Gezielte Linderung bei HWS-Syndrom

Arzt tastet HWS von Patientin ab

Gezielte Linderung bei HWS-Syndrom

Das Hals­wir­bel­säu­len­syn­drom (HWS), auch Zer­vi­kal­syn­drom genannt, fasst als Sym­ptom­kom­plex Beschwer­den zusam­men, wel­che im Bereich der Hals­wir­bel­säu­le ihren Aus­gang neh­men. Das HWS-Syn­drom ist ein in der ortho­pä­di­schen Pra­xis häu­fig auf­tre­ten­des Beschwer­de­bild mit aku­tem oder chro­ni­schem Ver­lauf. Ins­be­son­de­re Pati­en­ten, wel­che dau­er­haft unter Ein­schrän­kun­gen auf­grund einer Erkran­kung der Hals­wir­bel­säu­le lei­den, sind in ihrem All­tag oft stark beein­träch­tigt. Die über­wie­gen­de Anzahl der Hals­wir­bel­säu­len­syn­dro­me ist mus­ku­lär bedingt. Ver­span­nun­gen der Mus­ku­la­tur der Hals­wir­bel­säu­le füh­ren in die­sen Fäl­len also zu den typi­schen Beschwer­den. Ver­ur­sacht wer­den die­se vor allem durch Fehl­hal­tun­gen in Beruf oder Frei­zeit. Typisch für mus­ku­lä­re Ver­span­nun­gen der Hals­wir­bel­säu­le sind aus­strah­len­de Beschwer­den im Bereich des Nackens bis hin zu bei­den Schul­tern.

Strahlen Beschwerden in die Arme aus, sollte dringend der Arzt aufgesucht werden

Das HWS-Syn­drom ist also oft mit Sym­pto­men ver­ge­sell­schaf­tet, wie sie typi­scher­wei­se auch beim Span­nungs­kopf­schmerz vor­kom­men. Da die Über­gän­ge der ver­schie­de­nen Kopf­schmerz­for­men und des HWS-Syn­droms in der Pra­xis häu­fig flie­ßend sind, ist trotz auf­wen­di­ger Dia­gnos­tik eine kla­re Dia­gno­se nicht in allen Fäl­len mög­lich. Häu­fig ver­schwin­den die Beschwer­den nach eini­gen Tagen oder Wochen auch von selbst. Wenn dies nicht der Fall ist, soll­te unbe­dingt der Arzt auf­ge­sucht wer­den. Das gilt auch für alle Beschwer­den im Zusam­men­hang mit der Hals­wir­bel­säu­le, wel­che über rei­ne Mus­kel­ver­span­nun­gen hin­aus­ge­hen. Sind Ner­ven­ge­flech­te im Bereich der Hals­wir­bel­säu­le irri­tiert und somit an der Schmerz­ent­ste­hung betei­ligt, kommt es häu­fig zur Aus­strah­lung der Beschwer­den in einen oder bei­de Arme. In die­sen Fäl­len spre­chen Ärz­te auch von Zer­vi­ko­bra­chi­al­gie.

Die Ursachenforschung beim HWS-Syndrom gleicht oft einer Detektivarbeit

Trotz bild­ge­ben­der Ver­fah­ren wie Rönt­gen oder Magnet­re­so­nanz­to­mo­gra­fie (MRT) lässt sich nicht immer ein offen­sicht­li­cher Aus­lö­ser für das HWS-Syn­drom her­aus­fin­den. Die Ursa­chen kön­nen viel­fäl­tig sein. Neben meist unkom­pli­zier­ten, den­noch sehr schmerz­haf­ten mus­ku­lä­ren Ver­span­nun­gen kann sich hin­ter einem HWS-Syn­drom auch eine ange­bo­re­ne Insta­bi­li­tät der Hals­wir­bel­kör­per, eine Arthro­se oder eine unna­tür­li­che Kopf­la­ge­rung in der Schlaf­pha­se ver­ber­gen. Wer häu­fi­ger unter einem Hals­wir­bel­säu­len­syn­drom lei­det, soll­te unbe­dingt alles dar­an set­zen, den Aus­lö­ser abzu­klä­ren. Denn nur so wird eine kau­sa­le, also ursa­chen­be­zo­ge­ne The­ra­pie mög­lich. Fehl­hal­tun­gen bei der Com­pu­ter­ar­beit, beim Lesen oder beim Fahr­rad­fah­ren kön­nen ein Hals­wir­bel­säu­len­syn­drom eben­so begüns­ti­gen, wie eine Schwan­ger­schaft oder Über­ge­wicht.

