Gicht

Was bedeutet “Gicht”?

Bei einer Gicht han­delt es sich um eine Erkran­kung, die durch erhöh­te Harn­säu­re­spie­gel im Blut zustan­de kommt. Dabei kön­nen ver­schie­de­ne Ursa­chen für die Erkran­kung vor­lie­gen. Die Harn­säu­re im Blut führt dazu, dass sich Urat­kris­tal­le im Kör­per und vor­zugs­wei­se in den Gelen­ken abla­gern. Urat­kris­tal­le sind Sal­ze der Harn­säu­re, die nor­ma­ler­wei­se über den Urin aus­ge­schie­den wer­den.

Akuter Gichtanfall

Bei einem aku­ten Gicht­an­fall kommt es meist zu einer schmerz­haf­ten Schwel­lung eines Gelen­kes. Am häu­figs­ten betrof­fen sind die Fin­ger- und Zehen­ge­len­ke. Aller­dings kön­nen auch alle ande­ren Gelen­ke wie die Knie-, Hand- und Ellen­bo­gen­ge­len­ke betrof­fen sein. Durch die Ent­zün­dungs­re­ak­ti­on im Gelenk ist die­ses nicht nur ange­schwol­len und schmerz­haft, son­dern fühlt sich oft auch warm an. Typi­scher­wei­se tritt ein Gicht­an­fall nachts oder in Ruhe auf und klingt nach eini­gen Tagen wie­der ab. Hin­zu­kom­men kann ein all­ge­mei­nes Krank­heits­ge­fühl.

Dabei kön­nen von Per­son zu Per­son unter­schied­li­che Aus­lö­ser einen sol­chen Anfall ver­ur­sa­chen. Häu­fig sind dabei die fol­gen­den Situa­tio­nen:

  • Üppi­ges Essen mit viel Fleisch
  • Star­ker Alko­hol­kon­sum
  • Fas­ten
  • Ein­wir­kung von Käl­te

Chronische Gicht

Eine Chro­ni­sche Gicht ent­steht, wenn aku­te Gicht­an­fäl­le unthe­ra­piert blei­ben oder nicht aus­rei­chend the­ra­piert wer­den und immer wie­der auf­tre­ten. Dabei kommt es mit der Zeit zu einer Schä­di­gung der betrof­fe­nen Gelen­ke. Es kommt zur Aus­bil­dung von Gicht­kno­ten im Gewe­be oder in den Kno­chen und Gelen­ken. Dabei han­delt es sich um Urat­ab­la­ge­run­gen, die oft schmerz­lo­se, weiß­li­che Kno­ten bil­den. Zudem kann die­se chro­ni­sche Form Abla­ge­run­gen in den Nie­ren ver­ur­sa­chen, die sich durch Nie­ren­stei­ne oder ande­re Nie­ren­er­kran­kun­gen äußern kön­nen.

Ursachen

Es gibt unter­schied­li­che Ursa­chen, die zu einer Gicht füh­ren kön­nen. Dabei wird zwi­schen pri­mä­rer und sekun­dä­rer Gicht unter­schie­den. Bei der häu­fi­gen pri­mä­ren Form han­delt es sich vor­wie­gend um eine gene­ti­sche Ver­an­la­gung, die meist durch einen unge­sun­den Lebens­stil zum Vor­schein kommt. Sie tritt gehäuft zusam­men mit dem Meta­bo­li­schen Syn­drom auf. Nur in etwa einem Pro­zent der Fäl­le liegt ein gene­ti­scher Enzym­man­gel mit ver­mehr­ter Pro­duk­ti­on von Harn­säu­re vor, der bereits im ers­ten Lebens­jahr zu einem schwe­ren und lebens­be­droh­li­chen Krank­heits­bild führt (Lesch-Nyhan-Syn­drom). In 99% der Fäl­le ist ledig­lich eine Ver­an­la­gung zu einer schlech­te­ren Harn­säu­re­aus­schei­dung über die Nie­re gege­ben, die über den Lebens­stil stark beein­flusst wer­den kann. Zu den beein­fluss­ba­ren Risi­ko­fak­to­ren bei einer pri­mä­ren Gicht­er­kran­kung gehö­ren:

  • Eine Ernäh­rung mit viel Fleisch
  • Alko­hol­kon­sum
  • Kal­zi­um­ar­me Ernäh­rung
  • Über­ge­wicht
  • Bewe­gungs­man­gel

Bei der sekun­dä­ren Form liegt eine Grund­er­kran­kung vor, die den Harn­säu­re-Stoff­wech­sel beein­flusst. Aller­dings macht die­se Form nur etwa 10% aller Gicht­er­kran­kun­gen aus. Hier unter­schei­det man zwi­schen einer zu gerin­gen Aus­schei­dung der Harn­säu­re über die Nie­ren oder einer ver­mehr­ten Bil­dung von Harn­säu­re.

