Kinderlosigkeit — Wenn nichts fruchtet

Kinderlosigkeit - Wenn nichts fruchtet

Kinderlosigkeit — Wenn nichts fruchtet

Eine Paar­be­zie­hung scheint für vie­le erst dann gelun­gen zu sein, wenn sich Kin­der dazu gesel­len. Bei eini­gen Paa­ren funk­tio­niert dies jedoch erst mit­hil­fe einer künst­li­chen Befruch­tung. Ande­re Eltern­paa­re haben hin­ge­gen das Glück, gleich meh­re­re Kin­der zu bekom­men. Paa­re, die kei­ne Kin­der bekom­men kön­nen, ent­schei­den sich oft­mals für eine Adop­ti­on, wäh­rend sich bei eini­gen Eltern dann doch uner­war­tet der Wunsch eige­ner Kin­der erfüllt. In vie­len Fäl­len wird eine Frau erst­mals schwan­ger, wenn sie bereits jen­seits der vier­zig ist. Kon­trär dazu wer­den auch vie­le Jugend­li­che unge­wollt schwan­ger, bevor sie die Schu­le ver­las­sen.

Mit der Frucht­bar­keit scheint es eine schwie­ri­ge Ange­le­gen­heit zu sein. Vie­le Tabus ran­ken sich um den Ver­dacht der Unfrucht­bar­keit. Ein­zel­ne Paa­re zer­bre­chen am uner­füll­ten Kin­der­wunsch. Ande­re fin­den Lösun­gen, ohne einen Schul­di­gen zu suchen. Auch wenn Leih­müt­ter und Eizell­spen­den nur im Aus­land mög­lich sind, wäh­len vie­le Paa­re in Deutsch­land einen ille­ga­len Weg. Ande­re kämp­fen sich durch die Müh­len der Büro­kra­tie, um ein Kind zu adop­tie­ren. Es kann aber auch vor­kom­men, dass ein Paar sich mit der Unfrucht­bar­keit abfin­det, und nach vie­len Jah­ren doch noch mit einem Neu­ge­bo­re­nen beglückt wird.

Prävalenz

Deutsch­land weit sind etwa sechs Mil­lio­nen Paa­re unge­wollt kin­der­los. In einem Drit­tel der Fäl­le sind bei­de Part­ner unfrucht­bar. In einem wei­te­ren Drit­tel ist der Mann nicht zeu­gungs­fä­hig. Bei ande­ren drei­ßig Pro­zent ist es die Frau, die nicht emp­fäng­lich ist. Oft­mals bleibt die Suche nach dem Grund der Unfrucht­bar­keit ergeb­nis­los und Eltern­paa­re sehen ihre Unfrucht­bar­keit als eine Lau­ne der Natur. In der Medi­zin wird das frucht­bars­te Alter für den Kin­der­wunsch in den Lebens­jah­ren zwi­schen 20 und 35 ein­ge­schätzt. Danach wird es wesent­lich schwie­ri­ger, obwohl eine Emp­fäng­nis theo­re­tisch bis zur Meno­pau­se mög­lich ist. Die damit ver­bun­de­nen Risi­ken für das Kind sind aller­dings nicht zu unter­schät­zen. Die Zeu­gungs­fä­hig­keit des Man­nes bleibt poten­zi­ell bis ins hohe Alter erhal­ten.

Mögliche Ursachen der Unfruchtbarkeit

Die Ursa­chen man­geln­der Frucht­bar­keit kön­nen in medi­zi­ni­sche, see­li­sche oder äußer­li­che Fak­to­ren unter­teilt wer­den. Orga­ni­sche Ursa­chen wie ver­kleb­te Eilei­ter oder eine man­gel­haf­te Samen­pro­duk­ti­on sind in min­des­tens 30 bis 40 Pro­zent der Fäl­le aus­schlag­ge­bend für einen uner­füll­ten Kin­der­wunsch. In den meis­ten Fäl­len ist eine Stö­rung bei nur einem der Part­ner die Ursa­che. In ande­ren Fäl­len sind aber auch bio­lo­gi­sche Stö­run­gen bei bei­den Bezie­hungs­part­nern als Ursa­che der Nach­wuchs­pro­ble­me fest­zu­ma­chen.

