Gluten-Unverträglichkeit: den Symptomen vorbeugen

Gluten-Unverträglichkeit: den Symptomen vorbeugen

Glu­ten ist ein Pro­te­in, das unter ande­rem in vie­len Wei­zen­pro­duk­ten ent­hal­ten ist. Rund 0,3 Pro­zent aller Deut­schen haben eine Unver­träg­lich­keit gegen­über Glu­ten. Wenn sie ent­spre­chen­de Pro­duk­te ver­zeh­ren, dro­hen Magen-Darm-Beschwer­den und lang­fris­ti­ge Gesund­heits­pro­ble­me. Wie Sie eine Unver­träg­lich­keit erken­nen und was bei Zölia­kie hilft erfah­ren Sie im fol­gen­den Arti­kel.

Gluten-Unverträglichkeit: Wie entsteht Zöliakie eigentlich?

Die Ent­ste­hung von Zölia­kie ist auf unter­schied­li­che Ursa­chen zurück­zu­füh­ren. 30 bis 40 Pro­zent der Betrof­fe­nen haben eine gene­ti­sche Ver­an­la­gung und erkran­ken im Lau­fe ihres Lebens an Zölia­kie, wenn die not­wen­di­gen Vor­aus­set­zun­gen dafür gege­ben sind.

Die Risi­ko­grup­pe ver­fügt über die HLA-DQ2 und DQ8 im Orga­nis­mus. Sind die­se Eiweiß­stof­fe nicht vor­han­den, ent­steht die Darm­krank­heit auch nicht. Aller­dings erkrankt nicht jede Per­son, die ein erhöh­tes Risi­ko auf­weist, an einer Glu­ten-Unver­träg­lich­keit. Betrof­fe­ne haben jedoch ein drei­mal so hohes Risi­ko.
Wenn bereits ein Ver­wand­ter ers­ten Gra­des (Geschwis­ter, Eltern oder Kin­der) an Zölia­kie erkrankt ist, besteht ein erhöh­tes Risi­ko von zehn bis fünf­zehn Pro­zent, die­se Erkran­kung zu ent­wi­ckeln. Bei einem klei­nen Teil der Betrof­fe­nen ist das Lei­den ange­bo­ren.

Weizen und Gerste als Auslöser

Die Zölia­kie wird durch den Ver­zehr glu­ten­hal­ti­ger Lebens­mit­tel wie Wei­zen oder Gers­te ver­ur­sacht. Wenn Men­schen mit einer gene­ti­schen Ver­an­la­gung ent­spre­chen­de Spei­sen ver­zeh­ren, tritt eine Ent­zün­dung im Dünn­darm auf. Die Dünn­darm­schleim­haut wird geschä­digt und es kommt zum Ver­lust der Darm­zot­ten. Lang­fris­tig führt dies dazu, dass die Nähr­stof­fe, die in den Darm gelan­gen, nicht mehr voll­stän­dig ins Blut abge­ge­ben wer­den. Meist bil­det sich die Ent­zün­dung jedoch rasch wie­der zurück, sobald die glu­ten­hal­ti­gen Lebens­mit­tel abge­setzt wer­den. Es dau­ert zwei bis vier Wochen, bis die Schleim­haut wie­der ihre nor­ma­le Dicke erreicht hat. Der Wie­der­auf­bau beschä­dig­ter Darm­zot­ten kann sogar noch län­ger dau­ern.

Zöliakie: Das passiert im Darm

Wenn betrof­fe­ne Lebens­mit­tel mit Glu­ten ver­zeh­ren, wer­den die Immun­zel­len in der Dünn­darm­schleim­haut akti­viert. Das Immun­sys­tem erkennt das Glu­ten als schäd­li­chen Erre­ger und lei­tet Maß­nah­men ein, um die­se aus dem Kör­per aus­zu­schei­den. Die Pati­en­ten lei­den an Magen-Darm-Beschwer­den und ver­spü­ren fast sofort eine Appe­tit­lo­sig­keit, durch die das Immun­sys­tem ver­hin­dern will, dass wei­te­re „Erre­ger“ in den Kör­per gelan­gen.

