PSMA 11 ist ein neues Medikament zur Diagnostik und Behandlung von Prostatakrebs

PSMA 11 ist ein neues Medikament zur Behandlung von Prostatakrebs

PSMA 11 ist ein neues Medikament zur Diagnostik und Behandlung von Prostatakrebs

For­schern ist es erst­mals gelun­gen, den Krebs der Vor­ste­her­drü­se des Man­nes auf mole­ku­la­rer Ebe­ne sicht­bar zu machen und zu besie­gen. Damit geben Sie vie­len Pati­en­ten Hoff­nung, deren Pro­sta­ta erkrankt ist. Mit PSMA 11 ist nun erst­mals eine exak­te Dia­gno­se der bös­ar­ti­gen Wuche­run­gen mög­lich, die Sub­stanz eig­net sich auch zur anschlie­ßen­den The­ra­pie. Das soge­nann­te Thera­nos­ti­kum wur­de in Deutsch­land ent­wi­ckeln und bereits viel­fach erfolg­reich getes­tet. Laut dem Radio­lo­gen Dr. Hein-Peter Schlem­mer vom Deut­schen Krebs­for­schungs­zen­trum (DKFZ) in Hei­del­berg, hat sich das Medi­ka­ment in kür­zes­ter Zeit welt­weit ver­brei­tet. Die bahn­bre­chen­de Erfin­dung stammt aus den Hei­del­ber­ger Labo­ren.

 

Die Prostata wird am häufigsten von Krebs befallen

Etwa 25 Pro­zent aller Män­ner lei­den unter die­ser Art von Krebs, damit ist ein Pro­statakar­zi­nom die häu­figs­te Krebs­er­kran­kung bei Män­nern. Allein in Deutsch­land erkran­ken jähr­lich etwa 60.000 Män­ner neu, 12.000 Pati­en­ten ster­ben jedes Jahr. Die Erkran­kung mit dem Pro­statakar­zi­nom ist außer­dem die dritt­häu­figs­te krebs­be­ding­te Todes­ur­sa­che. Lan­ge Zeit war es nicht mög­lich, die­sen bös­ar­ti­gen Tumor rich­tig zu dia­gnos­ti­zie­ren und zu loka­li­sie­ren, vor allem was den Schwe­re­grad der Erkran­kung betrifft. Eine The­ra­pie gestal­tet sich als äußerst kom­pli­ziert und geht meist mit einem Ver­lust der “Männ­lich­keit” ein­her. Wird die männ­li­che Geschlechts­drü­se ganz oder teil­wei­se ent­fernt, kommt es zu Erek­ti­ons­pro­ble­men, auch der völ­li­ge Ver­lust der Erek­ti­ons­fä­hig­keit ist mög­lich.

 

PSMA ist eine Eiweißkombination und wird als Biomarker bei Prostatakrebs eingesetzt

Auf­grund der Häu­fig­keit der Erkran­kun­gen und den schwer­wie­gen­den Kon­se­quen­zen suchen For­scher seit Jah­ren nach einer geeig­ne­ten The­ra­pie-Mög­lich­keit. In den USA ent­deck­te man schon vor Jah­ren das soge­nann­te Pro­sta­ta-spe­zi­fi­sche Mem­bran-Anti­gen, kurz PSMA. Die­ses Eiweiß befin­det sich auf der Ober­flä­che von Pro­sta­ta­zel­len. Auf Pro­statakar­zi­nom­zel­len ist die­ser Eiweiß­kör­per ver­mehrt vor­han­den und macht so eine Dia­gno­se mit dem vor­han­de­nen Schwe­re­grad mög­lich. Auch klei­ne Tumo­re kön­nen mit­tels einer spe­zi­el­len Metho­de sehr genau erkannt und nach­ge­wie­sen wer­den. Wei­ter­hin lässt sich prä­zi­se mes­sen, wie weit die Tumor­er­kran­kung sich bereits aus­ge­dehnt hat. Dies ist für eine erfolg­rei­che The­ra­pie beson­ders wich­tig.

