Juckreiz: Ursachen, Behandlung und Tipps

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 15.07.2019 Lesezeit: 6 Minuten

Ein Juck­reiz (auch unter dem medi­zi­ni­schen Namen Pru­ri­tus bekannt) kann manch­mal ziem­lich stö­rend sein. Je nach Kör­per­stel­le kom­men ver­schie­dens­te Ursa­chen für das Jucken in Fra­ge. Wir zei­gen Ihnen in die­sem Arti­kel, was hin­ter dem Juck­reiz ste­cken kann und wel­che Behand­lun­gen und Haus­mit­tel wirk­lich hel­fen.

Juckreiz, Kratzen
Juckreiz: Ursachen, Behandlung und Tipps

Was ist eigentlich Juckreiz?

Der Juck­reiz (Pru­ri­tus) ist wie der Schmerz oder das Hit­ze- und Käl­te­ge­fühl ein Warn­si­gnal der Haut. Er löst unter ande­rem einen Schutz­me­cha­nis­mus aus, der sich in Form von Krat­zen mani­fes­tiert.

Bei­spiels­wei­se wer­den durch das Krat­zen läs­ti­ge Para­si­ten oder ande­re Fremd­kör­per von der Haut ent­fernt. Das Haut­ju­cken ist in der Regel harm­los und tritt meist vor­über­ge­hend auf.

Bestimm­te For­men des chro­ni­schen Juck­rei­zes stel­len jedoch Sym­pto­me zugrun­de lie­gen­der Erkran­kun­gen dar. Je nach­dem, wel­che Ursa­che vor­liegt, kön­nen nur bestimm­te Haut­stel­len oder der gesam­te Kör­per betrof­fen sein.

Die­se Haut­stel­len kom­men beson­ders häu­fig vor:

  • Kopf­haut
  • After oder Intim­be­reich
  • Brust­war­zen
  • Ohr
  • Hän­de
  • Bei­ne

Bei chro­ni­schem Haut­ju­cken soll­te unbe­dingt ein Arzt kon­sul­tiert wer­den. Oft liegt zwar ein harm­lo­ser Grund vor, schlimms­ten­falls kann aber auch eine lebens­ge­fähr­li­che Erkran­kung dahin­ter­ste­cken.

Mögliche Ursachen des Juckreizes

Die Ursa­chen für Haut­ju­cken sind viel­fäl­tig. Die Juck­rei­z­emp­fin­dung wird durch Signal­wei­ter­lei­tung in bestimm­ten Ner­ven­bah­nen ver­mit­telt. Frü­her gab es die Vor­stel­lung, dass sowohl für den Schmerz als auch für das Gefühl des Juck­rei­zes die glei­chen Ner­ven­bah­nen zustän­dig sind.

Das hat sich jedoch als Irr­tum erwie­sen. Bei bei­den Emp­fin­dun­gen spie­len zwar die­sel­ben Boten­stof­fe eine gro­ße Rol­le, aller­dings sind die Signal­we­ge für Schmerz und Haut­ju­cken getrennt.

Zu den wich­tigs­ten Ursa­chen für chro­ni­schen Pru­ri­tus gehört die Aus­trock­nung der Haut. Neben der Haut­al­te­rung kön­nen auch fol­gen­de Grün­de in Fra­ge kom­men:

  • häu­fi­ges Waschen
  • zu hei­ßes Baden
  • häu­fi­ges Benut­zen von ent­fet­ten­den Kos­me­ti­ka (Sham­poos, Wasch­lo­tio­nen)
  • der Haut­kon­takt mit Löse­mit­teln und ande­ren Che­mi­ka­li­en

Eine wei­te­re Ursa­che des Juck­rei­zes stel­len Kon­taktall­er­gi­en dar, die oft zu bren­nen­den und jucken­den Quad­deln füh­ren.

Oben­drein sind all­er­gisch oder infek­ti­ös ver­mit­tel­te Hau­t­ek­ze­me häu­fig der Grund für quä­len­des Haut­ju­cken. Auf der Haut fin­den dann Ent­zün­dungs­pro­zes­se statt, die durch Hist­amin aus den Mast­zel­len aus­ge­löst wer­den.

Aber auch ohne Ver­än­de­run­gen auf der Haut­ober­flä­che kann es zu jucken­der Haut kom­men. Oft juckt es dann am gan­zen Kör­per. Zumeist lie­gen gene­ra­li­sier­te Krank­heits­ver­läu­fe vor.

