Die Masern-Impfpflicht – alles was Sie wissen müssen

    Zuletzt aktualisiert am Samstag, den

    Das Gesetz, wel­ches die Masern-Impf­pflicht2) regelt, ist zum 1. März 2020 in Kraft getre­ten. Doch kaum sol­len Impf­geg­ner für das Ver­wei­gern die­ser not­wen­di­gen Imp­fung, durch Buß­geld­an­dro­hung für die Eltern schul­pflich­ti­ger Kin­der und Aus­schluss aus Kitas für nicht schul­pflich­ti­ge Kin­der, zur Rai­son geru­fen wer­den, gehen auch schon die ers­ten Beschwer­den in Karls­ru­he beim Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ein.

    Kleines Mädchen, braune Haare liegt mit Masern krank im Bett hätte die Masern-Impfpflicht geholfen?
    Die Masern-Impfpflicht schützt vor schweren Verläufen der Virusinfektion

    Masern – nur eine Kinderkrankheit?

    Lan­ge wur­den Masern1) als harm­lo­se Kin­der­krank­heit abge­tan. Ihre Gefähr­lich­keit wird oft unter­schätzt. Masern wer­den durch Viren aus­ge­löst und sind hoch­an­ste­ckend. Der unge­schütz­te Kon­takt mit Erkrank­ten führt mit­tels Tröpf­chen­in­fek­ti­on fast unwei­ger­lich zur Anste­ckung. Hat eine Anste­ckung statt­ge­fun­den, gibt es kei­ne The­ra­pie. Eini­ge Sym­pto­me las­sen sich behan­deln und die Fol­gen mög­li­cher­wei­se abmil­dern und erträg­lich machen, aber die Krank­heit selbst muss der Pati­ent durch­ste­hen.

    Das wäre mög­li­cher­wei­se nicht dra­ma­tisch, wenn nicht die Fol­gen und Spät­fol­gen dra­ma­tisch wären. Eine Masern­in­fek­ti­on dau­ert etwa drei Wochen und der Pati­ent gilt erst dann als nicht mehr anste­ckend, wenn der Aus­schlag voll­stän­dig ver­schwun­den ist.

    Auch Kom­pli­ka­tio­nen kom­men durch das geschwäch­te Immun­sys­tem nicht sel­ten vor. Bak­te­ri­el­le Infek­te wie eine Mit­tel­ohr­ent­zün­dung, eine Bron­chi­tis oder eine Lun­gen­ent­zün­dung kön­nen bei­spiels­wei­se auf­tre­ten. Eine sel­te­ne, aber lebens­ge­fähr­li­che Kom­pli­ka­ti­on ist die Hirn­haut­ent­zün­dung, von der zwar “nur” etwa 0,1 — 0,2 % der Erkrank­ten betrof­fen sind, aller­dings liegt bei die­sen die Sterb­lich­keits­ra­te bei bis zu 20 %. Wei­te­re Fol­gen kön­nen neu­ro­lo­gi­sche Schä­di­gun­gen, Hör­ver­lust oder blei­ben­de geis­ti­ge Ein­schrän­kun­gen sein.

    Laut einer Stu­die ist das Immun­sys­tem4) bei bis zu 15 % der Kin­der, die eine Masern­in­fek­ti­on durch­ge­macht haben, auch 5 Jah­re nach der Infek­ti­on noch deut­lich beein­träch­tigt, was zu häu­fi­gen Infek­ten füh­ren kann.

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    Herdenimmunität – ab welcher Impfquote sind wir kollektiv geschützt?

    In einer Gesell­schaft muss nicht jedes Indi­vi­du­um geimpft wer­den, damit alle über einen aus­rei­chen­den Krank­heits­schutz ver­fü­gen. Dies nennt man Her­denim­mu­ni­tät5). Der “Her­den­schutz” nützt den­je­ni­gen, die aus unter­schied­li­chen Grün­den nicht geimpft wer­den kön­nen, das wären bei­spiels­wei­se Kin­der unter einem Jahr oder Per­so­nen, die gegen Bestand­tei­le des Impf­stoffs all­er­gisch sind.

    Laut der WHO sind Masern die anste­ckends­te Krank­heit der Mensch­heits­ge­schich­te. Daher ist es wich­tig, dass sich jeder, bei dem kei­ne medi­zi­ni­sche Kon­tra­in­di­ka­ti­on besteht, gegen Masern imp­fen lässt, da der Her­den­schutz bei Masern erst bei einer Impf­quo­te von 95 % greift.

    Für wen gilt die Masern-Impfpflicht?

