Handysucht – die Droge des digitalen Zeitalters?

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 12.07.2019 Lesezeit: 4 Minuten

Ob in der S-Bahn, im Bett, auf der Arbeit oder sogar auf dem pri­va­ten Ört­chen: Das Han­dy ist mitt­ler­wei­le zu einem unver­zicht­ba­ren All­tags­be­glei­ter gewor­den. In Deutsch­land nut­zen rund 57 Mil­lio­nen Men­schen ein Smart­pho­ne. Das ent­spricht fast 70 Pro­zent der gesam­ten deut­schen Bevöl­ke­rung. Befra­gun­gen zufol­ge liegt die durch­schnitt­li­che Nut­zungs­dau­er pro Tag bei 4,4 Stun­den. Das hört sich für Sie gar nicht so viel an? Ist eine Han­dy­sucht also doch nur eine moder­ne Über­trei­bung oder eine ernst zu neh­men­de Krank­heit?

Handysucht Suchtverhalten Handy Smartphone Sucht
Handysucht – die Droge des digitalen Zeitalters?

Handysucht – existiert so was überhaupt?

Laut ame­ri­ka­ni­schen Stu­di­en gilt als han­dy­süch­tig der­je­ni­ge, der sein Han­dy über 60 Mal am Tag nutzt. Davon sol­len unge­fähr 176 Mil­lio­nen Men­schen welt­weit betrof­fen sein. Dabei sind es nicht nur Kin­der und Jugend­li­che, die ihr Smart­pho­ne nicht aus der Hand las­sen kön­nen, son­dern zuneh­mend Eltern, Men­schen mitt­le­ren Alters und sogar Senio­ren.

Aller­dings ist der Begriff der ‘Han­dy­sucht’ kein offi­zi­el­ler medi­zi­ni­scher Fach­aus­druck, da man im Grun­de genom­men nicht süch­tig nach dem Gerät selbst ist, son­dern viel­mehr nach der Akti­vi­tät, der man auf sei­nem Smart­pho­ne nach­ge­hen kann. Eine gro­ße und vor allem aus­schlag­ge­ben­de Rol­le spie­len bei die­ser Abhän­gig­keit die sozia­len Medi­en.
Ein Leben ohne Insta­gram, Face­book, You­Tube oder Whats­app ist nur noch schwer vor­stell­bar. Des­halb ist die von den sozia­len Netz­wer­ken gepräg­te Genera­ti­on anfäl­li­ger für eine sol­che Sucht als Per­so­nen, die ihr Han­dy nur zum Ver­schi­cken von Mails oder zum Tele­fo­nie­ren nut­zen.

Oft­mals läuft die Han­dy­sucht Hand in Hand mit der soge­nann­ten FOMO (engl.: Fear Of Mis­sing Out), die Angst, etwas zu ver­pas­sen. Das Leben vie­ler Nut­zer spielt sich nicht mehr im Hier und Jetzt ab, son­dern ver­läuft online. Hier­bei ent­steht oft der Drang, über alles und jeden Bescheid zu wis­sen und immer up to date zu sein. Jeder neue Post, Trend oder Clip muss gese­hen, gelikt und geteilt wer­den.
Die­se digi­ta­le Schein­welt steht den Süch­ti­gen in Echt­zeit zur Ver­fü­gung und trägt maß­geb­lich dazu bei, dass man aus der Rea­li­tät flieht.

marktplatz

Zusam­men­ge­fasst gibt es unter ande­rem fol­gen­de Grün­de, wie­so süch­ti­ge Men­schen so oft zu ihrem Han­dy grei­fen:

  • Enter­tain­ment
  • Sie haben Angst, irgend­et­was zu ver­pas­sen.
  • Kom­pen­sa­ti­on feh­len­der rea­ler sozia­ler Kon­tak­te
  • Sie gehen All­tags­kon­flik­ten aus dem Weg.
  • Stress­be­wäl­ti­gung
  • Lan­ge­wei­le

Anzeichen und Folgen

Ob Sie der Han­dy­sucht ver­fal­len sind, lässt sich nicht all­ge­mein dia­gnos­ti­zie­ren, da es kei­ne in der Medi­zin ange­se­he­ne Abhän­gig­keit ist. Außer­dem sind Anzei­chen einer sol­chen Sucht oft­mals schon die Fol­gen selbst, da die­se Betrof­fe­nen oder deren Umfeld nicht sofort auf­fal­len. Es gibt den­noch eini­ge war­nen­de Ver­hal­tens­si­gna­le, die Auf­schluss dar­über geben kön­nen, ob das Han­dy zu oft benutzt wird. Mög­li­che Fol­gen einer über­durch­schnitt­li­chen Smart­pho­ne-Nut­zung sind bei­spiels­wei­se:

  • Unpro­duk­ti­vi­tät
  • Unkon­zen­trier­tes Arbei­ten
  • Leich­te Ablen­kung durch Mobil­ge­rä­te
  • Ent­zugs­er­schei­nun­gen
  • Ver­nach­läs­si­gung von sozia­len Kon­tak­ten
  • Völ­li­ger Rück­zug und Iso­la­ti­on
  • Müdig­keit durch Schlaf­man­gel
  • Depres­sio­nen
  • Feh­len­de Fähig­keit, sich ohne Han­dy zu amü­sie­ren.