Bei einer akti­ven Zölia­kie kann der Darm ver­schie­de­ne Nah­rungs­be­stand­tei­le wie Fet­te, Eiweiß, Milch­zu­cker, Vit­ami­ne, Eisen und Kal­zi­um nicht mehr voll­stän­dig ver­ar­bei­ten. Die lebens­wich­ti­gen Nähr­stof­fe wer­den statt­des­sen wie­der aus­ge­schie­den. Eine län­ger anhal­ten­de Zölia­kie kann aus die­sem Grund zu ver­schie­de­nen Man­gel­er­schei­nun­gen wie Eisen­man­gel oder Vit­amin­man­gel füh­ren. Lang­fris­tig bedeu­tet das gesund­heit­li­che Kom­pli­ka­tio­nen wie Kno­chen­schwund oder Skor­but. Wer die typi­schen Zölia­kie-Sym­pto­me bemerkt, soll­te einen Arzt auf­su­chen.

Symptome einer Gluten-Unverträglichkeit

Bei vie­len Klein­kin­dern wird eine ange­bo­re­ne Zölia­kie schon in den ers­ten Lebens­mo­na­ten fest­ge­stellt. Wenn das Kind Getrei­de­pro­duk­te ver­zehrt, tre­ten meist unmit­tel­bar die typi­schen Sym­pto­me auf: Blä­hun­gen, Appe­tit­lo­sig­keit und chro­ni­sche Durch­fäl­le mit übel­rie­chen­dem Stuhl. Außer­dem kann es zu Übel­keit und Erbre­chen sowie Gewichts­ver­lust kom­men. Äußer­lich zeigt sich die Erkran­kung an dem auf­ge­bläh­ten Bauch, der mit psy­chi­schen Auf­fäl­lig­kei­ten ein­her­geht. Die betrof­fe­nen Kin­der sind meist schlecht gelaunt und wir­ken abge­schla­gen.

Bei Jugend­li­chen und Erwach­se­nen ruft die Zölia­kie oft nur unspe­zi­fi­sche Beschwer­den her­vor. Typi­sche Sym­pto­me sind Bauch­schmer­zen oder ein unre­gel­mä­ßi­ger Stuhl­gang. Bei Jugend­li­chen kann es zu Wachs­tums­ver­zö­ge­run­gen kom­men. Gele­gent­lich äußert sich die Unver­träg­lich­keit durch indi­rek­te Sym­pto­me wie Blut­ar­mut oder Osteo­po­ro­se. Jun­ge Frau­en lei­den manch­mal an einer Unfrucht­bar­keit oder an gehäuf­ten Fehl­ge­bur­ten.

Welche gesundheitlichen Komplikationen kann Gluten hervorrufen?

Glu­ten kann zu ver­schie­de­nen gesund­heit­li­chen Pro­ble­men füh­ren. Wird die Unver­träg­lich­keit nicht erkannt oder behan­delt, besteht die Gefahr einer Unter­ver­sor­gung mit Vit­ami­nen und Mine­ral­stof­fen. Zudem kön­nen sich Ent­wick­lungs­stö­run­gen wie Klein­wuchs ein­stel­len. Bei Jugend­li­chen kann sich die Puber­tät ver­zö­gern, wor­aus oft­mals auch hor­mo­nel­le und see­li­sche Beschwer­den resul­tie­ren. Men­schen, die an Zölia­kie lei­den, haben ein erhöh­tes Risi­ko für Auto­im­mun­krank­hei­ten wie Auto­im­mun­thy­reoi­di­tis (Ent­zün­dungs­lei­den der Schild­drü­se) oder Dia­be­tes mel­li­tus Typ I. Eine chro­ni­sche Zölia­kie kann mali­gne Lym­phome im Darm her­vor­ru­fen, die wie­der­um ein hohes Krebs­ri­si­ko ber­gen.

Ich habe eine Unverträglichkeit gegenüber Gluten: Was kann ich tun?

