Hilfe bei Tinnitus und Hörsturz

Hilfe bei Tinnitus und Hörsturz

Beein­träch­tig­tes Hören wirkt sich schnell nega­tiv auf die Lebens­qua­li­tät aus. Doch was genau ist ein Tin­ni­tus und was ist ein Hör­sturz? Wel­che Ursa­chen und Behand­lungs­me­tho­den gibt es? Was ist wirk­lich von außen bedingt und wobei han­delt es sich viel­leicht sogar um ein psy­cho­so­ma­ti­sches Pro­blem? Was haben die bei­den Lei­den gemein­sam?

Der Tinnitus — Definition und Ursachen

Ein Tin­ni­tus ist vor­han­den, wann Ohr­ge­räu­sche wahr­ge­nom­men wer­den, die sich nicht durch äuße­re Rei­ze erklä­ren las­sen. Es kann sich etwa um ein Rau­schen, ein Fie­pen, ein Piep­sen oder auch rhyth­mi­sches Kna­cken han­deln. Die mög­li­chen Emp­fin­dun­gen beim Ohren­klin­geln sind sehr viel­sei­tig, was auch für den Lei­dens­druck gilt.

So wird der Tin­ni­tus in vier Schwe­re­gra­de unter­teilt. Der Ers­te führt trotz vor­han­de­ner Geräu­sche kaum zu einer Belas­tung. Betrof­fe­ne neh­men zwar Geräu­sche wahr, aber dies ist nicht andau­ernd der Fall und wird nur bei Stil­le deut­lich. Der zwei­te Schwe­re­grad bedeu­tet, dass der Tin­ni­tus durch Stress oder durch Belas­tun­gen ver­stärkt wird und spä­tes­tens dann als ein­schrän­kend emp­fun­den wird.

Der drit­te Schwe­re­grad geht mit einer andau­ern­den Ein­schrän­kung im All­tag ein­her: Betrof­fe­ne sind abge­lenkt, schla­fen schlech­ter und lei­den psy­chisch unter den Ohr­ge­räu­schen. Die Ohr­ge­räu­sche sind meist dau­er­haft vor­han­den und so ein­dring­lich, dass es kaum noch mög­lich ist, sie ein­fach aus­zu­blen­den. Das Gehirn kann sie aller­dings teil­wei­se noch kom­pen­sie­ren und somit ein unge­trüb­tes Hören ech­ter Geräu­sche ermög­li­chen.

Der vier­te Schwe­re­grad bedeu­tet eine Arbeits­un­fä­hig­keit infol­ge der Belas­tung. Betrof­fe­ne kön­nen den Tin­ni­tus gar nicht mehr aus­blen­den und er ist auch Teil des gewöhn­li­chen Hörens. Die Lebens­qua­li­tät ist stark ein­ge­schränkt, Depres­sio­nen kom­men vor.

Häufigkeit der Ohrgeräusche

Cir­ca ein Vier­tel der Bevöl­ke­rung erlebt min­des­tens ein­mal einen län­ger anhal­ten­den Tin­ni­tus. Cir­ca 15 Pro­zent der älte­ren Men­schen in Deutsch­land (älter als 65 Jah­re) hat mit chro­ni­schen Ohr­ge­räu­schen zu kämp­fen. Als ein­schrän­kend emp­fin­den cir­ca zwei bis drei Pro­zent der Bevöl­ke­rung ihre Ohr­ge­räu­sche. Als aku­ter Tin­ni­tus gel­ten Ohr­ge­räu­sche, die bis zu drei Mona­ten andau­ern, nach sechs Mona­ten gilt ein Tin­ni­tus als chro­nisch. Es gibt kei­nen wis­sen­schaft­li­chen oder medi­zi­ni­schen Grund für die­se Ein­tei­lung.

Ein Tin­ni­tus wird ein- oder beid­sei­tig erlebt, kann schwan­kend sein, vari­iert in Abhän­gig­keit von der Tages­zeit und vie­lem mehr. Ins­ge­samt ist das Ohren­klin­geln ein Lei­den, über das sich kaum Vor­aus­sa­gen machen las­sen. Die Ursa­chen sind viel­fäl­tig und las­sen sich in einen objek­ti­ven und sub­jek­ti­ven Tin­ni­tus unter­tei­len.

