Mutismus

Mann mit Mutismus

Mutismus

Mutismus — wenn die Sprache verloren geht

Beim Mutis­mus ver­lie­ren die Betrof­fe­nen ganz oder teil­wei­se die Fähig­keit zu spre­chen, obwohl die rein kör­per­lich dazu in der Lage wären zu reden. Sowohl die Sprach­pro­duk­ti­on als auch das Sprach­ver­ständ­nis sind in der Regel nicht beein­träch­tigt. Wie genau es zu die­ser Stö­rung kommt, ist noch unklar. Sowohl Erkran­kun­gen wie Demenz, Depres­sio­nen oder Angst­er­kran­kun­gen als auch trau­ma­ti­sche oder belas­ten­de Situa­tio­nen kön­nen mit dem Schwei­gen ein­her­ge­hen. Kin­der sind häu­fi­ger betrof­fen als Erwach­se­ne und in vie­len Fäl­len bes­sert sich das Krank­heits­bild mit Ende der Puber­tät.

Bei Kin­dern ist eine Abgren­zung zu Sprach­ent­wick­lungs­stö­run­gen wich­tig. Mutis­ti­sche Kin­der haben das Spre­chen bereits erlernt und sind grund­sätz­lich dazu in der Lage.

Formen

Es gibt ver­schie­de­ne Aus­prä­gun­gen der Stö­rung. Die häu­figs­ten For­men sind der selek­ti­ve (oder auch elek­ti­ve) und der tota­le Mutis­mus. Dane­ben sind natür­lich kör­per­li­che Ursa­chen für den Sprach­ver­lust mög­lich und dia­gnos­tisch aus­zu­schlie­ßen.

Selektiver Mutismus

Die­se Form beschreibt den Ver­lust der Spra­che ledig­lich in bestimm­ten Situa­tio­nen oder bestimm­ten Men­schen gegen­über. Ein häu­fi­ges Bei­spiel sind Kin­der, die im Rah­men der Schu­le oder vor Men­schen­grup­pen mutis­tisch sind, jedoch mit Eltern, Geschwis­ter­kin­dern oder im klei­nen Kreis ganz nor­mal reden kön­nen.

Totaler Mutismus

Im Gegen­satz zur selek­ti­ven Form kommt es bei einem tota­len Mutis­mus zum Schwei­gen gegen­über allen Per­so­nen, unab­hän­gig von der vor­herr­schen­den Situa­ti­on. Die Sprach­ver­wei­ge­rung betrifft alle Berei­che des Lebens.

Hilfe für Betroffene und Angehörige

Redet ein Mensch immer weni­ger oder nur noch mit bestimm­ten Men­schen oder in aus­ge­wähl­ten Situa­tio­nen, soll­te man der Ursa­che auf den Grund gehen. Dabei ist eine psych­ia­tri­sche Dia­gnos­tik emp­feh­lens­wert, um Erkran­kun­gen wie Depres­sio­nen oder eine Angst­stö­rung zu erken­nen und behan­deln zu kön­nen.

Beein­träch­tigt der Mutis­mus bei Kin­dern die schu­li­schen Leis­tun­gen, so ist es sinn­voll, mit den Leh­rern über das Pro­blem zu reden und mit dem Kind zusam­men mög­li­che Alter­na­ti­ven zur münd­li­chen Betei­li­gung am Unter­richt zu fin­den. So kön­nen man­che Kin­der sich über Schrift aus­drü­cken und even­tu­ell in die­ser Form am Unter­richt aktiv teil­neh­men bezie­hungs­wei­se bewer­te­te münd­li­che Leis­tun­gen wie Refe­ra­te in schrift­li­cher Form abge­ben. In man­chen Fäl­len gelingt es den Kin­dern auch, zum Bei­spiel Refe­ra­te zu Hau­se per Video auf­zu­zeich­nen.

Der Grund­stein der The­ra­pie ist anzu­er­ken­nen, dass die Sprach­ver­wei­ge­rung in der Regel nicht absicht­lich oder aus Bos­haf­tig­keit statt­fin­det.  Die Behand­lung kann lang­wie­rig sein und gege­be­nen­falls bes­sert sich der Mutis­mus erst bei einer Ände­rung der Lebens­si­tua­ti­on. So kann der Über­gang von der Schu­le in das Arbeits­le­ben oder die Uni­ver­si­tät eine Bes­se­rung her­vor­ru­fen.