Inkontinenz

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 08.11.2018 Lesezeit: 5 Minuten
Inkontinenz
Inkontinenz

Definition

Es gibt vie­le ver­schie­de­ne For­men und Ursa­chen für Inkon­ti­nenz. Der Begriff Inkon­ti­nenz bedeu­tet, dass man unge­wollt Harn oder Stuhl ver­liert.

Harninkontinenz

Am häu­figs­ten tritt die Harn­in­kon­ti­nenz auf, unter der sehr vie­le Men­schen lei­den. Die Erkran­kung ist im deutsch­spra­chi­gen Raum recht weit ver­brei­tet. Fach­ex­per­ten schät­zen, dass min­des­tens jede drit­te bis vier­te Frau in ihrem Leben, wenn­gleich oft­mals auch nur vor­über­ge­hend, dar­un­ter lei­det. Umgangs­sprach­lich wird für die­ses Lei­den ger­ne der Begriff „Bla­sen­schwä­che“ ver­wen­det. Doch ist die­se Bezeich­nung für das Krank­heits­bild Harn­in­kon­ti­nenz ein wenig schwam­mig, also nicht ganz kor­rekt, zumal die Bla­se selbst kei­nes­wegs unab­än­der­lich die Ursa­che für eine Inkon­ti­nenz sein muss. Die häu­figs­ten Inkon­ti­nenz­for­men sind die Dran­gin­kon­ti­nenz sowie die Stress- bzw. Belas­tungs­in­kon­ti­nenz. Ein­zig und allein der Arzt kann her­aus­fin­den, um wel­che Form der Harn­in­kon­ti­nenz es sich beim Betrof­fe­nen han­delt. Ein Arzt­be­such ist dar­um von­nö­ten, damit man gemein­sam mit dem Fach­arzt der Ursa­che des Lei­dens auf den Grund gehen kann. Nur so ist es mög­lich, eine indi­vi­du­ell pas­sen­de Behand­lungs­me­tho­de zu fin­den. Die meis­ten The­ra­pi­en sind von Erfolg gekrönt.

Stuhlinkontinenz

Nicht nur die Harn- son­dern auch die Stuhlin­kon­ti­nenz ist eine häu­fi­ge und weit ver­brei­te­te Erkran­kung. Im Gegen­satz zur Harn­in­kon­ti­nenz gibt es bei der Stuhlin­kon­ti­nenz jedoch kei­ne ein­heit­li­che Ein­tei­lung. Die­se Form der Inkon­ti­nenz wird meis­tens nach Schwe­re der Sym­pto­me und der zugrun­de­lie­gen­den Ursa­chen unter­schie­den. Vor allem die Stuhlin­kon­ti­nenz ver­ur­sacht oft einen gro­ßen sozia­len Lei­dens­druck und ist mit Scham­ge­füh­len ver­bun­den. Umso wich­ti­ger ist es für die Pati­en­ten, so früh wie mög­lich einen Arzt auf­zu­su­chen und das Grund­pro­blem behan­deln zu las­sen.

Für die meis­ten Men­schen in der heu­ti­gen Gesell­schaft ist die Inkon­ti­nenz in allen ihren Aus­prä­gun­gen nach wie vor ein Tabu­the­ma. Aus Scham oder Schüch­tern­heit zögern bezie­hungs­wei­se scheu­en vie­le Erkrank­te den Arzt­be­such.

Einteilung, Ursachen und Risikofaktoren der Harninkontinenz

Zahl­rei­che Aus­lö­ser kön­nen für einen unfrei­wil­li­gen, nicht vor­her­seh­ba­ren Harn- oder Stuhl­ver­lust ver­ant­wort­lich sein. Zwei Funk­tio­nen muss eine gesun­de Bla­se erfül­len. Die Bla­se soll­te ent­spannt sein und sich unge­hin­dert fül­len und aus­deh­nen kön­nen. Sie muss den Urin spei­chern kön­nen, auch über eine län­ge­re Zeit. Abge­dich­tet wird die Harn­bla­se von einem ange­spann­ten Schließ­mus­kel. Auf die­se Wei­se kann kein Urin über die Harn­röh­re abflie­ßen. Die Bla­se muss den Inhalt ent­lee­ren, aller­dings zum gewünsch­ten Zeit­punkt. Die Bla­sen­kon­trol­le geht aber nur dann rei­bungs­los vor sich, wenn die Zusam­men­ar­beit von Ner­ven, Mus­keln, Gehirn und Rücken­mark bes­tens funk­tio­niert. Das per­fekt auf­ein­an­der abge­stimm­te Sys­tem kann durch meh­re­re Ursa­chen gestört wer­den, die Fol­ge davon ist die Harn­in­kon­ti­nenz.