Effektive Tipps gegen die Sucht

Die Han­dy­sucht ist in der Regel kei­ne Abhän­gig­keit, die eine medi­zi­ni­sche Behand­lung benö­tigt. Es gibt eini­ge hilf­rei­che Tipps und Tricks, mit denen sich der täg­li­che Gebrauch des Mobil­ge­räts redu­zie­ren lässt. Sie las­sen sich leicht in den All­tag inte­grie­ren, wobei hier­bei ein hohes Maß an Eigen­dis­zi­plin gefragt ist. In Son­der­fäl­len kön­nen auch Bekann­te aus dem nähe­ren Umfeld hin­zu­ge­zo­gen wer­den, um die Nut­zung zu kon­trol­lie­ren.

Zeit­li­mit: Legen Sie sich selbst ein Zeit­fens­ter am Tag fest, in dem Sie Ihr Smart­pho­ne benut­zen dür­fen. Eini­ge neue Mobil­ge­rä­te oder Soci­al-Media-Platt­for­men bie­ten mitt­ler­wei­le sogar die Mög­lich­keit, sich die ver­brauch­te Bild­schirm­zeit anzei­gen zu las­sen. Somit kön­nen Sie kon­trol­lie­ren, wie lan­ge Sie schon online sind und wann Sie das Han­dy aus der Hand legen soll­ten. Ist das Limit für den Tag erreicht, ist es außer­dem hilf­reich, den Flug­mo­dus zu akti­vie­ren, um eine Ablen­kung durch Mit­tei­lun­gen zu ver­hin­dern.

Sepa­ra­tes Laden: Gewöh­nen Sie sich an, Ihr Smart­pho­ne nicht dort zu laden, wo Sie sich auf­hal­ten. Die meis­ten Men­schen haben die Ange­wohn­heit, es mit ins Bett zu neh­men und an der nächst­ge­le­ge­nen Steck­do­se auf­zu­la­den. Sie ver­hin­dern dies, indem Sie Ihr Han­dy bei­spiels­wei­se in einem sepa­ra­ten Zim­mer anste­cken.

In Taschen ver­stau­en: Und damit ist nicht die Hosen­ta­sche gemeint: Denn der Weg zu den Taschen Ihrer Klei­dungs­stü­cke ist ver­füh­re­risch kurz. Ver­stau­en Sie Ihr Mobil­ge­rät am bes­ten in einem Ruck­sack oder einer Hand­ta­sche mit Reiß­ver­schluss, sodass Sie nicht auto­ma­tisch dar­auf zugrei­fen kön­nen.

Kein Smart­pho­ne auf dem Tisch: Sie tref­fen sich mit Freun­den auf einen Kaf­fee oder mit dem Part­ner im Restau­rant? Dann trai­nie­ren Sie es sich an, das Han­dy immer ver­staut zu las­sen. Legen Sie es nicht auf den Tisch oder in Ihre Nähe. Wenn mög­lich, kön­nen Sie Ihr Gerät kom­plett zuhau­se las­sen. Das wird nicht nur Ihre Gesell­schaft freu­en, son­dern ver­hilft dazu, sich in der sozia­len rea­len und nicht der digi­ta­len Welt auf­zu­hal­ten.


Ana­lo­ge Uhr: Vie­len han­dy­süch­ti­gen Men­schen hilft es, sich eine Arm­band­uhr oder einen Wecker anzu­schaf­fen, der den Gebrauch eines Smart­pho­nes für die­se Zwe­cke über­flüs­sig macht.

Ohne Han­dy unter­wegs: Sie müs­sen schnell zum Bäcker, kurz zur Post oder ein­fach nur auf die Toi­let­te? Dann las­sen Sie Ihr Smart­pho­ne zuhau­se bezie­hungs­wei­se in einem ande­ren Zim­mer lie­gen. Ver­su­chen Sie immer, den best­mög­li­chen Weg zu fin­den, ohne Han­dy unter­wegs zu sein.

Soci­al-Media-Akti­vi­tät redu­zie­ren: Da die sozia­len Netz­wer­ke einer der größ­ten Zeit­fres­ser sind, ist es sinn­voll den Gebrauch sol­cher Apps auf das Nötigs­te zu redu­zie­ren. Oft­mals ist es am effek­tivs­ten, die­se zu deinstal­lie­ren oder sich nach der Nut­zung immer abzu­mel­den. Außer­dem kann es hilf­reich sein, sie so auf dem Smart­pho­ne zu plat­zie­ren, dass der Weg die App zu öff­nen län­ger als nur ein Berüh­rungs­punkt ist. Unter­ord­ner kön­nen hier Ord­nung schaf­fen.

Erin­ne­run­gen akti­vie­ren: Nut­zen Sie die Erin­ne­rungs- oder Notiz­funk­ti­on Ihres Han­dys oder stel­len Sie sich regel­mä­ßi­ge Wecker, die Sie dar­auf hin­wei­sen, Ihr Han­dy weg­zu­le­gen. Es kann auch effek­tiv sein, eine Notiz direkt als Hin­ter­grund des Bild­schirms ein­zu­stel­len. So wer­den Sie beim Ent­sper­ren Ihres Smart­pho­nes dar­an erin­nert, es nicht zu lan­ge in der Hand zu haben.

Quellen

  • impulse.de
  • stern.de/neon
  • faz.net

Han­dy­sucht – die Dro­ge des digi­ta­len Zeit­al­ters?

5 (100%) 1 Stimme[n]



Dis­c­lai­mer
Den Shop durchsuchen
Das könnte Sie auch interessieren
    Nichts mehr verpassen. Gesundheitstrends, Ratgeberartikel und vieles mehr direkt im Posteingang.
    Nach oben