Spermidin: das Wunder der Autophagie

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    Sper­mi­din ist ein natür­li­cher Bestand­teil aller leben­den Orga­nis­men. Das bio­ge­ne Poly­amin wur­de erst­mals in der männ­li­chen Samen­flüs­sig­keit nach­ge­wie­sen. Daher lei­tet sich der Name ab. Es ist in all unse­ren Kör­per­zel­len vor­han­den und hängt maß­geb­lich mit dem Zell­wachs­tum zusam­men.

    Wel­che Rol­le Sper­mi­din in der Zell­rei­ni­gung spielt, wie es im Kör­per wirkt, wo Sper­mi­din vor­kommt und wie man es am bes­ten zu sich nimmt, erfah­ren Sie in die­sem Arti­kel.

    Das Wich­tigs­te in Kür­ze:
    • Sper­mi­din kommt in jedem leben­den Orga­nis­mus vor und kann zusätz­lich über bestimm­te Nah­rungs­mit­tel oder über Kap­seln auf­ge­nom­men wer­den.
    • Der Stoff för­dert die Auto­pha­gie (Zell­rei­ni­gung).
    • Stu­di­en wei­sen auf posi­ti­ve Wir­kun­gen bei Demenz, Blut­hoch­druck und Herz-Kreis­lauf-Erkran­kun­gen hin.
    Spermidin Weizenkeim
    Eine neue Studie zeigt interessante Zusammenhänge zwischen Corona und dem Polyamin Spermidin.

    Was ist Spermidin?

    Sper­mi­din ist ein soge­nann­tes Poly­amin, also eine Ver­bin­dung aus min­des­tens zwei Ami­no­grup­pen. Es wur­de als ers­tes aus Sper­ma iso­liert, wodurch der Name ent­stand.

    Es wird mit dem Zell­wachs­tum in Ver­bin­dung gebracht und kommt folg­lich in jedem leben­den Orga­nis­mus vor. Dar­über hin­aus kommt Sper­mi­din in einer Viel­zahl von Nah­rungs­mit­teln vor, dar­un­ter gereif­ter Käse, Hül­sen­früch­te, Mais, Pil­ze, Soja und Voll­korn.

    Wichtige Rolle in der Zellregeneration

    Der Sper­mi­din-Wert im Kör­per steigt bei Wachs­tums­pha­sen oder einer Beschleu­ni­gung des Stoff­wech­sels stark an. Zu die­sen Pha­sen gehö­ren bei­spiels­wei­se

    • kör­per­li­ches Wachs­tum,
    • Schwan­ger­schaft
    • und die Repa­ra­tur der Mus­keln nach dem Sport.

    Doch was ist der Vor­teil eines erhöh­ten Sper­mi­din-Wer­tes?

    Sper­mi­din ist der ein­zi­ge kör­per­ei­ge­ne Stoff, wel­cher sich ver­stär­kend auf die Auto­pha­gie aus­wirkt.

    Die Auto­pha­gie (auch Auto­pha­go­zy­to­se genannt) bezeich­net die Zell­rei­ni­gung des Kör­pers und ist sozu­sa­gen ein kör­per­ei­ge­ner Recy­cling­pro­zess.

    Der Begriff setzt sich aus dem grie­chi­schen Wort auto (selbst) und pha­gein (essen) zusam­men. Die Zel­len essen, bezie­hungs­wei­se ver­dau­en sich selbst. Übrig geblie­be­ne Bau­stei­ne der Zel­len und ande­re Abfall­pro­duk­te wer­den ver­stoff­wech­selt und abtrans­por­tiert.

    Die Auto­pha­gie ist dem­nach ein wich­ti­ger Pro­zess des Kör­pers zur Abwehr von Viren und Bak­te­ri­en, schützt uns vor Krank­hei­ten und nimmt eine geson­der­te Rol­le im Alte­rungs­pro­zess ein. Auf­merk­sam­keit bekam die Auto­pha­gie vor allem durch das Inter­vall­fas­ten, da die­se Ernäh­rungs­wei­se eben­falls den Pro­zess der Zell­rei­ni­gung sti­mu­liert.

    Sper­mi­din för­dert genau die­sen Auto­pha­gie-Pro­zess, die Kon­zen­tra­ti­on des Stof­fes nimmt im Alter jedoch immer mehr ab. Sper­mi­din wird von unse­ren Darm­bak­te­ri­en gebil­det, kann jedoch noch zusätz­lich über Nah­rungs- oder Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel zu sich genom­men wer­den.

    Wie und wobei wirkt Spermidin?

    Da Sper­mi­din die Auto­pha­gie und somit die Zell­re­ge­ne­ra­ti­on för­dert, wer­den dem kör­per­ei­ge­nen Stoff ver­schie­de­ne Wir­kun­gen zuge­spro­chen. An der FU Ber­lin konn­te bei­spiels­wei­se bei einer Stu­die mit Frucht­flie­gen nach­ge­wie­sen wer­den, dass sich die Gabe des Stof­fes posi­tiv auf die Alters­ver­gess­lich­keit der Flie­gen aus­wirk­te.

