Zecken und ihre Gefahren

Wald mit Zecken Warnschild

Zecken und ihre Gefahren

Zecken sind eine unschö­ne Begleit­erschei­nung des Som­mers. Beim Wan­dern oder im Frei­bad lässt sich der Kon­takt mit den Tie­ren kaum ver­mei­den. Vor­beu­gungs­maß­nah­men hel­fen, das Biss-Risi­ko zu sen­ken und bedroh­li­che Krank­hei­ten abzu­wen­den. Wer erst ein­mal gebis­sen wur­de, kann das Spin­nen­tier mit ver­schie­de­nen Hilfs­mit­teln ent­fer­nen. Wenn sich die typi­schen Warn­zei­chen zei­gen, bleibt jedoch nur der Besuch beim Haus­arzt.

Zecken: die lästigen Parasiten

Zecken gehö­ren zu den Para­si­ten und sind eng mit den Mil­ben und ande­ren Spin­nen­tie­ren ver­wandt. Von den etwa 900 Zecken­ar­ten, die es welt­weit gibt, ist in Deutsch­land vor allem die Schild­ze­cke bekannt, die sich wie ihre Art­ver­wand­ten zur Nah­rungs­be­schaf­fung an Men­schen und Tie­ren fest­saugt. Gera­de im Som­mer sind die Tie­re, wel­che bis zu zehn Jah­re alt wer­den kön­nen, eine wah­re Pla­ge. Weil sie erst Nage­tie­re, dann grö­ße­re Tie­re und im letz­ten Lebens­zy­klus den Men­schen befällt, gilt sie als beson­ders gefähr­li­cher Krank­heits­über­trä­ger. Gefähr­det sind vor allem Men­schen in FSME-Regio­nen.

In diesen Situationen und Regionen lauern Zecken

Zecken lau­ern vor­zugs­wei­se bei hohen Tem­pe­ra­tu­ren in Büschen und hohen Grä­sern. Mit den rich­ti­gen Vor­beu­gungs­maß­nah­men lässt sich ein Biss jedoch ver­mei­den. Wich­tig ist zunächst, freie Kör­per­stel­len an den Armen und Bei­nen abzu­de­cken. Anti-Zecken­spray aus der Dro­ge­rie hält die Blut­sauger zusätz­lich ab.
Zuhau­se gilt es, den Kör­per sorg­fäl­tig abzu­su­chen. Die war­men Stel­len unter den Ach­seln, in den Haa­ren, hin­ter den Ohren und im Intim­be­reich sind belieb­te Zecken-Ver­ste­cke, die es sorg­fäl­tig zu kon­trol­lie­ren gilt. Die Klei­dung, die im Frei­en getra­gen wur­de, soll­te man waschen.

Zecken gibt es nicht nur im Som­mer. Auch bei win­ter­li­chen Tem­pe­ra­tu­ren lau­ern die Mil­ben­ar­ti­gen im Gebüsch und ver­ste­cken sich teil­wei­se im Schnee. Solan­ge es min­des­tens 7 Grad Cel­si­us hat, erfrie­ren die Tie­re zudem nicht und blei­ben tags­über aktiv. Des­halb ist Zecken­vor­sor­ge auch im Win­ter wich­tig.
Gera­de in FSME-Risi­ko­ge­bie­ten, also in Regio­nen, in denen beson­ders vie­le Zecken den Erre­ger in sich tra­gen, ist Vor­sicht gebo­ten. Zu die­sen Gebie­ten zäh­len Tei­le Bay­erns und Baden-Würt­tem­bergs sowie bestimm­te Regio­nen in Hes­sen und Thü­rin­gen. Die genau­en Gebie­te fin­den sich auf der Kar­te des Robert-Koch-Insti­tus.  Die Stän­di­ge Impf­kom­mis­si­on emp­fiehlt Bewoh­nern der betrof­fe­nen Gebie­te eine FSME-Imp­fung.

