Eisenmangel – Eine weltweite Volkskrankheit

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 12.07.2019 Lesezeit: 5 Minuten

An Eisen­man­gel sind laut der World Health Orga­ni­sa­ti­on (kurz WHO) über zwei Mil­li­ar­den Men­schen erkrankt. Somit ist die­se Krank­heit der häu­figs­te Grund für eine Anämie. Defi­niert wird die­ser über die Ver­min­de­rung des Kör­perei­sen­ge­hal­tes. Viel­leicht erken­nen Sie eini­ge Sym­pto­me wie­der? Lesen Sie hier alle wich­ti­gen Infor­ma­tio­nen über die Volks­krank­heit.

Das Wich­tigs­te in Kür­ze:
  • Eisen ist ein lebens­wich­ti­ges Spu­ren­ele­ment und kann vom Kör­per nicht selbst erzeugt wer­den.
  • Ein Eisen­man­gel (Sidero­pe­nie), kann das täg­li­che Leben nega­tiv beein­flus­sen.
  • Ein Man­gel wird durch das Blut­bild fest­ge­stellt.
  • Die Krank­heit ver­läuft in drei Sta­di­en.
  • Es gibt ver­schie­de­ne The­ra­pie­mög­lich­kei­ten sowie Wege, der Krank­heit vor­zu­beu­gen.
Eisenmangel Anämie
Eisenmangel – Eine weltweite Volkskrankheit

Was ist Eisen?

Eisen ist ein im Kör­per vor­han­de­nes essen­zi­el­les (lebens­wich­ti­ges) che­mi­sches Spu­ren­ele­ment. Die­ses trägt den Buch­sta­ben Fe (Latein: Fer­rum) im Peri­oden­sys­tem, bin­det Sauer­stoff und sorgt unter ande­rem für den Trans­port des Sauer­stoffs zu den ein­zel­nen Zel­len. Der lebens­not­wen­di­ge Mine­ral­stoff ist Bestand­teil des Hämo­glo­bins, dem roten Blut­farb­stoff.

Das ein­ge­la­ger­te Eisen im Hämo­glo­bin, das wie­der­um Bestand­teil der roten Blut­kör­per­chen ist, sorgt dafür, dass unser Blut rot erscheint. Wir ken­nen die­se Rot­fär­bung zum Bei­spiel von Eisen­oxid (Rost).

Des Wei­te­ren ist das Eisen an Stoff­wech­sel­pro­zes­sen betei­ligt, bei­spiels­wei­se unter­stützt es bei Kin­dern die Gehirn­ent­wick­lung. Hin­sicht­lich des­sen, dass der Kör­per die­ses Ele­ment nicht her­stel­len kann, muss Eisen über eine aus­ge­wo­ge­ne Ernäh­rung hin­zu­ge­führt wer­den.

Im mensch­li­chen Kör­per fin­den sich zwi­schen 2 und 5 Gramm Eisen wie­der, dies hängt von jedem Indi­vi­du­um und sei­ner Lebens­wei­se ab. Von die­sem wer­den rund zwei Drit­tel für den Trans­port der roten Blut­kör­per­chen, dem Hämo­glo­bin benö­tigt.

Unser Kör­per benö­tigt nur etwa 1 mg Eisen­zu­fuhr pro Tag, da aller­dings nur etwa 10 Pro­zent des Eisens aus der Nah­rung vom Kör­per auf­ge­nom­men wird, soll­te man unbe­dingt regel­mä­ßig Eisen­lie­fe­ran­ten in den Spei­se­plan ein­bau­en. Zu die­sen Lie­fe­ran­ten zäh­len unter ande­rem: Fleisch, Leber, Voll­korn­pro­duk­te oder Hül­sen­früch­te.

Wozu benötige ich Eisen?

Eine Sidero­pe­nie (griech. σίδηρος síde­ros „Eisen“ und πενία, penía „Man­gel“) auch bekannt als Eisen­man­gel kann durch vie­le unter­schied­li­che Fak­to­ren und durch die unter­schied­li­che Lebens­wei­se eines jeden ein­zel­nen ent­ste­hen.

Wäh­rend alle Men­schen täg­lich durch Stuhl­gang, Urin oder klei­ne­re Ver­let­zun­gen eine klei­ne Men­ge an Eisen ver­lie­ren, lei­den mehr Frau­en als Män­ner an die­sem Krank­heits­bild, da die­se durch die monat­li­che Peri­ode und dem damit ver­bun­de­nen Blut­ver­lust durch­schnitt­lich 15 mg – 40 mg Eisen ver­lie­ren. Durch die­sen offen­sicht­li­chen oder auch ver­steck­ten Blut­ver­lust ent­steht ein erhöh­ter Eisen­be­darf.