Auch see­li­sche Ursa­chen spie­len eine wich­ti­ge Rol­le, wenn ein Kin­der­wunsch nicht erfüllt wird. Sofern medi­zi­ni­sche Spe­zia­lis­ten kei­nen orga­nisch beding­ten Grund für die Unfrucht­bar­keit erken­nen kön­nen, sind wahr­schein­lich emo­tio­na­le Belas­tun­gen der Grund. Ein über­mä­ßi­ger Kin­der­wunsch kann auch blo­ckie­rend wir­ken. Der Miss­brauch von Genuss­mit­teln, Medi­ka­men­ten oder Dro­gen beein­flusst die Frucht­bar­keit eben­so nega­tiv wie ein star­kes Über­ge­wicht. Die Schwan­ger­schafts­wahr­schein­lich­keit sinkt, wenn Kör­per oder See­le über­las­tet sind.

Zu den äuße­ren Fak­to­ren kön­nen eine unge­sun­de Lebens­wei­se, ange­streb­te Kar­rie­re­zie­le, beruf­li­cher Stress oder ande­re Grün­de bei­tra­gen. Bei­spiels­wei­se haben lang­jäh­rig mager­süch­ti­ge Frau­en ihren Kör­per auf Nähr­stoff­ebe­ne der­art geschun­den, dass sie spä­ter oft kin­der­los blei­ben. Offen­sicht­lich unter­bin­det der Orga­nis­mus in die­sem Fall die Emp­fäng­nis. Auch bei Niko­tin­ab­usus oder häu­fi­gem Alko­hol­ge­nuss kann die Schwan­ger­schafts­wahr­schein­lich­keit her­ab­ge­setzt sein. In die­sem Fall sind die Ent­gif­tungs­or­ga­ne über­las­tet, die Gefä­ße ver­engt oder der Orga­nis­mus wur­de ander­wei­tig geschä­digt. Unter­schätzt wird auch die Wir­kung von Umwelt­gif­ten oder Wachs­tums­hor­mo­nen, Pes­ti­zi­den und Anti­bio­ti­ka, die in der Fleisch­in­dus­trie und der moder­nen Land­wirt­schaft mas­sen­haft ver­wen­det wer­den.

Häu­fi­ger, als die meis­ten Paa­re den­ken, sind Geschlechts­krank­hei­ten wie Chla­my­di­en-Infek­tio­nen die Ver­ur­sa­cher der Kin­der­lo­sig­keit. Bei erkrank­ten Frau­en kön­nen hor­mo­nel­le Stö­run­gen, Schild­drü­sen­pro­ble­me oder orga­ni­sche Defek­te an Eier­stö­cken, Eilei­tern, Gebär­mut­ter­hals und Gebär­mut­ter Schwan­ger­schaf­ten ver­hin­dern oder erschwe­ren. Auch eine Endo­me­trio­se kann Frucht­bar­keits­stö­run­gen ver­ur­sa­chen. Bei den Män­nern bestehen häu­fig Ursa­chen, wie immo­bi­le oder geschä­dig­te Sper­mi­en, eine man­geln­de Sper­mi­en­qua­li­tät durch Erkran­kun­gen bzw. Schad­stoff­ein­wir­kun­gen, oder eine unge­sun­de Lebens­wei­se.