Das Haut­ju­cken kann eben­falls durch fol­gen­de Krank­hei­ten her­vor­ge­ru­fen wer­den :

  • Dia­be­tes Mel­li­tus
  • Leber­insuf­fi­zi­enz
  • Leber­zir­rho­se
  • Gelb­sucht
  • Nie­ren­er­kran­kun­gen
  • Leuk­ämie
  • Haut­tu­mo­re

Zusam­men­ge­fasst: Wich­ti­ge Ursa­chen für Juck­reiz sind also Haut­er­kran­kun­gen, Stoff­wech­sel­stö­run­gen, Krebs, Infek­tio­nen mit Para­si­ten, Leber­er­kran­kun­gen, Blu­ter­kran­kun­gen, psy­chi­sche Stö­run­gen, Stress, Schwan­ger­schaft und tro­cke­ne Haut.





Hauterkrankungen und Allergien

Die häu­figs­ten Juck­reiz-Ursa­chen in Zusam­men­hang mit Haut­er­kran­kun­gen und All­er­gi­en:

  • Kon­taktall­er­gi­en
  • Schup­pen­flech­te
  • Neu­ro­der­mi­tis
  • Nes­sel­sucht
  • Ver­hor­nungs­stö­run­gen
  • Medi­ka­men­ten­all­er­gi­en

Stoffwechselstörungen

Die häu­figs­ten Juck­reiz-Ursa­chen in Zusam­men­hang mit Stoff­wech­sel­stö­run­gen:

Infektionskrankheiten

Die häu­figs­ten Juck­reiz-Ursa­chen in Zusam­men­hang mit Infek­ti­ons­krank­hei­ten:

  • Pilz­in­fek­tio­nen
  • Her­pes­in­fek­ti­on
  • HIV

Parasiteninfektionen

Die häu­figs­ten Juck­reiz-Ursa­chen in Zusam­men­hang mit Para­si­ten­in­fek­tio­nen:

  • Läu­se
  • Flö­he
  • Mil­ben
  • Spul- oder Haken­wurm

Lebererkrankungen

Die häu­figs­ten Juck­reiz-Ursa­chen in Zusam­men­hang mit Leber­er­kran­kun­gen:

  • Hepa­ti­tis
  • Gelb­sucht durch ver­schie­de­ne Ursa­chen
  • Leber­zir­rho­se
  • Gal­len­stau­ung

Psychische Erkrankungen

Die häu­figs­ten Juck­reiz-Ursa­chen in Zusam­men­hang mit psy­chi­schen Erkran­kun­gen:

Andere Auslöser von Juckreiz

Neben den genann­ten Ursa­chen kom­men noch wei­te­re Aus­lö­ser für einen Juck­reiz in Fra­ge. Dar­un­ter fal­len unter ande­rem:

Hin­weis: Ein leich­ter Juck­reiz ist ab der zwei­ten Hälf­te der Schwan­ger­schaft oft ganz nor­mal. Bei einem auf­fäl­lig star­ken Juck­reiz in der Schwan­ger­schaft soll­te ein Gynä­ko­lo­ge auf­ge­sucht wer­den. Die­ser prüft dann, ob eine Erkran­kung mög­li­cher­wei­se ursäch­lich ist (Gal­len­stau in der Leber bei­spiels­wei­se).

Auch beson­de­re Kör­per­stel­len sind häu­fig vom Juck­reiz betrof­fen, wie bei­spiels­wei­se der Intim­be­reich von Mann oder Frau.

  • Jucken im Intim­be­reich der Frau: Ent­zün­dun­gen im Scham­be­reich kom­men häu­fig vor und kön­nen ein läs­ti­ges Jucken aus­lö­sen. Eine atmungs­ak­ti­ve oder weni­ger scheu­ern­de Klei­dung kann oft­mals hel­fen. Wenn der Ver­dacht auf Infek­tio­nen oder Pil­ze fällt und der Juck­reiz lan­ge anhält, soll­te ein Arzt auf­ge­sucht wer­den, um die Ursa­che abzu­klä­ren.
  • Jucken im Intim­be­reich des Man­nes: Auch der Mann kann vom Juck­reiz im Intim­be­reich betrof­fen sein. Vie­le ver­schie­de­ne Ursa­chen kom­men in Fra­ge, wobei in den meis­ten Fäl­len kei­ne gra­vie­ren­de Ursa­che vor­liegt. Den­noch soll­te bei chro­ni­schem Juck­reiz ein Arzt kon­sul­tiert wer­den.

