Neurodermitis Behandlung – was hilft?

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 27.03.2019 Lesezeit: 6 Minuten

Neu­ro­der­mi­tis wird in der medi­zi­ni­schen Fach­spra­che auch als „ato­pi­sche Der­ma­ti­tis“ oder „ato­pi­sches Ekzem“ bezeich­net. Hier­bei han­delt es sich um eine chro­nisch-ent­zünd­li­che Erkran­kung der Haut. Sie geht mit sehr star­kem Juck­reiz ein­her und ver­läuft schub­wei­se. Wie inten­siv die Beschwer­den aus­fal­len, ist abhän­gig von unter­schied­li­chen Fak­to­ren wie bei­spiels­wei­se dem Lebens­al­ter der betrof­fe­nen Per­so­nen. In jedem Fall sind Men­schen, die unter einer Neu­ro­der­mi­tis lei­den, in ihrer Lebens­qua­li­tät stark ein­ge­schränkt. Durch eine Neu­ro­der­mi­tis Behand­lung kön­nen jedoch erfreu­li­che Erfol­ge erzielt wer­den.

Neurodermitis Behandlung Hausmittel
Neurodermitis Behandlung – was hilft?

Neurodermitis – was ist das eigentlich?

Die­se ent­zünd­li­che Haut­krank­heit ist nicht anste­ckend. Hei­len lässt sich die Erkran­kung nicht, es gibt jedoch vie­le unter­schied­li­che Mög­lich­kei­ten der Neu­ro­der­mi­tis Behand­lung.

Die natür­lich vor­han­de­ne Schutz­funk­ti­on der Haut ist bei Neu­ro­der­mi­tis-Pati­en­ten her­ab­ge­setzt. Kom­men die Betrof­fe­nen in Berüh­rung mit Kei­men oder bestimm­ten Rei­zen, kann es zu Ent­zün­dun­gen kom­men. In vie­len Fäl­len beginnt die Erkran­kung bereits im Säug­lings- oder Klein­kind­al­ter. Beschwer­de­rei­che Pha­sen wech­seln sich mit beschwer­de­frei­en Zei­ten ab.

Welche Ursachen hat Neurodermitis?

In vie­len Fäl­len liegt eine gene­ti­sche Ver­an­la­gung für die­se ent­zünd­li­che Haut­er­kran­kung vor. Auf­grund einer Gen­ver­än­de­rung wird zu wenig von dem soge­nann­ten Fil­ag­grin, einem Eiweiß, her­ge­stellt. Die­ser Fil­ag­grin-Man­gel führt zu einer ver­än­der­ten Zusam­men­set­zung der Haut­fet­te. Infol­ge­des­sen ver­liert die Haut immer mehr an Feuch­tig­keit und wird tro­cken. Auf bestimm­te äuße­re Fak­to­ren reagiert die­se dann schnell mit Juck­reiz und Ent­zün­dun­gen.

Die Ver­an­la­gung für die ato­pi­sche Der­ma­ti­tis ist ver­erb­bar, das bedeu­tet, dass Eltern die­se Gen­ver­än­de­rung an ihre Kin­der wei­ter­ge­ben kön­nen: Ist ein Eltern­teil selbst von einer Neu­ro­der­mi­tis betrof­fen, so hat das Kind ein etwa 40 Pro­zent hohes Risi­ko eben­falls an die­ser Haut­er­kran­kung zu lei­den. Haben bei­de Eltern­tei­le Neu­ro­der­mi­tis, liegt das Erkran­kungs­ri­si­ko des Kin­des sogar bei etwa 67 Pro­zent.

Des Wei­te­ren gibt es bestimm­te Fak­to­ren, die dazu füh­ren kön­nen, dass bei einer vor­han­de­nen erb­li­chen Vor­be­las­tung die Neu­ro­der­mi­tis tat­säch­lich aus­bricht: Das kann zum Bei­spiel der Über­gang von der Mut­ter­milch zur Kuh­milch beim Baby sein. Bestimm­te Nah­rungs­mit­te­lun­ver­träg­lich­kei­ten kön­nen eine Neu­ro­der­mi­tis-Erkran­kung eben­so begüns­ti­gen wie Stress, diver­se Umwelt­fak­to­ren oder psy­chi­sche Belas­tun­gen.

Nicht immer lässt sich die Ursa­che für die Haut­er­kran­kung exakt auf­spü­ren. In vie­len Fäl­len kann auch eine Kom­bi­na­ti­on unter­schied­li­cher Fak­to­ren zu einer Neu­ro­der­mi­tis füh­ren.

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Wie viele Menschen sind im Durchschnitt von Neurodermitis betroffen?