Zecke entdeckt? So wird sie entfernt

Wer eine Zecke ent­deckt, kann sie mit der Zecken­zan­ge oder Pin­zet­te ent­fer­nen. Alter­na­tiv bie­ten sich Zecken­kar­te oder Zecken­las­so an. Unab­än­gig vom ver­wen­de­ten Hilfs­mit­tel muss die Zecke mög­lichst haut­nah gegrif­fen und an einem Stück ent­fernt wer­den. Wird das Spin­nen­tier gequetscht, kön­nen gefähr­li­che Kör­per­flüs­sig­kei­ten in die Biss­stel­le gelan­gen. Wenn Res­te der Zecke in der Haut zurück­blei­ben, ist das meist kein Grund zur Sor­ge. Es han­delt sich um einen Teil des Stech­ap­pa­ra­tes, der nach eini­ger Zeit von selbst abge­sto­ßen wird.
Haus­mit­tel gilt es bei der Zecken-Ent­fer­nung zu ver­mei­den. Typi­sche Mit­tel wie Nagel­lack­ent­fer­ner oder Alko­hol sind extrem schäd­lich und füh­ren dazu, dass das Tier Kör­per­flüs­sig­kei­ten aus­stößt. Nach dem erfolg­rei­chen Ent­fer­nen darf die Stel­le mit jod­hal­ti­ger Sal­be des­in­fi­ziert wer­den.
Soll­te man das Tier ver­se­hent­lich auf­ge­kratzt haben oder ist gar der Zecken­kopf ste­cken geblie­ben, emp­fiehlt sich ein Besuch beim Haus­arzt. Zecken an schlecht ein­seh­ba­ren Stel­len wer­den am bes­ten vom Fach­mann ent­fernt.

Diese Krankheiten werden durch Zecken übertragen

Der Zeit­punkt, ab dem die bis­si­gen Insek­ten gefähr­lich wer­den, hängt unter ande­rem davon ab, wo am Kör­per sich die Zecke ansie­delt und wel­che Erre­ger sich über­haupt im Kör­per der Zecke befin­den. Man­che Erre­ger gelan­gen direkt beim Ein­stich ins Blut, ande­re benö­ti­gen bis zu zwölf Stun­den, um sich im Wirts­or­ga­nis­mus anzu­sie­deln.
In Deutsch­land zäh­len die Bor­re­lio­se-Bak­te­ri­en und der FSME-Virus zu den typi­schen Krank­heits­er­re­gern. Zu den Krank­hei­ten, die von den Blut­saugern aus­ge­hen, zäh­len unter ande­rem Babe­sio­se, Bor­re­lio­se, FSME, Ehr­li­chio­se und Fleck­fie­ber. Scha­fe, Zie­gen und Kühe sind außer­dem häu­fig vom Krim-Kon­go-Fie­ber betrof­fen, wel­ches durch einen Stich auch auf den Mensch über­ge­hen kann.
Ins­ge­samt gibt es mehr als 50 Krank­heits­er­re­ger, die sich in der Zecke fest­set­zen und damit eine poten­ti­el­le Gefahr für den Men­schen dar­stel­len. Zu den sel­te­nen Krank­hei­ten zäh­len unter ande­rem das Colo­ra­do Zecken­fie­ber, wel­ches in den USA und in Kana­da weit ver­brei­tet ist, die indi­sche Wald­krank­heit, die 1990 in Indi­en ent­deckt wur­de und das Que­ry-Fie­ber, wel­ches haupt­säch­lich durch Scha­fe über­tra­gen wird. Gemein­sam haben die ver­schie­de­nen Krank­hei­ten einen Groß­teil ihrer Sym­pto­me.

So äußern sich Biss und Infektion

Ein Zecken­biss bleibt sel­ten unbe­merkt. Die betrof­fe­ne Haut­stel­le rötet sich und beginnt schon nach weni­gen Stun­den zu jucken. Die Stel­le schwillt an und nach der Ent­fer­nung der Zecke kann der Juck­reiz zunächst noch zuneh­men. Zurück­zu­füh­ren ist das auf einen spe­zi­el­len Lock­stoff, wel­chen die Zecke neben ver­schie­de­nen Krank­heits­er­re­gern ins Blut über­tra­gen kann. Hat die Zecke kei­nen Erre­ger in sich getra­gen, klin­gen die Sym­pto­me inner­halb von zwei bis drei Tagen ab. Die betrof­fe­ne Stel­le kann noch eini­ge Zeit jucken oder gerö­tet sein.
Bei einer Infek­ti­on stel­len sich je nach Sym­ptom­bild die typi­schen Fie­ber­sym­pto­me sowie ein all­ge­mei­nes Unwohl­sein ein. Bor­re­lio­se äußert sich im wei­te­ren Ver­lauf durch Kopf-, Glie­der- und Mus­kel­schmer­zen. Äußer­lich ist eine Infek­ti­on an der zuneh­men­den Rötung zu erken­nen, die rund um die Biss­stel­le eine kreis­run­de Form annimmt und scharf abge­grenzt ist. Die­se Rin­ge sind ein deut­li­ches Warn­zei­chen und ein Anlass für einen Arzt­be­such. Schließ­lich stel­len sich Magen-Darm-Beschwer­den und gele­gent­lich auch Blu­tun­gen ein.
In der zwei­ten Krank­heits­pha­se greift der Bor­re­lio­se-Erre­ger auf die Gelen­ke, Orga­ne und das Gewe­be über. Bei feh­len­der Behand­lung kann es zu schwe­ren Fol­ge­schä­den kom­men, die mit­un­ter töd­lich ver­lau­fen kön­nen. Im schlimms­ten Fall bil­det sich eine Hirn­haut­ent­zün­dung, die oft töd­lich ver­läuft.

