Persönlichkeitsstörungen

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 17.05.2019 Lesezeit: 2 Minuten
Persönlichkeitsstörungen, unangemessenes Verhalten
Persönlichkeitsstörungen

Wann ist die Persönlichkeit “gestört”?

Man spricht dann von einer Per­sön­lich­keits­stö­rung, wenn eine Per­son situa­ti­ons­un­ab­hän­gig und -unan­ge­mes­sen star­re und sogar destruk­ti­ve Ver­hal­tens­wei­sen an den Tag legt. Die Betrof­fe­nen neh­men im Gegen­satz zu den Men­schen in ihrer Umge­bung ihr eige­nes Ver­hal­ten meist als ange­mes­sen und gerecht­fer­tigt wahr. Die­se Ver­hal­tens­struk­tu­ren sind so tief in der Per­sön­lich­keit ver­wur­zelt, dass sie Situa­tio­nen nicht gut ange­passt wer­den kön­nen. Es fol­gen oft sozia­le Aus­gren­zung sowie Pro­ble­me in zwi­schen­mensch­li­chen Bezie­hun­gen und im Berufs­le­ben. Häu­fig lei­den die Per­so­nen selbst unter den sozia­len Fol­gen ihres Ver­hal­tens, kön­nen jedoch nicht nach­voll­zie­hen, war­um es zu die­sen Pro­ble­men kommt.

Eine Per­sön­lich­keits­stö­rung ent­wi­ckelt sich meist schon im jun­gen Erwach­se­nen­al­ter. Bei Kin­dern und Jugend­li­chen spricht man von Per­sön­lich­keits­ent­wick­lungs­stö­run­gen, da hier oft noch eine Ent­wick­lung der Per­sön­lich­keit statt­fin­det und Ver­hal­tens­mus­ter sich schnell ändern kön­nen. Eine Per­sön­lich­keits­ent­wick­lungs­stö­rung muss nicht zwangs­läu­fig in eine Per­sön­lich­keits­stö­rung über­ge­hen.

Zudem müs­sen man kör­per­li­che Ursa­chen, die eine Stö­rung her­vor­ru­fen könn­ten, mit­tels dia­gnos­ti­scher Ver­fah­ren aus­schlie­ßen. Außer­dem kann „Ange­mes­se­nes Ver­hal­ten“ in ver­schie­de­nen Kul­tu­ren abwei­chen, was bei der Dia­gno­se­stel­lung zu berüg­sich­ti­gen ist.

Wie entstehen Persönlichkeitsstörungen?

Über die Ent­ste­hung einer Per­sön­lich­keits­stö­rung herr­schen diver­se Theo­ri­en und die Ursa­chen sind noch nicht voll­stän­dig geklärt. Wie bei vie­len psych­ia­tri­schen Stö­run­gen geht man davon aus, dass meh­re­re Fak­to­ren an der Ent­ste­hung des Krank­heits­bil­des betei­ligt sind. Dazu zäh­len in die­sem Fal­le gene­ti­sche Ver­an­la­gung, erlern­te Ver­hal­tens­mus­ter, Ent­wick­lungs­stö­run­gen in der Kind­heit und struk­tu­rel­le oder funk­tio­nel­le Ver­än­de­run­gen im Gehirn.

Formen der Persönlichkeitsstörung

Es gibt vie­le ver­schie­de­ne Arten von Per­sön­lich­keits­stö­run­gen. Eini­ge Bei­spie­le sind im Fol­gen­den auf­ge­lis­tet:

Paranoid

Die Para­noi­de Per­sön­lich­keit zeich­net sich dadurch aus, dass ein per­ma­nen­tes Miss­trau­en den All­tag bestimmt. Hand­lun­gen von Mit­men­schen wer­den auf die eige­ne Per­son bezo­gen und als feind­se­lig inter­pre­tiert. Die Betrof­fe­nen haben oft das Gefühl, ihre Umwelt mache sich über sie Lus­tig oder demü­ti­ge sie absicht­lich. Oft fol­gen Strei­tig­kei­ten und sozia­le Iso­la­ti­on.