Das ato­pi­sche Ekzem gehört zu den am häu­figs­ten auf­tre­ten­den Haut­er­kran­kun­gen in unse­rem Land. Diver­sen Schät­zun­gen zufol­ge sind durch­schnitt­lich 3,8 Mil­lio­nen Men­schen davon betrof­fen. Mit zuneh­men­dem Lebens­al­ter nimmt jedoch die Häu­fig­keit der Erkran­kung ab. Im Kin­des­al­ter sind noch rund zehn bis fünf­zehn Pro­zent von Neu­ro­der­mi­tis-Schü­ben betrof­fen. Im Gegen­satz dazu lei­den nur rund ein­ein­halb bis drei Pro­zent aller Erwach­se­nen an einem ato­pi­schen Ekzem.

Die Symptome einer Neurodermitis

Cha­rak­te­ris­ti­sche Begleit­erschei­nun­gen der Neu­ro­der­mi­tis sind ent­zünd­li­che Ver­än­de­run­gen der Haut, soge­nann­te Ekze­me, die mit einem quä­len­den Juck­reiz ein­her­ge­hen. Die Sym­pto­me kön­nen von Pati­ent zu Pati­ent ganz unter­schied­lich aus­fal­len und in Schü­ben auf­tre­ten: Auf beschwer­de­freie Peri­oden kön­nen Zei­ten mit inten­siv aus­ge­präg­ten Sym­pto­men fol­gen.

Bereits ab dem vier­ten Lebens­mo­nat kön­nen sich die ers­ten Krank­heits­an­zei­chen bemerk­bar machen. Beim Baby erschei­nen jucken­de, tro­cke­ne und stark gerö­te­te Haut­stel­len, die zum Teil auch näs­sen oder Krus­ten bil­den, die vom äuße­ren Erschei­nungs­bild her, an ange­brann­te Milch erin­nern. Daher wer­den die­se Schup­pen­krus­ten auch als soge­nann­ter Milch­schorf bezeich­net.

Die Sym­pto­me auf einen Blick:
  • stark gerö­te­te und ent­zün­de­te Haut­stel­len
  • Feuch­tig­keits­ver­lust der Haut
  • tro­cke­ne und sehr raue Stel­len
  • inten­si­ver Juck­reiz
  • Stim­mungs­schwan­kun­gen und erhöh­te Reiz­bar­keit wäh­rend der Krank­heits­schü­be

An welchen Körperstellen macht sich die Neurodermitis bemerkbar?

Die­se ent­zünd­li­che Haut­er­kran­kung kann groß­flä­chig oder nur an ein­zel­nen Kör­per­stel­len auf­tre­ten.

Betrof­fe­ne Kör­per­stel­len:
  • Kopf­haut
  • Gesicht und Augen­li­der
  • Hals
  • Brust
  • Hän­de
  • Arme
  • Rücken und Bauch
  • Gelenk­beu­gen
  • Füße

Ins­be­son­de­re die Knie­keh­len, die Arm­beu­gen, die Hand­ge­len­ke sowie die Gesichts- und Hals­par­tie sind anfäl­lig für Ekze­me und Juck­reiz. Am häu­figs­ten sind also Kör­per­be­rei­che mit sehr dün­ner Haut betrof­fen.

Wo sich die Haut­er­kran­kung exakt äußert, hängt auch vom Lebens­al­ter der betrof­fe­nen Per­so­nen ab.

Trigger – welche Faktoren können einen Krankheitsschub auslösen?

Liegt eine erb­li­che Vor­be­las­tung für Neu­ro­der­mi­tis vor, so kön­nen unter­schied­li­che Aus­lö­ser, soge­nann­te Trig­ger, zu einem Krank­heits­schub füh­ren. Nicht bei jedem Men­schen mit einer sol­chen gene­ti­schen Vor­be­las­tung bricht die Krank­heit jedoch auch tat­säch­lich aus.

Zu den häu­figs­ten Aus­lö­sern der Neu­ro­der­mi­tis gehö­ren:
  • bestimm­te Tex­til­ma­te­ria­li­en wie zum Bei­spiel Wol­le
  • Kör­per­schweiß
  • Kli­ma­ver­än­de­run­gen und kli­ma­ti­sche Bedin­gun­gen wie bei­spiels­wei­se tro­cke­ne Hei­zungs­luft, kal­te Luft oder star­ke Tem­pe­ra­tur­schwan­kun­gen
  • Fal­sche Haut­pfle­ge mit haut­rei­zen­den Pfle­ge­ar­ti­keln
  • Ziga­ret­ten­rauch
  • All­er­gie­aus­lö­ser wie Schim­mel­pil­ze, Tier­haa­re, Blü­ten­pol­len, Haus­staub­mil­ben
  • Bestimm­te Nah­rungs­mit­tel oder Zusatz­stof­fe (Wei­zen­pro­duk­te, Soja, Kuh­milch, Hüh­ner­ei­weiß, Mee­res­früch­te oder Fisch)
  • Infek­ti­ons­er­kran­kun­gen wie Erkäl­tun­gen oder Man­del­ent­zün­dun­gen
  • Stress, Trau­er oder sons­ti­ge psy­chi­sche Belas­tun­gen
  • Hor­mo­nel­le Dys­ba­lan­ce, bei­spiels­wei­se wäh­rend der monat­li­chen Regel­blu­tung oder wäh­rend der Schwan­ger­schaft

