Trendwatch — Neueste Gesundheitstrends 2018

Frau meditiert mit Virtual Reality Brille

Trendwatch — Neueste Gesundheitstrends 2018

Man­cher der aktu­el­len Gesund­heits­trends mutet etwas absurd an — aber bei nähe­rem Hin­se­hen macht das Meis­te durch­aus Sinn. Vie­le Trends im Gesund­heits­we­sen sind tech­no­lo­gi­schen Wei­ter­ent­wick­lun­gen zu ver­dan­ken. Vie­le wur­den schon lan­ge erwar­tet. So ist bei­spiels­wei­se die Pro­the­sen­her­stel­lung inzwi­schen im 21. Jahr­hun­dert ange­kom­men. Das hilft nicht nur denen, die heu­te an einer Behin­de­rung lei­den, son­dern ver­bes­sert auch das zukünf­ti­ge “Ersatz­teil­la­ger” für den Men­schen. Zugleich die­nen die zuneh­mend aus­ge­feil­ten Tech­no­lo­gi­en auch dazu, die Robo­tik wei­ter vor­an­zu­trei­ben.

Prothesen als sensitive Wunderwerke

Der Fort­schritt in der Pro­the­sen­tech­nik ist in der Tat beein­dru­ckend. Was bis­her fehl­te, waren fein­mo­to­ri­sche Fähig­kei­ten. Selbst Men­schen, die eine der ganz teu­ren Pro­the­sen tes­ten durf­ten, waren am Ende nicht zufrie­den mit deren Sen­so­rik. Die­se soll nun über eine spe­zi­el­le Haut ver­bes­sert wer­den, die eine Sin­nes­wahr­neh­mung in sen­si­bi­li­sier­te Bewe­gun­gen über­set­zen kann. Die von Wis­sen­schaft­lern der ame­ri­ka­ni­schen “Johns Hop­kins Uni­ver­si­tät” und des “Insti­tu­te of Neu­ro­tech­no­lo­gy Sin­g­a­po­re” gemein­sam ent­wi­ckel­te “e-der­mis” ist eine elek­tro­ni­sche Pro­the­sen­haut, die aus Stoff und Gum­mi besteht. In der Gum­mi­schicht befin­den sich Sen­so­ren, die einen Ersatz für die mensch­li­chen Ner­ven­enden dar­stel­len sol­len.

Nicht nur Berüh­run­gen, son­dern auch Schmerz­rei­ze sol­len damit wahr­nehm­bar wer­den. Die ver­wen­de­te Tech­no­lo­gie nennt sich “Trans­cu­ta­ne­ous Elec­tri­cal Ner­ve Sti­mu­la­ti­on”. Ein Pro­blem ist noch, dass das Funk­tio­nie­ren der Sen­so­ren von der akri­bi­schen Kar­to­gra­fie­rung der Ner­ven­enden künf­ti­ger Ver­wen­der abhängt. Ande­re For­scher­teams arbei­ten dar­an, die Bewe­gungs­pro­fi­le von Pro­the­sen den Bewe­gungs­mus­tern natür­li­cher Bewe­gun­gen ähn­li­cher zu machen. Der Trend in der Pro­the­sen­tech­no­lo­gie zielt ein­deu­tig auf mehr Lebens­qua­li­tät ab.

Technologie als Gesundheitsassistent

Immer häu­fi­ger wird Tech­no­lo­gie, über die bereits vie­le Men­schen ver­fü­gen, zum Gesund­heits­hel­fer. Vor­rei­ter für tech­no­lo­gi­sche Gesund­heits­trends sind die Tech­no­lo­gie-Gigan­ten im Sili­con Val­ley in Ame­ri­ka. Noch ist nicht mög­lich, über die Qua­li­tät der bereits exis­tie­ren­den Gesund­heits-Apps ein abschlie­ßen­des Urteil zu fäl­len. Doch der Trend geht dahin, moder­ne Tech­no­lo­gi­en dahin­ge­hend ein­zu­set­zen, dem Men­schen jeder­zeit mit aus­ge­klü­gel­ten Dia­gnos­tik-Hil­fen zu Diens­ten zu sein.

So kön­nen iPho­nes über eine spe­zi­el­le “DermoScreen”-App zukünf­tig schwar­zen Haut­krebs erken­nen. Beim Mela­nom ist Früh­erken­nung beson­ders wich­tig. Durch die App kann beson­ders die Haut­krebs-Dia­gnos­tik in länd­li­chen Gebie­ten mit gerin­ger Arzt­dich­te ver­bes­sert wer­den. Mit dem Apple iPho­ne, dem iPod Touch oder iPad kann der Blut­druck gemes­sen wer­den. Mit dem “Free­Style-Libre-Sen­sor” kön­nen eini­ge der iPho­ne-Model­le bereits den Blut­zu­cker­wert ermit­teln, und das ganz ohne den übli­chen Piek­ser in die Fin­ger­kup­pe. Statt­des­sen bekommt der Pati­ent einen in die Ober­arm­haut implan­tier­ten Chip, auf den ein Libre-Sen­sor mon­tiert wird. Die­se nicht ganz preis­wer­te Tech­no­lo­gie wird auch bereits in Deutsch­land genutzt.