Schizoid

Die schi­zoi­de Per­sön­lich­keit reagiert auf ihre Umwelt emo­tio­nal kalt und distan­ziert. Emo­tio­nen wie Freu­de und Zunei­gung aber auch Trau­er oder Wut kön­nen kom­men nicht zum Aus­druck. Mit auf­er­leg­ten Regeln kom­men die Betrof­fe­nen häu­fig schlecht zurecht. Infol­ge­des­sen leben sie oft zurück­ge­zo­gen und mit wenig sozia­len Kon­tak­ten.

Dissozial

Die Dis­so­zia­le Per­sön­lich­keits­stö­rung äußert sich durch das Feh­len von Schuld-, Ver­ant­wor­tungs- und Mit­ge­fühl. Per­so­nen mit die­ser Stö­rung haben zudem oft eine gerin­ge Frust­to­le­ranz und nei­gen zu Aggres­sio­nen. Die­se Kom­bi­na­ti­on führt in vie­len Fäl­len zu gehäuf­ten und wie­der­hol­ten Straf­ta­ten.

His­trio­nisch

His­trio­ni­sche Per­sön­lich­kei­ten wol­len meis­tens im Mit­tel­punkt der Auf­merk­sam­keit ste­hen. Sie machen aus Klei­nig­kei­ten ein Dra­ma, sind thea­tra­lisch und mani­pu­la­tiv.

Zwanghaft

Bei zwang­haf­ten Per­sön­lich­keits­stö­run­gen ste­hen Per­fek­tio­nis­mus und Gewis­sen­haf­tig­keit im Vor­der­grund. Oft sind die­se Per­so­nen beruf­lich erfolg­reich, da sie Tugen­den wie Fleiß und Pünkt­lich­keit sehr ernst neh­men und ihr kor­rek­tes Han­deln peni­bel kon­trol­lie­ren.

Ängstlich

Hier steht die Ängst­lich­keit im Vor­der­grund. Betrof­fe­ne sind oft unsi­cher und über­vor­sich­tig. Dies kann zu Ver­mei­dungs­ver­hal­ten und sozia­lem Rück­zug füh­ren.

Narzisstisch

Die nar­ziss­ti­sche Per­sön­lich­keits­stö­rung ist gekenn­zeich­net durch ein ver­min­der­tes Selbst­wert­ge­fühl bei nach außen prä­sen­tier­ter abso­lu­ter Selbst­ver­liebt­heit. Die Per­so­nen reagie­ren oft sehr emp­find­lich und mit Wut und Aggres­sio­nen auf Kri­tik, sind meist nicht zur Empa­thie fähig und haben unrea­lis­tisch über­stei­ger­te Ansprü­che an ihre Mit­men­schen. Dadurch kommt es oft zu Kon­flik­ten und Iso­la­ti­on.

Therapie

Eine The­ra­pie ist dann not­wen­dig, wenn die Betrof­fe­nen durch ihre Ver­hal­tens­mus­ter beein­träch­tigt sind und unter den sozia­len Fol­gen lei­den. Durch die tie­fe Ver­an­ke­rung der gestör­ten Ver­hal­tens­wei­sen gestal­tet sich die Behand­lung schwie­rig. In man­chen Fäl­len sehen die Betrof­fe­nen auch nicht, dass die sozia­len Pro­ble­me Fol­ge ihres Ver­hal­tens ist, son­dern sehen die Schuld bei ihren Mit­men­schen und füh­len sich in der Opfer­rol­le. Je nach Art der Stö­rung und Aus­maß der Sym­pto­me kom­men ver­schie­de­ne psy­cho­the­ra­peu­ti­sche und psy­choedu­ka­ti­ve Ver­fah­ren in Betracht. In eini­gen Fäl­len kann eine beglei­ten­de Medi­ka­ti­on hilf­reich sein.

Per­sön­lich­keits­stö­run­gen

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