Vitamin B12 — Warum wir es dringend benötigen

Gesundheitsinfos - Vitamin B12 Mangel

Vitamin B12 — Warum wir es dringend benötigen

Erschöp­fungs­zu­stän­de, Kon­zen­tra­ti­ons­stö­run­gen, Reiz­bar­keit und Depres­sio­nen? Mög­li­cher­wei­se ist ein Vit­amin B12 Man­gel dir Ursa­che von Beschwer­den. Beson­ders bei hoher Belas­tung durch Stress, einer vega­nen oder vege­ta­ri­schen Ernäh­rung aber auch bei Schwan­ge­ren und älte­ren Men­schen ist das Risi­ko eines Vit­amin-B12-Man­gels erhöht.

Was ist B12 überhaupt?

Alle For­men von Vit­amin B12 ent­hal­ten Spu­ren­ele­men­te von Cobalt und gehö­ren che­misch daher zu den soge­nann­ten Coba­l­a­mi­nen.

Cya­no­co­ba­l­a­min, die Form des B12, die mit­tels von Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­teln zuge­führt wird, ist als sol­che eigent­lich zunächst ein­mal bio­lo­gisch inak­tiv. Erst durch die Umwand­lung des Cya­no­co­ba­l­a­mins in das Coen­zym B12 (Ade­no­syl­co­ba­l­a­min) oder Methyl­co­ba­l­a­min (Methyl-B12) kann der Stoff im Kör­per sei­ne Wir­kung über­haupt ent­fal­ten.

Nach der Zufuhr von Cya­no­co­ba­l­a­min wird die­ses durch die Magen­säu­re von Pro­te­inen gelöst und mit einem Gly­co­pro­te­in aus der Magen­wand gebun­den, um in den Dünn­darm trans­por­tiert zu wer­den. Erst hier kann es vom Orga­nis­mus auf­ge­nom­men wer­den. Es wird als gespei­cher­tes B12 in der Leber ein­ge­la­gert und von dort über die Gal­len­säu­re in den Dünn­darm abge­ge­ben, wo es an des­sen Ende vom Ile­um, also einem bestimm­ten Teil unse­res Dünn­darms, resor­biert wird.

Gesundheitsportal - Darstellung Ileum Vitamin B12

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Und für alle, die es ganz genau wis­sen möch­ten: Die gespei­cher­ten For­men von B12 wer­den als Aquaco­ba­l­a­min (B12a), Hydro­xy­co­ba­l­a­min (B12b) und Nitri­to­co­ba­l­a­min (B12c) bezeich­net.

B12-Mangel und mögliche Folgen

Schät­zungs­wei­se 6 % aller und bis zu 20 % von Men­schen über 60 Jah­ren lei­den an einem B12-Vit­amin­man­gel. Die Leber eines gesun­den Erwach­se­nen kann 2000 bis 5000 Mikro­gramm B12 spei­chern. Die Fol­gen einer man­gel­haf­ten B12-Ver­sor­gung wer­den oft erst nach Jah­ren bemerkt, da das Depot zunächst aus­reicht, um den täg­li­chen Bedarf auf Jah­re zu decken.

Bei Neu­ge­bo­re­nen und Säug­lin­gen ist eine aus­rei­chen­de Ver­sor­gung mit B12 über­le­bens­wich­tig. Ihr Bedarf am Vit­amin ist sehr hoch, ihre Leber ent­hält bei der Geburt aber nur 25 bis 30 Mikro­gramm. Das Vit­amin muss also unbe­dingt in aus­rei­chen­der Men­ge über die Nah­rung oder die Mut­ter­milch zuge­führt wer­den.

Ein Man­gel an Vit­amin B12 macht sich zunächst im Kno­chen­mark und den Blut­zel­len bemerk­bar, wo die Zell­tei­lungs­ra­te ver­gleichs­wei­se hoch ist. Zahn­fleisch­blu­ten kann ein Indiz für eine Anämie sein, die durch B12 Man­gel aus­ge­löst wur­de. Ist das zen­tra­le Ner­ven­sys­tem betrof­fen, bil­den sich das Rücken­mark und die Hirn­strang­bah­nen zurück, was schwe­re neu­ro­lo­gi­sche Schä­den ver­ur­sa­chen kann. Ner­ven­zel­len haben Fort­sät­ze, die Glia­zel­len genannt wer­den, und umhüllt sein müs­sen, um Rei­ze effi­zi­ent zu über­tra­gen. Um die Glia­zel­len zu iso­lie­ren, ist B12 not­wen­dig. Ist die Zell­mem­bran brü­chig, tau­chen Taub­heits­ge­füh­le in Hän­den und Füßen auf, Mus­keln wer­den geschwächt und der Gehirn­stoff­wech­sel ver­lang­samt sich. Ste­hen nicht genü­gend Neu­ro­trans­mit­ter zur Ver­fü­gung, kön­nen auch Erschöp­fungs­zu­stän­de, Kon­zen­tra­ti­ons­stö­run­gen, Reiz­bar­keit und Depres­sio­nen eine Fol­ge sein.

Ursachen für einen B12-Mangel

Ein Man­gel an B12 kann auf zwei Typen von Ursa­chen zurück­ge­hen:

  • Typ 1: Die Auf­nah­me­men­ge an B12 über die Nah­rung ist zu gering.
  • Typ 2: Die Ver­wer­tung von B12 im Kör­per funk­tio­niert nicht rei­bungs­los, was meist am Magen­saft liegt.

