PSMA 11 ist ein neues Medikament zur Diagnostik von Prostatakrebs

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 11.02.2019 Lesezeit: 5 Minuten
Mit PSMA-11 gegen Prostatakarzinom
PSMA 11 ist ein neues Medikament zur Diagnostik von Prostatakrebs

Die Prostata wird am häufigsten von Krebs befallen

Etwa jede vier­te Krebs­er­kran­kung bei Män­nern betrifft die Pro­sta­ta. Damit ist ein Pro­statakar­zi­nom die häu­figs­te Krebs­er­kran­kung bei Män­nern. Allein in Deutsch­land erkran­ken jähr­lich etwa 60.000 Män­ner neu, 12.000 Pati­en­ten ster­ben jedes Jahr. Die Erkran­kung mit dem Pro­statakar­zi­nom ist außer­dem die dritt­häu­figs­te krebs­be­ding­te Todes­ur­sa­che. Lan­ge Zeit war es nicht mög­lich, die­sen bös­ar­ti­gen Tumor rich­tig zu dia­gnos­ti­zie­ren und zu loka­li­sie­ren, vor allem was den Schwe­re­grad der Erkran­kung betrifft. Eine The­ra­pie gestal­tet sich als äußerst kom­pli­ziert und geht meist mit einem Ver­lust der “Männ­lich­keit” ein­her. Wird die männ­li­che Geschlechts­drü­se ganz oder teil­wei­se ent­fernt, kommt es zu Erek­ti­ons­pro­ble­men, auch der völ­li­ge Ver­lust der Erek­ti­ons­fä­hig­keit ist mög­lich.

For­schern ist es erst­mals gelun­gen, den Krebs der Vor­ste­her­drü­se des Man­nes auf mole­ku­la­rer Ebe­ne sicht­bar zu machen und zu in man­chen Fäl­len sogar zu besie­gen. Damit geben Sie  Pati­en­ten Hoff­nung, deren Pro­sta­ta erkrankt ist. Mit PSMA 11 ist nun erst­mals eine exak­te Dia­gno­se der bös­ar­ti­gen Wuche­run­gen mög­lich, die Sub­stanz kann mög­li­cher­wei­se auch zur anschlie­ßen­den The­ra­pie geeig­net sein. Das soge­nann­te Thera­nos­ti­kum wur­de in Deutsch­land ent­wi­ckeln und bereits viel­fach erfolg­reich getes­tet. Laut dem Radio­lo­gen Dr. Hein-Peter Schlem­mer vom Deut­schen Krebs­for­schungs­zen­trum (DKFZ) in Hei­del­berg, hat sich das Medi­ka­ment in kür­zes­ter Zeit welt­weit ver­brei­tet. Die bahn­bre­chen­de Erfin­dung stammt aus den Hei­del­ber­ger Labo­ren. Aller­dings läuft gera­de die kli­ni­sche Pha­se-III-Stu­die (“Die Pha­se III dient dem Nach­weis der Wirk­sam­keit und Ver­träg­lich­keit des Prüf­prä­pa­rats.”). Die Ergeb­nis­se wer­den vor­aus­sicht­lich erst 2022 vor­lie­gen.

Der­zeit lau­tet die Exper­ten­mei­nung, dass die PSMA The­ra­pie erst dann ange­wen­det wer­den soll­te, wenn alle ande­ren The­ra­pie­for­men (Anti­hor­mon- und Che­mo­the­ra­pie) aus­ge­schöpft sind.

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PSMA 11 ist eine Eiweißkombination und wird als Biomarker bei Prostatakrebs eingesetzt

Auf­grund der Häu­fig­keit der Erkran­kun­gen und den schwer­wie­gen­den Kon­se­quen­zen suchen For­scher seit Jah­ren nach einer geeig­ne­ten The­ra­pie-Mög­lich­keit. In den USA ent­deck­te man schon vor Jah­ren das soge­nann­te Pro­sta­ta-spe­zi­fi­sche Mem­bran-Anti­gen, kurz PSMA. Die­ses Eiweiß befin­det sich auf der Ober­flä­che von Pro­sta­ta­zel­len. Auf Pro­statakar­zi­nom­zel­len ist die­ser Eiweiß­kör­per ver­mehrt vor­han­den und macht so eine Dia­gno­se mit dem vor­han­de­nen Schwe­re­grad mög­lich. Auch klei­ne Tumo­re kön­nen mit­tels einer spe­zi­el­len Metho­de sehr genau erkannt und nach­ge­wie­sen wer­den. Wei­ter­hin lässt sich recht prä­zi­se mes­sen, wie weit sich die Tumor­er­kran­kung bereits aus­ge­dehnt hat. Dies ist für eine erfolg­rei­che The­ra­pie beson­ders wich­tig.

