Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)

Dr. Natascha Kern
Dr. Natascha Kern
Ärztin
    Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den

    Über­setzt meint „Post­trau­ma­ti­sche Belas­tungs­stö­rung“ eine Stö­rung, die nach einem trau­ma­ti­schen Ereig­nis auf­tritt. Sie setzt meis­tens in den ers­ten sechs Mona­ten nach dem Trau­ma ein und dau­ert min­des­tens über vier Wochen an. Häu­fig kommt es zur Chro­ni­fi­zie­rung.

    Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
    Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)

    Nicht nur bei Kriegsveteranen

    Die Post­trau­ma­ti­sche Belas­tungs­stö­rung ken­nen vie­le Men­schen im Zusam­men­hang mit Kriegs­ve­te­ra­nen. Obwohl die Erkran­kung bei Sol­da­ten häu­fig vor­kommt, ist sie nicht aus­schließ­lich dort zu fin­den. Nach einer Ver­ge­wal­ti­gung kommt es pro­zen­tu­al eben­so häu­fig zu der Ent­wick­lung einer PTBS wie nach einem Kriegs­ein­satz. Etwas sel­te­ner sind Men­schen nach Gewalt­ver­bre­chen, schwe­ren Unfäl­len oder der Dia­gno­se einer gra­vie­ren­den kör­per­li­chen Erkran­kung betrof­fen.

    Zu beach­ten ist, dass nicht nur die Men­schen denen das Trau­ma direkt wie­der­fah­ren ist son­dern auch Ange­hö­ri­ge, Hel­fen­de oder Augen­zeu­gen eine Post­trau­ma­ti­sche Belas­tungs­stö­rung ent­wi­ckeln kön­nen.

    Symptome der Posttraumatischen Belastungsstörung

    Die Sym­pto­me einer PTBS kön­nen von Per­son zu Per­son vari­ie­ren und sehr viel­fäl­tig sein. Eini­ge Sym­pto­me sind jedoch typisch für die­se Stö­rung und bei vie­len Betrof­fe­nen zu fin­den:

    Flash­backs: Wie­der­erle­ben des trau­ma­ti­schen Ereig­nis­ses, meist ver­ur­sacht durch einen äuße­ren Reiz, der an das Gesche­he­ne erin­nert (Bei­spiels­wei­se kann ein lau­ter Knall nach einem Kriegs­trau­ma)

    Alb­träu­me und Schlaf­stö­run­gen

    Hyper­arou­sal: Per­ma­nen­tes Gefühl, ange­spannt zu sein und auf mög­li­che Gefah­ren reagie­ren zu müs­sen, stän­di­ge Über­erreg­bar­keit

    Angst und Schreck­haf­tig­keit

    Erin­ne­rungs­lü­cken in der Zeit des trau­ma­ti­schen Erleb­nis­ses

    Depres­si­vi­tät

    Sui­zid­ge­dan­ken

    Ver­mei­dungs­ver­hal­ten: Ver­mei­den bestimm­ter Situa­tio­nen, die an das trau­ma­ti­sche Erleb­nis erin­nern (dadurch oft Iso­la­ti­on und sozia­ler Rück­zug)

    Dis­so­zia­ti­on: Ver­such der Psy­che, aus der belas­ten­den Situa­ti­on oder vor Din­gen, die dar­an erin­nern könn­ten zu flie­hen (Amne­sie, Bewe­gungs­stö­run­gen, Krampf­an­fäl­le)

    Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung

    Zu einer Kom­ple­xen Post­trau­ma­ti­schen Belas­tungs­stö­rung kommt es häu­fig in Fol­ge von lan­ge anhal­ten­der oder immer wie­der­keh­ren­der Trau­ma­ti­sie­rung. Zum Bei­spiel kön­nen Miss­hand­lung oder Miss­brauch in der Kind­heit zu einer kom­ple­xen PTBS füh­ren.

    In der Regel tre­ten Sym­pto­me wie bei einer ein­fa­chen PTBS auf, aller­dings spricht eine The­ra­pie oft schlech­ter an und die Erkran­kung wir sehr oft chro­nisch. Es kommt in vie­len Fäl­len zu Ver­än­de­run­gen der Selbst­wahr­neh­mung (star­ke Schuld- und Scham­ge­füh­le, ver­rin­ger­tes Selbst­wert­ge­fühl) sowie Schwie­rig­kei­ten in zwi­schen­mensch­li­chen Bezie­hun­gen.

    Therapiemöglichkeiten und Erste-Hilfe

    Wie bei vie­len psych­ia­tri­schen Krank­heits­bil­dern besteht auch die The­ra­pie der PTBS aus zwei Säu­len: Der Psy­cho­the­ra­pie und der medi­ka­men­tö­sen Behand­lung.

    Psychotherapie

    Um einer PTBS vor­zu­beu­gen, ist eine Kri­sen­in­ter­ven­ti­on direkt nach Erle­ben des Trau­mas essen­ti­ell. Besteht bereits eine PTBS, kom­men ver­schie­de­ne The­ra­peu­ti­sche Ver­fah­ren in Betracht. Neben der Ver­hal­tens­the­ra­pie gibt es bei­spiels­wei­se das Ver­fah­ren EMDR (Eye Move­ment Desen­si­tiza­ti­on and Repro­ces­sing). Bei­de zie­len dar­auf ab, die Betrof­fe­nen erst in einer siche­ren Umge­bung ohne Gefahr einer erneu­ten Trau­ma­ti­sie­rung zu sta­bi­li­sie­ren und anschlie­ßend das Gesche­he­ne zu ver­ar­bei­ten.

    Medikamentöse Therapie

    Neben den psy­cho­the­ra­peu­ti­schen Ver­fah­ren kann beglei­tend eine Gabe von Anti­de­pres­si­va bei der Trau­ma­ver­ar­bei­tung hel­fen. Mit poten­zi­ell süch­tig machen­den Medi­ka­men­ten wie Ben­zo­dia­ze­pi­nen zur Beru­hi­gung und Angst­be­wäl­ti­gung soll­te man zurück­hal­tend umge­hen, das eine PTBS das Risi­ko für die Ent­wick­lung einer Such­ter­kran­kung erhöht.

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    Dr. Natascha Kern
    Unse­re Autorin: Dr. Nata­scha KernÄrz­tinArzt/Ärztin nach gel­ten­der Appro­ba­ti­ons­ord­nung

    Dr. Nata­scha Kern stu­dier­te Human­me­di­zin an der Johann Wolf­gang von Goe­the-Uni­ver­si­tät in Frank­furt am Main. Sie arbei­tet am Insti­tut für Rechts­me­di­zin in Frank­furt. Seit 2017 schreibt Sie als Gast­au­torin auch für Health Rise.

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