Sind Sie richtig versichert?

Eine Krankenversicherung zu finden, die vollumfänglich die Ansprüche und Leistungen abdeckt, die man sich persönlich wünscht, ist nicht einfach, aber durchaus machbar. Wir helfen Ihnen dabei, den Überblick zu behalten und Ihre Wunschabsicherung zu finden.

Krankenversciherungen im Vergleich

Eine Krankenversicherung ist in Deutschland ein Muss. Ob man sich krankenversichern möchte, steht daher gar nicht zur Disposition. Die einzige Frage, die sich Ihnen unausweichlich stellt, lautet: Ist eine gesetzliche oder eine private Krankenversicherung für mich die richtige?

Gesetzliche Krankenkasse (GKV)

Derzeit gibt es in Deutschland rund hundert gesetzliche Krankenkassen (GKV), die sich in folgende Kassenarten untergliedern lassen: Betriebskrankenkassen (BKK), Ersatzkassen (EK), allgemeine Ortskrankenkassen (AOK), Innungskrankenkassen (IKK), Landwirtschaftliche Krankenkassen (LKK) und KNAPPSCHAFT. Sie unterscheiden sich in ihren Beitragssätzen nur minimal voneinander. Gesetzlich vorgeschrieben ist ein Beitrag von 14,6 %. Da die meisten Kassen damit nicht mehr auskommen, erheben sie noch einen Zusatzbeitrag. Dieser variiert in der Höhe von Kasse zu Kasse. Die Beitragssätze der GKV liegen aktuell zwischen 14,95 % und 16,5 %. Somit kann sich ein Krankenkassenvergleich lohnen.

Auch in ihren Grundleistungen sind die GKV nahezu einheitlich. Denn das Sozialgesetzbuch (SGB) gibt in einem Leistungskatalog den Rahmen vor. Zu ihnen gehören zum Beispiel die Kosten für diagnostische Maßnahmen und Behandlung von Krankheiten durch Ärzte sowie die Kostenübernahme für Medikamente, Heilmittel, Hilfsmittel, Vorsorge, medizinische Rehabilitation, Pflegemaßnahmen und Krankengeld. Zuschüsse zu rezeptfreien Medikamenten fallen, wenn sie überhaupt gezahlt werden, in der Regel gering aus. Alternative Behandlungsmethoden oder auch Impfungen für Reisen in Risikogebiete werden von den GKV selten bezuschusst. Für derartige Fälle bieten sie ihren Versicherten frei hinzuwählbare Zusatzleistungen an. Diese Leistungen bestimmen am Ende die Höhe des zu zahlenden Beitrags (Beitragssatz zuzüglich Zusatzbeitrag).

Private Krankenversicherung (PKV)

Auch bei den über 40 Anbietern von Privaten Krankenversicherungen (PKV) in Deutschland unterscheiden sich die Beitragskosten, je nachdem für welche(n) Tarif(e) Sie sich entscheiden. Unabhängig davon bestimmt auch Ihr beruflicher Status, ob Ihnen Leistungen nur teilweise oder gänzlich erstattet werden. Denn bei einer PKV ist ausschlaggebend, ob Sie angestellt, selbstständig oder beihilfeberechtigt (Beamter oder Anwärter) sind.

Privat oder gesetzlich versichern?

Grundsätzlich gilt: Als gesetzlich Versicherter können Sie sich Zusatzleistungen hinzubuchen, sodass Sie ähnliche Vorteile genießen wie Privatversicherte. Aber nicht jeder, der sich privat versichern möchte, kann Mitglied in einer PKV werden. Ob Sie sich gesetzlich versichern müssen oder sich privat versichern können, hängt in erster Linie von der Höhe Ihres Bruttoeinkommens ab. Es gibt die sogenannte Versicherungspflichtgrenze (Jahresarbeitsentgeltgrenze liegt Stand 2021 bei 64.350,00 Euro p.a.), die darüber entscheidet, welche Optionen Sie haben:

Sie befinden sich im Studium? Sie sind Rentner? Sie sind arbeitslos? Oder Sie sind angestellt und Ihr monatliches Bruttoeinkommen liegt unter 4.837,50 Euro (Stand 2021), dann müssen Sie sich gesetzlich versichern (pflichtversichert).

