Psychotherapie – diese Therapieformen helfen

Psychotherapie – diese Therapieformen helfen

Ob Depres­sio­nen, Ängs­te, Zwangs­stö­run­gen oder ande­re psy­chi­sche Erkran­kun­gen, die Psy­cho­the­ra­pie gehört bei see­li­schen Pro­ble­men zu den beson­ders wirk­sa­men Behand­lungs­me­tho­den. Die gän­gi­gen und wis­sen­schaft­lich fun­dier­ten The­ra­pie­ver­fah­ren las­sen sich dabei fünf über­ge­ord­ne­ten For­men zuord­nen.

Welche anerkannten Therapieformen gibt es?

Wis­sen­schaft­lich aner­kannt sind in Deutsch­land die Ver­hal­tens­the­ra­pie, die ana­ly­ti­sche Psy­cho­the­ra­pie, die tiefen­psychologisch fun­dier­te The­ra­pie, die sys­te­mi­sche The­ra­pie und die Gesprächs­psycho­therapie. Trotz der erwie­se­nen Wirk­sam­keit wer­den aller­dings nur die ers­ten drei der genann­ten For­men von den gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen bezahlt.

Verhaltenstherapie

Bei der Ver­hal­tens­the­ra­pie sol­len Pati­en­ten in der Ver­gan­gen­heit erlern­te Ver­hal­tens­mus­ter durch neue Erfah­run­gen und Gewohn­hei­ten erset­zen. Im Rah­men der The­ra­pie wird das Pro­blem zunächst in Bezug auf die genau­en Aus­lö­ser und die Umstän­de des Auf­tre­tens ana­ly­siert. Anschlie­ßend erar­bei­ten The­ra­peut und Pati­ent neue Pro­blem­lö­se­an­sät­ze und Ver­hal­tens­mo­del­le, mit denen der Pati­ent in Zukunft bes­ser mit bei­spiels­wei­se beängs­ti­gen­den Situa­tio­nen umge­hen kann. Im Rah­men der schritt­wei­sen Kon­fron­ta­ti­on set­zen sich die Pati­en­ten schließ­lich nach und nach bewusst mit ihrem Pro­blem aus­ein­an­der und trai­nie­ren ihre Fähig­kei­ten direkt im All­tag. Erfah­run­gen und Erleb­nis­se, die die Pro­ble­me ver­ur­sacht haben, ste­hen nicht im Vor­der­grund einer Ver­hal­tens­the­ra­pie.

Analytische Psychotherapie

Die ana­ly­ti­sche Psy­cho­the­ra­pie setzt dem­ge­gen­über bewusst an Erfah­run­gen aus der Kind­heit eines Pati­en­ten an. Anknüp­fend an die Leh­ren von Sig­mund Freud wer­den früh­kind­li­che Prä­gun­gen als Aus­lö­ser für aktu­el­le Pro­ble­me ein­ge­ord­net. Bei der The­ra­pie soll sich der Pati­ent die­sen zumeist ver­dräng­ten Erfah­run­gen wie­der bewusst wer­den und kann sie anschlie­ßend aktiv bear­bei­ten. Der The­ra­peut nimmt bei der ana­ly­ti­schen The­ra­pie eine neu­tra­le Rol­le ein und regt eine ganz­heit­li­che Bear­bei­tung der Pro­ble­me an.

Tiefenpsychologische Psychotherapie

Die tie­fen­psy­cho­lo­gi­sche Psy­cho­the­ra­pie setzt eben­falls am unbe­wuss­ten Erle­ben und Ver­hal­ten des Pati­en­ten an. Nicht aus­rei­chend ver­ar­bei­te­te Kon­flik­te kön­nen dem­nach das Ver­hal­ten in der Gegen­wart beein­flus­sen und müs­sen zur akti­ven Pro­blem­be­ar­bei­tung ins Bewusst­sein zurück­ge­holt wer­den. Unter­schie­de zur ana­ly­ti­schen The­ra­pie bestehen aller­dings in der Rol­le des The­ra­peu­ten und dem kon­kre­ten Pro­blem­lö­se­an­satz. Tie­fen­psy­cho­lo­gisch arbei­ten­de Psy­cho­the­ra­peu­ten len­ken das Gespräch akti­ver und ori­en­tie­ren sich bei der Lösungs­su­che an kon­kre­ten Pro­blem­stel­lun­gen.

