Organspende – Was Sie alles wissen sollten

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 15.05.2019 Lesezeit: 4 Minuten

In Deutsch­land war­ten fast 10.000 Men­schen auf eine Organ­spen­de. Dabei beträgt die War­te­zeit je nach Organ, Blut­grup­pe und Dring­lich­keit zwi­schen 6 Mona­te und 6 Jah­re, eine Zeit zwi­schen Hof­fen und Ban­gen. Der­zeit wie­der in der Dis­kus­si­on, pola­ri­siert das The­ma wie kaum ein ande­res. Die Angst der Spen­der, dass einem wegen mög­li­cher Spen­der­or­ga­ne nicht jede Hil­fe zuteil­wird, hält sich hart­nä­ckig. Auch ethi­sche Beden­ken las­sen sich nicht von der Hand wei­sen. Kann oder will ich bei­spiels­wei­se als Emp­fän­ger tat­säch­lich mit einem frem­den Her­zen wei­ter­le­ben? Eine Fra­ge, die man ver­mut­lich erst ehr­lich beant­wor­ten kann, wenn man selbst, ein naher Ange­hö­ri­ger oder guter Freund betrof­fen ist.

Organspende, Organspenderausweis
Organspende – Was Sie alles wissen sollten

Sind Sie bereit für eine Organspende?

Wie ste­hen Sie zu dem The­ma Organ­trans­plan­ta­ti­on? Was gehen Ihnen für Gefüh­le durch den Kör­per und die gro­ße Fra­ge, sind Sie bereits als mög­li­cher Spen­der regis­triert? All die­se Fra­gen wür­de höchst­wahr­schein­lich ein exter­ner Befür­wor­ter der Organ­spen­de stel­len. Doch wenn es nun um Sie geht, Sie als Men­schen, was stel­len Sie sich für Fra­gen?

Mög­li­che Ansatz­punk­te wären hier erst ein­mal die Auf­klä­rung. Also was mit der Organ­spen­de alles zusam­men­hängt, wie die Regis­trie­rung abläuft, wie eine Organ­trans­plan­ta­ti­on im Fall der Fäl­le ablau­fen wür­de und noch vie­les mehr.

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Medizinischer Standpunkt

Aus medi­zi­ni­scher Sicht ist das The­ma Organ­spen­de kaum noch weg­zu­den­ken. Eine Befra­gung von Ärz­ten, bezüg­lich deren Ein­stel­lung zum The­ma Organ­spen­de durch die Bun­des­zen­tra­le für gesund­heit­li­che Auf­klä­rung (BZgA) ergab, dass das The­ma heu­te immer noch so von Bedeu­tung ist, wie bei frü­he­ren Befra­gun­gen, wenn nicht noch höher.

Aus medi­zi­ni­scher Sicht spre­chen die guten Erfolgs­aus­sich­ten für eine Organ­spen­de. Nach einem Jahr funk­tio­nie­ren in Deutsch­land bei­spiels­wei­se fast 90 Pro­zent der trans­plan­tier­ten Nie­ren, nach fünf Jah­ren sind es noch etwa 75 Pro­zent. Fast 80 Pro­zent der trans­plan­tier­ten Her­zen sind nach einem Jahr noch funk­ti­ons­fä­hig. Nach fünf Jah­ren sind es noch 65 Pro­zent.

Medienaufkommen

Der Grund, wes­halb das The­ma immer popu­lä­rer und auch von den Medi­en auf­ge­grif­fen wird, ist, dass die Anzahl der ent­nom­me­nen Orga­ne in den letz­ten Jah­ren um knapp 24 Pro­zent zurück­ge­gan­gen ist. So wur­den in Deutsch­land im Jahr 2012 noch 1046 Orga­ne ent­nom­men, wohin­ge­gen es im Jahr 2017 ledig­lich 797 ent­nom­me­ne Orga­ne waren. Einer Daten­ana­ly­se des deut­schen Ärz­te­blat­tes aus dem Jahr 2018 zufol­ge, haben im Jahr 2017 über 1500 Pati­en­ten weni­ger ein lebens­ret­ten­des Organ erhal­ten, als noch im Jahr 2012. Die Ursa­chen die­ser Ent­wick­lung sind nicht ein­deu­tig iden­ti­fi­ziert und kön­nen ver­schie­de­ne Grün­de haben. Ein Grund könn­te ein Ver­trau­ens­ver­lust in den Gesund­heits­sek­tor sein, da 2012 der Organ­spen­de-Skan­dal an der Göt­tin­ger Uni­kli­nik die deut­sche Bevöl­ke­rung scho­ckier­te. Der ehe­ma­li­ge Lei­ter der Trans­plan­ta­ti­ons­chir­ur­gie soll Pati­en­ten­ak­ten gefälscht haben, indem er Labor­er­geb­nis­se so mani­pu­liert hat, dass Pati­en­ten krän­ker dar­ge­stellt wur­den, als sie tat­säch­lich waren. Somit rück­ten ins­ge­samt 25 Pati­en­ten auf der War­te­lis­te nach oben.

