruch

Nach dem Essen von Knob­lauch hilft der Ver­zehr von Milch­pro­duk­ten und Chlo­ro­phyll-Tablet­ten gegen schlech­ten Atem.
  1. Offen mit die­sem Tabu­the­ma umge­hen: Ein offe­ner Umgang ist der ers­te wich­ti­ge Schritt, um ihn los­zu­wer­den. Es ist wich­tig, recht­zei­tig die Ursa­chen zu erfor­schen und eine geeig­ne­te Behand­lung ein­zu­lei­ten.
  2. Kau­gum­mi gegen Mund­ge­ruch: Grund­sätz­lich kann Kau­gum­mi einen übel rie­chen­den Atem nicht bekämp­fen, denn der Pfef­fer­minz­ge­ruch über­deckt meis­tens nur den schlech­ten Atem. Kau­gum­mikau­en regt aber die Spei­chel­pro­duk­ti­on an, was sich wie­der­um sehr posi­tiv aus­wir­ken kann. Mund­tro­cken­heit ist ein bedeu­ten­der Risi­ko­fak­tor für die Ent­ste­hung von Mund­ge­ruch.
  3. Den Mund­raum hygie­nisch sau­ber hal­ten: Die Haupt­ur­sa­chen für die Ent­ste­hung von Mund­ge­ruch lie­gen im Mund­raum. Bak­te­ri­en in den Zahn­zwi­schen­räu­men, Zahn­fleisch­ent­zün­dun­gen, Plaque oder Kari­es kön­nen einen schlech­ten Atem zur Fol­ge haben. Rei­ni­gen Sie also regel­mä­ßig und ordent­lich und ver­ges­sen Sie dabei auch die Zun­ge nicht. Eine pro­fes­sio­nel­le Zahn­rei­ni­gung durch den Zahn­arzt soll­te ein bis zwei Mal pro Jahr unbe­dingt in Anspruch genom­men wer­den. Das ist eine sehr wich­ti­ge Pro­phy­la­xe gegen die Ent­ste­hung von Mund­ge­ruch.
  4. SOS-Hil­fe: Wenn bestimm­te Genuss­mit­tel oder Lebens­mit­tel einen unan­ge­neh­men Mund­ge­ruch hin­ter­las­sen, kön­nen bewähr­te Haus­mit­tel wei­ter­hel­fen. So hilft es zum Bei­spiel unge­fähr zehn Minu­ten lang auf fri­schen Kräu­ter­blät­tern wie zum Bei­spiel Sal­bei, Peter­si­lie oder Min­ze zu kau­en. Gegen einen knob­lauch­ar­ti­gen Mund­ge­ruch kann auch ein Glas Milch hel­fen.
  5. Mund­spü­lun­gen: Auch die geziel­te Nut­zung von Mund­spü­lun­gen kann sehr wirk­sam für einen ange­neh­men und fri­schen Atem sor­gen. Eini­ge Pro­duk­te wir­ken zudem anti­bak­te­ri­ell.
  6. Reich­lich trin­ken: Ist der Mund­raum zu tro­cken, kann sich leicht ein schlech­ter Geruch ent­wi­ckeln. Aus die­sem Grund soll­te die Spei­chel­pro­duk­ti­on immer ange­regt wer­den. Die abso­lu­te Grund­la­ge hier­für ist eine aus­rei­chen­de Flüs­sig­keits­zu­fuhr.
  7. Regel­mä­ßig zum Zahn­arzt gehen: Kon­troll­un­ter­su­chun­gen beim Zahn­arzt sind ein Muss. Er kann Ent­zün­dun­gen oder Zahn­pro­ble­me wie zum Bei­spiel Kari­es besei­ti­gen und somit für einen fri­schen Atem sor­gen.
  8. Klei­ne Haus­mit­tel mit gro­ßer Wir­kung: Auch Kaf­fee­boh­nen­kau­en kann gegen unan­ge­neh­me Gerü­che im Mund­raum hel­fen. Das ist nicht jeder­manns Sache, kann jedoch dann wirk­sam hel­fen, wenn Mund­ge­ruch eine Fol­ge von Magen­pro­ble­men ist. Die Kaf­fee­boh­nen neu­tra­li­sie­ren den sau­ren Geschmack des Auf­sto­ßens. Zitro­ne kann gegen einen zu tro­cke­nen Mund zum Ein­satz kom­men. Zitro­nen regen die Spei­chel­drü­sen zur ver­mehr­ten Spei­chel­pro­duk­ti­on an.

Welche Wirkung haben Chlorophyll-Tabletten gegen Mundgeruch?

Chlo­ro­phyll, der grü­ne Pflan­zen­farb­stoff ist eine natür­li­che Hil­fe gegen Mund­ge­ruch. Die­ser natür­li­che Wirk­stoff hat eine geruchs­neu­tra­li­sie­ren­de Eigen­schaft: Chlo­ro­phyll bremst die Bak­te­ri­en im Mund­raum aus, die für die Nah­rungs­zer­set­zung ver­ant­wort­lich sind. Chlo­ro­phyll kann in Tablet­ten­form aber auch als Kau­gum­mi ein­ge­nom­men wer­den und bie­tet somit eine geziel­te Hil­fe gegen unan­ge­neh­me Gerü­che aus der Mund­höh­le.





Sind Mundspülungen eine langfristige Lösung gegen Mundgeruch?

Anti­bak­te­ri­el­le Mund­spü­lun­gen soll­ten grund­sätz­lich nicht dau­er­haft zur Anwen­dung kom­men, denn sie töten nicht nur die geruchs­bil­den­den Bak­te­ri­en, son­dern lei­der auch die nütz­li­chen Bak­te­ri­en der Mund­flo­ra. Wesent­lich emp­feh­lens­wer­ter ist ein Zun­gen­scha­ber, der den Zun­gen­be­lag tie­fen­wirk­sam ent­fernt.

Quellen

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