Die betrof­fe­nen Per­so­nen reagie­ren auf die­se Pro­vo­ka­ti­ons­fak­to­ren ganz unter­schied­lich: So kann bei­spiels­wei­se über­mä­ßi­ger Stress bei einem Pati­en­ten bei­spiels­wei­se einen Krank­heits­schub ver­ur­sa­chen, bei einem ande­ren wie­der­um nicht.



Wird Neurodermitis während der Sommermonate besser?

Grund­sätz­lich hilft die Son­ne bei der Neu­ro­der­mi­tis Behand­lung. Die Son­nen­strah­len wir­ken anti­bak­te­ri­ell, min­dern den Juck­reiz und hel­fen wirk­sam dabei, Ent­zün­dun­gen abzu­hei­len. Der Effekt der Son­ne darf jedoch nicht unter­schätzt wer­den: Zu lan­ges Son­nen­ba­den kann die Haut aus­trock­nen und noch län­ger rei­zen.

Des Wei­te­ren setzt die Kom­bi­na­ti­on aus Blü­ten­pol­len und inten­si­ver Son­nen­ein­strah­lung den ent­zün­de­ten Haut­stel­len nur noch mehr zu.

Kann eine Neurodermitis im Laufe des Lebens entstehen oder auch wieder abheilen?

Der Krank­heits­ver­lauf sowie die Inten­si­tät der Sym­pto­me ver­än­dern sich mit zuneh­men­dem Lebens­al­ter. Bei etwa 50 Pro­zent aller Säug­lin­ge ver­schwin­det die Haut­er­kran­kung inner­halb der ers­ten 24 Lebens­mo­na­te. In der Puber­tät bezie­hungs­wei­se im Erwach­se­nen­al­ter kön­nen die Sym­pto­me jedoch erneut auf­tre­ten. Nach der Puber­tät klin­gen die Beschwer­den meist ab und ver­schwin­den bei den meis­ten Men­schen bis zum Ende des 30. Lebens­jah­res voll­stän­dig. Die Haut der betrof­fe­nen Per­so­nen bleibt jedoch immer emp­find­lich und äußerst pfle­ge­in­ten­siv.

Welche Hausmittel eignen sich zur Neurodermitis Behandlung?

  • Schwarz­tee-Wickel: Im Akut­fall kann Schwarz­tee mit sei­nen Gerb­stof­fen wirk­sa­me Lin­de­rung ver­schaf­fen. Die Poren zie­hen sich zusam­men, wodurch ein Feuch­tig­keits­ver­lust ver­hin­dert wird. Hier­für muss ein in Schwarz­tee getränk­tes Tuch auf die betrof­fe­nen Haut­stel­len gelegt wer­den.
  • Auch ein Meer­salz Bad hilft wirk­sam gegen Juck­reiz, tro­cke­ne Haut und Schup­pen­flech­te. Das Meer­salz ent­zieht den Bak­te­ri­en ihren Nähr­bo­den und ver­bes­sert somit das Haut­er­schei­nungs­bild. Gleich­zei­tig stär­ken dar­in ent­hal­te­ne Spu­ren­ele­men­te die Haut­bar­rie­re.
  • Kräu­ter­tees wie Mal­ven­tee oder Stief­müt­ter­chen­kraut-Tee kön­nen eben­falls wirk­sam zur Lin­de­rung von Neu­ro­der­mi­tis-Sym­pto­men ein­ge­setzt wer­den. Auch Fen­chel-, Eichen­rin­den- oder Holun­der­blü­ten­tee kann leich­ten Juck­reiz lin­dern.
  • Gegen den Juck­reiz hilft zudem Zink­pas­te (erhält­lich in jeder Apo­the­ke) oder Aloe vera Gel.
  • Bei Juck­reiz soll­ten die betrof­fe­nen Haut­stel­len gekühlt wer­den. Dies kann ent­we­der mit einem Eis­beu­tel oder mit kal­tem Was­ser erfol­gen.
  • Nacht­ker­zen­öl wirkt ent­zün­dungs­hem­mend und unter­stützt die Rege­ne­ra­ti­on der Haut. Oft ist das Öl Pfle­ge­cremes bei­gesetzt.

Neurodermitis Behandlung – welche Maßnahmen können ergriffen werden?