Des Wei­te­ren för­dern bestimm­te Ernäh­rungs­for­men wie die vege­ta­ri­sche (Ernäh­rung ohne Fleisch) oder vega­ne (rein pflanz­li­che) Ernäh­rung die­ses Defi­zit. Ein erheb­li­cher Anteil des benö­tig­ten Eisens durch den Ver­zehr von rotem Fleisch auf­ge­nom­men wird, wel­ches von die­sen Per­so­nen­grup­pen nicht kon­su­miert wird. Erschwe­rend kommt hin­zu, dass das Eisen aus pflanz­li­chen Quel­len schlech­ter vom Kör­per auf­ge­nom­men wird, als aus tie­ri­schen Quel­len. Daher soll­te man bei einer fleisch­lo­sen Ernäh­rung beson­ders dar­auf ach­ten, dass man Lebens­mit­tel zu sich nimmt, die eine Eisen­auf­nah­me unter­stüt­ze, wie etwa Vit­amin-C-hal­ti­ge Pro­duk­te und gleich­zei­tig die mei­den, die die Eisen­auf­nah­me behin­dern, wie etwa Kaf­fee oder Tee.

Zudem kön­nen wei­te­re Fak­to­ren wie die Ein­nah­me bestimm­ter Medi­ka­men­te, Ope­ra­tio­nen oder ein gene­ti­scher Defekt den Eisen­man­gel begüns­ti­gen.

Welche Folgen kann der Eisenmangel haben?

Der Man­gel an Eisen kann zur Blut­ar­mut, der Eisen­man­gelan­ämie füh­ren.

Zuvor stel­len Betrof­fe­ne oft­mals die­se Beschwer­den fest:

  • Abge­schla­gen­heit
  • Kopf­schmer­zen
  • Schwin­del
  • chro­ni­sche Müdig­keit (Fati­gue Syn­drom)
  • Schlaf­stö­run­gen
  • Haar­aus­fall (Alope­zie)
  • Nagel­brü­chig­keit
  • mus­ku­lä­re Schwä­che
  • Kogni­ti­ve Stö­run­gen
  • Rest­less leg Syn­drom

In vie­len Fäl­len führt eine Über­prü­fung des Blut­bil­des zur Auf­de­ckung einer ernst­zu­neh­men­den Krank­heit,die fol­gen­de sein könn­ten:

  • Krebs­er­kran­kun­gen,
  • Hämo­dia­ly­se,
  • Magen-Darm-Erkran­kun­gen (bei­spiel­wei­se bei regel­mä­ßi­ger Ein­nah­me von Medi­ka­men­ten)
  • Chro­ni­sche Erkran­kun­gen von Herz, Leber oder Nie­ren

Wie stellt der Arzt einen Mangel fest?

Im Blut­bild lässt sich fest­stel­len, wie die Blut­kör­per­chen aus­se­hen. Sind sie unna­tür­lich klein oder blass?

Ist der Hämo­glo­bin­wert unter dem der WHO emp­foh­le­nen Wert?

Die­ser liegt bei Frau­en bei 12.0 g/ dl, bei Män­nern bei 13.0 g /dl.

Hämo­glo­bin wird als Hb-Wert gemes­sen, die­ser gibt die Kon­zen­tra­ti­on der roten Blut­kör­per­chen an. Ist die­ser unter dem Nor­mal­wert wird eine Anämie, die Blut­ar­mut, fest­ge­stellt. Jedoch muss hier­bei beach­tet wer­den, dass der Hb-Wert nur Aus­sa­ge über das Eisen im Blut zulässt und nichts über den „Füll­stand“ der Eisen­spei­cher aus­sagt.

Daher muss eine wei­te­re Unter­su­chung des Blu­tes erfol­gen. Die­ses Mal wird das Serum-Fer­ri­tin vom Arzt unter­sucht. Die­ser kann über den Wert des Fer­ri­tins fest­stel­len, ob aus­rei­chend Eisen im Kör­per vor­han­den ist, oder ob ein Man­gel vor­liegt. Die­ses Defi­zit lässt sich sogar quan­ti­fi­zie­ren. Falls ein Eisen­man­gel vor­liegt, wird nun eine Ursa­chen­for­schung betrie­ben.

Der Arzt wird zur Dia­gno­se der Anämie nicht aus­schließ­lich das Serum-Eisen mes­sen. Die­ser Wert ist allein nicht aus­sa­ge­kräf­tig, da er star­ken Schwan­kun­gen unter­wor­fen ist. Wur­de kurz vor der Blut­ent­nah­me ein sehr eisen­hal­ti­ges Nah­rungs­mit­tel zu sich genom­men, kann es den Wert beein­flus­sen.

Wie verläuft die Krankheitsgeschichte?

Der Krank­heits­ver­lauf wird in drei Sta­di­en unter­teilt.

Sta­di­um I – Spei­che­rei­sen­man­gel Eisen­man­gel:

Anfangs zehrt der Kör­per von sei­nen Reser­ven bis die­se auf­ge­braucht sind.

Die­ses Sta­di­um läuft meist ohne Sym­pto­me ab. Hämo­glo­bin wird noch im Kno­chen­mark gebil­det.