    Seit dem 01. März 2020 gilt in Deutsch­land die Impf­pflicht für Masern. Das Ziel ist der wirk­sa­me Schutz von Kin­der­gar­ten- und Schul­kin­dern. Das Gesetz regelt, dass alle Kin­der vor Ein­tritt in die Schu­le oder den Kin­der­gar­ten eine ent­spre­chen­de Imp­fung benö­ti­gen. Soll­te die­se nicht dadurch nach­ge­wie­sen wer­den kön­nen, dass bei­spiels­wei­se ein Impf­pass vor­ge­legt wird, so dür­fen Kin­der nicht in einer Kita auf­ge­nom­men wer­den. Bei Schul­kin­dern ver­hält es sich auf­grund der all­ge­mei­nen Schul­pflicht etwas anders: Eltern, die ihre Kin­der ohne nach­ge­wie­se­nen Impf­schutz ein­schu­len, bege­hen eine Ord­nungs­wid­rig­keit, die eine Geld­bu­ße von bis zu 2500,- Euro  nach sich zie­hen kann. Soll­te eine Imp­fung aus vor­her genann­ten Grün­den nicht mög­lich sein, so ist ein ärzt­li­ches Attest vor­zu­le­gen.

    Neben Kin­der­gar­ten- und Schul­kin­dern besteht die neue Impf­pflicht auch für Erzie­her, Leh­rer, Tages­müt­ter, medi­zi­ni­sches Per­so­nal, Betreu­er in Asyl­un­ter­künf­ten, sowie Flücht­lin­ge und Asyl­be­wer­ber, die in Gemein­schafts­un­ter­künf­ten leben.

    Gibt es eine Masern-Impfpflicht für Kinder, die bereits in der Kita oder Schule sind?

    Laut Gesund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn gilt eine Über­gangs­frist für Kin­der, die bereits einen Kin­der­gar­ten besu­chen oder die bereits ein­ge­schult sind. Für sie gilt der Stich­tag 31. Juli 2021.

    Stellen Impfgegner eine Gefahr für die “public health” dar?

    Die­se Fra­ge lässt sich rela­tiv leicht beant­wor­ten. Um für eine gute Her­denim­mu­ni­tät zu sor­gen, benö­tigt es eine Impf­quo­te von 95 %. Rech­net man die Per­so­nen her­aus, die aus medi­zi­ni­schen Grün­den nicht geimpft wer­den kön­nen (Kin­der unter einem Jahr, Per­so­nen, die gegen Bestand­tei­le des Impf­stoffs all­er­gisch sind) gibt es nicht mehr all­zu viel Spiel­raum.

    Es war das Ziel der WHO Masern und Röteln welt­weit bis 2020 zu eli­mi­nie­ren. Die­ses Ziel kann sicher nicht mehr erreicht wer­den. Laut Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Gesund­heit6)  wird aktu­ell dar­auf hin­ge­ar­bei­tet, dass bei uns nie­mand mehr an Masern erkrankt. Der­zeit scheint eine Masern-Impf­pflicht das ein­zig pro­ba­te Mit­tel, die benö­tig­te Impf­quo­te von 95 % zu errei­chen.

    Ohne die­se ver­pflich­ten­de Imp­fung ist die Quo­te der Masern­imp­fung in Deutsch­land zu nied­rig, um die zu schüt­zen, die auf die Her­denim­mu­ni­tät ange­wie­sen sind. In dem Fall steht zu über­le­gen, ob das Recht des Ein­zel­nen auf kör­per­li­che Unver­sehrt­heit über dem Recht der All­ge­mein­heit steht.

    Impfgegner rufen Karlsruhe an

    Kaum trat das Gesetz in Kraft, haben Impf­geg­ner bereits Eil­an­trä­ge und Ver­fas­sungs­be­schwer­de beim Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt3)  ein­ge­legt. Klä­ger sind Eltern mit klei­nen Kin­dern, aber auch Kin­der­ärz­te. Die Argu­men­ta­ti­on der Geg­ner lau­tet, dass es “kei­ne aku­te Gefah­ren­la­ge” gäbe. Auch gibt es Kri­tik an den Mehr­fachimpf­stof­fen. Bei einer Masern Imp­fung wird gleich­zei­tig auch gegen Mumps und Röteln geimpft. Ein drit­tes Argu­ment ist das Impfal­ter, das in Deutsch­land nied­ri­ger ist, als in ande­ren Län­dern. Auch die Ungleich­be­hand­lung der Kin­der, die bereits in Ein­rich­tun­gen sind und denen, die seit dem 1. März 2020 in einer Kita oder Schu­le auf­ge­nom­men wer­den, wird kri­ti­siert. Die­se kön­nen eine Über­gangs­frist bis zum 31. Juli 2021 nut­zen.

    In Kür­ze

    • Masern sind hoch­an­ste­ckend.
    • Masern sind kei­ne harm­lo­se Kin­der­krank­heit.
    • Nur mit­tels der Her­denim­mu­ni­tät lässt sich die Krank­heit eli­mi­nie­ren.
    • Durch eine Imp­fung schützt man sich und ande­re.
    • Bei allem Respekt: Jeder soll­te immer auch an das Gemein­wohl den­ken.

    Quellen

    4.7 (93.33%) 3 Stimme[n]



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