Auch schwe­re kör­per­li­che Belas­tun­gen kön­nen der Grund für einen uner­füll­ten Kin­der­wunsch sein. Wer einen Mara­thon nach dem ande­ren läuft, ver­rin­gert die Chan­cen auf Nach­wuchs. Auch schwe­re kör­per­li­che Arbeit wirkt hem­mend auf die Fort­pflan­zungs­fä­hig­keit. Eine über­stan­de­ne oder akut in Behand­lung befind­li­che Krebs­er­kran­kung kann eben­falls die Schwan­ger­schafts­wahr­schein­lich­keit sen­ken. Ein schlech­ter All­ge­mein­zu­stand ver­hin­dert Schwan­ger­schaf­ten eben­so effek­tiv wie eine Hoden­krebs­er­kran­kung, Blut­krebs, Unter­leibs­krebs, Lym­phome oder Tumo­re im Zen­tral­ner­ven­sys­tem. Bei einem Kin­der­wunsch soll­te die­se Mög­lich­keit beach­tet und der Kin­der­wunsch mit den behan­deln­den Ärz­ten bespro­chen wer­den. Eine Behand­lung soll­te dann nach Mög­lich­keit ange­passt wer­den.

Untersuchungen und Möglichkeiten bei Kinderlosigkeit

Wenn der Kin­der­wunsch trotz aller Ver­su­che uner­füllt geblie­ben ist, soll­te ein Besuch beim Haus­arzt oder Gynä­ko­lo­gen erfol­gen. Für Män­ner sind Uro­lo­gen oder Andro­lo­gen mög­li­che Ansprech­part­ner. Der aus­führ­li­chen Ana­mne­se unter Berück­sich­ti­gung der über­stan­de­nen Erkran­kun­gen, gene­ti­schen Vor­be­las­tun­gen und Ope­ra­tio­nen folgt meis­tens eine Rei­he von Unter­su­chun­gen. Die­se sind bei Män­nern und Frau­en unter­schied­lich.

Frau­en soll­ten sich auf eine

  •  Urin­un­ter­su­chung
  •  Unter­su­chung des Schei­dense­krets
  •  Ultra­schall­un­ter­su­chung
  •  Erhe­bung des Hor­mon­sta­tus
  • und eine Bauch- und Gebär­mut­ter­spie­ge­lung

vor­be­rei­ten. Durch die­se kön­nen hor­mo­nel­le, sekre­to­ri­sche oder orga­ni­sche Fak­to­ren für eine aus­blei­ben­de Schwan­ger­schaft erkannt wer­den.

Bei den Män­nern erfol­gen Unter­su­chun­gen wie

  •  das Abtas­ten von Hoden und Neben­ho­den sowie der Pro­sta­ta
  • Ultra­schall­un­ter­su­chun­gen (z. B. an den Geschlechts­or­ga­nen oder den Harn­we­gen)
  •  die Erstel­lung eines Sper­mio­gramms,
  •  gege­be­nen­falls die Erhe­bung des männ­li­chen Hor­mon­sta­tus
  •  und even­tu­ell ein Gen­test.

Es gibt ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten, die Wahr­schein­lich­keit eines Kin­der­wun­sches zu erhö­hen. Hier­zu zäh­len in Deutsch­land erlaub­te oder nur im Aus­land prak­ti­zier­te Mög­lich­kei­ten, die jedoch hier­zu­lan­de oft­mals nicht legal sind. Das Para­do­xe dar­an ist, dass immer mehr Deut­sche sich — auch auf Emp­feh­lung ihrer deut­schen Ärz­te — im Aus­land solch ver­bo­te­ner Metho­den der Emp­fäng­nis­för­de­rung bedie­nen. Aus­län­di­sche Anbie­ter dür­fen auf ent­spre­chen­den Mes­sen sogar aktiv für sol­che Metho­den wer­ben.

Strikt ver­bo­ten sind bei uns eine Leih­mut­ter­schaft, eine Eizell­spen­de und die Metho­dik der anony­men Samen­spen­de. Die­se macht dem Kind das Wis­sen um den bio­lo­gi­schen Vater nicht zugäng­lich. Erlaubt sind künst­li­che Befruch­tun­gen, nicht-anony­me Samen­spen­den und — unter bestimm­ten Bedin­gun­gen — auch die Embryo­nen­spen­de bzw. der Embryo­trans­fer. Wenn die erlaub­te In-vitro-Fer­ti­li­sa­ti­on auch nach mehr­fa­cher Anwen­dung erfolg­los ist, bleibt am Ende nur die intra­zy­to­plas­ma­ti­sche Sper­mien­in­jek­ti­on übrig. Bei die­ser Metho­de wird die Frau mit hoher Wahr­schein­lich­keit schwan­ger. Es wer­den aller­dings erhöh­te Risi­ken für Fehl­bil­dun­gen dis­ku­tiert. Unklar ist dabei, ob die intra­zy­to­plas­ma­ti­sche Sper­mien­in­jek­ti­on selbst für eine höhe­re Inzi­denz an Fehl­bil­dun­gen ver­ant­wort­lich ist, oder ob das Paar wegen ent­spre­chen­der gene­ti­scher Vor­be­las­tun­gen bis­her kein Kind bekom­men konn­te.

