Schnarchen – nur lästig oder doch gefährlich?

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 17.07.2019 Lesezeit: 6 Minuten
Schnarchen Ursache
Schnarchen – nur lästig oder doch gefährlich?

Schnarchen – was ist das eigentlich?

Schnar­chen, in der medi­zi­ni­schen Fach­spra­che als „Rhon­cho­pa­thie“ bezeich­net, ist ein Phä­no­men, das durch unter­schied­li­che Ursa­chen her­vor­ge­ru­fen wird. Rund 50 Pro­zent der Bevöl­ke­rung schnarcht mit zuneh­men­dem Alter und das kann ins­be­son­de­re für den Part­ner läs­tig und stö­rend sein.

Wir zei­gen Ihnen im Fol­gen­den, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen Schnar­chen einen Krank­heits­wert erlangt, wel­che Behand­lungs­mög­lich­kei­ten Sie haben und wel­che sanf­ten Mit­tel und Metho­den pri­mä­res Schnar­chen ver­mei­den und lin­dern kön­nen.

Wie entstehen Schnarch-Geräusche?

Schnarch-Geräu­sche ent­ste­hen im Schlaf auf­grund einer Ver­en­gung der obe­ren Atem­we­ge. Schnar­chen resul­tiert, wenn Gau­men­se­gel, Zäpf­chen und wei­te­re Bestand­tei­le des Rachens, durch die vor­bei­strö­men­de Luft wäh­rend des Atmens in Schwin­gung ver­setzt wer­den. Vie­le Men­schen schnar­chen ins­be­son­de­re dann, wenn sie in Rücken­la­ge schla­fen. Mit vor­an­schrei­ten­dem Alter kommt es zu einem immer deut­li­che­ren Ver­lust der Gewe­be- und Mus­kel­span­nung. Die Fol­ge ist häu­fi­ge­res Schnar­chen.

Welches Geschlecht ist vom Schnarchen besonders häufig betroffen?

Ob das nächt­li­che Sägen wirk­lich eine Fra­ge des Geschlech­tes ist, lässt sich nicht ein­deu­tig bele­gen.

Mit fort­schrei­ten­dem Lebens­al­ter schnar­chen sowohl Frau­en als auch Män­ner mehr. Frau­en sind beson­ders nach den Wech­sel­jah­ren davon betrof­fen. Medi­zi­ni­schen Unter­su­chun­gen zufol­ge hängt das mit einem zu nied­ri­gen Östro­gen­spie­gel zusam­men.

Im All­ge­mei­nen gehen Exper­ten jedoch davon aus, dass Män­ner etwas häu­fi­ger betrof­fen sind als Frau­en. Der Grund hier­für ist, dass Män­ner oft­mals ein höhe­res Kör­per­ge­wicht haben, was ein bedeu­ten­der Aus­lö­ser für das Schnar­chen ist. Zudem kon­su­mie­ren Män­ner häu­fig mehr Alko­hol als Frau­en und auch das ist ein wesent­li­cher Schnarch-Aus­lö­ser.

Aus­sa­ge­kräf­ti­ge Sta­tis­ti­ken oder expli­zi­te For­schungs­stu­di­en zur Anzahl der betrof­fe­nen Per­so­nen in unse­rem Land gibt es bis­lang lei­der nicht.

Die Ursachen des Schnarchens

Schnar­chen hat vie­le ver­schie­de­ne Ursa­chen. Diver­se Fak­to­ren bewir­ken eine Erschlaf­fung der Mus­ku­la­tur im Zun­gen- und Rachen­be­reich. Sie erhö­hen den Atem­wi­der­stand und ver­ur­sa­chen infol­ge­des­sen Vibra­tio­nen: Schnarch-Geräu­sche ent­ste­hen.

In den meis­ten Fäl­len ist es jedoch harm­los. In eini­gen Fäl­len kann die­ses Phä­no­men jedoch auf eine ernst zu neh­men­de Erkran­kung hin­deu­ten. Aus die­sem Grund ist es vor allem bei lang anhal­ten­dem Schnar­chen sehr wich­tig, die kon­kre­ten Ursa­chen ärzt­lich abklä­ren zu las­sen.

