Was bedeutet Körperkommunikation?

Was bedeutet Körperkommunikation?

Die Kör­per­kom­mu­ni­ka­ti­on basiert auf einer bestimm­ten Art der Ver­stän­di­gung, die ohne Wor­te statt­fin­det. Wenn Men­schen mit­ein­an­der inter­agie­ren, geschieht das immer auch mit einer damit ver­bun­de­nen Ges­tik oder Mimik. Die Kör­per­spra­che ver­mit­telt dabei kei­ne Infor­ma­tio­nen. Sie signa­li­siert eine bestimm­te Hal­tung, ein Gefühl oder eine geziel­te oder unge­woll­te Bot­schaft. Beson­ders der Augen­kon­takt kann zusam­men mit dem situa­ti­ons­ab­hän­gi­gen Gesichts­aus­druck ein Ver­ste­hen ohne Wor­te erzie­len.

In der Regel erfol­gen Kör­per­si­gna­le ganz auto­ma­tisch. Der Mensch denkt nicht immer dar­über nach, wie er sich zu ver­hal­ten hat. Han­delt es sich um eine Ableh­nung, die das Ver­schrän­ken der Arme zur Fol­ge hat, geschieht das für gewöhn­lich ohne eine direk­te Absicht. Der mensch­li­chen Natur ist es näm­lich imma­nent, dass sich star­ke, inne­re Über­zeu­gun­gen nach außen unmiss­ver­ständ­lich aus­drü­cken.

Kör­per­spra­che kann aller­dings auch bewusst gelebt wer­den. Dies ist bei Men­schen der Fall, die in der Öffent­lich­keit ste­hen. Poli­ti­ker, Schau­spie­ler oder Pre­di­ger arbei­ten mit ein­ge­üb­ten Ges­ten, einer kon­trol­lier­ten Kör­per­hal­tung und einem ent­spre­chen­den Gesichts­aus­druck. Aber auch die Prä­sen­ta­ti­on eines Mit­ar­bei­ters vor sei­nem Chef will gelernt sein. Dabei unter­stützt und unter­mau­ert eine ziel­ge­rich­te­te Ges­tik die gespro­che­nen Wor­te. Oder kurz: den Wor­ten wird mit bestimm­ten Kör­per­tech­ni­ken Nach­druck ver­lie­hen.

Kör­per­spra­che kann einen Men­schen in einem Kon­flikt aber auch ver­ra­ten. Denn manch­mal las­sen sich inne­re Unru­he und Ner­vo­si­tät nicht ein­fach abschal­ten. Ein ver­stoh­le­ner Blick, eine Lüge oder Ver­liebt­heit las­sen sich schnell ent­lar­ven.

Entwicklung und Entstehung von Gesten

Die Ges­ten eines Men­schen kön­nen ent­we­der kul­tu­rell erlernt oder ange­bo­ren sein. Dabei herr­schen in ver­schie­de­nen Län­dern ande­re Sit­ten. In Japan ist eine Ver­beu­gung zur Begrü­ßung üblich, in Deutsch­land herrscht das Hän­de­schüt­teln vor und in Frank­reich begrü­ßen oder ver­ab­schie­den sich die Leu­te mit Küs­sen auf die rech­te und lin­ke Wan­ge. Hier ist es rat­sam, sich vor­her über die Gepflo­gen­heit eines frem­den Lan­des zu erkun­di­gen.

Dage­gen ist das plötz­li­che Hoch­rei­ßen der Arme, das Zusam­men­sa­cken des Kör­pers bei einer Ent­täu­schung oder ein Schul­ter­zu­cken nach wis­sen­schaft­li­cher Mei­nung ange­bo­ren. Da erlern­tes Ver­hal­ten über das sehen­de Auge ent­steht, wur­den bei For­schun­gen die äuße­ren Reak­tio­nen von blin­den Men­schen zum Ver­gleich her­an­ge­zo­gen. Dabei lie­ßen sich die­sel­ben Kör­per­si­gna­le fest­stel­len.