Chronische Verläufe oft nur noch schwer therapierbar

Auch Per­so­nen mit viel nega­ti­vem Stress oder einer über­trie­be­nen Selbst­be­ob­ach­tung mit Ängst­lich­keit und Nei­gung zu Depres­sio­nen lei­den häu­fi­ger am HWS-Syn­drom. Wenn die ärzt­li­che Befra­gung, Ana­mne­se, also Hin­wei­se auf psy­chi­sche Aus­lö­ser ergibt, kann oft eine Ver­hal­tens­the­ra­pie dazu bei­tra­gen, die schmerz­haf­ten Ver­span­nun­gen im Bereich der Hals­wir­bel­säu­le dau­er­haft wie­der zu lösen. Bei einer Psy­cho­the­ra­pie müs­sen die Pati­en­ten jedoch etwas Geduld mit­brin­gen, bis die Beschwer­den dau­er­haft über­wun­den wer­den kön­nen. Obwohl die Selbst­hei­lungs­ten­denz bei Zer­vi­kal­syn­dro­men im Ver­gleich zu ande­ren Schmerz­er­kran­kun­gen recht hoch ist, soll­ten den­noch aku­te Fäl­le immer behan­delt wer­den, um eine Chro­ni­fi­zie­rung zu ver­mei­den. Denn chro­ni­sche Beschwer­den der Hals­wir­bel­säu­le füh­ren oft ein Eigen­le­ben, auch wenn die eigent­li­che Schmerz­ur­sa­che längst besei­tigt wur­de.

Quaddeltherapie bei akutem HWS-Syndrom

Wenn ein Pati­ent die Ursa­che sei­ner Beschwer­den an der Hals­wir­bel­säu­le genau kennt, kann prä­ven­tiv, also vor­beu­gend vie­les selbst getan wer­den, damit die Sym­pto­me nicht mehr oder kaum noch auf­tre­ten. Ursa­chen­be­zo­gen haben sich Chi­ro­the­ra­pie, Kine­sio-Taping, Reiz­strom­be­hand­lun­gen sowie Phy­sio­the­ra­pie mit Mas­sa­ge als hilf­reich gegen die unter­schied­li­chen For­men des HWS-Syn­droms erwie­sen. Wenn eine Ein­zel­maß­nah­me nicht wei­ter­hilft, kommt häu­fig auch eine Kom­bi­na­ti­on aus ver­schie­de­nen Behand­lungs­me­tho­den zum Ein­satz, um den gewünsch­ten Effekt einer Schmerz­lin­de­rung zu erzie­len. In aku­ten Fäl­len kann das Set­zen soge­nann­ter Quad­deln im Bereich des Nackens bis zur Schul­ter eine deut­li­che Schmerz­lin­de­rung ver­schaf­fen. Dabei wer­den mit fei­nen Nadeln loka­le Betäu­bungs­mit­tel unter die Haut gespritzt.

Wärme ist nicht bei allen Formen des HWS-Syndroms hilfreich

Lang­fris­tig kön­nen Pati­en­ten das Wie­der­auf­tre­ten eines Hals­wir­bel­säu­len­syn­droms durch geziel­te sport­li­che Akti­vi­tät und Stress­ab­bau ver­mei­den. Im Vor­der­grund ste­hen dabei sanf­te Dehn­übun­gen, um auch die tie­fer­lie­gen­den Mus­kel­schich­ten im Bereich der Hals­wir­bel­säu­le zu lockern. Außer­dem soll­te alles dafür getan wer­den, die Mus­kel­par­ti­en im Bereich des Nackens und der Schul­ter zu kräf­ti­gen. Vie­le Pati­en­ten mit einem Hals­wir­bel­säu­len­syn­drom emp­fin­den eine Behand­lung mit Wär­me als ange­nehm. Für die­sen Zweck ste­hen bei­spiels­wei­se Rot­licht, Fan­go oder der Auf­ent­halt in einem Becken mit war­mem Ther­mal­was­ser zur Ver­fü­gung. Bei ner­ven­be­ding­ten, ent­zünd­li­chen Ver­än­de­run­gen im Bereich der Hals­wir­bel­säu­le hat sich jedoch die punk­tu­el­le Behand­lung mit Käl­te bes­tens bewährt.