Warum das Impfen so wichtig ist

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 01.04.2019 Lesezeit: 6 Minuten

Die Fra­ge imp­fen oder nicht pola­ri­siert. Noch im 20. Jahr­hun­dert sind mehr als 300 Mil­lio­nen Men­schen den Pocken erle­gen, das ent­spricht etwa der gesam­ten Bevöl­ke­rung der USA (Stand 2018). Der letz­te regis­trier­te Fall der oft töd­lich ver­lau­fen­den Pocken­in­fek­ti­on trat 1977 in Soma­lia auf, seit 1980 gilt die Erde offi­zi­ell als von den Pocken befreit. Dabei haben sich nicht die Pocken­vi­ren ver­än­dert, die die­se ent­stel­len­de, töd­li­che und hoch­in­fek­tiö­se Krank­heit her­vor­ru­fen, son­dern der Mensch ist orga­ni­siert gegen sie vor­ge­gan­gen. Gehol­fen hat die ältes­te Imp­fung der Welt: die Pocken­imp­fung und die Tat­sa­che, dass eine welt­wei­te Impf­pflicht galt.

War­um das so ist und wie das Imp­fen Leben ret­tet, soll im Fol­gen­den erläu­tert wer­den. Zudem ist es auch rele­vant, wie Imp­fun­gen über­haupt funk­tio­nie­ren und was sie für den Kör­per bedeu­ten.

Impfen, Grippeschutzimpfung
Warum das Impfen so wichtig ist

Wie Impfungen funktionieren und welche Impfungen für notwendig erachtet werden

Das Imp­fen erfüllt zwei mög­li­che Funk­tio­nen: In eini­gen Fäl­len schüt­zen sie kom­plett vor einem Erre­ger, in ande­ren kön­nen sie den Kör­per zumin­dest auf einen Erre­ger vor­be­rei­ten und einen Krank­heits­ver­lauf abmil­dern. Hier­für wird dem Men­schen der jewei­li­ge Erre­ger gezielt ver­ab­reicht. Dies bedeu­tet oft­mals, dass tote Viren­hül­len oder unschäd­lich gemach­te Erre­ger in den Kör­per gelan­gen sol­len. In eini­gen Fäl­len wer­den auch Lebend­imp­fun­gen durch­ge­führt, was bedeu­tet, dass intak­te Erre­ger in klei­ner Zahl in den Kör­per gelan­gen.

Der Impfeffekt

Der Effekt einer Imp­fung ist sehr sim­pel. So akti­vie­ren die Erre­ger das Immun­sys­tem, das wie­der­um Anti­kör­per bil­det, um die­se Erre­ger zu besei­ti­gen. Bei Imp­fun­gen ist die Men­ge der (toten) Patho­ge­ne (Krank­heits­er­re­ger) so gering, dass der Kör­per die­se simu­lier­te Infek­ti­on gut über­steht. Die Anti­kör­per, die hier­für gebil­det wer­den, wer­den ein Leben lang in Form einer gene­ti­schen Blau­pau­se gespei­chert. Soll­te der Erre­ger noch ein­mal ein­drin­gen, ist der Kör­per gewapp­net und kann schnell die rich­ti­gen Anti­kör­per pro­du­zie­ren. Anti­kör­per gegen ein Patho­gen bedeu­ten oft­mals lebens­lan­ge Immu­ni­tät (Unemp­fäng­lich­keit für Krank­heits­er­re­ger), teil­wei­se aber auch nur eine über meh­re­re Jah­re.

Dabei ist es auch so, dass Anti­ge­ne (also die Struk­tur der Patho­ge­ne) sich teil­wei­se so stark ähneln, dass gebil­de­te Anti­kör­per vor meh­re­ren Stäm­men des Erre­gers schüt­zen. Im Fal­le der Pocken­imp­fung wur­den bei­spiels­wei­se auch Kuh­po­cken zum Vak­zi­nie­ren (imp­fen) ver­wen­det, da die gebil­de­ten Anti­kör­per auch vor für Men­schen gefähr­li­chen Pocken­vi­ren schüt­zen.