Die Ursa­chen im Über­blick:
    • Ver­krüm­mung der Nasen­schei­de­wand: Nasen­schei­de­wand­krüm­mun­gen oder aku­te Schwel­lun­gen und Ver­stop­fun­gen kön­nen eine Ursa­che für das Schnar­chen sein.
    • Poly­pen: Hier­bei han­delt es sich um wei­che, stark was­ser­hal­ti­ge und gut­ar­ti­ge Wuche­run­gen der Nasen­schleim­haut. Sie kom­men nicht aus der Nasen­höh­le an sich, son­dern resul­tie­ren aus den Nasen­ne­ben­höh­len. Sie behin­dern die Atmung, wes­halb betrof­fe­ne Men­schen bevor­zugt durch den Mund atmen. Poly­pen begüns­ti­gen somit das Schnar­chen.
    • Ver­grö­ße­rung der Rachen-/Gau­men­man­deln: Auch zu gro­ße Rachen­man­deln kön­nen ein gro­ßes Hin­der­nis dar­stel­len und die Luft­we­ge ver­en­gen. Beson­ders bei jun­gen Men­schen und Kin­dern sind ver­grö­ßer­te Man­deln eine Ursa­che.
    • Schnup­fen und Erkäl­tung: Wer im Rah­men einer Erkäl­tung oder eines grip­pa­len Infekts unter einer ver­stopf­ten Nase lei­det, atmet häu­fig durch den Mund. Infol­ge­des­sen ent­steht Schnar­chen.
    • Ent­zün­dun­gen der Nasen­ne­ben­höh­len: Eben­so kön­nen diver­se All­er­gi­en oder eine aku­te Ent­zün­dung der Nasen­ne­ben­höh­len zu Schnarch-Geräu­schen füh­ren.
    • Schlaf­fes Mus­kel­ge­we­be im Nasen- und Rachen­raum (mit zuneh­men­dem Lebens­al­ter): Es kann in eini­gen Fäl­len dazu kom­men, dass der hin­te­re Teil der Zun­ge, der soge­nann­te Zun­gen­grund, ein wenig nach hin­ten abfällt und dadurch die Luft­we­ge ver­engt. Die Zun­ge oder eine schlaf­fe Hals­mus­ku­la­tur sind somit ein häu­fi­ger Aus­lö­ser.
    • Über­ge­wicht: Ein zu hohes Kör­per­ge­wicht spielt bei der Ent­ste­hung von Schnarch-Geräu­schen eine zen­tra­le Rol­le. Ein Dop­pel­kinn kann auf den Zun­gen­grund Druck aus­üben und somit zu einer Ver­en­gung der Luft­we­ge füh­ren. Auch mög­li­cher­wei­se vor­han­de­nes Unter­haut-Fett­ge­we­be engt die Atem­we­ge mas­siv ein.
    • Alko­hol: Auch ein über­mä­ßi­ger Alko­hol­ge­nuss ist eine wesent­li­che Ursa­che bei der Ent­ste­hung.
    • Ein­nah­me bestimm­ter Beru­hi­gungs­mit­tel / Psy­cho­phar­ma­ka: Bestimm­te Prä­pa­ra­te und Arz­nei­mit­tel redu­zie­ren die Mus­kel­span­nung und kön­nen infol­ge­des­sen Schnar­chen aus­lö­sen. Dies ist beson­ders häu­fig bei Schlaf­ta­blet­ten, Anti­de­pres­si­va oder Beru­hi­gungs­mit­teln der Fall.
    • Gene­ti­sche Ver­an­la­gung

Schnarchen in der Schwangerschaft

Sehr vie­le Frau­en schnar­chen in der Schwan­ger­schaft. Dies hat ins­be­son­de­re zwei Ursa­chen:

  1. Durch die Ver­än­de­rung des Hor­mon­haus­hal­tes in der Schwan­ger­schaft wird das Gewe­be wei­cher.
  2. In der Schwan­ger­schaft kommt es in den meis­ten Fäl­len zu einer Gewichts­zu­nah­me: Was­ser und Fett wer­den ein­ge­la­gert, wodurch sich auch der Hals­be­reich ver­en­gen kann.

Ein harmloses Phänomen oder eine Schlafapnoe?

Pri­mä­res Schnar­chen, wird häu­fig als stö­rend emp­fun­den, ist jedoch in der Regel harm­los und hat kei­nen Krank­heits­wert. In den meis­ten Fäl­len kann das ein­fa­che Schnar­chen mit eini­gen wirk­sa­men Selbst­maß­nah­men sehr gut gemin­dert wer­den.

Wenn das Schnar­chen die eige­ne Schlaf­qua­li­tät jedoch maß­geb­lich beein­träch­tigt, spricht der Medi­zi­ner von einer Schlaf­apnoe. Hier­bei han­delt es sich um eine ernst­zu­neh­men­de Erkran­kung, die unbe­dingt ärzt­lich unter­sucht und behan­delt wer­den muss.