Streut das Kar­zi­nom in ande­re Berei­che des Kör­pers, ist eine genaue Bestim­mung der Anzahl, Grö­ße und Aus­brei­tung von den Meta­sta­sen enorm wich­tig. Nur dadurch kann eine effek­ti­ve Behand­lungs­me­tho­de gewählt wer­den. Häu­fig tre­ten die Tumo­ren nach erfolg­rei­cher The­ra­pie erneut auf. Hier kann der neue Wirk­stoff PSMA 11 even­tu­ell hel­fen, die­se exakt zu loka­li­sie­ren. Das Eiweiß hef­tet sich an die Mem­bran-Anti­ge­ne des Kör­pers an und wird bei radio­ak­ti­ver Bestrah­lung sicht­bar. Laut DKZF-Che­mi­ker (Deut­sches Krebs­for­schungs­zen­trum) Klaus Kop­ka lei­den vie­le Men­schen unter Hun­der­ten die­ser Meta­sta­sen. In so einem Fall erfolgt die The­ra­pie mit­tels Hor­mo­nen oder eine Che­mo­the­ra­pie kommt zum Ein­satz. Hat der Krebs die Pro­sta­ta noch nicht “ver­las­sen” ist in der Regel eine Ope­ra­ti­on oder eine Bestrah­lung ange­zeigt. Je frü­her das Kar­zi­nom ent­deckt wird, des­to grö­ßer die Hei­lungs­chan­cen.

PSMA 11 kann die Entwicklung vielversprechender Medikamente ermöglichen

Doch nicht nur zur exak­ten Dia­gnos­tik sind die­se Eiwei­ße ein­setz­bar. 2013 gelang es For­schern, das The­ra­peu­ti­kum PSMA 617, ein enger Ver­wand­ter und eine Wei­ter­ent­wick­lung von PSMA 11, zu ent­wi­ckeln. Lagert sich die­ses auf der Zell­mem­bran an, kann das kran­ke Gewe­be bei Bestrah­lung von innen her­aus zer­stört wer­den. Die­ses Ver­fah­ren ist der­zeit noch in der Test­pha­se und wird aus­schließ­lich bei Erkrank­ten ange­wen­det, bei denen ande­re bekann­te The­ra­pie­for­men nicht anschla­gen. Es ist zu beob­ach­ten, dass nach drei­ma­li­ger Wie­der­ho­lung der Anwen­dung, eine Lin­de­rung oder gar Hei­lung bei der Hälf­te der Behan­del­ten ein­tritt. Kli­ni­sche Stu­di­en, die die­se Beob­ach­tun­gen bestä­ti­gen, ste­hen noch aus. Da die­se Behand­lungs­me­tho­de in Deutsch­land noch nicht zuge­las­sen ist, über­neh­men gesetz­li­che Kran­ken­kas­se die Kos­ten nicht. Vie­le pri­va­te Kas­sen erstat­ten die Behand­lungs­kos­ten aber schon. Erst nach erfolg­rei­chen Stu­di­en und einer Zulas­sung auf dem deut­schen Markt, ist davon aus­zu­ge­hen, dass die hohen Kos­ten für die The­ra­pie von allen Kran­ken­kas­sen getra­gen wer­den.

Ist PSMA 11 ein Allheilmittel für alle Männer?

Die­se Fra­ge muss lei­der mit “Nein” beant­wor­tet wer­den. Etwa 10 Pro­zent der Pro­statakar­zi­no­me bil­den näm­lich gar kein PSMA. In die­sen Fäl­len ist weder die ver­bes­ser­te Dia­gnos­tik noch ein Ein­satz der neu­ar­ti­gen Medi­ka­men­te mög­lich. Die Aus­wir­kun­gen für die Pati­en­ten müs­sen aber noch unter­sucht wer­den. Im Moment gehen Exper­ten davon aus, dass vor allem PSMA-bil­den­de Tumo­re the­ra­piert und ent­fernt wer­den müs­sen. Die­se sind im Durch­schnitt näm­lich deut­lich aggres­si­ver. Meta­sta­sen bil­den außer­dem mehr PSMA als die Haupt­tu­mo­re. Vie­len Män­nern kann unter Umstän­den eine Ope­ra­ti­on oder wie­der­hol­te Biop­sie erspart blei­ben, da es sein kann, dass man­che Tumo­re ledig­lich inten­si­ver Beob­ach­tung bedür­fen.