Verminderte Harnsäureausscheidung

  • Nie­ren­er­kran­kun­gen
  • Eine Über­säue­rung des Blu­tes (Azi­do­se) auf­grund eines ent­gleis­ten Dia­be­tes (Keto­a­zi­do­se) oder einem Über­schuss an Lak­tat, das bei­spiels­wei­se bei einer Über­las­tung der Mus­ku­la­tur anfällt (Lak­ta­ta­zi­do­se)
  • Bestimm­te Medi­ka­men­te

Erhöhte Harnsäurebildung

Ein ver­mehr­ter Anfall von Harn­säu­re ent­steht oft durch die Zer­stö­rung von Kör­per­zel­len. Zu den mög­li­chen Ursa­chen zäh­len somit:

  • Schnel­ler Zer­fall von Tumor­zel­len (Tumor­ly­se­syn­drom)
  • Sys­te­mi­sche Erkran­kun­gen (häu­fig chro­nisch-ent­zünd­lich)
  • Ope­ra­ti­ve Ein­grif­fe
  • Erkran­kun­gen mit Zer­stö­rung der roten Blut­kör­per­chen (Hämo­ly­ti­sche Anämi­en)

Diagnostik

Wie bei den meis­ten Erkran­kun­gen gilt auch hier, der Ursa­che der Beschwer­den auf den Grund zu gehen. Dabei zeigt ein aku­ter Gicht­an­fall oft klas­si­sche Sym­pto­me. Daher kann eine aus­führ­li­che Befra­gung und Begut­ach­tung der betrof­fe­nen Gelen­ke bereits weg­wei­send sein.

Zur Siche­rung der Dia­gno­se und um ande­re Ursa­chen aus­zu­schlie­ßen, kann eine Gelenk­punk­ti­on sinn­voll sein. Wei­ter­hin sieht der Arzt anhand eines Rönt­gen­bil­des, ob es bereits zu Schä­den im Gelenk gekom­men ist. Ergän­zend kann eine Blut­un­ter­su­chung Auf­schluss brin­gen. Jedoch schlie­ßen nor­ma­le Harn­säu­re­wer­te im Blut nicht aus, dass es sich um eine Gicht han­delt.

Therapiemöglichkeiten

Bei der The­ra­pie wird auf­ge­teilt zwi­schen all­ge­mei­nen Maß­nah­men, Behand­lung eines aku­ten Anfalls und der Vor­beu­gung wei­te­rer Anfäl­le.

Allgemeine Maßnahmen

  • Diä­ti­sche Maß­nah­men mit wenig Harn­säu­re­bil­den­den Lebens­mit­teln. Zu den soge­nann­ten stark pur­in­hal­ti­gen Lebens­mit­teln, die gemie­den wer­den soll­ten, gehö­ren zum Bei­spiel: Fleisch, Fisch, Hül­sen­früch­te
  • Ver­zicht auf Alko­hol
  • Gewichts­ab­nah­me
  • Aus­rei­chend Was­ser trin­ken
  • Behand­lung einer mög­li­cher­wei­se bestehen­den Grund­er­kran­kung

Maßnahmen bei einem akuten Anfall

  • Kryo­the­ra­pie (Käl­te, um die Ent­zün­dungs­re­ak­ti­on ein­zu­däm­men)
  • Medi­ka­men­tö­se Maß­nah­men. Dabei kom­men vor allem soge­nann­te Nicht-ste­ro­ida­le Anti­rheu­ma­ti­ka (NSAR) wie Ibu­pro­fen, Indo­me­t­acin, Napro­xen oder Diclo­fe­nac zum Ein­satz. Ein wei­te­res Medi­ka­ment der Wahl sind Cor­ti­son­prä­pa­ra­te wie Predn­iso­lon. Auf­grund der stra­ken Neben­wir­kun­gen wird Col­chi­cin, das frü­her häu­fig ein­ge­setzt wur­de, nur noch ver­schrie­ben, wenn die ande­ren Medi­ka­men­te kei­ne Wir­kung zei­gen.

Vorbeugende Maßnahmen

Bereits wäh­rend des ers­ten Gicht­an­falls kann es sinn­voll sein, eine Dau­er­haf­te medi­ka­men­tö­se The­ra­pie zur Sen­kung der Harn­säu­re im Blut zu begin­nen und dann als vor­beu­gen­de Maß­nah­me wei­ter­zu­füh­ren. Dazu eig­nen sich fol­gen­de Medi­ka­men­te:

  • Uro­sta­ti­ka wie Allopu­ri­nol: Ver­min­dern durch Enzym­hem­mung die Bil­dung von Harn­säu­re
  • Uri­ko­suri­ka wie Benz­broma­ron oder Pro­ben­ecid: Ver­mehr­te Aus­schei­dung von Harn­säu­re über die Nie­ren
  • Ras­bu­ri­ca­se: Baut Harn­säu­re im Blut zu einer Sub­stanz ab, die bes­ser über die Nie­ren aus­ge­schie­den wer­den kann