Innere Unruhe — Was steckt dahinter?

Innere Unruhe — Was steckt dahinter?

Was ist innere Unruhe?

Die inne­re Unru­he ist ein Phä­no­men, das jeden Men­schen im Ver­lauf sei­nes Lebens heim­sucht. Sie tritt in ver­schie­de­nen Situa­tio­nen auf und kann emo­tio­na­le oder gesund­heit­li­che Grün­de haben. Inhalt­lich han­delt es sich um einen See­len­zu­stand, der von den Betrof­fe­nen zumeist als leid­voll beschrie­ben wird oder ein Teil meh­re­rer Sym­pto­me ist. Neben dem Hin­weis auf eine vor­lie­gen­de Erkran­kung kann die Unru­he auch bei posi­ti­ven Ereig­nis­sen auf­tre­ten. Vor­freu­de oder Ver­liebt­heit sind bei­spiels­wei­se eine Ver­bin­dung von einem unru­hi­gen Innen­le­ben und einer ange­neh­men Anspan­nung.

Verlauf und Wirkungsweise

In den meis­ten Fäl­len ist die Ner­vo­si­tät von vor­über­ge­hen­der Natur. Sie hält zwi­schen meh­re­ren Minu­ten bis zu eini­gen Stun­den an. Anschlie­ßend tritt eine “Spon­tan­hei­lung” auf. Die­se ist zu erwar­ten, wenn die Beun­ru­hi­gung mit einer Ter­min­ver­ein­ba­rung ver­bun­den ist. Nach Bewäl­ti­gung der Situa­ti­on kommt es zu einer inne­ren Ent­span­nung und dem Abbau der auf­ge­tre­te­nen Beschwer­den. Der Ner­ven­kit­zel ist unmit­tel­bar mit dem Beginn oder im Ver­lauf eines aus­lö­sen­den Ereig­nis­ses been­det und tritt nicht mehr auf.
Bei einem inten­si­ven Ver­lauf ist die inne­re Anspan­nung nahe­zu dau­er­haft vor­han­den. Dies kann bei lebens­be­las­ten­den Situa­tio­nen oder immer neu­en Ent­wick­lun­gen ein­tre­ten. Medi­zi­ner spre­chen in die­sen Fäl­len von einem kon­ti­nu­ier­li­chen oder chro­ni­schen Ver­lauf. Der Orga­nis­mus kommt auch wäh­rend des Nacht­schla­fes kaum zur Ruhe. Es kön­nen Lang­zeit­fol­gen ent­ste­hen, die zu schwe­ren gesund­heit­li­chen Beein­träch­ti­gun­gen füh­ren.

Mögliche Ursachen und Gründe

Zu den Ursa­chen gehö­ren vie­le ver­schie­de­ne Aspek­te, von denen die häu­figs­ten an die­ser Stel­le auf­ge­führt wer­den:

  1. Im All­tag erle­ben vie­le Men­schen ein Unbe­ha­gen, sobald sie vor einer Her­aus­for­de­rung bei der Bewäl­ti­gung einer neu­en oder indi­vi­du­ell wich­ti­gen Auf­ga­be ste­hen. Ein Vor­stel­lungs­ge­spräch, der ers­te Arbeits­tag, ein Date, ein wich­ti­ger Gesprächs­ter­min, eine behörd­li­che Ange­le­gen­heit oder eine unge­wohn­te Situa­ti­on lösen neben Lam­pen­fie­ber auch Gefüh­le der Ner­vo­si­tät aus. Ins­be­son­de­re Ter­mi­ne, die zu einer Ent­schei­dung der wei­te­ren Lebens­ge­stal­tung oder Ver­än­de­rung des Lebens füh­ren, sind mit Auf­re­gung ver­bun­den.
  2. Der Kon­sum von kof­fe­in­hal­ti­gen Lebens­mit­teln, Niko­tin, Alko­hol oder Dro­gen führt zu Unre­gel­mä­ßig­kei­ten des Herz-Kreis­laufs sowie der Ver­sor­gung der Ner­ven. Neben ande­ren Wir­kun­gen der auf­ge­nom­me­nen Sub­stan­zen kann es zu Herz­klop­fen oder beun­ru­hi­gen­den Emo­tio­nen kom­men.
  3. Die Schlaf­hy­gie­ne ist ein ele­men­ta­rer Aspekt der gesund­heit­li­chen Ver­sor­gung. Ohne einen aus­rei­chen­den und erhol­sa­men Nacht­schlaf kommt es zu Unre­gel­mä­ßig­kei­ten, die lang­fris­ti­ge und schwer­wie­gen­de gesund­heit­li­che Pro­ble­me aus­lö­sen. Unter­bre­chun­gen des Nacht­schlafs bewir­ken am Tag einen nied­ri­gen Blut­druck, Leis­tungs­man­gel und eine gerin­ge Belast­bar­keit. Gleich­zei­tig steigt die Wahr­schein­lich­keit einer Hypo­to­nie, Schwin­del, Kon­zen­tra­ti­ons­stö­run­gen und einem Gefühl der Ruhe­lo­sig­keit. Die Unfall­ge­fahr nimmt zu und die Unzu­frie­den­heit steigt an.
  4. Stress und hek­ti­sche Situa­tio­nen im All­tag las­sen vie­le Men­schen nicht zur Ruhe kom­men. Die Umwelt­fak­to­ren, äuße­re Rei­ze, die Lebens­ent­wick­lung im All­ge­mei­nen sowie der inne­re Umgang mit Ver­än­de­run­gen führt zu einer Zunah­me der inne­ren Unru­he. Auch durch den tech­ni­schen Fort­schritt des ver­gan­ge­nen Jahr­zehnts sind bei vie­len Men­schen Anzei­chen einer Über­for­de­rung zu erken­nen.
  5. Erkran­kun­gen der Herz­tä­tig­keit, eine Schild­drü­sen­über­funk­ti­on oder eine Lun­gen­em­bo­lie kön­nen eben­falls Ursa­che eines ner­vö­sen Innen­le­bens sein. Erkrank­te einer Per­sön­lich­keits­stö­rung, einer bipo­la­ren Stö­rung oder einer Angst­er­kran­kung berich­ten regel­mä­ßig von dem Begleit­sym­ptom der inne­ren Beun­ru­hi­gung. Men­schen in einem hohen Lebens­al­ter kla­gen häu­fig über Sor­gen. Sie sind in einer stän­di­gen inne­ren Anspan­nung, ob der Sor­ge um ihre Fami­li­en­mit­glie­der oder Men­schen ihres sozia­len Umfel­des.
  6. Der Ent­zug von einem Arz­nei­mit­tel, einer ille­gal erwor­be­nen Dro­ge oder im Fal­le einer Alko­hol­er­kran­kung ist mit unter­schied­li­chen Neben­wir­kun­gen ver­bun­den. Der Weg aus einer Such­ter­kran­kung führt nahe­zu unwei­ger­lich für jeden Betrof­fe­nen zu einer inne­ren Unru­he.

Psychologische & Physiologische Auswirkungen

Eine anhal­ten­de Ner­vo­si­tät oder inne­re Unru­he führt lang­fris­tig zu ver­schie­de­nen Ent­wick­lun­gen. Schweiß­aus­brü­che, vege­ta­ti­ve Stö­run­gen, Schlaf­lo­sig­keit, Abge­schla­gen­heit oder Erschöp­fung sind die übli­chen Fol­gen. Das Wohl­be­fin­den nimmt ins­ge­samt ab, wenn es zu einem Dau­er­zu­stand der Beun­ru­hi­gung kommt. Die Teil­nah­me am gesell­schaft­li­chen oder sozia­len Leben sinkt. Gleich­zei­tig stei­gen Hoff­nungs­lo­sig­keit und Resi­gna­ti­on. Die phy­sio­lo­gi­schen Beschwer­den lösen eine ver­rin­ger­te Lebens­qua­li­tät aus und erhö­hen damit das Risi­ko für die Ent­ste­hung einer psy­cho­lo­gi­schen Erkran­kung.
In schwe­ren Fäl­len dro­hen funk­tio­nel­le Stö­run­gen des Her­zens und damit ein Herz­ver­sa­gen. Dies stellt einen lebens­be­droh­li­chen Zustand dar, der unver­züg­lich inten­siv­me­di­zi­nisch betreut wer­den muss.