Krank­hei­ten, gegen die in Deutsch­land in der Regel geimpft wird, sind:

  • Diph­the­rie (Auf­fri­schung alle zehn Jah­re)
  • Teta­nus (Auf­fri­schung alle zehn Jah­re)
  • Keuch­hus­ten (Imp­fung über meh­re­re Etap­pen und Paa­ren mit Kin­der­wunsch)
  • Gebär­mut­ter­hals­krebs (für Mäd­chen zwi­schen 9 und 17 Jah­ren)
  • Masern, Mumps, Röteln, Wind­po­cken (Schutz­imp­fung im Alter von elf Mona­ten)

Weitere Impfungen und Indikationen

Wei­ter­hin gibt es eine Viel­zahl an situa­ti­ons­be­ding­ten Imp­fun­gen, wie etwa die Imp­fung gegen Hepa­ti­tis A und B für Risi­ko­grup­pen. Gegen Hepa­ti­tis B wird im Gesund­heits­we­sen und teil­wei­se für Aus­lands­auf­ent­hal­te geimpft. Toll­wut betrifft vor allem Wald­ar­bei­ter und Men­schen mit viel Tier­kon­takt, FSME-Imp­fun­gen wer­den vor allem für Forst­ar­bei­ter, Land­wir­te und Anwoh­ner von Risi­ko­ge­bie­ten emp­foh­len.

Im höhe­ren Alter sind Schutz­imp­fun­gen gegen Influ­en­za (Erre­ger der “ech­ten” Grip­pe), Her­pes Zos­ter (Erre­ger der Gür­tel­ro­se) und Pneu­mo­kok­ken (kön­nen Lun­gen- und Hirn­haut­ent­zün­dun­gen her­vor­ru­fen) sinn­voll. Es gibt auch noch wei­te­re Imp­fun­gen. Die meis­ten Imp­fun­gen sind eine Kas­sen­leis­tung.

marktplatz

Herdenimmunität – die soziale Komponente des Impfens

Das Pocken­impf­pro­gramm der WHO war erfolg­reich. Aber wur­de auch wirk­lich jeder geimpft? Die Ant­wort hier­auf ist nein. Imp­fun­gen sind in der Mas­se wirk­sa­me Prä­ven­tio­nen. Dies ist durch zwei Din­ge zu begrün­den: Zum einen gibt es auch unwirk­sa­me Imp­fun­gen und zum ande­ren gibt es die Her­denim­mu­ni­tät.

Die Her­denim­mu­ni­tät beschreibt den Umstand, dass eine Krank­heit sich in einer Popu­la­ti­on umso schlech­ter aus­brei­tet, des­to mehr Indi­vi­du­en immun sind. Dies bedeu­tet kon­kret, dass im engs­ten Umfeld nur die­je­ni­gen ange­steckt wer­den, die nicht immun sind. Im erwei­ter­ten Umfeld gilt die­ser Effekt auch. Ab einer gewis­sen Impf­ra­te in der Bevöl­ke­rung ist es so schnell mög­lich, eine Infek­ti­ons­ket­te zu unter­bre­chen. Es gibt ers­tens genü­gend Gesun­de, die immun sind und sich um den Kran­ken küm­mern. Und zwei­tens tritt der expo­nen­ti­el­le Effekt von Epi­de­mi­en (ört­li­che und zeit­li­che Häu­fung einer bestimm­ten Infek­ti­ons­krank­heit) und Pan­de­mi­en (län­der- und kon­ti­nent­über­grei­fen­de Aus­brei­tung einer Infek­ti­ons­krank­heit) über­haupt nicht auf.

Lokale Ausbrüche könnte meist gut kontrolliert werden

Es war im Fal­le der Pocken nicht not­wen­dig, wirk­lich jeden ein­zel­nen Men­schen zu imp­fen, wenn­gleich dies mach­bar gewe­sen wäre. Wich­ti­ger war es, die Durch­imp­fungs­ra­te gera­de in Risi­ko­ge­bie­ten so hoch zu hal­ten, dass Aus­brü­che stets lokal und kon­trol­lier­bar waren. Schließ­lich führ­te dies dazu, dass es nur noch weni­ge, loka­le Aus­brü­che gab. Heu­te ist die Welt frei von der Krank­heit. Einen ganz ähn­li­chen Weg geht die Mensch­heit auch mit der Kin­der­läh­mung: Sie kommt nur noch in eini­gen Gebie­ten in gro­ßer Zahl vor und gilt in Euro­pa als nahe­zu aus­ge­rot­tet.

Die Her­denim­mu­ni­tät schützt ein­zel­ne, nicht geimpf­te Indi­vi­du­en. Gleich­zei­tig kann sie nur bestehen, wenn sich genü­gend Men­schen für einen Impf­schutz ent­schei­den. Die sozia­le Kom­po­nen­te des Imp­fens besteht im Grun­de dar­in, dass sich eine ein­zel­ne Per­son durch sei­ne Imp­fung dafür ent­schei­det, ande­re zu schüt­zen. Gleich­zei­tig gibt es die Mög­lich­keit des Impf­ver­sa­gens und auch Krank­hei­ten, gegen die man schlicht­weg nicht geimpft ist. Auch hier schützt eine gut immu­ni­sier­te Gemein­schaft vor Schlim­me­rem.