Objektiver Tinnitus

Als objek­ti­ver Tin­ni­tus wird ein Ohren­klin­geln bezeich­net, wel­ches durch tat­säch­lich vor­han­de­ne Schall­quel­len erzeugt wird. Hier kom­men alle Schall­quel­len in Betracht, die sich im Ohr selbst befin­den kön­nen. Dies schließt etwa Lebe­we­sen (Insek­ten), ange­ris­se­ne Knor­pel des Innen­oh­res oder Fremd­kör­per mit ein. In die­sen Fäl­len ist die Ursa­che klar benenn­bar und — das ist der wohl rele­van­tes­te Unter­schied — das Lei­den ist sehr schnell und erfolg­reich zu the­ra­pie­ren. Aller­dings fin­det sich in den sel­tens­ten Fäl­len ein solch objek­ti­ver Aus­lö­ser für die stö­ren­den Ohr­ge­räu­sche.

Subjektiver Tinnitus

Der sub­jek­ti­ve Tin­ni­tus ist nicht mess­bar, da die Geräusch­wahr­neh­mung ein­zig auf Vor­gän­ge im audi­tiven Hirn­are­al, im Hör­nerv oder in ande­ren Tei­len des Gehirns beruht. Es han­delt sich bei den wahr­ge­nom­me­nen Geräu­schen also nicht um tat­säch­lich exis­ten­ten Schall, son­dern um etwas, was das Gehirn als Schall — und somit als Geräusch — inter­pre­tiert. Das macht die Ursa­chen­for­schung ent­spre­chend schwie­rig. Aller­dings gibt es eini­ge Vor­gän­ge, die sehr oft zu einem Tin­ni­tus füh­ren.

Aus­lö­ser für einen sub­jek­ti­ven Tin­ni­tus sind etwa:

  • Knall­trau­ma;
  • Schall­trau­ma;
  • Lärm­schwer­hö­rig­keit;
  • Dekom­pres­si­ons­krank­heit;
  • Tumo­ren am Hör­nerv und im Innen­ohr;
  • Krank­hei­ten der Bogen­gän­ge;
  • Ner­ven­krank­hei­ten;
  • Cra­nio­man­di­bu­lä­re Dys­funk­ti­on (Fehl­stel­lung des Kau­ap­pa­rats und fal­sche Bewe­gun­gen des­sel­ben).

Das Innen­ohr selbst schei­det als Grund aus. Durch­tren­nun­gen des Hör­nervs füh­ren nicht zu einer Bes­se­rung der Ohr­ge­räu­sche.

Ohr­ge­räu­sche las­sen sich zudem zuver­läs­sig durch abso­lu­te Stil­le in schall­dich­ten Räu­men erzeu­gen. War­um genau dies so ist, ist unbe­kannt. Es wird aber ange­nom­men, dass das Gehirn Geräu­sche gewis­ser­ma­ßen des­halb selbst erzeugt, weil es völ­li­ge Stil­le nicht kennt und ent­spre­chend nicht damit umge­hen kann. Auch ein bis­her ver­deck­ter, unauf­fäl­li­ger Tin­ni­tus kann zu die­sem Effekt füh­ren.

Der Hörsturz — Definition und Ursachen

Ein Hör­sturz (auch als Ohr­in­farkt bezeich­net) ist akus­tisch das Gegen­teil eines Tin­ni­tus: Es kommt zu einem teil­wei­sen bis voll­stän­di­gen Ver­lust des Hörens. Die wahr­ge­nom­me­ne Laut­stär­ke kann abneh­men oder es kommt sogar zu Taub­heit. Auch kön­nen nur bestimm­te Hör­fre­quen­zen betrof­fen sein, die dann nicht mehr wahr­ge­nom­men wer­den. Ein Hör­sturz ist dadurch defi­niert, dass er idio­pa­thisch, also ohne erkenn­ba­re Ursa­che, auf­tritt. Ent­spre­chend kann er für Betrof­fe­ne sehr beängs­ti­gend sein. Vor allem eine plötz­li­che Taub­heit auf einem Ohr ist sehr irri­tie­rend.

Zuwei­len geht der Ohr­in­farkt auch mit einem Schwin­del­ge­fühl oder Miss­emp­fin­dun­gen im Ohr ein­her. Wenn­gleich ein Hör­sturz per Defi­ni­ti­on ohne erkenn­ba­re Ursa­che ist, gibt es ein paar Fak­to­ren, die zu einem erhöh­ten Hör­sturz­ri­si­ko füh­ren könn­ten. Die­se sind etwa:

  • Blut­hoch­druck;
  • Über­ge­wicht;
  • Stress;
  • Durch­blu­tungs­stö­run­gen im Innen­ohr;
  • Ziga­ret­ten­kon­sum;
  • Dia­be­tes mel­li­tus;
  • Stoff­wech­sel­stö­run­gen.

