Hypochondrie-wenn Gedanken krank machen

Frau mit Hypochondrie sitzt beim Psychiater

Hypochondrie-wenn Gedanken krank machen

Wenn die Gedanken krank machen

Wer kennt das nicht, bei kör­per­li­chen Sym­pto­men wie Kopf­schmer­zen oder Hus­ten zunächst Dok­tor Goog­le zu kon­sul­tie­ren. Dabei wer­den häu­fig Ängs­te geschürt, an einer ernst zuneh­men­der Erkran­kung zu lei­den. Glück­li­cher­wei­se ver­schwin­den die­se Gedan­ken und Ängs­te meis­tens schnell wie­der aus dem Kopf. Aller spä­tes­tens dann, wenn man sich nach eini­ger Zeit wie­der von den kör­per­li­chen Sym­pto­men erholt hat und ohne wei­te­res den All­tag meis­tert.

Was ist aber, wenn die Gedan­ken nicht mehr aus dem Kopf gehen? Was ist, wenn man unwi­der­ruf­lich dar­an glaubt, an einer unheil­ba­ren Krank­heit erkrankt zu sein? Es wer­den nor­ma­le kör­per­li­che Emp­fin­dun­gen, wie Druck in der Magen­ge­gend,  jucken­de Haut­stel­len, als “krank­haft” über­in­ter­pre­tiert. Die­se kön­nen sogar wahn­haft gestei­gert sein. Bei die­ser Kon­stel­la­ti­on spricht der Psych­ia­ter dann vom soge­nann­ten Krank­heits­bild der “Hypo­chon­drie”.

Eine “Hypo­chon­drie” ist genau­so eine Krank­heit, wie “Lun­gen­krebs” oder “Bron­chi­tis”. Sie zählt nicht zur kör­per­li­chen, son­dern zu den psy­chi­schen Erkran­kun­gen. Lei­der wird die­ses Wort im all­täg­li­chen Sprach­ge­brauch für jeman­den ver­wen­det, der sich bei Klei­nig­kei­ten schon die Ner­ven ver­liert. Pati­en­ten mit “Hypo­chon­drie” wer­den daher häu­fig nicht von ihrem Umfeld ernst genom­men, wel­ches zu einer Spi­ra­le der sozia­len Abschot­tung und Depres­si­on füh­ren kann.

Zusammenfassung der Hypochondrie

  • unwi­der­ruf­li­che Über­zeu­gung an einer bestimm­ten Erkran­kung erkrankt zu sein (wie bspw. HIV, Mul­ti­ple Skle­ro­sis, Hirn­tu­mor)
  • per­ma­nen­te, zwang­haf­te Über­prü­fung der Kör­per­funk­tio­nen (Puls, Blut­druck, Tem­pe­ra­tur)
  • Besuch vie­ler ver­schie­de­ner Ärz­te
  • Stellt die Dia­gno­sen infra­ge und akzep­tiert kei­ne unauf­fäl­li­gen Befun­de
  • gestei­ger­te Miss­emp­fin­dung von nor­ma­ler Kör­per­funk­tio­nen
  • min­des­tens 6 Mona­te bestehen die Gedan­ken

Entstehung der Krankheit

Die Ent­ste­hung der Krank­heit hat vie­le ver­schie­de­ne Ursa­chen. Gene­tik, Umwelt, Erfah­run­gen spie­len zusam­men eine gro­ße Rol­le. Des Wei­te­ren liegt die Ursa­che in der Ent­wick­lung der Per­sön­lich­keit und Eltern-Kind Bezie­hung ver­wur­zelt. Ande­re Ursa­chen lie­gen auf dem gestei­ger­tem Wahr­neh­mungs­ver­mö­gen des Pati­en­ten. Stu­di­en haben gezeigt, dass Erkrank­te ten­den­zi­ell eine erhöh­te Kör­per­wahr­neh­mung besit­zen. Sie kön­nen bei­spiels­wei­se ein Anstieg der Herz­fre­quenz viel frü­her wahr­neh­men und reagie­ren emp­find­li­cher auf kör­per­li­che Rei­ze wie Trep­pen­stei­gen, als ein gesun­der Mensch. Stress und beson­ders belas­ten­de Situa­tio­nen kön­nen eben­falls die Hypo­chon­drie begüns­ti­gen.

Diagnose

Die Dia­gno­se der Hypo­chon­drie ist oft nicht leicht, da Erkrank­te häu­fig den Arzt wech­seln. Den­noch soll­te ein Arzt zunächst dem Pati­en­ten Glau­ben schen­ken und Nach­for­schung betrei­ben, ob tat­säch­lich eine kör­per­li­che Erkran­kung zugrun­de liegt. Ent­schei­dend für die Dia­gno­se­stel­lung ist ein aus­führ­li­ches Arzt-Pati­en­ten Gespräch.  Beim Gespräch wer­den alle Aspek­te, die eine Erkran­kung begüns­ti­gen beleuch­tet. Dadurch kann der Arzt/ die Ärz­tin dann rela­tiv zügig ohne wei­te­re Unter­su­chun­gen eine Hypo­chon­drie dia­gnos­ti­zie­ren.

Therapie

Die best­mög­li­che The­ra­pie ist die Psy­cho­the­ra­pie. Oft­mals kön­nen Erkrank­te aber nicht the­ra­piert wer­den, da kei­ne Krank­heits­ein­sicht besteht. Eine Unter­form der Psy­cho­the­ra­pie ist die kogni­ti­ve Ver­hal­tens­the­ra­pie. Dies ist ein häu­fi­ges Ver­fah­ren bei der The­ra­pie von psy­chi­schen Erkran­kun­gen. Pati­en­ten ler­nen dabei, was ihre Denk­mus­ter sind, wann die Sym­pto­me auf­tre­ten und wie die­se im Zusam­men­hang mit den Denk­mus­tern ste­hen. Eben­falls ler­nen sie ihre Erkran­kung kri­tisch zu hin­ter­fra­gen und die über­in­ter­pre­tier­ten kör­per­li­chen Sym­pto­me neu und rich­tig ein­zu­glie­dern.

Weitere Therapiemöglichkeiten

Die wei­te­ren The­ra­pie­mög­lich­kei­ten zie­len auf die bewuss­te Kon­trol­le der kör­per­li­chen Sym­pto­me ab. Dazu gehört unter Ande­rem die Bio­feed­back-Metho­de.

Zusätz­li­chen soll­ten see­li­sche Blo­cka­den abge­baut wer­den. Es kom­men gän­gi­ge Ent­span­nungs­tech­ni­ken wie auto­ge­nes Trai­ning, pro­gres­si­ve Mus­kel­re­la­xa­ti­on und Yoga zur Anwen­dung.

Im Extrem­fall grei­fen Ärz­te auf Medi­ka­men­te zurück, um den Lei­dens­druck der Pati­en­ten zu lin­dern. Es wer­den Medi­ka­men­te benutzt, die der Grup­pe der Anti­de­pres­si­va zuge­ord­net wer­den.