Schräge oder gesunde Food-Trends

Rote-Bete-Eis und ande­re Eis-Spe­zia­li­tä­ten

Unge­wöhn­li­che Geschmacks­er­leb­nis­se sind 2018 im Eis­sek­tor zu ver­mel­den gewe­sen. Scho­ko und Vanil­le sind out. Jetzt schleckt der Genie­ßer ver­suchs­wei­se zucker­re­du­zier­tes Kräu­ter-Eis, eine Kugel gesun­des Rote Bete-Eis oder einen vega­nen Eis­bur­ger. Für die­sen wer­den Eis­ku­geln in ein Bur­ger-Bröt­chen gefüllt. Bei man­chen Eis­sor­ten geht es nicht um einen Kick im Genuss­wert, son­dern um erhöh­te Gesund­heits­wer­te. Na dann! Eis mit rohem Kek­steig oder mit Salz­ge­halt mutet da schon fast als kuli­na­ri­sche Gegen­be­we­gung an.

Nur um eine ande­re Optik ging es dem Inha­ber des Eis­ca­fes Flo­ri in Stutt­gart. Aus Ärger um eine Dau­er-Bau­stel­le vor der Türe erfand er die mit Aktiv­koh­le schwarz ein­ge­färb­te Eis­sor­te “Asphalt und Beton”, die aller­dings geschmack­lich eher kon­ven­tio­nell ange­legt war. Die Sor­te kam so gut an, dass sie jetzt zur Haus-Spe­zia­li­tät ernannt und in die Dau­er­kar­te über­nom­men wur­de. Die ent­hal­te­ne Aktiv­koh­le ent­fal­tet jedoch wegen der gerin­gen Men­ge gesund­heit­lich lei­der kei­nen gro­ßen Nut­zen.

Kaf­fee mit Brok­ko­li­pul­ver

Kei­nes­wegs ein Außen­sei­ter möch­te der “Broc­co­lat­te” blei­ben, ein Kaf­fee mit Brok­ko­li­pul­ver. Den aus­tra­li­schen Wis­sen­schaft­lern, die die­sen Trend ent­wi­ckelt haben, ging es dar­um, einen Weg zu fin­den, das unbe­lieb­tes­te, aber gesün­des­te Gemü­se für Erwach­se­ne erträg­li­cher zu machen. Brok­ko­li ist bekann­ter­ma­ßen ein Gemü­se, das krebs­ver­hin­dernd wir­ken kann. Wäre da nur nicht die­ser Geschmack, den vie­le aus unbe­kann­ten Grün­den nicht mögen. In Form von “Broc­co­lat­te” könn­te es aber hin­hau­en, täg­lich eine gewis­sen Men­ge Brok­ko­li auf­zu­neh­men. So jeden­falls die Grund­idee.

Black is beau­ti­ful

Koh­leta­blet­ten nahm man frü­her nur im äußers­ten Not­fall, näm­lich bei einem aku­ten Darm­ka­tarrh zu sich. Sie gilt als aus­ge­zeich­ne­ter Ent­gif­ter und bin­det Toxi­ne im Ver­dau­ungs­trakt oder auf der Haut. Heu­te fin­det sich die Aktiv­koh­le in Lebens­mit­teln und Kos­me­tik­pro­duk­ten wider. Jen­seits der bekann­ten medi­zi­ni­schen Ver­wen­dun­gen soll die Aktiv­koh­le den Gesund­heits­le­vel in der Bevöl­ke­rung erhö­hen. Wer jedoch regel­mä­ßig Medi­ka­men­te ein­neh­men muss, soll­te vor­her den Arzt fra­gen, ob Aktiv­koh­le nicht deren Wir­kung schmä­lert. Aktiv­koh­le fin­det sich mitt­ler­wei­le in schwar­zen Säf­ten, Pflan­zen­mil­chen und Smoot­hies, die es in Ame­ri­ka zu kau­fen gibt. Außer­dem sol­len schwar­ze Zahn­pas­tas und Gesichts­mas­ken über die ent­hal­te­ne Aktiv­koh­le für eine Ent­gif­tung und eine Extra­por­ti­on Schön­heit sor­gen.