Wie genau der Hör­sturz ver­ur­sacht wird, ist aller­dings unbe­kannt. Es gibt kei­ne wider­spruchs­frei­en Unter­su­chun­gen dies­be­züg­lich. Ein Funk­ti­ons­ver­lust der Haar­zel­len in der Hör­schne­cke (bedingt durch Durch­blu­tungs­stö­run­gen) scheint am wahr­schein­lichs­ten zu sein.

Therapiemöglichkeiten beim Ohrinfarkt und beim Tinnitus

Die The­ra­pie­mög­lich­kei­ten bei einem vor­lie­gen­den Hör­sturz sind beschränkt. Die meis­ten The­ra­pie­an­sät­ze gel­ten als umstrit­ten. Aller­dings ist auch zu beach­ten, dass es in etwa zwei Drit­tel aller Fäl­le zu einer Spon­tan­hei­lung kommt.

Bei­na­he alle The­ra­pie­an­sät­ze (unter ande­rem: hyper­ba­re Sauer­stoff­the­ra­pie – das Ein­at­men rei­nen Sauer­stoffs in einer Über­druck­kam­mer – , chir­ur­gi­sche Ein­grif­fe, Cor­ti­cos­te­roi­de – zur Ent­zün­dungs­hem­mung – , Nähr­stoff­in­fu­sio­nen) zei­gen kei­ne bes­se­re Wir­kung als die Gabe von Pla­ce­bos.

Ein­zig The­ra­pi­en mit Glu­ko­kor­ti­koi­den (Ent­zün­dungs­hem­mer) schei­nen in Abhän­gig­keit der Dar­rei­chungs­form, in eini­gen Fäl­len des nicht selbst aus­hei­len­den Hör­stur­zes eine Wir­kung zu erzie­len. Aller­dings ist die Erfolgs­ra­te hier sehr unter­schied­lich ange­ge­ben. Eine ent­spre­chen­de The­ra­pie­leit­li­nie, wel­che von Ärz­ten als Kon­sens gese­hen wird, lässt sich aus einem Papier der Deut­schen Gesell­schaft für Hals-Nasen-Ohren-Heil­kun­de und Kopf- und Hals-Chir­ur­gie ent­neh­men. Kor­ti­son hat sich als Behand­lungs­mit­tel eta­bliert, wenn­gleich nicht genau bekannt ist, war­um es in vie­len Fäl­len erfolg­reich ist.

Wei­ter­hin gibt es Hin­wei­se dar­auf, dass Vit­amin C zu einer Hei­lung füh­ren könn­te. Dies scheint aber vor allem dann Gül­tig­keit zu besit­zen, wenn die betrof­fe­ne Per­son vor­her einen Vit­amin-C-Man­gel auf­wies. Ent­spre­chend steht auch der Vit­amin-C-Man­gel im Ver­dacht, einen Ohr­in­farkt zu begüns­ti­gen.

Was tun bei andauernden Ohrgeräuschen?

Bei einem Tin­ni­tus ist die The­ra­pie eine ähn­lich unge­klär­te Ange­le­gen­heit. Auch hier lässt sich bei vie­len Medi­ka­men­ten und Nähr­stoff­in­fu­sio­nen kein Unter­schied zum rei­nen Pla­ce­bo fest­stel­len. Jedoch wir­ken Anti­de­pres­si­va bei depres­si­ven Tin­ni­tus­pa­ti­en­ten auch gegen den Tin­ni­tus. Aller­dings ist dies wohl damit zu erklä­ren, dass eine Depres­si­on die emp­fun­de­ne Belas­tung durch Ohr­ge­räu­sche ver­stärkt. Eine abge­mil­der­te Depres­si­on führt ent­spre­chend zu einer als weni­ger schlimm wahr­ge­nom­me­nen Belas­tung durch Ohr­ge­räu­sche.

Tat­säch­lich scheint die sub­jek­ti­ve Wahr­neh­mung der Ohr­ge­räu­sche ein Schlüs­sel zur Behand­lung zu sein. So hat sich gezeigt, dass die kogni­ti­ve Ver­hal­tens­the­ra­pie aus­ge­spro­chen effek­tiv ist. Pati­en­ten, die durch eine sol­che Gesprächs­the­ra­pie zu einem ande­ren Urteil über ihre Ohr­ge­räu­sche kom­men, füh­len sich weni­ger ein­ge­schränkt.