Streut das Kar­zi­nom in ande­re Berei­che des Kör­pers, ist eine genaue Bestim­mung der Anzahl, Grö­ße und Aus­brei­tung von den Meta­sta­sen enorm wich­tig. Nur dadurch kann eine effek­ti­ve Behand­lungs­me­tho­de gewählt wer­den. Meis­tens tre­ten die Tumo­ren nach erfolg­rei­cher The­ra­pie erneut auf. Hier kann der neue Wirk­stoff PSMA 11 hel­fen, die­se exakt zu loka­li­sie­ren. Das Eiweiß hef­tet sich an die Mem­bran-Anti­ge­ne des Kör­pers an und wird bei radio­ak­ti­ver Bestrah­lung sicht­bar. Laut DKZF-Che­mi­ker Klaus Kop­ka lei­den vie­le Men­schen unter Hun­der­ten die­ser Meta­sta­sen. In so einem Fall erfolgt die The­ra­pie mit­tels Hor­mo­nen oder eine Che­mo­the­ra­pie kommt zum Ein­satz. Hat der Krebs ein gerin­ges Sta­di­um und ist noch nicht so weit aus­ge­brei­tet, kann eine Ope­ra­ti­on hel­fen, meist in Kom­bi­na­ti­on mit Bestrah­lung der Meta­sta­sen.

Durch die neue Art der Krebs-Dia­gnos­tik kommt es bei rund 50 Pro­zent der Pati­en­ten zu einer ande­ren The­ra­pie, als ursprüng­lich gewählt wor­den wäre. Die­ses Ergeb­nis ist enorm. Auch im Ver­lauf der Behand­lung kann immer wie­der kon­trol­liert wer­den, wie gut die The­ra­pie anschlägt. Es kann gemes­sen wer­den, ob die Tumo­re klei­ner wer­den oder gar ver­schwin­den. Dies ist mit den gän­gi­gen Mög­lich­kei­ten zur Dia­gnos­tik vor­her so nicht mög­lich gewe­sen. Pati­en­ten dür­fen hof­fen, in Zukunft noch bes­ser von den Ärz­ten behan­delt zu wer­den. Durch den Ein­satz der Eiweiß­kör­per in der The­ra­pie kann es geschafft wer­den, wie­der die Krebs­zel­len voll­stän­dig zu zer­stö­ren. Keh­ren Meta­sta­sen zurück, ist dies nun leicht nach­weis­bar und die Behand­lung kann an die neue Situa­ti­on ent­spre­chend ange­passt wer­den.

 

PSMA-11 ermöglicht außerdem die Entwicklung vielversprechender Medikamente

Doch nicht nur zur exak­ten Dia­gnos­tik sind die­se Eiwei­ße ein­setz­bar. 2013 gelang es For­schern, das The­ra­peu­ti­kum PSMA-617 zu ent­wi­ckeln. Lagert sich die­ses auf der Zell­mem­bran an, kann das kran­ke Gewe­be bei Bestrah­lung von innen her­aus zer­stört wer­den. Die­ses Ver­fah­ren ist der­zeit noch in der Test­pha­se und wird aus­schließ­lich bei Erkrank­ten ange­wen­det, bei denen ande­re bekann­te The­ra­pie­for­men nicht anschla­gen. Es ist zu beob­ach­ten, dass nach drei­ma­li­ger Wie­der­ho­lung der Anwen­dung, eine Lin­de­rung oder gar Hei­lung bei der Hälf­te der Behan­del­ten ein­tritt. Kli­ni­sche Stu­di­en, die die­se Beob­ach­tun­gen bestä­ti­gen, ste­hen noch aus. Da die­se Behand­lungs­me­tho­de in Deutsch­land noch nicht zuge­las­sen ist, über­neh­men gesetz­li­che Kran­ken­kas­se die Kos­ten nicht. Vie­le pri­va­te Kas­sen erstat­ten die Behand­lungs­kos­ten aber schon. Erst nach erfolg­rei­chen Stu­di­en und einer Zulas­sung auf dem deut­schen Markt, ist davon aus­zu­ge­hen, dass die hohen Kos­ten für die The­ra­pie von allen Kran­ken­kas­sen getra­gen wer­den.

 

Ist PSMA-11 ein Allheilmittel für alle Männer?

Die­se Fra­ge muss lei­der mit “Nein” beant­wor­tet wer­den. Etwa 10 Pro­zent der Pro­statakar­zi­no­me bil­den näm­lich gar kein PSMA. In die­sen Fäl­len ist weder die ver­bes­ser­te Dia­gnos­tik, noch ein Ein­satz der neu­ar­ti­gen Medi­ka­men­te mög­lich. Die Aus­wir­kun­gen für die Pati­en­ten müs­sen aber noch unter­sucht wer­den. Im Moment gehen Exper­ten davon aus, dass vor allem PSMA-bil­den­de Tumo­re the­ra­piert und ent­fernt wer­den müs­sen. Die­se sind im Durschnitt näm­lich deut­lich aggres­si­ver. Meta­sta­sen bil­den außer­dem mehr PSMA als die Haupt­tu­mo­re. Vie­len Män­nern kann unter Umstän­den eine Ope­ra­ti­on oder wie­der­hol­te Biop­sie erspart blei­ben, da es sein kann, dass man­che Tumo­re ledig­lich inten­si­ver Beob­ach­tung bedür­fen.