Diagnose bei einem Juckreiz

Bei hart­nä­cki­gem Haut­ju­cken soll­te unbe­dingt ein Arzt auf­ge­sucht wer­den. Er wird zunächst eine aus­führ­li­che Ana­mne­se der Kran­ken­ge­schich­te erstel­len, bei wel­cher fol­gen­de Fra­gen eine Rol­le spie­len:

  • Wel­che Haut­stel­len sind vom Juck­reiz betrof­fen?
  • Seit wann tritt es auf?
  • Wie stark ist es?
  • Unter wel­chen Bedin­gun­gen tritt es auf?
  • Bestehen All­er­gi­en oder ande­re Krank­hei­ten?
  • Wur­den Medi­ka­men­te ein­ge­nom­men?

Nach der Befra­gung fin­det eine kör­per­li­che Unter­su­chung statt. Dabei sucht der Arzt nach Haut­ver­än­de­run­gen, tro­cke­nen Haut­stel­len, Farb­ver­än­de­run­gen auf der Haut, Kratz­spu­ren oder mög­li­chen Anzei­chen von Krank­heits­er­re­gern.

Zu die­sen Unter­su­chun­gen gehört auch das Abtas­ten von Leber, Milz und Lymph­kno­ten. Wenn der Arzt einen erns­te­ren Hin­ter­grund für das quä­len­de Haut­ju­cken ver­mu­tet, wei­tet er die Dia­gnos­tik auf Unter­su­chun­gen von Blut, Stuhl und Urin aus.

Außer­dem führt er Ultra­schall­un­ter­su­chun­gen des Bauch­raums sowie Rönt­gen­un­ter­su­chun­gen im Brust­raum durch. An ver­däch­ti­gen Haut­stel­len wird er einen Abstrich zur Bestim­mung eines even­tu­el­len Erre­gers ver­an­las­sen.

Die Dia­gnos­tik wird bei Bedarf durch eine Darm- oder Magen­spie­ge­lung, eine CT des Brust- und Bauch­raums oder eine Unter­su­chung des Kno­chen­marks erwei­tert.

Therapie und Behandlung bei juckender Haut

Wenn das Haut­ju­cken durch eine zugrun­de lie­gen­de Erkran­kung aus­ge­löst wird, muss die­se gezielt behan­delt wer­den. Oft hel­fen hier Cremes oder Sal­ben nicht mehr, weil das Jucken nicht durch ober­fläch­li­che Haut­ver­än­de­run­gen her­vor­ge­ru­fen wird.

In den weit­aus meis­ten Fäl­len ist jedoch eine Lin­de­rung des hart­nä­cki­gen Juck­rei­zes durch spe­zi­el­le Sal­ben mit sol­chen Wirk­stof­fen wie

  • Cap­sai­cin aus dem Cayenne­pfef­fer,
  • Lido­cain als loka­lem Anäs­the­ti­kum,
  • Kor­ti­son oder ande­ren mög­lich.

Die­se Wirk­stof­fe hem­men die Reiz­wei­terlei­tung in bestimm­ten Ner­ven­fa­sern, die für jucken­de Haut ver­ant­wort­lich sind. Gleich­zei­tig ist es wich­tig, gereiz­te Haut und Ekze­me je nach deren Ursa­che zu behan­deln.

Es gibt auch Medi­ka­men­te zum Ein­neh­men, die geeig­net sind, quä­len­des Haut­ju­cken zu lin­dern. Bei psy­chi­schen Ursa­chen des Juck­rei­zes kön­nen angst­lö­sen­de und beru­hi­gen­de Medi­ka­men­te hel­fen.

Auch Neu­ro­lep­ti­ka oder UV-B-Strah­lung kom­men häu­fig zum Ein­satz, um den Juck­reiz gezielt zu behan­deln.

 

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Welche Auswirkungen kann ständiges Hautjucken haben?

Obwohl jucken­de Haut meist harm­los ist, kann es bei eini­gen Men­schen zu schwer­wie­gen­den Ein­schrän­kun­gen füh­ren. Beson­ders durch stän­di­ges Krat­zen ver­stärkt sich das Haut­ju­cken oft­mals.

Dabei kommt es zu Ver­let­zun­gen der Haut. Dem­zu­fol­ge bil­den sich Blu­tun­gen und schor­fi­ge Krus­ten aus, die das unan­ge­nehm jucken­de Haut­ge­fühl noch ver­stär­ken. In der Fol­ge kann es zu Schlaf­man­gel und psy­chi­scher Belas­tung kom­men.