Eine chro­ni­sche Gas­tri­tis sorgt dafür, dass die Zel­len, die für den Wei­ter­trans­port des Cya­no­co­ba­l­a­mins not­wen­dig sind, nicht gebil­det wer­den kön­nen.
Das Ile­um, über den B12 absor­biert wird, wur­de ope­ra­tiv ent­fernt.
Eine ent­zünd­li­che Darm­er­kran­kung wie Mor­bus Crohn oder Zölia­kie (Unver­träg­lich­keit von Glu­ten) ver­hin­dert die Auf­nah­men von B12 über die Darm­wand.
Die Ein­nah­me von Magen­säu­re­blo­ckern, blut­druck­sen­ken­den Mit­teln (Beta­blo­cker), Potenz­mit­tel oder dem Dia­be­tes­me­di­ka­ment Meformin ver­hin­dert, dass die im Kör­per vor­han­de­nen Men­gen an B12 auch im Orga­nis­mus ver­wert­bar gemacht wer­den kön­nen.
Dia­gno­se eines B12-Man­gels

Bei einer Blut­un­ter­su­chung, die Aus­kunft über einen B12 Man­gel geben soll, ist es wesent­lich, den Holo­trans­co­ba­l­a­min-Wert her­aus­zu­fin­den. Die­ser misst den Anteil von B12 in sei­ner akti­ven Form. Am Holo­trans­co­ba­l­a­min-Wert lässt sich klar able­sen, ob ein Man­gel besteht. Liegt der Wert unter 22pmol/l oder zwi­schen 22 und 76 pmol/l, soll­te man die B12 Zufuhr unbe­dingt durch Nah­rungs­er­gän­zungs­prä­pa­ra­te erhö­hen.

Bei Man­gel­er­schei­nun­gen von Typ 1 kann B12 oral über Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel sub­sti­tu­iert wer­den, bei Man­gel­er­schei­nun­gen von Typ 2 muss das Vit­amin intra­mus­ku­lär oder intra­ve­nös ver­ab­reicht wer­den.

Nahrungsmittel, die B12 enthalten

Das Vit­amin wird nur von Bak­te­ri­en im Ver­dau­ungs­trakt von Tie­ren oder auf der Ober­flä­che von Pflan­zen syn­the­ti­siert. Zwar wird auch im mensch­li­chen Dick­darm B12 von Bak­te­ri­en pro­du­ziert, zu einer direk­ten Ver­sor­gung des Stoff­wech­sels reicht die vor­han­de­ne Men­ge aber nicht aus. Das dort erzeug­te B12 wird sofort über den Stuhl wie­der aus­ge­schie­den.

Genau wie der Mensch spei­chern Säu­ge­tie­re B12-Vor­rä­te in Leber und Nie­re. Durch den Ver­zehr von Inne­rei­en kann der Mensch daher hohe Men­gen an B12 zu sich neh­men. Kühe pro­du­zie­ren als Wie­der­käu­er mit­tels von Mikro­or­ga­nis­men das Vit­amin B12 auch in ihrem Vor­ma­gen.

Hohe B12 Antei­le mit über 20 Mikro­gramm pro 100 Gramm wei­sen Kalbs-, Schwei­ne- und Hüh­ner­le­ber auf. In Fisch wie Makre­le, Hering oder Thun­fisch ist zwi­schen 9 und 4 Mikro­gramm pro 100 Gramm ent­hal­ten.

B12 und vegane Ernährung

For­schun­gen haben kei­nen Zusam­men­hang zwi­schen gestei­ger­tem Fleisch­ver­zehr und einem erhöh­ten Vit­amin-B12-Spie­gel nach­wei­sen kön­nen. Wer Fleisch zu sich nimmt, sorgt daher nicht unbe­dingt auch für einen aus­rei­chen­den B12 Anteil im Blut. Aller­dings zei­gen die Blut­wer­te von Vege­ta­ri­ern und Vega­nern sehr häu­fig Holo­trans­co­ba­l­a­min-Wer­te, die einen B12-Man­gel indi­zie­ren. Eine vega­ne Ernäh­rung soll­te daher immer mit B12 sup­ple­men­tiert wer­den. Abso­lut not­wen­dig ist die Sup­ple­men­tie­rung bei Frau­en mit Kin­der­wunsch, Schwan­ge­ren oder Stil­len­den.

Mit B12 ange­rei­cher­te Säf­te oder Soja­milch kön­nen Vege­ta­ri­ern und Vega­nern hel­fen, Man­gel­er­schei­nun­gen vor­zu­beu­gen. Pflan­zen, die zwar einen hohen B12 Gehalt haben, wie bei­spiels­wei­se Spi­ru­li­na-Algen, ver­fü­gen über B12 in einer Form, die für den mensch­li­chen Orga­nis­mus nicht ver­wert­bar sind. Die Ein­nah­me von Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­teln schlägt sich direkt in hohen B12 Wer­ten nie­der.

Wird eine Man­gel­er­schei­nung dia­gnos­ti­ziert, soll­te man oral über 4 Mona­te täg­lich 2 Mil­li­gramm sup­ple­men­tie­ren. Bei älte­ren Men­schen kann die­ser Wert auch mit 6 Mil­li­gramm höher lie­gen. Eine Über­do­sie­rung ist aus­ge­schlos­sen. Der Kör­per kann das was­ser­lös­li­che Vit­amin jeder­zeit aus­schei­den. Bei einer Injek­ti­on von B12 in zu hoher Dosis kann es aller­dings lokal zu einer all­er­gi­schen Reak­ti­on kom­men.