Hämorrhoiden

Hämorrhoiden Gesundheitstresor

In puncto Diagnose ist ein Arztbesuch unerlässlich

Jeder Mensch hat Hämor­rhoi­den, doch es lei­det bei Wei­tem nicht jeder dar­un­ter. Die Blut­ge­fä­ße zwi­schen dem After­mus­kel und dem Mast­darm (Rek­tum) eines Men­schen bezeich­net man immer als Hämor­rhoi­den. Die vie­len Blut­ge­fä­ße sind an genann­ter Stel­le in einem Geflecht ange­ord­net, und zwar pols­ter­ar­tig. Die­ses Gefäß­ge­flecht ist für die Unter­stüt­zung des Schließ­mus­kels vor­ge­se­hen. Bei einem Hämor­rho­idal­lei­den hin­ge­gen sind die Blut­ge­fä­ße in dem Bereich deut­lich ver­grö­ßert, sie ähneln stark einer Krampf­ader. Von außen sind die Blut­ge­fä­ße nor­ma­ler­wei­se nicht zu sehen, bei einem Lei­den jedoch kön­nen die ver­grö­ßer­ten Blut­ge­fä­ße sogar aus dem After her­vor­tre­ten. Die Ver­grö­ße­rung kann je nach Grad der Aus­prä­gung der Hämor­rhoi­den-Erwei­te­rung zu unter­schied­li­chen Beschwer­den füh­ren.

Betrof­fe­ne wol­len die unan­ge­neh­men Beschwer­den wie Jucken und Bren­nen am After mög­lichst schnell los­wer­den. Der Weg zum Spe­zia­lis­ten bleibt kei­nem Betrof­fe­nen erspart, vor Ort erfolgt eine ärzt­li­che Unter­su­chung. Die­se besteht zum einen aus dem Ertas­ten der Hämor­rhoi­den, zum ande­ren bei Bedarf aus einer zusätz­li­chen End­darm­spie­ge­lung. Je nach Schwe­re­grad des Hämor­rho­idal­lei­dens kön­nen zur Behand­lung diver­se Sal­ben und Haus­mit­tel ein­ge­setzt wer­den. Es gibt zusätz­lich ver­schie­de­ne Maß­nah­men, die zur Prä­ven­ti­on genutzt wer­den kön­nen.

Definition

Bei den Blut­ge­fä­ßen han­delt es sich um arte­rio­ve­nö­se Gefäß­pols­ter, die ring­för­mig am Über­gang vom Mast­darm in den Anal­ka­nal lie­gen. Sie sind für die Fein­kon­ti­nenz zustän­dig. Die ana­to­mi­sche Bezeich­nung lau­tet Cor­pus caver­no­sum rec­ti. Der Ring des Blut­ge­fä­ßes dich­tet das Rek­tum ab, damit es zu kei­nem Aus­tritt von Gasen und Flüs­sig­kei­ten kommt. Das hämor­rho­ida­le Gefäß­pols­ter ent­leert sich gewöhn­lich bei der Defä­ka­ti­on durch den rek­to-sphink­tä­ren Reflex. Der Ring der Gefäß­pols­ter ist schwamm­ar­tig mit Blut gefüllt. Hat ein ver­grö­ßer­tes Gefäß­pols­ter kei­ne Aus­wir­kun­gen und ver­ur­sacht kei­ne Beschwer­den, so bedarf es kei­ner Behand­lung, da ohne Sym­pto­me auch kein Krank­heits­wert vor­liegt.

Das häu­fi­ge Lei­den, vor allem bei Erwach­se­nen, ent­steht durch das abnor­ma­le Aus­wei­ten der Venen im Anus oder außer­halb. Das Hämor­rho­idal­lei­den kann sei­ne Ursa­che in einer erb­lich beding­ten Schwä­chen des Bin­de­ge­we­bes oder einem erhöh­ten intraab­do­mi­na­len Druck haben. Die Fol­ge davon ist eine Aus­wei­tung der Venen im ana­len Bereich.

Schwer einschätzbare Epidemiologie

Da sehr vie­le Men­schen trotz Beschwer­den aus ver­schie­de­nen Grün­den wie Angst oder Scham kei­nen Arzt kon­sul­tie­ren, ist die Anzahl der Men­schen, die unter den Sym­pto­men die­ser Krank­heit lei­den, nur schwer ein­zu­schät­zen. Exper­ten gehen davon aus, dass im mit­tel­eu­ro­päi­schen Raum rund 80 Pro­zent der Bevöl­ke­rung von einem Hämor­rho­idal­lei­den betrof­fen sind. Dabei sind Frau­en und Män­ner glei­cher­ma­ßen betrof­fen, nur Kin­der sind sel­ten mit die­sen Beschwer­den kon­fron­tiert. Eini­ge Wis­sen­schaft­ler spre­chen davon, dass min­des­tens vier Pro­zent der gesam­ten mensch­li­chen Popu­la­ti­on an die­ser Krank­heit lei­den. Je älter der Mensch wird, des­to wahr­schein­li­cher ist es, dass krank­heits­ty­pi­sche Sym­pto­me auf­tre­ten.

