Hirndruck

Hirndruck

Hirnwasser (Liquor) und Hirndruck

Das Gehirn ist nicht nur durch den umge­ben­den Kno­chen, son­dern auch durch das Hirn- bzw. Ner­ven­was­ser (Liquor) gut vor äuße­ren Gewalt­ein­wir­kun­gen geschützt. Die kla­re Flüs­sig­keit befin­det sich sowohl im Gehirn als auch um das Hirn und das Rücken­mark her­um. Es wird direkt vor Ort pro­du­ziert und regel­mä­ßig erneu­ert. Damit unser Ner­ven­sys­tem gut geschützt, jedoch nicht ein­ge­engt wird, herrscht nor­ma­ler­wei­se ein Druck von 5–15 mmHg (Mil­li­me­ter Queck­sil­ber­säu­le) bzw. 60–200 mmH2O (Mil­li­me­ter Was­ser­säu­le). Jedoch kön­nen bestimm­te Erkran­kun­gen oder Ver­än­de­run­gen dazu füh­ren, dass die­ser Druck ansteigt und auf das emp­find­li­che Ner­ven­ge­we­be drückt. In die­sen Fäl­len spre­chen wir von Hirn­druck oder intra­kra­ni­el­lem Druck.

Wodurch kann ein erhöhter Druck kommen?

Ein zu hoher Druck im Liquor­sys­tem kann ver­schie­de­ne Ursa­chen haben. Bei­spiels­wei­se kön­nen ursäch­lich sein:

  • Gut­ar­ti­ge oder bös­ar­ti­ge Hirn­tu­mo­re
  • Ent­zün­dun­gen und Infek­tio­nen
  • Ver­let­zun­gen
  • Spe­zi­el­le ana­to­mi­sche Gege­ben­hei­ten
  • Erb­krank­hei­ten
  • Ohne erkenn­ba­re Ursa­che (häu­fig bei über­ge­wich­ti­gen, jun­gen Frau­en)

Der Hirn­druck ent­steht dann auf­grund ver­schie­de­ner Mecha­nis­men wie zum Bei­spiel:

  • Einer Über­pro­duk­ti­on an Liquor
  • Einem gestör­ter Abfluss des Liquors
  • Einer Schwel­lung des Gehirns
  • Einer Raum­for­de­rung im Kopf

Zeichen eines akuten Hirndrucks

Tritt akut ein erhöh­ter Hirn­druck auf, so sind fol­gen­de Sym­pto­me mög­lich:

  • Übel­keit und schwall­ar­ti­ges Erbre­chen (vor allem mor­gens)
  • Kopf­schmer­zen
  • Schläf­rig­keit und Bewusst­seins­stö­run­gen

Zeichen eines chronischen Hirndrucks

Ein über einen län­ge­ren Zeit­raum bestehen­der Hirn­druck lässt sich häu­fig nicht so klar anhand der Sym­pto­me fest­ma­chen. Die Beschwer­den sind mit Antriebs­lo­sig­keit, Lust­lo­sig­keit und einer all­ge­mei­nen Ver­lang­sa­mung eher unspe­zi­fisch.

Mögliche Komplikationen

Bei einem erhöh­ten intra­kra­ni­el­len Druck kann es dazu kom­men, dass Hirn­ge­we­be ver­drängt und in Öff­nun­gen der Schä­del­ba­sis ein­ge­klemmt wird. Zudem kann es zu Druck­schä­den der Ner­ven kom­men, da das Gehirn durch den fes­ten Schä­del­kno­chen kei­ne Mög­lich­keit zum aus­wei­chen hat. Hier­durch sind blei­ben­de Schä­den mög­lich. Außer­dem besteht die Gefahr eines Wach­ko­mas oder sogar eines töd­li­chen Aus­gangs.

Diagnostik

Weg­wei­send ist gera­de beim aku­ten Hirn­druck oft das Beschwer­de­bild. Eine kör­per­li­che Unter­su­chung kann Auf­schluss dar­über geben, ob bereits neu­ro­lo­gi­sche Sym­pto­me durch den Druck auf das Gehirn ent­stan­den sind. Bei dem Ver­dacht auf Hirn­druck ist eine Bild­ge­bung mit­tels CT das Ver­fah­ren der Wahl, um das Aus­maß und mög­li­che Ursa­chen zu erken­nen. Obwohl vie­le Erkran­kun­gen mit Hil­fe einer Lum­bal­punk­ti­on (Ent­nah­me von Hirn­was­ser) zu erken­nen sind, ist die­se Maß­nah­me bei Hirn­druck drin­gend zu unter­las­sen, da sonst die Gefahr einer Ein­klem­mung von Ner­ven­ge­we­be besteht. Nur in Aus­nah­me­fäl­len bei bestimm­ten Erkran­kun­gen darf trotz eines erhöh­ten Drucks die­se Maß­nah­me durch­ge­führt wer­den und kann dann sogar als The­ra­pie zum Ein­satz kom­men (zum Bei­spiel beim “Pseu­do­tu­mor cere­bri”).

Behandlung

Je nach Ursa­che, kön­nen die The­ra­pie­mög­lich­kei­ten stark von­ein­an­der abwei­chen. In jedem Fal­le soll­te wenn mög­lich die Grund­er­kran­kung behan­delt wer­den. Des Wei­te­ren ist eine Sen­kung des Hirn­drucks wich­tig, um mög­li­che Kom­pli­ka­tio­nen und Fol­ge­schä­den zu ver­hin­dern. Medi­ka­men­tös kann dafür Man­ni­tol zum Ein­satz kom­men, das gut ver­träg­lich ein Zuviel an Flüs­sig­keit aus dem Kör­per her­aus schwemmt. In man­chen Fäl­len ist es sinn­voll, über ope­ra­ti­ve Ver­fah­ren Liquor abzu­las­sen oder einen Teil des Schä­del­kno­chens vor­über­ge­hend zu ent­fer­nen, um dem Gehirn mehr Platz zu bie­ten.