Welche Krankheiten in Bewegung sind

Men­schen sind mobil. Die Glo­ba­li­sie­rung, Migra­ti­ons­be­we­gun­gen und Aus­lands­rei­sen bewe­gen immer wie­der Men­schen­mas­sen oder Ein­zel­ne von Land zu Land. Dabei hat jedes Land ein ganz eige­nes Sam­mel­su­ri­um an Patho­ge­nen (Erre­gern) zu bie­ten. Beson­ders Tro­pen­krank­hei­ten sind eine Her­aus­for­de­rung. So exis­tie­ren Imp­fun­gen gegen Mala­ria, Gelb­fie­ber und Co. Jedoch kommt es eben auch zum Ein­schlep­pen bana­le­rer Lei­den, wie etwa Hepa­ti­tis-Erkran­kun­gen, Tuber­ku­lo­se und Diph­the­rie.

All die­se Krank­hei­ten sind auch in Euro­pa bekannt, jedoch ver­gleichs­wei­se sel­ten gewor­den. Gera­de Hepa­ti­tis und Tuber­ku­lo­se kön­nen des­halb schnell zu loka­len Aus­brü­chen füh­ren, weil die meis­ten Men­schen hier­zu­lan­de nicht dage­gen geimpft sind. Diph­the­rie gefähr­det vor allem Men­schen ohne auf­ge­frisch­ten Impf­schutz.

Es gibt aber auch noch wei­te­re Krank­hei­ten, die ein­ge­schleppt zu Pro­ble­men wer­den kön­nen. Weit ver­brei­tet sind in tro­pi­schen Gebie­ten bei­spiels­wei­se Masern und in wirt­schaft­lich schwä­cher struk­tu­rier­ten Regio­nen diver­se Geschlechts­krank­hei­ten. Auch Polio (Kin­der­läh­mung) kann wie­der ein­ge­schleppt wer­den.

Risiken des Impfens und Impfgegner

Die WHO hat Impf­geg­ner kürz­lich zu einer von 10 Gefah­ren­quel­len für die Gesund­heit des Men­schen ernannt. Impf­geg­ner haben dabei ver­schie­de­ne Grün­de, das Imp­fen abzu­leh­nen. Die indis­ku­ta­blen Grün­de (Ver­nei­nung der Exis­tenz von Patho­ge­nen, Nicht­an­er­ken­nung natur­wis­sen­schaft­li­cher und bio­lo­gi­scher Gege­ben­hei­ten) wer­den hier nicht behan­delt.

Begrün­det wird die Impf­ver­wei­ge­rung durch:

  • Neben­wir­kun­gen und Impf­schä­den
  • Ein mög­li­cher­wei­se schwä­che­res Immun­sys­tem nach der Imp­fung, weil Erre­ger­kon­takt (Krank­heit) wich­tig sei
  • Angeb­lich aus­ge­lös­te Behin­de­run­gen
  • Ver­un­si­che­rung durch Des­in­for­ma­ti­ons­kam­pa­gnen

Mögliche Auswirkungen des Impfens

Neben­wir­kun­gen und Impf­schä­den gibt es. Neben­wir­kun­gen bedeu­ten viel­fach Fie­ber, Schwel­lun­gen und Unwohl­sein für ein paar Tage – das Immun­sys­tem reagiert, zumeist auf Bestand­tei­le des Serums. Impf­schä­den sind, ent­ge­gen ihres Namens, auch harm­los: Hier geht es um Gelenk­schmer­zen, Ent­zün­dun­gen und Ähn­li­ches. Die schwers­ten, in Deutsch­land aner­kann­ten Impf­schä­den sind Abszes­se mit Nar­ben­bil­dung, wie das zustän­di­ge Paul-Ehr­lich-Insti­tut berich­tet. Auch das Robert-Koch-Insti­tut kommt bei Sich­tung der Daten zu dem Schluss, dass Imp­fun­gen und schwe­re Schä­den (berich­tet wur­de etwa über Autis­mus, Behin­de­run­gen und Tod) in kei­nem kau­sa­len (ursäch­li­chen) Zusam­men­hang ste­hen. Wohl aber kön­nen durch Imp­fun­gen in einem win­zi­gen Bruch­teil aller Fäl­le Krank­heits­aus­brü­che erfol­gen.