Inanspruchnahme einer ärztlichen Hilfe

Im Nor­mal­fall erlernt der Mensch im Lau­fe des Lebens selb­stän­dig die opti­ma­le Regu­la­ti­on sei­nes Innen­le­bens. Wer­den Situa­tio­nen erneut erlebt, sin­ken die Auf­re­gung und die phy­sio­lo­gi­schen Beschwer­den oft­mals. In eini­gen Fäl­len kommt es nach eini­gen erleb­ten Wie­der­ho­lun­gen zu kei­ner wei­te­ren inne­ren Unru­he oder Beun­ru­hi­gung.
Ein Arzt­be­such ist not­wen­dig, wenn der Betrof­fe­ne sich allein nicht in der Lage sieht, den Umgang sei­nes inne­ren Erle­bens erfolg­reich zu meis­tern. Stel­len sich wei­te­re Beschwer­den wie Kopf­schmer­zen, Übel­keit oder Stö­run­gen des Ver­dau­ungs­trak­tes ein, fin­det eine Zunah­me des Unwohl­seins statt. Die Rück­spra­che mit einem Medi­zi­ner ist zu suchen, damit eine Unter­su­chung statt­fin­den kann und ein Behand­lungs­plan erstellt wird. Bei Angst, Panik­at­ta­cken oder einem emo­tio­na­len Zusam­men­bruch sind die Gren­zen der eigen­stän­di­gen Bewäl­ti­gung erreicht und teils über­schrit­ten. In Zusam­men­ar­beit mit einem Arzt oder The­ra­peu­ten soll­ten Lösungs­mög­lich­kei­ten gesucht wer­den. Kommt es auf­grund der Unre­gel­mä­ßig­kei­ten zu einer Beein­träch­ti­gung der Lebens­füh­rung oder kön­nen die Auf­ga­ben des All­tags nicht mehr ohne Unter­stüt­zung bewäl­tigt wer­den, sind eine Abklä­rung der Ursa­che und eine Dia­gno­se­stel­lung not­wen­dig. Ver­hal­tens­auf­fäl­lig­kei­ten oder ein all­ge­mei­nes Krank­heits­ge­fühl soll­ten grund­sätz­lich mit einem Arzt bespro­chen wer­den.

Therapeutische Maßnahmen

Zur Ver­bes­se­rung der Lebens­qua­li­tät ist ein Ver­hal­tens­trai­ning hilf­reich. Eine Beun­ru­hi­gung lässt sich gut bewäl­ti­gen, wenn die bevor­ste­hen­de Situa­ti­on mehr­fach nach­ge­stellt wird. Ver­schie­de­ne Sze­na­ri­en kön­nen erprobt wer­den. Dadurch kön­nen unter­schied­li­che Metho­den getes­tet und das Selbst­be­wusst­sein sta­bi­li­siert wer­den. Fin­den Erfolgs­er­leb­nis­se statt, soll­ten die­se bewusst wahr­ge­nom­men wer­den und eine vol­le Auf­merk­sam­keit erhal­ten.
Ein wesent­li­cher Bestand­teil für die Inten­si­tät eines unru­hi­gen Erle­bens ist die Per­sön­lich­keit des Men­schen. In einer The­ra­pie wer­den Opti­mie­run­gen der eige­nen Wahr­neh­mung und Reak­ti­on in Zusam­men­ar­beit mit dem Betrof­fe­nen ange­strebt. Ziel ist es, die Gelas­sen­heit zu för­dern und dem Betrof­fe­nen einen bes­se­ren Umgang mit sei­nen inne­ren Gren­zen zu ermög­li­chen. Die Selbst­re­fle­xi­on bei der Bewäl­ti­gung von ver­schie­de­nen Situa­tio­nen steht im Mit­tel­punkt und stellt die Basis für Ver­än­de­run­gen dar.

Selbsthilfestrategien

Der Kon­sum von kof­fe­in­hal­ti­gen Pro­duk­ten ist bei ner­vö­sen Men­schen zu redu­zie­ren oder soll­te voll­stän­dig ver­mie­den wer­den. Durch ihn ver­schärft sich das unru­hi­ge Innen­le­ben um ein Wei­te­res. Im Umgang mit stres­si­gen Situa­tio­nen und Hek­tik ist Kof­fe­in ein gro­ßer Ver­ur­sa­cher von Auf­re­gung und inne­rer Hek­tik.
Die Nut­zung von Ent­span­nungs­tech­ni­ken kann sehr hilf­reich bei einem Stress­ab­bau sein. Medi­ta­ti­on, Yoga oder auto­ge­nes Trai­ning sind Tech­ni­ken, die welt­weit immer mehr Zulauf erfah­ren. Der Betrof­fe­ne lernt, wie er jeder­zeit Anspan­nun­gen abbau­en kann und die inne­re Gelas­sen­heit auf­baut.
Jeder Betrof­fe­ne soll­te eigen­ver­ant­wort­lich die Hand­ha­bung sei­ner Erreich­bar­keit regu­lie­ren. Han­dys, Tabletts und PCs erleich­tern unse­ren All­tag, kön­nen gleich­zei­tig jedoch durch ver­schie­de­ne instal­lier­te Pro­gram­me zu einem immensen Stress­fak­tor wer­den. Off­line­ar­bei­ten oder die zeit­wei­se Deak­ti­vie­rung von Mes­sen­ger­diens­ten füh­ren zu einer Ent­las­tung.