Grund­sätz­lich wer­den vier Stu­fen der Erkran­kung unter­schie­den:

  1. Stu­fe 1 und sehr tro­cke­ne Haut­stel­len: Eine sorg­fäl­ti­ge Haut­pfle­ge hilft wirk­sam dabei, Krank­heits­schü­ben vor­zu­beu­gen. Zudem soll­ten bestimm­te Aus­lö­ser wie Stress, raue Tex­ti­li­en oder tro­cke­ne Hei­zungs­luft ver­mie­den wer­den.
  2. Stu­fe 2 und leich­te Ekzem-Bil­dung: Zusätz­lich zur Basis-Haut­pfle­ge aus Stu­fe 1 kann hier eine Kor­ti­son-Sal­be ver­ab­reicht wer­den. Auch anti­sep­ti­sche Prä­pa­ra­te oder juck­reiz­stil­len­de Medi­ka­men­te kön­nen zum Ein­satz kom­men.
  3. Stu­fe 3 und mäßig schwe­re Ekzem-Bil­dung: Hier kön­nen zur äuße­ren Anwen­dung stär­ke­re Kor­ti­son-Prä­pa­ra­te ver­schrie­ben wer­den.
  4. Stu­fe 4 und schwe­re Ekze­me: Zusätz­lich zu den not­wen­di­gen Behand­lungs­maß­nah­men kann der behan­deln­de Arzt Tablet­ten mit dem Wirk­stoff Ciclo­spo­rin A ver­schrei­ben.

Neu­ro­der­mi­tis Pati­en­ten soll­ten nach Mög­lich­keit alle Fak­to­ren ver­mei­den, die einen Krank­heits­schub aus­lö­sen kön­nen. Da Stress bei­spiels­wei­se ein wesent­li­cher Aus­lö­ser ist, hel­fen Ent­span­nungs­tech­ni­ken wie Medi­ta­ti­on, Yoga oder auto­ge­nes Trai­ning bei der Neu­ro­der­mi­tis Behand­lung.

Des Wei­te­ren sind bestimm­te Nah­rungs­mit­tel, haut­rei­zen­de Kos­me­ti­ka und Tier­haa­re zu ver­mei­den. Wer von einer ato­pi­schen Der­ma­ti­tis betrof­fen ist, soll­te nicht in Gebie­te mit extre­men kli­ma­ti­schen Bedin­gun­gen wie bei­spiels­wei­se extre­me Hit­ze oder Käl­te rei­sen.

Wirksame Prävention – wie lässt sich das Entstehungsrisiko einer Neurodermitis mindern?

Vor der Neu­ro­der­mi­tis Behand­lung steht die Prä­ven­ti­on. Wer eini­ge wir­kungs­vol­le Maß­nah­men ergreift, kann das Neu­ro­der­mi­tis-Risi­ko signi­fi­kant sen­ken.

Fol­gen­de Tipps kön­nen die Vor­beu­gung unter­stüt­zen:

  • Schwan­ge­re Frau­en soll­ten auf Ziga­ret­ten­kon­sum voll­stän­dig ver­zich­ten. Auch nach der Geburt soll­te niko­tin­frei gelebt wer­den. Das senkt beim Kind nicht nur das Ent­ste­hungs­ri­si­ko für Neu­ro­der­mi­tis, son­dern auch für ande­re Haut­er­kran­kun­gen.
  • Neu­ge­bo­re­ne Babys soll­ten min­des­tens vier Mona­te lang gestillt wer­den, denn Mut­ter­milch ist die bes­te Prä­ven­ti­on gegen Neu­ro­der­mi­tis und All­er­gie­er­kran­kun­gen.
  • Wäh­rend der Still­zeit soll­ten Müt­ter auf eine aus­ge­wo­ge­ne Ernäh­rungs­wei­se ach­ten. Fisch soll­te min­des­tens zwei Mal wöchent­lich auf dem Spei­se­plan erschei­nen. Das hilft wirk­sam dabei, das Neu­ro­der­mi­tis-Risi­ko beim Kind zu sen­ken.
  • Nach dem vier­ten Lebens­mo­nat des Kin­des kann zuge­füt­tert wer­den. Wich­tig ist hier, die rich­ti­gen Lebens­mit­tel zu wäh­len, die das Kind vor Neu­ro­der­mi­tis und ande­ren Haut­er­kran­kun­gen schüt­zen.
  • Kin­der mit einem erhöh­ten Neu­ro­der­mi­tis-Risi­ko soll­ten nicht mit Haus­tie­ren auf­wach­sen. Beson­ders Kat­zen gel­ten als Risi­ko­fak­tor. Hun­de sol­len hin­ge­gen das All­er­gie­ri­si­ko nicht erhö­hen.

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