Belastungsinkontinenz:

Hier kommt es vor­wie­gend dann zum unfrei­wil­li­gen Urin­ver­lust, sobald eine Druck­erhö­hung im Bauch­raum vor­liegt. Die Sym­pto­me machen sich hier beim Tra­gen oder Anhe­ben von schwe­ren Las­ten, bei einer kör­per­li­chen Anstren­gung, aber natür­lich auch bei schlich­tem Nie­sen, beim Hus­ten, beim Pres­sen oder beim Lachen bemerk­bar. Oft ist hier der Ver­lust von Urin nur tröpf­chen­wei­se gege­ben, es kann aber durch­aus zu einem Ver­lust im Strahl kom­men. Ein typi­sches Sym­ptom ist zudem, dass vie­le Betrof­fe­ne über­haupt kei­nen Harn­drang ver­spü­ren, bevor der Urin unbe­ab­sich­tigt ver­lo­ren geht. Risi­ko­fak­to­ren hier­für sind bei­spiels­wei­se eine Schwä­che des Becken­bo­dens, Über­ge­wicht oder eine Schwan­ger­schaft.

Dranginkontinenz:

Es wird ein plötz­li­che, über­mä­ßi­ger Harn­drang emp­fun­den, obwohl die Bla­se noch nicht gänz­lich voll ist. Der Urin geht schwall­ar­tig ab, und vie­le Betrof­fe­ne errei­chen das Bad nicht mehr recht­zei­tig. Die­se Sym­pto­ma­tik ent­steht, wenn die Bla­se von innen zum Bei­spiel durch Ent­zün­dun­gen gereizt wird oder der  Bla­sen­mus­kel sich durch Erkran­kun­gen des Ner­ven­sys­tems eigen­stän­dig zusam­men­zieht. Eine sol­che Schä­di­gung der Ner­ven kann unter ande­rem bei Alz­hei­mer, Par­kin­son oder einem Dia­be­tes auf­tre­ten.

Überlaufinkontinenz:

Hier ver­spürt der Betrof­fe­ne das Gefühl, dass stän­dig Urin in die Unter­ho­se tröp­felt. Eine vol­le Bla­se läuft förm­lich über. Das heißt im Klar­text: Es flie­ßen stän­dig klei­ne Urin­men­gen ab. Dazu kommt ein stän­di­ger Drang, die Toi­let­te auf­su­chen zu müs­sen. Die­se Form der Inkon­ti­nenz tritt vor allem dann auf, wenn sich die Bla­se nicht mehr kor­rekt ent­lee­ren lässt. Die Bla­se ist dann län­ger­fris­tig über­mä­ßig voll. Der Grund dafür ist bei Män­nern oft eine ver­grö­ßer­te Pro­sta­ta. Bei Män­nern und Frau­en kann eine Über­laufin­kon­ti­nenz durch alles auf­tre­ten, was zu einer Ver­en­gung der Harn­röh­re führt.

Reflexinkontinen:

Die Lei­den­den kön­nen die Ent­lee­rung der Bla­se kaum mehr steu­ern. Der Grund dafür liegt dar­in, dass die Betrof­fe­nen nicht mehr genau spü­ren, wann die Bla­se voll ist. So ent­leert sich die Bla­se von selbst, und zwar in unre­gel­mä­ßi­gen Abstän­den. Die Ent­lee­rung ist hier­bei jedoch nur sehr sel­ten voll­stän­dig. Oft liegt das Pro­blem in einer Schä­di­gung des Ner­ven­sys­tems. Von der Reflex­in­kon­ti­nenz sind vor allem Men­schen betrof­fen, die unter einer Demenz­er­kran­kung, einer Quer­schnitts­läh­mung, Par­kin­son, einer Mul­ti­plen Skle­ro­se oder einem Schlag­an­fall lei­den.

Extraurethralen Inkontinenzen:

Der Urin­ver­lust geschieht nicht wie üblich über die Harn­we­ge, son­dern über die Haut, den Darm oder die Schei­de. Nicht sel­ten liegt eine Fis­tel vor. Dabei han­delt es sich um ein unna­tür­li­ches und neu ent­stan­de­nes Ver­bin­dungs­ka­näl­chen, über das stän­dig Urin ver­lo­ren geht. Die Fis­tel führt von der Bla­se direkt in zur Haut, in den Geni­tal- oder Ver­dau­ungs­trakt und die Betrof­fe­nen kön­nen dar­auf kei­nen Ein­fluss neh­men. Risi­ko­fak­to­ren für die Ent­ste­hung die­ser Fis­teln sind Ope­ra­tio­nen, Ent­zün­dun­gen und Tumo­re der Bla­se oder eng angren­zen­der Orga­ne.