Das PSMA-Ver­fah­ren ist nicht geeig­net zur Früh­erken­nung von Geschlechts­drü­sen­krebs. Für die Pro­sta­ta-Vor­sor­ge­un­ter­su­chun­gen wird es nicht ein­ge­setzt, weil die Belas­tung mit Strah­len für die­sen Fall zu groß wäre. Min­des­tens ein Anfangs­ver­dacht muss vor­lie­gen, damit der Nut­zen einer Unter­su­chung mit radio­ak­ti­ven Strah­len den Risi­ken über­liegt. Neben einem Abtas­ten der Vor­ste­her­drü­se wer­den auch Blut­tests durch­ge­führt, um den Befall der Vor­ste­her­drü­se aus­zu­schlie­ßen. Die Betrof­fe­nen lei­den meis­tens auch unter diver­sen Beschwer­den, nur sel­ten ver­läuft eine Krebs­er­kran­kung völ­lig ohne Anzei­chen.

 

Symptome bei bestehendem Prostatakarzinom

Haben Sie Schmer­zen beim Was­ser­las­sen oder ist der Harn­strahl ver­min­dert und berei­tet das Was­ser­las­sen so Schwie­rig­kei­ten, soll­ten Sie einen Uro­lo­gen auf­su­chen. Schmer­zen beim Samen­er­guss oder Blut im Urin bezie­hungs­wei­se der Samen­flüs­sig­keit soll­ten ärzt­lich abge­klärt wer­den. Auch Erek­ti­ons­pro­ble­me, Schmer­zen in der Pro­sta­ta­ge­gend und Pro­ble­me beim Stuhl­gang kön­nen auf eine Erkran­kung der Vor­ste­her­drü­se hin­wei­sen. Han­delt es sich tat­säch­lich um einen bös­ar­ti­gen Tumor, soll­te die­ser mög­lichst früh­zei­tig erkannt und behan­delt wer­den. Streu­en die Krebs­her­de bereits stark, ist eine Behand­lung sehr schwie­rig. Die größ­te Chan­ce auf Hei­lung haben früh­zei­tig erkann­te Erkran­kun­gen, dies gilt vor allem für bös­ar­ti­ge Tumo­re.

 

Lässt sich der Entstehung von Krebs vorbeugen?

In Unter­su­chun­gen ver­su­chen Exper­ten her­aus­zu­fin­den, ob sich das Krebs­ri­si­ko durch gesun­de Ernäh­rung mini­mie­ren lässt. Die Durch­füh­rung von Stu­di­en gestal­tet sich aber schwie­rig, da die Ernäh­rung nur einer von vie­len mög­li­chen Fak­to­ren ist. Sta­tis­tisch gese­hen haben Vega­ner ein etwa acht Pro­zent gerin­ge­res Risi­ko, an einem Krebs­be­fall der Vor­ste­her­drü­se zu erkran­ken. Der Ver­zehr von Fleisch und Wurst wird gene­rell mit einem erhöh­ten Krebs­ri­si­ko in Ver­bin­dung gebracht.

Wei­ter­hin kann eine über­mä­ßi­ge Kal­zi­um­auf­nah­me die Akti­vie­rung von Vit­amin D im Kör­per hem­men. Dies begüns­tigt eine Krebs­er­kran­kung. Lyko­pin, das vor allem in rotem Obst und Gemü­se ent­hal­ten ist, stei­gert den kör­per­ei­ge­nen Vit­amin D Gehalt. Es wird der­zeit ver­mu­tet, dass sich grü­ner Tee und ver­schie­de­ne Samen, wie Kür­bis­ker­ne, posi­tiv auf die Pro­sta­ta aus­wir­ken und der Bil­dung von Kar­zi­no­men vor­beu­gen kön­nen. Zu einer gesun­den Lebens­wei­se gehört immer auch ein aus­rei­chen­des Maß an Bewe­gung. Män­ner, die kör­per­lich aktiv sind, haben ein gerin­ge­res Risi­ko, an Krebs zu erkran­ken. Wei­ter­hin wird über­mä­ßig erhöh­tes Gewicht als stark gesund­heits­be­las­tend ange­se­hen. All­ge­mein gül­ti­ge Vor­sor­ge­maß­nah­men gegen Pro­sta­ta­krebs gibt es aber der­zeit noch nicht.

 

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