Liegt eine Schlaf­apnoe vor, kommt es zu einem auf­fäl­li­gen Röcheln und einer unre­gel­mä­ßi­gen Atmung mit Atem­aus­set­zern. Nächt­li­che Wach­pha­sen, Sauer­stoff­man­gel sowie Tages­mü­dig­keit und Kon­zen­tra­ti­ons­schwie­rig­kei­ten sind mög­li­che Fol­gen der Schlaf­apnoe.

Von die­ser Krank­heit kön­nen nicht nur Erwach­se­ne, son­dern auch Kin­der betrof­fen sein. Eine Schlaf­apnoe kann ein erhöh­tes Risi­ko für Herz­rhyth­mus­stö­run­gen, Dia­be­tes oder Gefäß­er­kran­kun­gen dar­stel­len.

Die mög­li­chen Aus­wir­kun­gen und Fol­gen des obstruk­ti­ven Schlaf­apnoe-Syn­droms:

  • Blut­hoch­druck
  • Gefähr­li­che Herz­rhyth­mus­stö­run­gen
  • Herz­in­farkt
  • Schlag­an­fall
  • Depres­si­ve Ver­stim­mun­gen
  • Erhöh­te Tages­mü­dig­keit

 

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Tipps & Selbstmaßnahmen – so vermeiden Sie Schnarchen und beugen wirksam vor

  • Die Nase befrei­en für ein bes­se­res Durch­at­men: Wenn die Nase ver­stopft ist, wird ver­mehrt durch den Mund geat­met. Infol­ge­des­sen ver­engt sich die Öff­nung der Luft- und Atem­we­ge im obe­ren Rachen­be­reich. Aus die­sem Grund soll­ten Ver­krüm­mun­gen der Nasen­schei­de­wand, All­er­gi­en sowie chro­ni­sche und aku­te Nasen­ne­ben­höh­len­en­t­zün­dun­gen sorg­fäl­tig behan­delt bzw. aus­ge­schlos­sen wer­den. In eini­gen Fäl­len kön­nen auch Nasen­pflas­ter oder Nasen­sprei­zer die Atmung ver­bes­sern und Schnar­chen wirk­sam redu­zie­ren.
  • Ober- und Unter­kie­fer­po­si­ti­on kor­ri­gie­ren: Eine schlaf­fe Zun­gen­mus­ku­la­tur, die beim Schla­fen in Rücken­la­ge nach hin­ten in den Rachen­raum absinkt, ist eine der häu­figs­ten Aus­lö­ser für Schnar­chen. Die­ses Pro­blem lässt sich vor­beu­gen, indem der Unter­kie­fer mit­tels einer soge­nann­ten Schnarch­schie­ne nach vor­ne ver­la­gert wird. Die­se posi­tio­niert den Unter­kie­fer leicht nach vor­ne und sorgt für eine Span­nung der Zun­gen­mus­ku­la­tur sowie des Unter­kie­fer- und Rachen­ge­we­bes. Dies bewirkt eine Erwei­te­rung der Atem­we­ge und erleich­tert das Durch­at­men.
  • Schlaf­po­si­ti­on ver­än­dern: Eine ver­än­der­te Schlaf­la­ge kann Schnar­chen wirk­sam min­dern oder gar hem­men. Anstatt der Rücken­la­ge ist der Schlaf in Sei­ten­la­ge sehr emp­feh­lens­wert. Auch ein leicht erhöh­ter Ober­kör­per kann sich posi­tiv auf das Schnar­chen aus­wir­ken. Im Opti­mal­fall soll­te der Kopf beim Schla­fen weder zu hoch, noch zu tief gela­gert wer­den. Gute Hilfs­mit­tel sind bei­spiels­wei­se ein spe­zi­el­ler Schaum­stoff­keil, den Sie sich unter den Rücken legen kön­nen oder ein zwei­tes Kopf­kis­sen.
  • Über­ge­wicht redu­zie­ren und ver­mei­den: Über­ge­wich­ti­ge Men­schen lei­den häu­fi­ger unter Schnar­chen, als Men­schen mit einem Nor­mal­ge­wicht. Dies kann unter ande­rem dar­in begrün­det lie­gen, dass über­mä­ßi­ge Fett­ein­la­ge­run­gen im Hals­be­reich die Atem­we­ge ver­en­gen kön­nen. Eine gesun­de, aus­ge­wo­ge­ne und fri­sche Ernäh­rungs­wei­se, aus­rei­chend Flüs­sig­keit sowie regel­mä­ßi­ge Bewe­gung an der fri­schen Luft, hel­fen über­schüs­si­ge Kilos zu ver­lie­ren und somit Schnar­chen zu min­dern.
  • Abends auf reich­hal­ti­ge Mahl­zei­ten und Alko­hol­ge­nuss ver­zich­ten: Alko­hol­ge­nuss wirkt sich nega­tiv auf die Mus­ku­la­tur und die Atem­we­ge aus und behin­dert teil­wei­se mas­siv die Atmung. Infol­ge­des­sen kommt es zu ver­mehr­tem Schnar­chen. Auf die­se Wei­se kann Alko­hol die Schlaf­qua­li­tät erheb­lich ein­schrän­ken. Auch eine zu üppi­ge Ernäh­rungs­wei­se hat nega­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf die Schlaf­qua­li­tät. Aus die­sem Grund ist es emp­feh­lens­wert min­des­tens zwei Stun­den vor dem Schla­fen­ge­hen auf reich­hal­ti­ge Mahl­zei­ten und Alko­hol zu ver­zich­ten.
  • All­er­gi­en effi­zi­ent bekämp­fen und All­er­ge­ne aus der Schlaf­um­ge­bung ver­ban­nen: Zahl­rei­che Stof­fe bewir­ken ein Anschwel­len der Nasen­schleim­haut und erschwe­ren somit das Durch­at­men. Eine ver­stopf­te Nase ist ein sehr häu­fi­ger Aus­lö­ser für Schnar­chen. All­er­gi­ker soll­ten im Ide­al­fall nachts mit geschlos­se­nem Fens­ter schla­fen, um Pol­len­flug zu ver­mei­den. Eben­so soll­ten Sie auf gesun­de Schlaf­be­din­gun­gen ach­ten: Ein posi­ti­ves und ange­nehm küh­les Raum­kli­ma und eine fri­sche Raum­luft erleich­tern das Durch­at­men und redu­zie­ren Schnarch­ge­räu­sche. Eine hygie­ni­sche, staub- und mil­ben­freie Schlaf­um­ge­bung ist von bedeu­ten­der Wich­tig­keit für einen guten und erhol­sa­men Schlaf. Zur Behand­lung einer ver­stopf­ten Nase bie­ten sich zahl­rei­che Sprays und Nasen­spü­lun­gen auf Meer­salz­ba­sis an. Sie befeuch­ten sanft die Nasen­schleim­häu­te, pfle­gen, beru­hi­gen und lösen wirk­sam Ver­stop­fun­gen.
  • Rau­chen ver­mei­den: Niko­tin­rauch bewirkt ein Aus­trock­nen der Schleim­haut der obe­ren Luft- und Atem­we­ge. Es kommt zu einem Anschwel­len und infol­ge­des­sen zu einer Ein­engung des Luft­stroms. Es gibt zahl­rei­che wirk­sa­me Wege, mit dem Rau­chen auf­zu­hö­ren und sei­ner Gesund­heit somit etwas rich­tig Gutes zu tun.