Die Leis­tungs­fä­hig­keit kann schwer dar­un­ter lei­den. Bereits auf­grund die­ser mög­li­chen Aus­wir­kun­gen soll­te das Haut­ju­cken nicht unter­schätzt und kon­se­quent behan­delt wer­den.

Hausmittel und Tipps gegen quälendes Hautjucken

Krat­zen schafft zwar schnell Lin­de­rung, kann aber, wie bereits erwähnt, lang­fris­tig die Situa­ti­on noch ver­schlim­mern. Dar­um ist es wich­tig, auf das Krat­zen zu ver­zich­ten.

Abhil­fe schafft häu­fig bereits die Küh­lung der ent­spre­chen­den Haut­stel­len mit feuch­ten Umschlä­gen. Genau­so haben sich Mas­sa­gen der betrof­fe­nen Stel­len bewährt.

Des Wei­te­ren muss auch aus­rei­chend getrun­ken und die rich­ti­ge Haut­pfle­ge kon­se­quent ange­wen­det wer­den. Mit­hil­fe von haut­be­ru­hi­gen­den Cremes, Sal­ben und Lotio­nen kann der Juck­reiz effek­tiv bekämpft wer­den.

Die bes­ten Tipps und Haus­mit­tel gegen Juck­reiz:

  • Küh­lung mit feuch­ten Umschlä­gen
  • Mas­sa­ge der betrof­fe­nen Stel­le (krei­sen­de Bewe­gun­gen mit dem Fin­ger)
  • Haut­be­ru­hi­gen­de Cremes (in der Apo­the­ke erhal­ten Sie ent­spre­chen­de Bera­tun­gen)
  • Kur­ze und kal­te Duschen hel­fen oft
  • Atmungs­ak­ti­ve sowie luf­ti­ge Klei­dung und Bett­wä­sche
  • Umschlä­ge mit kal­tem Schwarz­tee

Vorbeugung vor juckender Haut

Es gibt wei­ter­hin vie­le Mög­lich­kei­ten, quä­len­dem Haut­ju­cken prä­ven­tiv ent­ge­gen­zu­wir­ken. In dem Zusam­men­hang spielt die Haut­pfle­ge eine gro­ße Rol­le. Eine vor­beu­gen­de Ver­hal­tens­wei­se beginnt bereits mit dem Tra­gen luft­durch­läs­si­ger und beque­mer Klei­dung.

Des Wei­te­ren soll­te auf zu häu­fi­ges Waschen und auf die Ver­wen­dung aggres­si­ver Wasch- und Rei­ni­gungs­mit­tel ver­zich­tet wer­den. Auch zu hei­ße Bäder wir­ken sich haut­schä­di­gend aus.

Außer­dem ist eine aus­rei­chen­de Flüs­sig­keits­zu­fuhr sehr wich­tig, um das Aus­trock­nen der Haut zu ver­hin­dern. Emp­feh­lens­wert ist eine ange­mes­se­ne Haut­pfle­ge an tro­cke­nen Stel­len wie den Hän­den oder Gelen­ken mit rück­fet­ten­den Haut­cremes und Sal­ben.

Da in der Hei­zungs­pe­ri­ode tro­cke­ne Raum­luft häu­fig ein Pro­blem dar­stellt, kann ein Raum­be­feuch­ter gute Diens­te leis­ten. Manch­mal lohnt es sich zusätz­lich, auf schar­fes Essen, Kaf­fee oder Alko­hol zu ver­zich­ten. Schließ­lich kann auch eine Reduk­ti­on von Stress jucken­der Haut vor­beu­gen.

Fazit

Ein Juck­reiz kommt oft plötz­lich und kann in vie­len Fäl­len sehr stö­rend sein. Wich­tig ist, dass Sie nicht mit dem Krat­zen begin­nen soll­ten. Statt­des­sen lie­ber die Haut­stel­le küh­len und dadurch Lin­de­rung ver­schaf­fen.

Die Ursa­chen für den Juck­reiz kön­nen sehr viel­fäl­tig sein. Auch wenn bös­ar­ti­ge Krank­hei­ten hin­ter einem Juck­reiz ste­cken kön­nen — in den meis­ten Fäl­len ist der Juck­reiz harm­los und ver­schwin­det in kür­zes­ter Zeit von allei­ne.

Juck­reiz: Ursa­chen, Behand­lung und Tipps

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