    Man nimmt daher an, dass der Stoff auch erfolg­reich gegen Demenz ein­ge­setzt wer­den kann. Bewie­sen ist das jedoch noch nicht.

    Des Wei­te­ren konn­te in einer Stu­die mit Labor­mäu­sen von einer For­scher­grup­pe rund um den Gra­zer Mole­ku­lar­bio­lo­gen Frank Madeo nach­ge­wie­sen wer­den, dass Sper­mi­din eine stär­ken­de Wir­kung auf das Herz-Kreis­lauf-Sys­tem hat.

    Die durch Sper­mi­din gestei­ger­te Auto­pha­gie ver­bes­ser­te die Leis­tungs­fä­hig­keit der Mito­chon­dri­en (Kraft­wer­ke des Kör­pers) der Mäu­se und stärk­te deren Herz­mus­kel. Die Mäu­se leb­ten somit im Durch­schnitt 10 % län­ger und lit­ten weni­ger an Blut­hoch­druck und andern Herz-Kreis­lauf-Erkran­kun­gen. Der kar­dio­vasku­lä­re Effekt beim Men­schen konn­te jedoch noch nicht nach­ge­wie­sen wer­den.

    In der Beau­ty-Bran­che wird der Stoff oft als Jung­brun­nen beti­telt. Es wird ange­nom­men, dass die erhöh­te Zell­ge­nera­ti­on durch das Poly­amin neben einem gesun­den Lebens­stil ein wei­te­rer Fak­tor sein könn­te, wel­cher die Haut­al­te­rung ver­lang­samt.

    Ver­mu­te­te Wir­kun­gen kurz zusam­men­ge­fasst:

    • Posi­ti­ve Aus­wir­kun­gen bei Demenz (Alters­ver­gess­lich­keit)
    • Stär­ken­de Wir­kung auf das Herz-Kreis­lauf-Sys­tem
    • Posi­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf Blut­hoch­druck
    • Ver­lang­samt die Haut­al­te­rung

    Wie kann man Spermidin zu sich nehmen?

    Auch wenn unser Kör­per selbst Sper­mi­din bil­det, kön­nen wir es noch zusätz­lich zu uns neh­men. Es ist bei­spiels­wei­se in

    • Wei­zen­kei­men,
    • Soja­pro­duk­ten,
    • Pil­zen,
    • rei­fem Käse,
    • Äpfeln,
    • Man­gos,
    • Wein­trau­ben,
    • Brok­ko­li,
    • Blu­men­kohl
    • und Spi­nat ent­hal­ten.

    Spermidin als Nahrungsergänzung: Darauf sollten Sie beim Kauf achten

    Am ein­fachs­ten ist es jedoch Sper­mi­din in Kap­sel-Form zu sich zu neh­men. Erwach­se­ne soll­ten hier­bei eine Tages­do­sis von 1,2 mg nicht über­schrei­ten. Neben­wir­kun­gen sind kei­ne bekannt, da das Poly­amin als kör­per­ei­ge­ner Stoff gut ver­träg­lich ist.

    Wer Sper­mi­din in Form von Kap­seln zu sich neh­men möch­te, soll­te auf fol­gen­de Aspek­te beim Kauf ach­ten:

    • Das Pro­dukt soll­te frei von Aroma‑, Farb- oder Kon­ser­vie­rungs­stof­fen sein
    • Die Nah­rungs­er­gän­zung soll­te kei­ne Zucker­zu­sät­ze oder Süß­stof­fe ent­hal­ten
    • Ein in Deutsch­land her­ge­stell­tes und labor­ge­prüf­tes Pro­dukt wird emp­foh­len

    Fazit

    Sper­mi­din ist ein natür­li­cher Bestand­teil im leben­den Orga­nis­mus und erfüllt dort wich­ti­ge Auf­ga­ben. Ins­be­son­de­re der Zusam­men­hang mit einer ver­stärk­ten Zell­rei­ni­gung macht den Stoff so gesund.

    Wer dem­nach sei­ne Auto­pha­gie för­dern möch­te, kann neben dem Fas­ten auch sper­mid­in­hal­ti­ge Lebens­mit­tel zu sich neh­men oder den Stoff in erhöh­ter Kon­zen­tra­ti­on als Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel auf­neh­men.

    Die der­zei­ti­ge Stu­di­en­la­ge ver­spricht vie­le posi­ti­ve Wir­kun­gen, die durch eine ver­stärk­te Auto­pha­gie aus­ge­löst wer­den. Wei­te­re Stu­di­en sind jedoch not­wen­dig, um die posi­ti­ven Wir­kun­gen von Sper­mi­din und einer ver­stärk­ten Zell­rei­ni­gung ein­deu­tig zu bele­gen.

    Quellen

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