Wann ist der Arztbesuch unvermeidlich?

Schnar­chen ist in den meis­ten Fäl­len eine läs­ti­ge, jedoch harm­lo­se Erschei­nung. Den­noch soll­te inten­si­ves und lang anhal­ten­des Schnar­chen nicht igno­riert wer­den, denn es kann lang­fris­tig zu nega­ti­ven gesund­heit­li­chen Aus­wir­kun­gen kom­men. Gera­de wenn Ihr Part­ner lang anhal­ten­de Atem­aus­set­zer bei Ihnen bemerkt, soll­ten Sie umge­hend einen Arzt auf­su­chen.

Pro­ble­ma­tisch wird es bei­spiels­wei­se, wenn eine man­geln­de Sauer­stoff­zu­fuhr, diver­se kör­per­li­che Stress­re­ak­tio­nen im Schlaf her­vor­ruft. Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt kann in bestimm­ten Fäl­len mit­tels einer Ope­ra­ti­on oder eines Laser-Ein­griffs, erschlaff­tes Gewe­be straf­fen oder ent­fer­nen.

Je nach der exak­ten Ursa­che des Schnar­chens kann also eine Ope­ra­ti­on hel­fen.

Die häu­figs­ten Anti-Schnarch-Ein­grif­fe sind:

  • Man­del-Ope­ra­tio­nen
  • Nasen­mu­schel-Ope­ra­tio­nen
  • Nasen­schei­de­wand-Kor­rek­tu­ren
  • Nasen­ne­ben­höh­len-Ope­ra­tio­nen
  • Ope­ra­tio­nen am Zun­gen­grund
  • Ope­ra­tio­nen am Zun­gen­bein



 

Schnar­chen – nur läs­tig oder doch gefähr­lich?

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