Rechenbeispiel: So viel zahlt ein Angestellter ohne Kind
Sie sind Angestellter, ledig ohne Kind, und verdienen jährlich 65.000 Euro brutto. Ihr Beitragssatz für eine GKV läge monatlich – ausgehend von durchschnittlich 15,6 % – bei 377,33 Euro (ohne Pflegeversicherung). Ihr Anteil für die Pflegeversicherung läge bei über 80 Euro. In etwa so viel schießt Ihr Arbeitgeber hinzu, sodass Ihre monatliche Krankenversicherung insgesamt nahezu 900 Euro kostet (maximal 890 Euro, da der Höchstsatz begrenzt ist).

Im Vergleich dazu würden Sie bei einer PKV weitaus weniger zahlen müssen: für den Basis-Tarif im Schnitt 230 Euro, für den Standard-Tarif im Schnitt 260 Euro und für den Komfort-Tarif im Schnitt 280 Euro. Die Pflegeversicherung ist in einer PKV bereits enthalten.

Ihr monatliches Arbeitsentgelt als Angestellter liegt über 4.837,50 Euro (Stand 2021)? Sie sind selbstständig oder freiberuflich tätig? Dann können Sie sich privat oder gesetzlich krankenversichern (freiwillige Versicherung). Die Beiträge für freiwillig gesetzlich Versicherte werden vom GKV Spitzenverband für alle gesetzlichen Krankenkassen festgelegt.

Rechenbeispiel: So viel zahlt ein Selbstständiger ohne Kind
Sie sind selbstständig, ledig ohne Kind, und verdienen jährlich 65.000 Euro brutto. Ihr Beitragssatz für eine GKV läge – ausgehend von durchschnittlich 15,6 % – monatlich bei 377,33 Euro (ohne Pflegeversicherung). Ihr Anteil für die Pflegeversicherung läge bei über 80 Euro. Da der Selbstständige keinen Arbeitgeber hat, der den entsprechenden Anteil übernimmt, verdoppeln sich die Kosten für den freiwillig bei einer GKV versicherten Selbstständigen.

Im Vergleich dazu würden Sie bei einer PKV für eine Vollversicherung (mit Selbstbehalt, Krankentagegeld, Beitragsentlastung) und abhängig von Ihrer Tarifwahl im Schnitt rund 530 Euro (inklusive Pflegeversicherung) zahlen. Im Betrag sind zudem Leistungen inkludiert wie Zweibettzimmer bei einem Krankenhausaufenthalt sowie die Kostenübernahmen bei Zahnersatz. Als Mitglied einer GKV müssten Sie diese Leistungen dazubuchen.

Sie sind beihilfeberechtigt oder Anwärter auf Beihilfe? Dann kommt für Sie nur eine PKV in Frage. Allerdings haben Sie als Beihilfeberechtigter oder Anwärter einen gesetzlichen Anspruch auf prozentuale Erstattung der Krankheitskosten. Die Höhe ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich, liegt aber bei mindestens 50 Prozent. Auch Familienmitglieder profitieren von den Konditionen.

Rechenbeispiel: So viel zahlt ein Beihilfeberechtigter ohne Kind
Dieses Beispiel gilt für Hessen, da die prozentuale Erstattung der Krankheitskosten länderspezifisch ist: Sie sind verbeamtet oder Anwärter, sind ledig ohne Kind und verdienen jährlich 65.000 Euro brutto. Ihr Beitragssatz für eine PKV Vollversicherung (mit Selbstbehalt, Krankentagegeld, Beitragsentlastung) beträgt abhängig von Ihrer Tarifwahl im Schnitt knapp 300 Euro. Der Beihilfesatz beträgt 50 %.

Eine Ausnahme gibt es für Künstler und Publizisten. Sie werden über die Künstlersozialkasse (KSK) gesetzlich sozialversichert, solange ihr Jahresarbeitseinkommen eine bestimmte Höhe nicht dauerhaft überschreitet. Informationen hierzu finden Sie unter www.kuenstlersozialkasse.de.