Ursachen und Risikofaktoren für das unangenehme Leiden

Meh­re­re Ein­flüs­se kön­nen die Ent­ste­hung des Lei­dens begüns­ti­gen. Dazu zäh­len Fehl­ernäh­rung und Ver­stop­fun­gen sowie ein kon­tra­pro­duk­ti­ves Ver­hal­ten (star­kes Pres­sen) wäh­rend des Stuhl­gan­ges. Eben­falls kön­nen zudem Bewe­gungs­man­gel, häu­fi­ger Durch­fall und eine Becken­bo­den­schwä­che die Ent­ste­hung der Krank­heit beein­flus­sen. Im Anal­be­reich wird die Blut­zir­ku­la­ti­on aber auch durch Über­ge­wicht behin­dert, was eine wei­te­re Ursa­che für ein Lei­den sein kann. Gene­ti­sche Fak­to­ren sowie psy­chi­sche Ursa­chen kön­nen durch­aus eine Mani­fes­ta­ti­on begüns­ti­gen.

Das Hämor­rho­idal­lei­den hat ver­schie­de­ne Risi­ko­fak­to­ren. Chro­ni­sche Ver­stop­fun­gen durch bal­last­stoff­ar­me Kost sowie Flüs­sig­keits- und Bewe­gungs­man­gel oder anhal­ten­de Durch­fäl­le kön­nen zu Pro­ble­men füh­ren. Eine hef­ti­ge Anstren­gung wäh­rend des Stuhl­gan­ges för­dert die Bil­dung ver­grö­ßer­ter Gefäß­ge­flech­te. Eine eher sel­te­ne Ursa­che ist Blut­hoch­druck in der Leber, durch den das Blut nicht mehr rich­tig aus dem Geflächt abflie­ßen kann, sich zurück staut und somit die Gefä­ße erwei­tert. Zudem kön­nen Über­ge­wicht, Schwan­ger­schaft, Anal­sex und Alko­hol­miss­brauch Risi­ko­fak­to­ren dar­stel­len.

Zu den Risi­ko­grup­pen gehö­ren Men­schen mit Ange­hö­ri­gen in der Fami­lie, die unter der Krank­heit lei­det (gene­ti­sche Dis­po­si­ti­on). Zu den Risi­ko­grup­pen zäh­len zudem wer­den­de Müt­ter ab dem 6. Monat und Men­schen, die ein Alter zwi­schen 40 und 65 Jah­ren erreicht haben, Men­schen mit Becken­tu­mo­ren und Men­schen, die an einer Leber- oder Herz­er­kran­kung lei­den.

Diagnostik bei Hämorrhoiden

Vie­le Men­schen gehen auf­grund der Hemm­schwel­le erst dann zum Arzt, wenn es für sie kaum mehr aus­zu­hal­ten ist. Gewis­se Beschwer­den kön­nen jedoch nur von einem Arzt genau abge­klärt wer­den. Höchs­te Zeit wird es, wenn der Lei­den­de star­ke Schmer­zen hat, im Stuhl­gang Blu­tun­gen ersicht­lich sind und wenn der Betrof­fe­ne einen Gewichts­ver­lust bemerkt. Stuhl­gang­un­re­gel­mä­ßig­kei­ten und dau­er­haf­te Beschwer­den sind wich­ti­ge Signa­le dafür, schnell einen Fach­arzt zu kon­sul­tie­ren. Wie so oft lässt sich auch die­ses Lei­den beson­ders gut im Früh­sta­di­um behan­deln.

Beim Arzt­be­such wird der Pati­ent zu sei­nen Beschwer­den befragt, beson­ders bezüg­lich Infor­ma­tio­nen über Auf­fäl­lig­kei­ten wäh­rend des Toi­let­ten­gangs sowie bestehen­de Ess­ge­wohn­hei­ten. Der Arzt möch­te mit wei­te­ren Unter­su­chun­gen erns­te Erkran­kun­gen wie eine chro­ni­sche Darm­ent­zün­dung, Darm­krebs oder einen Tumor im Raum des Beckens und des Bau­ches aus­schlie­ßen.

Wäh­rend der Unter­su­chung betrach­tet der Arzt erst ein­mal genau die After­um­ge­bung, dann tas­tet er mit dem Fin­ger After und End­darm aus. Das Sta­di­um der Krank­heit wird bei der Über­prü­fung der Becken­bo­den­mus­ku­la­tur und des Schließ­mus­kel­ap­pa­ra­tes dia­gnos­ti­ziert. Anschlie­ßend über­prüft der Fach­arzt den After von innen mit­hil­fe der Prok­to­sko­pie (End­darm­spie­ge­lung). Die Unter­su­chung mit dem Gerät kann unan­ge­nehm sein, ist jedoch in der Regel schmerz­frei. Bei der Rek­to­sko­pie wird der  Mast­darm mit­hil­fe einer Kame­ra unter­sucht, die an einem Schlauch befes­tigt ist. Ist sich der Fach­arzt noch nicht ganz sicher, kann die Unter­su­chung mit­tels einer Spie­ge­lung des Dick­darms (Kolo­sko­pie) erfol­gen.