Beson­ders inter­es­sant sind die Ges­ten von Klein­kin­dern, die der Spra­che noch nicht mäch­tig sind. Sie benut­zen zei­gen­de Ges­ten, die auf Orte, Din­ge oder Men­schen ver­wei­sen. Häu­fig holt die klei­ne Hand des Kin­des auch mal zum Schlag aus, wenn Frust oder die Ableh­nung von zu viel Nähe aus­ge­drückt wer­den soll. Wenn das Scham­ge­fühl von Kin­dern oder auch Erwach­se­nen betrof­fen ist, läuft das Gesicht rot an und der Blick wan­dert zu Boden. Hier steu­ert die Emo­ti­on die Mimik. Ein aus­drucks­lo­ses Gesicht könn­te in einer Scham­si­tua­ti­on auf ein bewuss­tes Unter­drü­cken durch Kon­trol­le zurück­ge­führt wer­den.

Ins­ge­samt geht die Wis­sen­schaft davon aus, dass Ges­ten und Spra­che unzer­trenn­lich mit­ein­an­der ver­knüpft sind.

Wie viel Aussagekraft besitzt die Körpersprache?

Ein Signal, das der Kör­per nach außen zu ver­ste­hen gibt, kann viel Aus­sa­ge­kraft besit­zen. Men­schen, die erfolg­reich sind, wis­sen mit der Kör­per­spra­che umzu­ge­hen. Sie haben gelernt bestimm­te Ges­ten opti­mal ein­zu­set­zen. In einem Bewer­bungs­ge­spräch kön­nen die­se sogar ent­schei­dend sein.

Es kommt auch dar­auf an, wie ein Mensch von den Mit­men­schen wahr­ge­nom­men wer­den möch­te. Men­schen in Füh­rungs­po­si­tio­nen wer­den den Mit­ar­bei­tern nicht mit einem ver­le­ge­nen Schul­ter­zu­cken begeg­nen, wenn sie etwas gefragt wer­den. Das Gegen­teil ist der Fall. Eine Per­son, die Selbst­be­wusst­sein vor ande­ren Men­schen aus­strah­len möch­te, steht auf­recht, wölbt die Brust nach vor­ne, lächelt und bewegt sich ziel­ge­rich­tet. Der gesam­te Kör­per ist einer bewuss­ten Kon­trol­le unter­wor­fen.

Auch ein blo­ßer Zuhö­rer kann durch ein bestä­ti­gen­des Nicken und Augen­kon­takt kennt­lich machen, dass sei­nem Gegen­über Auf­merk­sam­keit geschenkt wird. Hier­für ist die Spra­che nicht unbe­dingt not­wen­dig. Dage­gen kön­nen Ges­ten auch sprach­be­glei­tend sein. Oft bewe­gen sich kom­mu­ni­zie­ren­de Men­schen im Feld der rede­be­glei­ten­den Kör­per­kom­mu­ni­ka­ti­on. Hier wird zwi­schen fol­gen­den Ges­ten unter­schie­den:

  • Deik­ti­sche Ges­ten sind zei­gen­de Ges­ten. Die­se kom­men beson­ders bei Klein­kin­dern zum Ein­satz.
  • Iko­ni­sche Ges­ten zeich­nen eine bild­haf­te Vor­stel­lung nach. Das Nach­zeich­nen der Kur­ven einer Sta­tue kann mit den Hän­den erfol­gen.
  • Meta­pho­ri­sche Ges­ten bezie­hen sich auf abs­trak­te Vor­stel­lun­gen. Hier kommt durch das ima­gi­nä­re Weg­schie­ben irgend­ei­nes Gegen­stan­des zum Aus­druck, dass ein The­ma nicht inter­es­siert.
  • Ges­ten, die als Beats bezeich­net wer­den, kom­men dann zum Ein­satz, wenn ein­zel­ne Wör­ter durch klop­fen­den Bewe­gun­gen zusätz­lich betont wer­den.

Können wir unser Gegenüber bewusst durch Körperkommunikation beeinflussen?