Ein weiterer Faktor, der Ihre Wahl der Krankenkasse beeinflusst, ist Ihre Lebenssituation. Sie definiert mit, für welche Leistungen Sie sich entscheiden werden. Denn Ihre Ansprüche als Ledige(r) oder Student(in) sind völlig andere als die einer Familie.

Daher sollten Sie als Erstes folgenden Fragen klären: Wie soll Ihr Leben in näherer Zukunft aussehen:

Sind Sie bekennender Single?

Wollen Sie (bald) heiraten und vielleicht sogar eine Familie gründen?

Wie wichtig ist Ihnen das Thema Gesundheit?

Wie hoch ist Ihr Sicherheitsbedürfnis?

Was tun Sie für Ihre Altersvorsorge?

Auch diese und ähnliche Fragen beeinflussen am Ende die Wahl für eine Krankenkasse.

Rechenbeispiel: So viel kostet die Krankenversicherung für ein Kind
Sind beide Elternteile in einer GKV versichert und ihr monatliches Bruttoeinkommen liegt unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze, dann ist ihr Kind automatisch mitversichert.
Ist ein Kind waisenrentenberechtigt, so hängt es von der Höhe der Bezüge ab, ob das Kind nur mit einer eigenen Mitgliedschaft in der GKV versicherbar ist. Es zahlt dann den Mindestbeitrag für freiwillig Versicherte. Dieser liegt bei rund 168 Euro (Stand 2021).
In der Regel liegt der monatliche Beitrag für ein Kind bei einer PKV zwischen 100 und knapp 200 Euro (auch abhängig von der Höhe des Selbstbehalts). Für eine Familie gilt: Unabhängig von Alter und Beruf zahlt jedes Familienmitglied einen eigenen Beitrag. Der Ehepartner und die Kinder sind demzufolge selbstständig versichert. Kinder zahlen aber deutlich weniger.
Sie sind Lehrer in Hessen, sind ledig mit 1 Kind und verdienen jährlich 65.000 Euro brutto. Ihr Beitragssatz für eine PKV Vollversicherung (mit Selbstbehalt, Krankentagegeld, Beitragsentlastung) und abhängig von Ihrer Tarifwahl liegt im Schnitt bei knapp 300 Euro. Der Beihilfesatz beträgt 50 %. Der Beitrag für Ihr 4-jähriges Kind liegt bei rund 92 Euro.

Vergleichen lohnt sich

Da sich die GKV in ihren Grundleistungen kaum voneinander unterscheiden, sollten Sie den Fokus bei Ihrer Wahl auf andere Faktoren legen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Berücksichtigt eine GKV bei ihrem Leistungsangebot die Interessen Ihrer Berufsgruppe?
  • Legt eine GKV einen besonderen Schwerpunkt auf Beratung und Service?
  • Entspricht einer der freiwilligen Wahltarife (Selbstbehalt, Beitragsrückerstattung, Kostenerstattung, besondere Arzneimittel) Ihren Vorstellungen von einer perfekten Versorgung? Dies könnte für Sie zum Beispiel von Interesse sein, wenn Sie chronisch krank sind und eine GKV spezielle Leistungen anbietet.
  • Schauen Sie sich auch die Zusatzversicherungen der einzelnen GKV an, mit denen Sie weitere Lücken des gesetzlichen Versicherungsschutzes schließen könnten, um sich exzellent abgesichert zu fühlen.
  • Vergleichen Sie die Extras wie Partnerschaftsprogramme, Familienversicherung, Bonusprogramme oder auch Alternativmedizin

Mittlerweile gibt es auch GKV, die sich an Menschen mit besonderem Ernährungsbewusstsein richten. Falls Sie vegan leben, käme für Sie vielleicht eine GKV in Frage, die sich voll und ganz mit ihrem Leistungsspektrum auf diese Lebensweise ausgerichtet hat.

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Kurzum: Es ist zwar aufwändig, die Krankenkasse zu finden, die den eigenen Ansprüchen und Bedürfnissen am besten gerecht wird. Aber es ist machbar und unser Ratgeber wird Ihnen dabei helfen.

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