Meditation im 21. Jahrhundert

Ein­sam auf dem Kis­sen medi­tie­ren war ges­tern. Heu­te möch­ten die Men­schen traum­haft medi­tie­ren. Der Gesund­heits­wert von Medi­ta­ti­on ist nach­ge­wie­sen. Ohne Tech­no­lo­gie geht es zukünf­tig aber nicht mehr – jeden­falls, wenn man den Men­schen in Ame­ri­ka folgt. Die­se erle­ben näm­lich eine geführ­te Medi­ta­ti­on aus vier Sequen­zen, bei der sie es sich in einem spe­zi­el­len Medi­ta­ti­ons­ses­sel bequem machen, einen Kopf­hö­rer und eine Vir­tu­al-Rea­li­ty-Bril­le auf­set­zen und in eine medi­ta­ti­ve Bil­der­welt abtau­chen. In der “Dream rea­li­ty” sol­len die Kon­su­men­ten gera­de wach genug blei­ben, den medi­ta­ti­ven Bil­der­wel­ten zu fol­gen, aber doch ent­spannt genug sein, um erwei­ter­te Bewusst­seins­zu­stän­de genie­ßen zu kön­nen. Und das ganz ohne Mari­hua­na. Gedacht ist die tech­no­lo­gisch indu­zier­te “Dream Rea­li­ty” als Mit­tel gegen Stress, Schlaf­stö­run­gen oder Alp­träu­me. Getes­tet wer­den kann die­se inno­va­ti­ve Medi­ta­ti­ons­art im “Dream Rea­li­ty Cine­ma” im ame­ri­ka­ni­schen Bever­ly Hills. Der Zulauf ist enorm.

“Nüchtern ist das neue Betrunken”

In Los Ange­les hat sich eine Bewe­gung eta­bliert, die Trun­ken­heit ent­schie­den ent­ge­gen­tritt. Ganz neu ist die Idee der Absti­nenz­be­we­gung zwar nicht — aber die Genera­ti­on Y, gebo­ren zwi­schen 1980 und 2000, mag es aus ande­ren Grün­den nicht, auf Par­tys das Koma­saufen zu zele­brie­ren. Statt Knei­pen­bum­meln zie­hen die Kids Saft­bars vor. Das Gesund­heits­be­wusst­sein ist bei den kali­for­ni­schen Kids höher als anders­wo — und dar­in lie­gen auch die Grün­de für die­sen Trend. Die The­men Beau­ty und Figur­be­wusst­sein, Gesund­heit und Fit­ness bestim­men hier über Kar­rie­re­chan­cen eben­so wie über die Chan­cen der Part­ner­wahl. Hin­zu kommt, dass häu­fi­ger Alko­hol­kon­sum mit Such­ter­kran­kun­gen, Krebs, Über­ge­wicht oder Leber­schä­den in Ver­bin­dung steht. Nicht nur die Kids, auch die erwach­se­nen Kali­for­ni­er trin­ken auf Par­tys mitt­ler­wei­le lie­ber Kom­bu­cha, der aus fer­men­tier­tem Tee bevor­zugt selbst her­ge­stellt wird.

Ungesundes Wasser als Foodtrend

Zu den ziem­lich unge­wöhn­li­chen und kei­nes­wegs gesund­heits­ver­träg­li­chen Food­trends gehört es, dass eini­ge ame­ri­ka­ni­sche Start-ups mitt­ler­wei­le unge­fil­ter­tes Regen­was­ser oder unfil­trier­tes Quell­was­ser für teu­res Geld ver­kau­fen. Der angeb­lich gesun­de Trend nennt sich “Raw Water”. Für zehn Liter in Fla­schen abge­füll­tes Regen­was­ser wer­den schon mal umge­rech­net 30 Euro abge­zockt. Pro­fi­ta­ble­re Gewinn­erzie­lung geht nicht — aller­dings reg­net es in Kali­for­ni­en aus­ge­spro­chen sel­ten. Die “New York Times” berich­te­te, dass der Raw Water-Trend im Sili­con Val­ley, der ame­ri­ka­ni­schen Tech­no­lo­gie-Hoch­burg ent­stand und sich rasant aus­brei­tet. Angeb­lich sei dies die natür­lichs­te Form des Was­ser­ge­nus­ses, wird pro­pa­giert.

Von Keim­ge­fah­ren oder Ver­schmut­zung ist beim Regen­was­ser kei­ne Rede. Was nicht tötet, här­tet ab, steht wohl als Phi­lo­so­phie dahin­ter. Das Quell­was­ser eines Raw Water-Start-ups ent­stammt der Opal-Quel­le in Ore­gon. Mit­tels Kühl­be­häl­ter wird es über fast 1.000 Kilo­me­ter bis Los Ange­les und San Fran­cis­co trans­por­tiert, um dort abge­füllt und ver­kauft zu wer­den. Nach­hal­tig­keit war ges­tern.

Fazit: Man­che Gesund­heits­trends sind in sich wider­sprüch­lich. Sie beru­hen auf fal­schen Annah­men und errei­chen im Grun­de das Gegen­teil des­sen, was sie pro­pa­gie­ren. Doch mit gesund­heits­fa­na­ti­schen und gut­gläu­bi­gen Men­schen in Ame­ri­ka kann selbst Regen­was­ser zu einem Erfolgs-Busi­ness machen. Jeden­falls bis der Boom durch einen neu­en Trend ersetzt wird.