Das Auf­tre­ten uner­wünsch­ter Ereig­nis­se infol­ge einer Imp­fung ist gering und unter­schei­det sich von Impf­stoff zu Impf­stoff. Auf­schluss gibt hier das vom PEI (Paul-Ehr­lich-Insti­tut) her­aus­ge­ge­be­ne Papier zu Sicher­heit von Impf­stof­fen.

Impfungen bei Kindern

Dass Imp­fun­gen Kin­der davon abhiel­ten, ein nor­ma­les Immun­sys­tem zu ent­wi­ckeln, wird dis­ku­tiert. Es stimmt, dass Kin­der in sehr rei­nen Umge­bun­gen zur All­er­gie­bil­dung nei­gen. Jedoch lie­gen All­er­gi­en nicht ganz die­sel­ben Reak­tio­nen zugrun­de wie der Abwehr von Krank­hei­ten. Zudem ist es frag­lich, ob durch­lit­te­ne Krank­hei­ten ein mini­mal bes­se­res Immun­sys­tem wert sind, aller­dings muss auch gese­hen wer­den, dass das kind­li­che Immun­sys­tem durch eine Imp­fung mit (meist abge­tö­te­ten) Bestand­tei­len der Erre­ger in Kon­takt kommt und selbst sei­ne Abwehr dage­gen aus­bil­det, eine soge­nann­te Akti­ve Immu­ni­sie­rung.

Das Gerücht, das Imp­fen gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR-Imp­fung) kön­ne Autis­mus aus­lö­sen, geht immer noch her­um. Es han­delt sich bei der angeb­lich bewei­sen­den Stu­die um eine bezahl­te und wis­sen­schaft­lich bedenk­li­che Arbeit. Der ent­spre­chen­de Arzt ver­lor bereits 2010 sei­ne Zulas­sung. Hart­nä­cki­ge Impf­geg­ner las­sen sich davon aller­dings nicht irri­tie­ren. Auf die­ser und auf wei­te­ren Behaup­tun­gen fußen diver­se Bewe­gun­gen, die das Imp­fen ableh­nen und vor allem im Netz mit Des­in­for­ma­tio­nen arbei­ten.

Risiko des Nicht-Impfens

Men­schen, die ihre Kin­der nicht imp­fen las­sen und auch den eige­nen Impf­schutz außer Acht las­sen, gefähr­den letz­ten Endes auch ihre Umge­bung. So kommt es immer mal wie­der zu Masern-Epi­de­mi­en, wie Fall­zah­len des RKI (Robert-Koch-Insti­tut) bele­gen. Die­se sind nicht harm­los und kön­nen auf das Gehirn des Kin­des über­grei­fen. Inter­es­sant ist in die­sem Zusam­men­hang auch der nie­der­län­di­sche Bibel­gür­tel (eine Regi­on in den Nie­der­lan­den, in der rela­tiv vie­le streng gläu­bi­ge Anhän­ger refor­mier­ter Kir­chen leben, die Imp­fun­gen weit­ge­hend ableh­nen), in dem es cir­ca alle 12 Jah­re zu einem Masern­aus­bruch kommt. Der aktu­ells­te fin­det der­zeit (Stand: Janu­ar 2019) statt. Es kommt dann zu etwa 2.500 Infi­zier­ten mit teils schwe­ren Fol­gen. Der Grund ist der unge­nü­gen­de Impf­schutz der Gesamt­po­pu­la­ti­on.



Fazit: Das Impfen ist keine Frage des persönlichen Geschmacks

Ein stets aktua­li­sier­ter Impf­pass birgt vie­le Vor­tei­le: So ist man selbst geschützt und schützt ande­re. Am meis­ten pro­fi­tie­ren von Imp­fun­gen im Übri­gen Klein­kin­der, Immun­ge­schwäch­te und älte­re Men­schen. Die­se Grup­pen sind es, die im Fal­le von Krank­heits­aus­brü­chen stets am stärks­ten betrof­fen sind.

Das Imp­fen mag in ganz weni­gen Fäl­len zu unan­ge­neh­men Reak­tio­nen des Kör­pers füh­ren. Aber wird dabei betrach­tet, dass dies der Gemein­schaft dient und dabei hilft, schlim­me Krank­hei­ten aus­zu­rot­ten, soll­te es dies dem Ein­zel­nen wert sein.

War­um das Imp­fen so wich­tig ist

Arti­kel bewer­ten