Organspende – mehr Fingerspitzengefühl ist gefragt

Ein wei­te­rer Grund, sich gegen eine Organ­trans­plan­ta­ti­on aus­zu­spre­chen ist für vie­le die Angst, dass ihre Ange­hö­ri­gen zu früh für tot erklärt wer­den. Aus Sicht einer Betrof­fe­nen wird für sie die Organ­spen­de nie wie­der eine Opti­on sein. Sie hat ihren, von den Ärz­ten als hirn­tot dia­gnos­ti­zier­ten Sohn für die Organ­spen­de „frei­ge­ge­ben“. Der Kör­per des Jun­gen war zu die­sem Zeit­punkt noch warm, schwitz­te und zeig­te die nor­ma­len Anzei­chen eines funk­tio­nie­ren­den Orga­nis­mus. Nach der Organ­ent­nah­me bekam die Mut­ter ihren Sohn noch ein­mal zu sehen. „Er erin­ner­te mich an ein aus­ge­schlach­te­tes Auto, des­sen unbrauch­ba­re Tei­le lieb­los auf den Müll gewor­fen wur­den. Kanü­len steck­ten noch in sei­nen Armen und Hän­den. Ein Schnitt zog sich von sei­ner Kinn­spit­ze bis tief in den Aus­schnitt sei­nes Hem­des. Die Augen fehl­ten.“ Das waren die Wor­te der betrof­fe­nen Mut­ter, deren Sohn nicht tot war, son­dern ledig­lich im Ster­ben lag. So berich­te­te die betrof­fe­ne Mut­ter wei­ter, dass sie dem Druck der Ärz­te nicht wei­ter stand­hal­ten konn­te, die Orga­ne schnellst­mög­lich zu ent­neh­men, und aus die­sem Grund heu­te noch unter Schuld­ge­füh­len lei­de. Der Druck der Ärz­te beruh­te ver­mut­lich nicht nur dar­auf, Men­schen­le­ben zu ret­ten, son­dern auch dar­auf, Pro­fit zu erzie­len. So wer­den zum Bei­spiel die Becken­kamm­kno­chen aus dem Kör­per ent­nom­men und an eine Kno­chen­bank wei­ter­ge­lei­tet und zum spä­te­ren Ver­kauf vor­be­rei­tet. Somit birgt das The­ma der Organ­trans­plan­ta­ti­on neben sei­nen lebens­ret­ten­den Maß­nah­men auch eini­ge Schat­ten­sei­ten, die meist erst wahr­ge­nom­men wer­den, wenn die Betrof­fe­nen den aus­ge­höhl­ten Kör­per sehen, der an Recy­cling­gut erin­nern lässt.

Von Geburt an Organspender?

In Deutsch­land soll die Anzahl der Organ­spen­den erhöht wer­den und nicht wei­ter sin­ken. Des­halb arbei­tet die Poli­tik der­zeit an ver­schie­de­nen Vor­schlä­gen, dies umzu­set­zen. Poten­zi­el­le Spen­der müs­sen momen­tan noch aktiv ihre Erlaub­nis ertei­len, ihren Kör­per nach Todes­ein­tritt frei­zu­ge­ben. Dabei han­delt es sich um die soge­nann­te Ent­schei­dungs­lö­sung. Die CDU arbei­tet momen­tan dar­an, die Wider­spruchs­lö­sung, wie sie bereits in Frank­reich vor­zu­fin­den ist, auch in Deutsch­land umzu­set­zen. Das bedeu­tet in Frank­reich, dass jeder Mensch von Geburt an Organ­spen­der ist, außer er wider­spricht aus­drück­lich. Das kann man etwa, indem man sei­ne Ver­wand­ten dar­über infor­miert, oder sich in ein natio­na­les Regis­ter ein­tra­gen lässt. Durch die Wider­spruchs­lö­sung wird dafür gesorgt, dass aus­rei­chend Spen­der­or­ga­ne zur Ver­fü­gung ste­hen. Die Grü­nen ste­hen die­sem Vor­ha­ben jedoch skep­tisch gegen­über und leh­nen die­ses ab, da die­ses Vor­ha­ben tief in das Selbst­be­stim­mungs­recht der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger ein­grei­fen wür­de, ohne dass dadurch tat­säch­lich bestehen­de Pro­ble­me gelöst wer­den wür­den. Um die Men­schen von ihren Ängs­ten und Vor­be­hal­ten zu befrei­en, so die CDU, sol­len die Trans­plan­ta­ti­ons­be­auf­trag­ten zu “Trans­plan­ta­ti­ons­be­voll­mäch­tig­ten” ernannt, und somit von Rou­ti­ne­ar­bei­ten frei­ge­stellt wer­den. Des Wei­te­ren sol­len die Kran­ken­häu­ser für die Organ­ent­nah­me mehr Geld erhal­ten.