Men­schen, die an einer Glu­ten-Unver­träg­lich­keit erkrankt sind, müs­sen kom­plett auf Glu­ten ver­zich­ten. Der Stoff darf ein Leben lang nicht mehr ein­ge­nom­men wer­den, da die Erkran­kung nicht ursäch­lich behan­delt wer­den kann. Eine Radi­kal­di­ät ist oft die ers­te Maß­nah­me. Pati­en­ten kön­nen sich an einen Ernäh­rungs­be­ra­ter wen­den und gemein­sam mit die­sem einen Plan erstel­len. Die in der Regel sehr strik­te Diät führt rasch zu einer Bes­se­rung der Sym­pto­me. Die Darm­zot­ten soll­ten sich inner­halb weni­ger Wochen erneut bil­den, wäh­rend etwai­ge Lang­zeit­be­schwer­den abklin­gen.
Ver­zich­tet wer­den muss unter ande­rem auf Wei­zen­pro­duk­te, die Din­kel, Grün­kern, Kamut, Emmer und Ein­korn ent­hal­ten. Brot, Nudeln, Bier und Müs­li sind dar­um tabu. Auch gefüll­te Scho­ko­la­de und Kuchen sowie Grau­pen und Malz­pro­duk­te dür­fen allen­falls in Maßen und nur in Rück­spra­che mit dem Haus­arzt kon­su­miert wer­den. Bestimm­te Wurst­wa­ren kön­nen eben­falls Glu­ten ent­hal­ten. Betrof­fe­ne fin­den die ent­spre­chen­den Hin­wei­se auf den Lebens­mit­tel­ver­pa­ckun­gen.
Auf­grund der Ein­schrän­kun­gen setzt sich eine typi­sche Glu­ten-Dät meist aus Pro­duk­ten wie Kar­tof­feln, Nüs­sen, Sesam, Soja, Reis und Hir­se zusam­men. Buch­wei­zen ist eine belieb­te Wei­zen-Alter­na­ti­ve, die zu Brot und Nudeln ver­ar­bei­tet wer­den kann. Essen­zi­ell für eine glu­ten­freie Ernäh­rung ist auch Obst und Gemü­se. Glu­ten selbst ist nicht lebens­wich­tig.

Benötigt der Mensch Gluten?

Ein gesun­der erwach­se­ner Mensch ist nicht zwin­gend auf Glu­ten ange­wie­sen. Zwar wird die Ernäh­rung in den ers­ten Wochen einer glu­ten­frei­en Diät durch Nah­rungs­mit­tel ergänzt, lang­fris­tig kann ein aus­ge­wo­ge­ner Spei­se­plan mit den genann­ten Pro­duk­ten das Glu­ten jedoch kom­pen­sie­ren. Soll­te zugleich eine Milch­zu­cker- oder Fett-Unver­träg­lich­keit bestehen, kön­nen wei­te­re gesund­heit­li­che Pro­ble­me auf­tre­ten. Ergän­zungs­prä­pa­ra­te sind dann zumeist not­wen­dig.
Auch wenn sich kei­ne ein­deu­ti­gen Sym­pto­me ein­stel­len, muss die glu­ten­freie Diät gewis­sen­haft ein­ge­hal­ten wer­den. Eine Zölia­kie kann Schä­den an der Darm­schleim­haut ver­ur­sa­chen, die sich oft erst nach Jah­ren oder sogar Jahr­zehn­ten zei­gen.

Gesunde Menschen benötigen kein Gluten

Men­schen mit Zölia­kie sind auf eine glu­ten­freie Diät ange­wie­sen, um eine schwe­re Darm­ent­zün­dung zu ver­mei­den. Wer gesund ist, soll­te dage­gen nicht auf das Kle­ber­ei­weiß ver­zich­ten. Wie eine im Bri­ti­schen Ärz­te­blatt ver­öf­fent­lich­te Stu­die zeigt, kann der Ver­zicht auf glu­ten­freie Kost sogar schäd­lich sein. So sind Voll­korn­pro­duk­te essen­zi­ell, um Herz­be­schwer­den und ande­re gesund­heit­li­che Pro­ble­me zu ver­mei­den. Die Gas­tro­en­te­ro­lo­gen emp­feh­len des­halb, eine aus­ge­wo­ge­ne Ernäh­rung zu pfle­gen, die sich an der aktu­el­len Ernäh­rungs­py­ra­mi­de ori­en­tiert. Eine Low-Glu­ten-Diät ist nur in Rück­spra­che mit einem Arzt oder Ernäh­rungs­be­ra­ter sinn­voll, und das auch nur dann, wenn gesund­heit­li­che Pro­ble­me vor­lie­gen, die behan­delt wer­den müs­sen.
Wer an einer Unver­träg­lich­keit gegen­über Glu­ten lei­det, muss auf eine aus­ge­wo­ge­ne Ernäh­rung ach­ten und gege­be­nen­falls ärzt­li­chen Rat ein­ho­len. Glück­li­cher­wei­se ist Zölia­kie kei­ne schwer­wie­gen­de Erkran­kung und kann mit ein­fa­chen Mit­teln behan­delt wer­den.