Über Kör­per­kom­mu­ni­ka­ti­on ist es mög­lich, einen ande­ren Men­schen zu beein­flus­sen. Mit ziel­ge­rich­te­ten Ges­ten sind sogar Mani­pu­la­tio­nen mög­lich. Die Beein­flus­sung und die Mani­pu­la­ti­on haben bestimm­te Deu­tun­gen zum Ziel. Das Gegen­über kann und soll eine bestimm­te Ges­te oder eine bestimm­te Mimik auf nur eine Wei­se ver­ste­hen: ein generv­tes Augen­rol­len kann auf der ande­ren Sei­te ein unsi­che­res Ver­hal­ten aus­lö­sen, wohin­ge­gen ein aner­ken­nen­des Nicken und ein freund­li­cher Gesichts­aus­druck den Selbst­wert einer ande­ren Per­son stär­ken kann.

Die Kör­per­si­gna­le, die ein Mensch zeigt, müs­sen nicht immer ein­deu­tig sein. So gibt es Ges­ten, die nicht immer ein­wand­frei inter­pre­tiert wer­den kön­nen. Dazu gehört das Schul­ter­zu­cken: es kann Unwis­sen­heit oder Gleich­gül­tig­keit, Ver­ach­tung oder Ver­le­gen­heit bedeu­ten. Um eine unzwei­deu­ti­ge Inter­pre­ta­ti­on der Ges­te zu errei­chen, setzt die Per­son die Mimik und gege­be­nen­falls auch die Spra­che ein. Dadurch las­sen sich nicht nur unter­schied­li­che Emo­tio­nen aus­lö­sen, son­dern auch zukünf­ti­ges Han­deln und Den­ken beein­flus­sen.

Körpersignale im Berufsleben

Kör­per­kom­mu­ni­ka­ti­on hat im Berufs­le­ben eine gro­ße Bedeu­tung. Fast über­all unter­stüt­zen Mit­ar­bei­ter Wor­te mit Ges­ten. Auch kann der mensch­li­chen Lau­ne mit dem Ein­neh­men einer bestimm­ten Kör­per­hal­tung Aus­druck ver­lie­hen wer­den. Wer kei­ne Lust hat zu arbei­ten, lässt häu­fi­ger den Kopf hän­gen.

Die äuße­re Hal­tung ande­ren Mit­ar­bei­tern gegen­über spielt beson­ders bei der Team- und Pro­jekt­ar­beit eine gro­ße Rol­le. Hier kommt es dar­auf an, Bereit­schaft und Koope­ra­ti­on zu zei­gen. Oft kann es in die­sem Zusam­men­hang zu Unei­nig­kei­ten kom­men. Pro­fes­sio­nel­les Ver­hal­ten ist daher ein Muss. Die­ses kann rich­tig posi­tio­niert wer­den, indem eine Bot­schaft unmiss­ver­ständ­lich ver­mit­telt wird.

Auch bei der Vor­be­rei­tung auf das Arbeits­le­ben ist die Kör­per­kom­mu­ni­ka­ti­on wich­tig. Wer sich in einem Bewer­bungs­ge­spräch behaup­ten muss, soll­te sich des­halb gut vor­be­rei­ten. Nicht nur die Infor­ma­tio­nen über den zukünf­ti­gen Arbeit­ge­ber soll­ten gelernt sein, son­dern auch eine Kör­per­hal­tung, die Sicher­heit und Selbst­be­wusst­sein ver­rät. Der Inter­view­er kennt die Stress­si­tua­ti­on. Er möch­te sehen, ob der Bewer­ber damit zurecht­kommt.

Im Berufs­le­ben wie auch im Pri­vat­le­ben kann die Kör­per­kom­mu­ni­ka­ti­on wich­ti­ge Ent­schei­dun­gen her­bei­füh­ren. Ein Kopf­schüt­teln kann eine Bezie­hung been­den. Ein Nicken kann die Ant­wort auf eine Beför­de­rung bedeu­ten. Der Wert der Spra­che des Kör­pers soll­te daher nicht unter­schätzt wer­den.