Sta­di­um II – eisen­de­fi­zi­tä­ren Ery­thro­poe­se Eisen­man­gel:

Die Zel­len wer­den nicht mehr aus­rei­chend mit Eisen ver­sorgt, da die „Spei­cher“ leer sind, ers­te Sym­pto­me wie Haar­aus­fall, Schmer­zen beim Schlu­cken und tro­cke­ne Haut kön­nen die Fol­ge sein.

Die Hämo­glo­bin­bil­dung wird gestört, befin­det sich aber noch im Norm­be­reich.

Sta­di­um III – Eisen­man­gelan­ämie:

Der Eisen­man­gel ist so weit fort­ge­schrit­ten, dass er sich in vie­len unter­schied­li­chen Beschwer­den bemerk­bar machen kann. Die­se wären zum Bei­spiel: Kopf­schmer­zen, Bläs­se oder chro­ni­sche Müdig­keit.

Der Hämo­glo­bin­wert ist nun weit unter­schrit­ten.

Therapiemöglichkeiten:

Zunächst betreibt der zustän­di­ge Arzt eine Ursa­chen­for­schung, um die­se zu besei­ti­gen.

Anschlie­ßend kön­nen ver­schie­de­ne Wege ein­ge­schla­gen wer­den, um den Eisen­man­gel zu behe­ben.

  • Ora­le Sup­ple­men­ta­ti­on:

Oft­mals wer­den Eisen­ta­blet­ten ver­schrie­ben. Die­se kann man als her­kömm­li­che Tablet­ten oder in gelös­ter Form zu sich neh­men.

  • Intra­ve­nö­se Sup­ple­men­ta­ti­on:

Eben­falls kann Eisen durch Infu­sio­nen direkt in die Venen ein­ge­führt wer­den.

Wer ist besonders betroffen?

Beson­ders betrof­fen vom Eisen­man­gel sind Schwan­ge­re und stil­len­de Müt­ter. Schwan­ge­re soll­ten etwa dop­pelt so viel Eisen wie ein her­kömm­li­cher Erwach­se­ner zu sich neh­men, da das Spu­ren­ele­ment für die Ent­wick­lung des her­an­wach­sen­den Kin­des maß­geb­lich ist. Zudem kann ein Man­gel bei der Mut­ter eine Früh­ge­burt oder Unter­ernäh­rung des Babys als Fol­ge nach sich zie­hen.

Nach der Geburt muss die jun­ge Mut­ter eben­falls auf eine eisen­rei­che Ernäh­rung ach­ten, da die­se bei der Geburt bis zu 250 Mil­li­gramm Eisen ver­liert.

Zudem kommt oft­mals ein Man­gel bei Kin­dern vor, die das Eisen für ein gesun­des Wachs­tum benö­ti­gen. Eisen­man­gel zeigt sich bei jun­gen Her­an­wach­sen­den durch die bekann­te Antrieb­lo­sig­keit nach dem Schul­all­tag und eine stän­di­ge Bläs­se im Gesicht.

Älte­re Men­schen kön­nen unbe­wusst durch bestimm­te Medi­ka­men­te ihre Eisen­zu­fuhr hem­men. Vie­le Senio­ren neh­men Medi­ka­men­te, um ihre Magen­schleim­haut zu schüt­zen. Die­se mil­dern das sau­re Milieu ab, wel­ches das Eisen benö­tigt, um gut auf­ge­nom­men zu wer­den.

Eisenmangel vorbeugen

Gesun­de Men­schen kön­nen einen Eisen­man­gel durch eine gesun­de Lebens­wei­se ver­hin­dern.

Nah­rungs­zu­fuhr:

„Alle­ses­ser“: rotes Fleisch, Fisch, Leber

Vege­ta­ri­er und Vega­ner: Hül­sen­früch­te, Getrei­de­pro­duk­te, Nüs­se und Samen, Pil­ze, Boh­nen

Gemü­se ent­hält weni­ger Eisen als Fleisch, wodurch Vege­ta­ri­er und Vega­ner mehr davon essen müs­sen, um einem Defi­zit ent­ge­gen­zu­wir­ken.

Ver­stär­kung der Eisen­auf­nah­me:

Lebens­mit­tel, wel­che Vit­amin C ent­hal­ten

Es gibt jedoch auch Nah­rungs­mit­tel, wel­che sich hem­mend auf die Eisen­auf­nah­me aus­wir­ken:

  • Schwarz­tee
  • Milch­pro­duk­te
  • Weiß­mehl­pro­duk­te
  • Kaf­fee

Wenn Sie nun Sym­pto­me und Ver­hal­ten bei sich selbst wie­der­erken­nen, dann scheu­en Sie sich bit­te nicht, Ihren Haus­arzt auf­zu­su­chen, wel­cher Sie unter­su­chen und Ihnen gege­be­nen­falls Blut abneh­men wird, um die­ses zu unter­su­chen.

Quellen

Eisen­man­gel – Eine welt­wei­te Volks­krank­heit

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