Warum ist eine Organtransplantation so wichtig?

Für vie­le schwer erkrank­te Men­schen ist eine Organ­trans­plan­ta­ti­on die letz­te Chan­ce, wie­der gesund zu wer­den, und damit die letz­te Chan­ce auf ein Wei­ter­le­ben. Den­noch ste­hen vie­le Men­schen, sowohl Spen­der als auch Emp­fän­ger die­sem Ein­griff skep­tisch gegen­über, da sie Angst vor der Ope­ra­ti­on und vor mög­li­chen Fol­gen haben. Da Orga­ne jedoch nicht „frei ver­füg­bar“ sind, wie zum Bei­spiel Tablet­ten, han­delt es sich bei der War­te­zeit um die ers­te Etap­pe zurück in ein neu­es Leben.

Passendes Spenderorgan gefunden, was nun?

Nach­dem ein pas­sen­des Spen­der­or­gan gefun­den wur­de, muss alles recht schnell gehen. Bei einer Spen­de nach dem Tod, auch post­mor­ta­le Spen­de genannt, ver­ge­hen in der Regel nur weni­ge Stun­den. Poten­zi­el­le Organ­emp­fän­ger soll­ten des­halb jeder­zeit gut zu errei­chen sein und sich auf einen län­ge­ren Kli­nik­auf­ent­halt ein­stel­len. Im Gegen­satz dazu ist eine Lebend­spen­de lang­fris­tig plan­bar, da sie in Abspra­che mit dem Spen­der durch­ge­führt wer­den kann. Vor der Trans­plan­ta­ti­on sind jedoch umfang­rei­che Unter­su­chun­gen not­wen­dig.

Die ers­ten Mona­te nach einer Organ­trans­plan­ta­ti­on sind von gro­ßer Bedeu­tung. Der Kör­per soll das „frem­de“ Organ anneh­men, und nicht absto­ßen. Aus die­sem Grund müs­sen die Emp­fän­ger regel­mä­ßig Tablet­ten ein­neh­men, damit das Immun­sys­tem das frem­de Gewe­be nicht angreift.

Fazit: Ohne Spen­der geht es nicht!

Quellen

  • https://www.organspende-info.de/ https://www.organspende-info.de/sites/all/files/files/Aeztebefragung22Okt04.pdf
  • https://www.organspende-info.de/organ-und-gewebespende/ https://www.organspende-info.de/organ-und-gewebespende/verlauf-einer-organ-gewebespende/nachsorgeerfolgsaussichten
  • https://www.aerzteblatt.de/Rueckgang-der-Organspenden-in-Deutschland https://www.aerzteblatt.de/archiv/198873/Rueckgang-der-Organspenden-in-Deutschland
  • https://www.aerztezeitung.de/organspende-skandal-goettinger-uniklinik.html https://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/organspende/article/818379/organspende-skandal-goettinger-uniklinik.html
  • https://www.zeit.de/eine-uebersicht-ueber-regeln-in-europa https://www.zeit.de/news/2019–04/01/eine-uebersicht-ueber-regeln-in-europa-190401–99-636857
  • https://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.wenn-man-nicht-widerspricht-cdu-mann-plant-jeder-ist-automatisch-organspender https://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.wenn-man-nicht-widerspricht-cdu-mann-plant-jeder-ist-automatisch-organspender.2e03aadf-464d-43e8-8e5a-78580db84694.html

Organ­spen­de – Was Sie alles wis­sen soll­ten

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