Zudem spielt die Erwar­tungs­hal­tung an die The­ra­pie eine ent­schei­den­de Rol­le für den The­ra­pie­er­folg. Ent­spre­chend lohnt sich eine posi­ti­ve Grund­ein­stel­lung zur kogni­ti­ven Ver­hal­tens­the­ra­pie in die­sem Fal­le ein­deu­tig.

Expe­ri­men­tel­le The­ra­pie­ver­fah­ren mit Elek­tro­sti­mu­la­ti­on gibt es seit etwas über zehn Jah­ren. Aller­dings ste­hen auch hier noch kei­ne aus­sa­ge­kräf­ti­gen Stu­di­en zur Ver­fü­gung. Es ist aller­dings denk­bar, dass Elek­tro­sti­mu­la­ti­on der Ner­ven und des audi­tiven Hirn­are­als zu einem regel­mä­ßig sti­mu­lier­ten — das heißt: Nicht über­reiz­ten — Ver­hal­ten der ent­spre­chen­den Ner­ven führt.

Alternative Therapiemöglichkeiten

Bei läs­ti­gen Ohr­ge­räu­schen ist nicht nur der nahe lie­gen­de Gang zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt ange­ra­ten, son­dern auch der Weg zum Zahn­arzt kann Lin­de­rung oder sogar Hei­lung brin­gen. Mög­li­che Aus­lö­ser des Dau­er­ge­räu­sches kön­nen Zahn­pro­ble­me wie etwa Fehl­stel­lun­gen des Kie­fer­ge­lenks sein. Die­se las­sen sich in der Regel pro­blem­los behan­deln. Es wird auch von einem mög­li­chen Zusam­men­hang zwi­schen HWS-Pro­ble­men (Hals­wir­bel­säu­le) und Tin­ni­tus aus­ge­gan­gen. Mus­kel­ver­span­nun­gen und Bewe­gungs­blo­ckie­run­gen ste­hen im Ver­dacht, Ohr­ge­räu­sche aus­zu­lö­sen und las­sen sich bei­spiels­wei­se durch Osteo­pa­thie oder manu­el­le The­ra­pie behan­deln.

Es gibt eine gan­ze Rei­he alter­na­ti­ver The­ra­pie­mög­lich­kei­ten bei Tin­ni­tus und Hör­sturz. Jedoch ist drin­gend zu beach­ten, dass kei­ne die­ser The­ra­pie­mög­lich­kei­ten durch Stu­di­en gestützt ist und eini­ge die­ser The­ra­pie­an­ge­bo­te jeg­li­cher wis­sen­schaft­li­cher Grund­la­ge ent­beh­ren. Zudem wird im Zusam­men­hang mit alter­na­ti­ven The­ra­pie­mög­lich­kei­ten bei Geräusch­emp­fin­dungs­pro­ble­men häu­fig damit gewor­ben, dass die The­ra­pie die Ursa­che behand­le. Da die Ursa­chen in den meis­ten Fäl­len nicht zu klä­ren sind (beson­ders nicht beim Hör­sturz), sind sol­che Behaup­tun­gen als Unfug abzu­stem­peln.

Was Tinnitus und Hörsturz gemeinsam haben

Bei bei­den Lei­den han­delt es sich um akut auf­tre­ten­de Lei­den. Bei­de kön­nen infol­ge einer star­ken Belas­tung des Ohrs (Lärm und Ver­sor­gungs­pro­ble­me) auf­tre­ten. Zudem ist es mög­lich, dass bei­des gleich­zei­tig auf­tritt. Häu­fi­ger kommt es aller­dings zu Ohr­ge­räu­schen trotz Hör­sturz denn vice ver­sa. Ohr­ge­räu­sche blei­ben zudem häu­fig nach der Spon­tan­hei­lung eines Hör­stur­zes zurück.

Bei­de Lei­den kön­nen von allein abklin­gen. Es han­delt sich nicht um Not­fäl­le und eine ärzt­li­che Behand­lung ist ent­spre­chend nicht akut. Erst dann, wenn die Pro­ble­me mit dem Hören schon eini­ge Tage anhal­ten, ist eine Unter­su­chung ange­ra­ten.