Systemische Therapie

Bei der sys­te­mi­schen The­ra­pie steht die Bezie­hung des Pati­en­ten zu sei­ner Umwelt im Vor­der­grund der Betrach­tun­gen. Je nach kon­kre­tem The­ra­pie­an­satz wer­den etwa die Bezie­hun­gen zur Fami­lie oder ande­ren wich­ti­gen Bezugs­per­so­nen ana­ly­siert und in die The­ra­pie mit­ein­be­zo­gen. Mit­hil­fe von Gesprä­chen in ver­schie­de­nen Grup­pen­kon­stel­la­tio­nen sol­len gestör­te Kom­mu­ni­ka­ti­ons­struk­tu­ren auf­ge­spürt und posi­tiv ver­än­dert wer­den.

Gesprächstherapie

Die Gesprächs­psy­cho­the­ra­pie geht von posi­ti­ven Ent­wick­lungs­kräf­ten jeder Per­son aus, die durch ungüns­ti­ge Ein­flüs­se jedoch blo­ckiert sein kön­nen. Im Rah­men indi­vi­du­el­ler, auf per­sön­li­cher Ebe­ne geführ­ter Gesprä­che ler­nen Pati­en­ten sich selbst und ihre Hand­lungs­mo­ti­ve bes­ser ken­nen und ent­wi­ckeln auf die­ser Basis Ansät­ze, sich posi­tiv zu ver­än­dern. Da der The­ra­peut sich bei die­ser The­ra­pie­form aktiv und auf per­sön­li­cher Ebe­ne in die Sit­zun­gen ein­bringt, ist das gute Ver­hält­nis zwi­schen ihm und sei­nem Pati­en­ten von beson­de­rer Bedeu­tung.

Unter welchen Voraussetzungen ist eine Psychotherapie zu empfehlen?

All­täg­li­che see­li­sche Belas­tun­gen, mit denen Betrof­fe­ne nicht mehr allei­ne zurecht­kom­men, soll­ten den Anstoß geben, psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Hil­fe in Anspruch zu neh­men. Abhän­gig von der indi­vi­du­el­len Lebens­si­tua­ti­on kön­nen sich die­se allei­ne nicht zu bewäl­ti­gen­den Pro­ble­me in unter­schied­lichs­ten kon­kre­ten Gedan­ken­mus­tern und Sym­pto­men äußern. Neben psy­chi­schen Beschwer­den kön­nen dazu auch kör­per­li­che Sym­pto­me wie Schlaf­stö­run­gen, Kon­zen­tra­ti­ons­pro­ble­me, Übel­keit, Schwin­del oder Schmer­zen gehö­ren. Vor­aus­set­zung dafür, dass eine The­ra­pie Erfol­ge erzie­len kann, sind aller­dings unab­hän­gig von der gewähl­ten The­ra­pie­form, die Bereit­schaft zur Arbeit an und zur Aus­ein­an­der­set­zung mit sich selbst. Pati­en­ten brau­chen zudem den Wil­len, Ver­än­de­run­gen anzu­ge­hen.