Das PSMA-Ver­fah­ren ist nicht geeig­net zur Früh­erken­nung von Geschlechts­drü­sen­krebs. Für die Pro­sta­ta-Vor­sor­ge­un­ter­su­chun­gen wird es nicht ein­ge­setzt, weil die Belas­tung mit Strah­len für die­sen Fall zu groß wäre. Min­des­tens ein Anfangs­ver­dacht muss vor­lie­gen, damit der Nut­zen einer Unter­su­chung mit radio­ak­ti­ven Strah­len den Risi­ken über­wiegt. Neben einem Abtas­ten der Vor­ste­her­drü­se wer­den auch Blut­tests durch­ge­führt, um den Befall der Vor­ste­her­drü­se aus­zu­schlie­ßen. Die Betrof­fe­nen lei­den meis­tens auch unter diver­sen Beschwer­den, nur sel­ten ver­läuft eine Krebs­er­kran­kung völ­lig ohne Anzei­chen.

Symptome bei bestehendem Prostatakarzinom

Haben Sie Schmer­zen beim Was­ser­las­sen oder ist der Harn­strahl ver­min­dert und berei­tet das Was­ser­las­sen so Schwie­rig­kei­ten, soll­ten Sie einen Uro­lo­gen auf­su­chen. Schmer­zen beim Samen­er­guss oder Blut im Urin bezie­hungs­wei­se der Samen­flüs­sig­keit soll­ten ärzt­lich abge­klärt wer­den. Auch Erek­ti­ons­pro­ble­me, Schmer­zen in der Pro­sta­ta­ge­gend und Pro­ble­me beim Stuhl­gang kön­nen auf eine Erkran­kung der Vor­ste­her­drü­se hin­wei­sen. Han­delt es sich tat­säch­lich um einen bös­ar­ti­gen Tumor, soll­te die­ser mög­lichst früh­zei­tig erkannt und behan­delt wer­den. Streu­en die Krebs­her­de bereits stark, ist eine Behand­lung sehr schwie­rig. Die größ­te Chan­ce auf Hei­lung haben früh­zei­tig erkann­te Erkran­kun­gen, dies gilt vor allem für bös­ar­ti­ge Tumo­re.



Lässt sich der Entstehung von Krebs vorbeugen?

In Unter­su­chun­gen ver­su­chen Exper­ten her­aus­zu­fin­den, ob sich das Krebs­ri­si­ko durch gesun­de Ernäh­rung mini­mie­ren lässt. Die Durch­füh­rung von Stu­di­en gestal­tet sich aber schwie­rig, da die Ernäh­rung nur einer von vie­len mög­li­chen Fak­to­ren ist. Sta­tis­tisch gese­hen haben Vega­ner ein etwa acht Pro­zent gerin­ge­res Risi­ko, an einem Krebs­be­fall der Vor­ste­her­drü­se zu erkran­ken. Der Ver­zehr von Fleisch und Wurst wird gene­rell mit einem erhöh­ten Krebs­ri­si­ko in Ver­bin­dung gebracht.

Wei­ter­hin kann eine über­mä­ßi­ge Kal­zi­um­auf­nah­me die Akti­vie­rung von Vit­amin D im Kör­per hem­men. Dies begüns­tigt eine Krebs­er­kran­kung. Lyko­pin, das vor allem in rotem Obst und Gemü­se ent­hal­ten ist, stei­gert den kör­per­ei­ge­nen Vit­amin D Gehalt. Es wird der­zeit ver­mu­tet, dass sich grü­ner Tee und ver­schie­de­ne Samen, wie Kür­bis­ker­ne, posi­tiv auf die Pro­sta­ta aus­wir­ken und der Bil­dung von Kar­zi­no­men vor­beu­gen kön­nen. Zu einer gesun­den Lebens­wei­se gehört immer auch ein aus­rei­chen­des Maß an Bewe­gung. Män­ner, die kör­per­lich aktiv sind, haben ein gerin­ge­res Risi­ko, an Krebs zu erkran­ken. Wei­ter­hin wird über­mä­ßig erhöh­tes Gewicht als stark gesund­heits­be­las­tend ange­se­hen. All­ge­mein gül­ti­ge Vor­sor­ge­maß­nah­men gegen Pro­sta­ta­krebs gibt es aber der­zeit noch nicht.

PSMA 11 ist ein neu­es Medi­ka­ment zur Dia­gnos­tik von Pro­sta­ta­krebs

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