Jeder Schritt hin zur Dia­gno­se ist eine Metho­de, um erns­te Erkran­kun­gen wie bei­spiels­wei­se Kar­zi­no­me aus­schlie­ßen zu kön­nen. Für den Betrof­fe­nen mag die pein­li­che Unter­su­chung im inti­men Bereich als äußerst unan­ge­nehm emp­fun­den wer­den, doch für den Fach­arzt ist es nichts ande­res als eine all­täg­li­che Rou­ti­ne­ar­beit. Die Hem­mung fal­len zu las­sen, ist für den Lei­den­den stets der ers­te Schritt hin in die rich­ti­ge Rich­tung, hin zur Hei­lung.

Einteilung von Hämorrhoiden

Man unter­teilt das Hämor­rho­idal­lei­den in vier ver­schie­de­ne Schwe­re­gra­de:

Grad 1: Die Hämor­rhoi­den sind ver­grö­ßert, jedoch von außen nicht sicht­bar.

Grad 2: Die Hämor­rhoi­den sind ver­grö­ßert und wöl­ben sich beim Pres­sen nach außen. Wird nicht mehr gepresst, ver­la­gern sich die Hämor­rhoi­den von allei­ne wie­der nach innen zurück.

Grad 3: Die Hämor­rhoi­den sind von außen sicht­bar und ver­la­gern sich nicht von allei­ne zurück nach innen, kön­nen aber mit dem Fin­ger nach innen ver­la­gert wer­den.

Grad 4: Die Hämor­rhoi­den sind von außen sicht­bar und kön­nen nicht mehr zurück nach innen ver­la­gert wer­den.

Therapie von Hämorrhoiden

Das Krank­heits­bild und die Beschwer­den bestim­men beim Hämor­rho­idal­lei­den die The­ra­pie bezie­hungs­wei­se die Behand­lungs­me­tho­de. Oft­mals genügt es, den Lebens­stil zu ver­än­dern, doch die The­ra­pie kann durch­aus bis hin zu einem ope­ra­ti­ven Ein­griff rei­chen. Die Ein­nah­me von Abführ­mit­teln soll­te man mit dem Arzt abspre­chen. Eine Hämor­rhoi­den-Sal­be oder eine Hämor­rhoi­de- Creme kann durch­aus als effek­ti­ves Medi­ka­ment lokal Anwen­dung fin­den. Die­se Mit­tel erhal­ten oft Wirk­stof­fe, die bei kurz­fris­ti­gen Beschwer­den erfolg­reich ein­ge­setzt wer­den kön­nen. Möch­te der Pati­ent die Prä­pa­ra­te lang­fris­tig anwen­den, dann ist eine Rück­spra­che mit dem jewei­li­gen Fach­arzt not­wen­dig. Auch Zink­pas­te und Wund­sal­ben oder Zäpf­chen las­sen sich nach Abspra­che mit dem Arzt gut ein­brin­gen, um das schmerz­haf­te Lei­den zu behan­deln.

Bei der ambu­lan­ten Behand­lung kom­men meh­re­re Behand­lungs­me­tho­den in Fra­ge, die je nach Grad der Erkran­kung zum Zuge kom­men. So zäh­len zu den Behand­lungs­me­tho­den die Skle­ro­sie­rung, die Gum­mi­band­li­ga­tur, die Infra­rot­be­hand­lung und die Kryo­hä­mor­rhoi­dek­to­mie. Zu den klas­si­schen Ope­ra­ti­ons­ver­fah­ren gehö­ren die offe­ne, die geschlos­se­ne, die sub­mu­kö­se und die rekon­struk­ti­ve Hämor­rhoi­dek­to­mie.

Geeignete Hausmittel bei kurzfristigen Beschwerdephasen

Gegen Schmer­zen und Juck­reiz hilft eine Hämor­rhoi­den-Sal­be oder eine Hämor­rhoi­den-Creme. Die Sym­pto­me kurz­zei­tig lin­dern kön­nen auch ört­lich betäu­ben­de Sal­ben mit Lido­cain. Damit es nicht zu Schä­di­gun­gen der Haut oder Pilz­in­fek­tio­nen kommt, dür­fen Kor­ti­son-Sal­ben nur über einen kur­zen Zeit­raum zur Anwen­dung kom­men. Zusätz­lich gibt es ver­schie­de­ne Haus­mit­tel wie Kräu­ter und Heil­pflan­zen, die zu einer Lin­de­rung der Beschwer­den bei­tra­gen kön­nen. Dazu gehö­ren ins­be­son­de­re Aloe Vera, Johan­nis­kraut, Eichen­rin­de, Schwe­den­kräu­ter, Löwen­zahn und Kamil­le. Die Beschwer­den kön­nen außer­dem durch Dampf- und Sitz­bä­der gelin­dert wer­den.

Hämor­rhoi­den

Arti­kel bewer­ten