Zusammenhang mit Beruf bei Akademikern

Vie­le Aka­de­mi­ker blei­ben auf­grund ihrer Kar­rie­re­pla­nung kin­der­los. Doch es gibt eben­so vie­le Paa­re, die gern Kin­der hät­ten, jedoch aus ver­schie­de­nen Grün­den kei­ne bekom­men. Der Trend zur Kin­der­lo­sig­keit unter Aka­de­mi­kern ist also nicht immer nur einer strik­ten beruf­li­chen Zukunfts­pla­nung geschul­det, son­dern hängt von ver­schie­de­nen Fak­to­ren ab

27 Pro­zent aller deut­schen Akademiker/innen haben kei­ne Kin­der. Die Fami­li­en­grün­dung wird oft bei zukunfts­ori­en­tier­ten Beru­fen aus der Natur­wis­sen­schaft oder Infor­ma­tik aus­ge­setzt. Sta­tis­ti­ken zufol­ge blei­ben fast die Hälf­te aller deut­schen Infor­ma­ti­ke­rin­nen kin­der­los. Wenig fami­li­en­freund­li­che Bedin­gun­gen fin­den auch Frau­en in der Mathe­ma­tik, in natur­wis­sen­schaft­li­chen und tech­ni­schen Beru­fen, im Steu­er- und Rech­nungs­we­sen oder im Finanz­dienst­leis­tungs-Sek­tor. Selbst in krea­ti­ven und Medi­en­be­ru­fen wird der Kin­der­wunsch oft­mals gestri­chen. 25 Pro­zent aller deut­schen Rich­te­rin­nen, Staats­die­ne­rin­nen oder Sol­da­tin­nen ent­schei­den sich dau­er­haft gegen ein Kind. Gene­rell kann fest­ge­stellt wer­den: Je bes­ser aus­ge­bil­det eine Frau ist, des­to eher ver­zich­tet sie auf einen Aus­bau der Fami­li­en­pla­nung.

Dabei sind jedoch regio­na­le Unter­schie­de fest­stell­bar. In Groß­städ­ten sind gerin­ge­re Nach­wuchs­quo­ten zu ver­zeich­nen, als in länd­li­chen Regio­nen. Wäh­rend die Kin­der­lo­sen­quo­te in den Groß­städ­ten, wie bei­spiels­wei­se in Ham­burg bei 30 Pro­zent liegt, ist sie in länd­li­chen Regio­nen nur halb so hoch. Aller­dings hat sich die Quo­te kin­der­lo­ser Aka­de­mi­ke­rin­nen seit 2012 ver­bes­sert. Ver­ant­wort­lich dafür sind ver­bes­ser­te Ange­bo­te wie Kin­der­ta­ges­stät­ten oder Eltern­geld. An qua­li­fi­zier­ten Teil­zeit­stel­len für wer­den­de Müt­ter man­gelt es aber wei­ter­hin.

Bio­lo­gi­sche Ursa­chen kom­men in nur jedem fünf­ten Fall einer aus­blei­ben­den Schwan­ger­schaft unter Aka­de­mi­ke­rin­nen als Ursa­che infra­ge. Min­des­tens 30 Pro­zent der Aka­de­mi­ke­rin­nen ent­schei­den sich bewusst gegen ein Kind. Bei 50 Pro­zent der aka­de­mi­schen Frau­en ist jedoch ein Kin­der­wunsch vor­han­den.