Die passende Therapieform auswählen

Wel­che The­ra­pie­form sich zur Behand­lung see­li­scher Pro­ble­me am bes­ten eig­net, lässt sich nach aktu­el­lem For­schungs­stand nicht pau­schal beant­wor­ten. Aus­gangs­punkt für eine fun­dier­te Ent­schei­dung soll­ten daher per­sön­li­che Moti­ve und Prä­fe­ren­zen sowie gege­be­nen­falls das Ver­trau­ens­ver­hält­nis zwi­schen poten­zi­el­lem The­ra­peu­ten und dem Pati­en­ten sein. Fol­gen­de Leit­fra­gen hel­fen bei der Aus­wahl:

  • Möch­te sich der Pati­ent mit sei­ner Ver­gan­gen­heit aus­ein­an­der­set­zen und bei tief gehen­den Gesprä­chen den Ursa­chen sei­ner Pro­ble­me auf den Grund gehen? In die­sem Fall ist die ana­ly­ti­sche oder tie­fen­psy­cho­lo­gi­sche The­ra­pie geeig­net.
  • Soll die akti­ve Bewäl­ti­gung aktu­el­ler Pro­ble­me im Vor­der­grund ste­hen und ist der Pati­ent bereit, sei­ne Schwie­rig­kei­ten mit kon­kre­ten Übun­gen im All­tag anzu­ge­hen? Dann kommt eine Ver­hal­tens­the­ra­pie in Betracht.
  • Wer­den Bezie­hungs­pro­ble­me oder fami­liä­re Kon­flik­te als Aus­lö­ser der Pro­ble­me ver­mu­tet? Eine sys­te­mi­sche The­ra­pie kann in die­sem Fall hel­fen.
  • Sucht der Pati­ent die ver­tief­te Aus­ein­an­der­set­zung mit sich selbst und legt Wert auf eine sehr ver­trau­ens­vol­le Bezie­hung zum The­ra­peu­ten? Hier kann eine Gesprächs­psy­cho­the­ra­pie die opti­ma­le Ent­schei­dung sein.

Eine Psychotherapie beantragen

Ist die Ent­schei­dung für eine Psy­cho­the­ra­pie gefal­len, kön­nen Pati­en­ten mög­li­che The­ra­peu­ten im ers­ten Schritt frei wäh­len. Die nöti­gen Adres­sen las­sen sich im Inter­net recher­chie­ren. Damit die The­ra­pie spä­ter über­nom­men wird, soll­te jedoch bereits vor der Kon­takt­auf­nah­me unbe­dingt geklärt wer­den, ob der The­ra­peut eine Kas­sen­zu­las­sung besitzt.

Ist die­se Vor­aus­set­zung gege­ben, steht nach per­sön­li­cher Ter­min­ver­ein­ba­rung ein Vor­ab­ge­spräch mit dem gewähl­ten Psy­cho­lo­gen an, bei dem die­ser eine Emp­feh­lung für die wei­te­re Behand­lung aus­spricht. Im Anschluss an die­ses Gespräch haben Kas­sen­pa­ti­en­ten Anspruch auf zwei bis vier Pro­be­sit­zun­gen, bevor der Psy­cho­the­ra­peut die end­gül­ti­ge Dia­gno­se stellt und ein ent­spre­chen­des Gut­ach­ten ver­fasst. Nach einer all­ge­mei­nen Unter­su­chung beim Haus­arzt, der kör­per­li­che Ursa­chen für die Pro­ble­me aus­schließt, kann die The­ra­pie nun end­gül­tig bean­tragt wer­den. Pas­sen­de For­mu­la­re stel­len die ein­zel­nen Kran­ken­kas­sen bereit. Bei Pri­vat­pa­ti­en­ten sind dar­über hin­aus abwei­chen­de Rege­lun­gen mög­lich. Hier sind die Kon­di­tio­nen des eige­nen Anbie­ters zu prü­fen.

Den passenden Therapeuten finden

Doch wel­cher The­ra­peut ist nun der rich­ti­ge? Das aus­schlag­ge­ben­de Kri­te­ri­um soll­te die Sym­pa­thie zwi­schen Pati­ent und Psy­cho­the­ra­peut sein. Die­se beein­flusst den The­ra­pie­er­folg nach­weis­lich am meis­ten. Ver­fügt der The­ra­peut zudem über eine Zulas­sung, ist die fach­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on gewähr­leis­tet, sodass der erfolg­rei­chen The­ra­pie nichts im Wege steht.