Einteilung, Ursachen und Risikofaktoren der Stuhlinkontinenz

Damit wir stuhl­kon­ti­nent sind, muss vor allem der Schließ­mus­kel des Darms gut funk­tio­nie­ren. Die Schließ­funk­ti­on ent­steht durch ein Zusam­men­spiel aus Mus­keln und Ner­ven. Ist einer die­ser Tei­le erkrankt, kann dies zur Stuhlin­kon­ti­nenz füh­ren. Der Darm glie­dert sich in ver­schie­de­ne Abschnit­te und ist ein lan­ger Mus­kel­schlauch, der sich wel­len­för­mig bewegt, um den Nah­rungs­brei zu trans­por­tie­ren. Ist er selbst erkrankt oder ist die Kon­sis­tenz des Nah­rungs­breis krank­haft ver­än­dert, kann dies auch eine Stuhlin­kon­ti­nenz bedin­gen.

Die Ein­tei­lung der Stuhlin­kon­ti­nenz ist nicht so ein­deu­tig wie bei der Harn­in­kon­ti­nenz. Man unter­schei­det hier vor allem zwi­schen dem Schwe­re­grad der Sym­pto­ma­tik und der Ursa­che.

Schweregrade:

1 : Inkon­ti­nenz von Gas

2 : Inkon­ti­nenz von flüs­si­gem Stuhl

3 : Inkon­ti­nenz von fes­tem Stuhl

Ursachen:

Ursäch­lich für eine Stuhlin­kon­ti­nenz kön­nen sein: eine Schwä­che des Becken­bo­dens, eine Ver­en­gung des Darms, Durch­fäl­le und Ver­dau­ungs­stö­run­gen, Erkran­kun­gen des Schließ­mus­kels oder des Ner­ven­sys­tems. Zu den Risi­ko­fak­to­ren zäh­len ein fort­ge­schrit­te­nes Alter, Schwan­ger­schaf­ten und Gebur­ten, Tumo­re, chro­nisch ent­zünd­li­che Darm­er­kran­kun­gen (Mor­bus Crohn, Coli­tis ulce­ro­sa), Ope­ra­tio­nen, Demenz oder ein Dia­be­tes.

 

Die Diagnose Inkontinenz

Der Arzt erkun­digt sich wäh­rend des Gesprä­ches nach den genau­en Beschwer­den rund um das The­ma Inkon­ti­nenz. Das Fra­ge- und Ant­wort­spiel bringt den Fach­arzt auf den rich­ti­gen Weg, die Form der Harn- oder Stuhlin­kon­ti­nenz genau dia­gnos­ti­zie­ren zu kön­nen. Die wahr­heits­ge­mä­ßen Anga­ben sind wich­tig, damit der Arzt die Lage auch rich­tig ein­schät­zen kann. Wich­tig: Scham über­win­den und prä­zi­se Anga­ben machen, das ist das Cre­do in der Arzt­pra­xis.

Zuhau­se kön­nen Tage­bü­cher für die Dia­gno­se sehr hilf­reich sein. Hier­bei notiert der Pati­ent alle Auf­fäl­lig­kei­ten, die mit dem The­ma Toi­let­ten­gang ver­bun­den sind.

Soll­te im Anschluss noch unklar sein, woher die Inkon­ti­nenz kommt oder um erns­te Erkran­kun­gen aus­zu­schlie­ßen, kann eine wei­te­re Dia­gnos­tik wie eine Bla­sen- oder Darm­spie­ge­lung, eine Blut­un­ter­su­chung und eine Bild­ge­bung erfol­gen.

Therapie und ein maßgeschneidertes Training bringen rasch Fortschritte

Eine The­ra­pie­emp­feh­lung bei Inkon­ti­nenz muss immer indi­vi­du­ell fest­ge­legt wer­den, da es kei­ne pau­scha­len Behand­lungs­me­tho­den gibt. Der Pati­ent kann je nach Situa­ti­on ein Becken­bo­den­trai­ning ange­hen, eine Gewichts­ab­nah­me anpei­len oder sein Ver­hal­ten ver­än­dern, zum Bei­spiel mit fes­ten Toi­let­ten­zei­ten. Mit einer geeig­ne­ten Ernäh­rung kann dem Pati­en­ten eben­falls gehol­fen wer­den. Das Inkon­ti­nenz­trai­ning ist eben­falls wich­tig. Wer­den Grund­er­kran­kun­gen fest­ge­stellt, die für die Inkon­ti­nenz ver­ant­wort­lich sind, müs­sen die­se natür­lich behan­delt wer­den. In man­chen Fäl­len kön­nen auch Medi­ka­men­te hel­fen, die Sym­pto­me in den Griff zu bekom­men.

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