Guillain-Barré-Syndrom

Guillain-Barré-Syndrom

Was ist das Guillain-Barré-Syndrom (GBS)?

Das Guil­lain-Bar­ré-Syn­drom beschreibt eine neu­ro­lo­gi­sche Erkran­kung, die vor allem nach durch­ge­mach­ten Infek­ten zu fin­den ist. Dabei ist noch nicht voll­stän­dig geklärt, wie die Krank­heit eigent­lich ent­steht. Jedoch ist von einer Auto­im­mun­re­ak­ti­on aus­zu­ge­hen, bei der vom Kör­per selbst pro­du­zier­te Anti­kör­per Tei­le des Ner­ven­sys­tems angrei­fen. Betrof­fen ist das soge­nann­te peri­phe­re Ner­ven­sys­tem. Damit sind die Ner­ven gemeint, die vom Gehirn und Rücken­mark in den Kör­per zie­hen. Durch eine typi­sche Schä­di­gung der Ner­ven­hül­len kommt es zu unten genann­ten Sym­pto­men. Gehäuft tritt das GBS nach Magen-Darm-Infek­ten oder Atem­wegs­in­fek­ten auf, gele­gent­lich aber auch Ope­ra­tio­nen. Das Syn­drom kann in jedem Lebens­al­ter auf­tre­ten und kommt bei etwa 1–2  von 100.000 Per­so­nen vor.

Symptome und Verlauf

Zu Beginn zei­gen sich meist eini­ge Zeit nach einem durch­ge­mach­ten Infekt Rücken­schmer­zen und Miss­emp­fin­dun­gen in den Hän­den und Füßen. Anschlie­ßend zeigt sich in der Regel eine schlaf­fe Läh­mung, die an den Füßen beginnt und lang­sam auf­steigt. Inner­halb von Stun­den oder Tagen kann es zu einer kom­plet­ten Läh­mung des Kör­pers bis hin zu einem Atem­still­stand kom­men. Das Berüh­rungs­emp­fin­den ist eher sel­ten betrof­fen. Hin­zu kom­men oft Kreis­lauf­stö­run­gen, ein zu lang­sa­mer oder zu schnel­ler Herz­schlag und Pro­ble­me in der Regu­la­ti­on der Kör­per­tem­pe­ra­tur. Die­se Beschwer­den las­sen sich durch einen Befall des “auto­no­men Ner­ven­sys­tems” erklä­ren, dass die­se unwill­kür­li­chen Funk­tio­nen beein­flusst.

In den meis­ten Fäl­len ver­schlech­tern sich die Sym­pto­me, bis nach weni­gen Wochen ein Maxi­mum erreicht ist. Anschlie­ßend bil­den sich die Sym­pto­me in umge­kehr­ter Rei­hen­fol­ge lang­sam über Mona­te hin­weg wie­der zurück. Bei 70% der Betrof­fe­nen kommt es zu einer voll­stän­di­gen Rück­bil­dung ohne blei­ben­de Stö­run­gen. Ca. 5% der Erkrank­ten verster­ben an hin­zu­kom­men­den Kom­pli­ka­tio­nen.

Neben den Sym­pto­men und den Anga­ben des Betrof­fe­nen kön­nen dia­gnos­tisch noch spe­zi­fi­sche Anti­kör­per nach­ge­wie­sen und eine Ent­nah­me von Ner­ven­was­ser (Liquor­punk­ti­on) durch­ge­führt wer­den.

Therapie

The­ra­peu­tisch kom­men die Gabe von Immun­glo­bu­li­nen oder das Her­aus­wa­schen der Anti­kör­per aus dem Blut (Plas­ma­phe­re­se) in Fra­ge. Auch wenn dadurch kei­ne Hei­lung erfolgt, kann es zur Bes­se­rung der Sym­pto­me kom­men.

Vor allem ist eine inten­siv medi­zi­ni­sche Betreu­ung und Über­wa­chung von gro­ßer Bedeu­tung. Bei einer Läh­mung des Zwerch­fells oder schwer­wie­gen­den Regu­la­ti­ons­stö­run­gen der Atmung kann eine Beatmung not­wen­dig sein. Auf­grund der mög­li­chen Fehl­re­gu­la­tio­nen des Herz­schla­ges ist in man­chen Fäl­len auch ein vor­über­ge­hen­der Herz­schritt­ma­cher von Nöten. Sobald sich die Sym­pto­me aus­rei­chend zurück­ge­bil­det haben, muss die Mus­kel­kraft lang­sam wie­der auf­ge­baut wer­den.

Sonderformen

Neben dem cha­rak­te­ris­ti­schen Ver­lauf, kann das Guil­lain-Bar­ré-Syn­drom sich auch anders äußern. Die­se Son­der­for­men basie­ren auf dem glei­chen Mecha­nis­mus wie das Guil­lain-Bar­ré-Syn­drom, unter­schei­den sich aller­dings in man­chen Punk­ten.

Miller-Fisher-Syndrom

Bei die­sem Syn­drom sind über­wie­gend die Hirn­ner­ven betrof­fen. Dem­entspre­chend unter­schei­den sich die Sym­pto­me etwas vom klas­si­schen GBS. Eine Läh­mung der Augen­mus­ku­la­tur und Gang­stö­run­gen sind häu­fig. Trotz­dem gibt es kei­ne nen­nens­wer­ten Unter­schie­de in der Behand­lung.

Chronische inflammatorische demyelisierende Polyneuropathie (CIDP)

Das CIDP ist eine chro­ni­sche Ver­laufs­form des Guil­lain-Bar­ré-Syn­droms. Wäh­rend die Sym­pto­me sich ähneln, schrei­ten sie bei CIDP wesent­lich lang­sa­mer vor­an als beim GBS. Außer­dem kön­nen die Beschwer­den mit der Zeit stär­ker und mal schwä­cher aus­ge­prägt sein und über einen lan­gen Zeit­raum bestehen. Die­se Form spricht gut auf eine medi­ka­men­tö­se The­ra­pie mit Glu­ko­kor­ti­koi­den (Cor­ti­son-Prä­pa­ra­te) an.

Pandysautonomie

Bei die­ser Form steht eine schwe­re Stö­rung des Auto­no­men Ner­ven­sys­tems im Vor­der­grund. Dabei sind bei­spiels­wei­se die Regu­la­ti­on des Kreis­laufs, der Schweiß-/Trä­nen-/Spei­chel­pro­duk­ti­on oder der Kon­trol­le über Darm und Harn­bla­se gestört.