Impfung gegen FSME

Geimpft wer­den kann man nur gegen die Hirn­haut­ent­zün­dung (FSME). Für Bor­re­lio­se gibt es der­zeit noch kei­ne Imp­fung. Bei der Imp­fung gegen FSME wird der Impf­stoff in einen Mus­kel (zumeist am Ober­arm) gespritzt. Anschlie­ßend bil­det der Kör­per Anti­kör­per, die bei dem Kon­takt mit dem „ech­ten“ Erre­ger aktiv wer­den. Der voll­stän­di­ge Impf­schutz ist nach drei Sit­zun­gen erreicht. Die ers­ten bei­den Imp­fun­gen fin­den in einem Abstand von vier bis zwölf Wochen statt. Die drit­te Imp­fung wird nach neun bis zwölf Mona­ten durch­ge­führt und dient als eine Art Auf­fri­schung, da die ers­ten bei­den Imp­fun­gen bereits einen aus­rei­chen­den Schutz bie­ten. Nach drei bis fünf Jah­ren müs­sen die Imp­fun­gen erneu­ert wer­den. Kin­der und Men­schen über 50 Jah­re las­sen sich am bes­ten nach zwei bis drei Jah­ren ärzt­lich unter­su­chen, damit bei Bedarf eine Auf­fri­schung statt­fin­den kann.

Die pas­si­ve Immu­ni­sie­rung fin­det in der Regel als Not­fall­maß­nah­me nach einem Biss statt. Sie wird heut­zu­ta­ge in Deutsch­land nicht mehr ange­bo­ten. Wer im Urlaub von einer Zecke gebis­sen wird, erhält unter Umstän­den jedoch eine Pas­siv­imp­fung.

Heilungschancen bei Borreliose

Wird die Bor­re­lio­se recht­zei­tig ent­deckt und behan­delt, sind die Hei­lungs­aus­sich­ten rela­tiv gut. Bei einer sofor­ti­gen The­ra­pie mit Anti­bio­ti­ka kann der Erre­ger in 85 bis 100 Pro­zent aller Fäl­le eli­mi­niert wer­den. Eine Behand­lung nach Wochen oder Mona­ten ist weni­ger effek­tiv. Die Erkran­kung ist in die­sem Sta­di­um bereits aus­ge­bro­chen und womög­lich auf die Orga­ne und das Gewe­be über­ge­gan­gen. Bei einer spä­ten Dia­gno­se sind blei­ben­de Gelenk-, Organ-, Gewe­be- und Haut­schä­den wahr­schein­lich.
Acht bis zwölf Wochen nach der Behand­lung soll­te eine Ver­laufs­kon­trol­le statt­fin­den. Der Arzt wird prü­fen, ob die Sym­pto­me ledig­lich unter­drückt wur­den oder voll­stän­dig ver­schwun­den sind. Bei einer posi­ti­ven Ent­wick­lung gilt der Pati­ent nach zwei Jah­ren als geheilt.

Heilungschancen bei FSME

Pati­en­ten, die an FSME erkrankt sind, haben eben­falls rela­tiv gute Hei­lungs­chan­cen. Wird das Lei­den früh­zei­tig behan­delt, klingt es oft nach eini­gen Wochen bis Mona­ten voll­stän­dig wie­der ab. Die Gabe von Schmerz­me­di­ka­men­ten und Anti­bio­ti­ka hilft bei der Lin­de­rung der Sym­pto­me. In schwe­ren Fäl­len muss der Betrof­fe­ne inten­siv­me­di­zi­nisch betreut wer­den und gege­be­nen­falls auch Kran­ken­gym­nas­tik betrei­ben. Eine ursäch­li­che Behand­lung ist aller­dings nicht mög­lich.
Anders als Bor­re­lio­se-Pati­en­ten sind Men­schen, die eine FSME-Infek­ti­on über­wun­den haben, immun gegen­über allen FSME-Typen.