Desensibilisierung / Hyposensibilisierung: Alle Infos

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    Bei der Desen­si­bi­li­sie­rung (auch Hypo­sen­si­bi­li­sie­rung genannt) soll das Immun­sys­tem an all­er­gie­aus­lö­sen­den Stof­fe gewöhnt wer­den, damit All­er­gien lang­fris­tig behan­delt wer­den kön­nen.

    Erfah­ren Sie hier, wie eine Desen­si­bi­li­sie­rung abläuft, wel­che Risi­ken die Immun­the­ra­pie birgt und wel­che Kos­ten bei der Behand­lung auf Sie zukom­men.

    Desensibilisierung und Hyposensibilisierung
    Desensibilisierung / Hyposensibilisierung: Alle Infos

    Was ist eine Desensibilisierung?

    Die Desen­si­bi­li­sie­rung (der exak­te Begriff ist hier Hypo­sen­si­bi­li­sie­rung) dient zur Behand­lung von All­er­gien. Sie ist bei­spiels­wei­se hilf­reich bei Pol­len­all­er­gie, Bie­nen- und Wes­pen­all­er­gie und All­er­gien gegen Haus­staub­mil­ben und Tier­haa­re.

    Die spe­zi­fi­sche Immun­the­ra­pie hat das Ziel, Pati­en­ten wie­der beschwer­de­frei leben las­sen zu kön­nen. Bei die­ser Art der The­ra­pie wird das Immun­sys­tem mit gerin­gen Men­gen des All­er­gens sen­si­bi­li­siert.

    Durch die­se schritt­wei­se Gewöh­nung an die all­er­gie­aus­lö­sen­de Sub­stanz kön­nen die Sym­pto­me in vie­len, lei­der nicht in allen Fäl­len über­wun­den wer­den. Um den gewünsch­ten Effekt zu erzie­len, sind in der Regel The­ra­pie­sit­zun­gen über meh­re­re Mona­te und Jah­re erfor­der­lich, wes­halb All­er­gi­ker Geduld mit­brin­gen müs­sen, um mit die­ser Behand­lungs­me­tho­de Erfol­ge zu erzie­len.

    Bei der klas­si­schen Hypo­sen­si­bi­li­sie­rung erstreckt sich die Behand­lung über 3 Jah­re, wobei der jewei­li­ge All­er­gen­ex­trakt in das Fett­ge­we­be des Ober­arms inji­ziert wird. Obwohl die All­er­gen­men­gen bei die­ser Injek­ti­on sehr gering sind, muss der Pati­ent anschlie­ßend den­noch über­wacht wer­den, um mög­li­che ana­phy­lak­ti­sche Reak­tio­nen aus­zu­schlie­ßen.

    Das Wich­tigs­te in Kür­ze:
    • All­er­gien kön­nen mit einer Desen­si­bi­li­sie­rung behan­delt wer­den.
    • Das Ziel der Behand­lung ist die Mini­mie­rung der All­er­gie­sym­pto­me.
    • Eine Desen­si­bi­li­sie­rung ist nicht für jeden All­er­gi­ker geeig­net.
    • Die Kos­ten für die Hypo­sen­si­bi­li­sie­rung über­nimmt in der Regel die Kran­ken­kas­se.

    Nutzen der Desensibilisierung sollte die Risiken übersteigen

    Falls All­er­gien durch die­se Metho­de nicht geheilt wer­den kön­nen, so ist es doch in vie­len Fäl­len mög­lich, wenigs­tens Sym­pto­me zu lin­dern oder den krank­heits­be­ding­ten Ver­lauf abzu­schwä­chen.

    Bei Pati­en­ten, wel­che unter meh­re­ren All­er­gien gleich­zei­tig lei­den, kann die Desen­si­bi­li­sie­rung eben­falls mit Erfolg ein­ge­setzt wer­den. Dies soll­te dann bei einem erfah­re­nen Fach­arzt (All­er­go­lo­gen, Der­ma­to­lo­gen) erfol­gen.

    Gemäß der ärzt­li­chen Leit­li­ni­en ist die­se The­ra­pie­me­tho­de ins­be­son­de­re dann Erfolg ver­spre­chend, wenn Pati­en­ten unter einer All­er­gie des soge­nann­ten Sofort­typs lei­den, wel­che sich häu­fig durch einen beson­ders schwe­ren Ver­lauf kenn­zeich­nen.

    Außer­dem wird die Hypo­sen­si­bi­li­sie­rung ein­ge­setzt, wenn sich der fort­wäh­ren­de Kon­takt mit dem All­er­gen nicht oder kaum ver­mei­den lässt.

    Wich­tig: Es soll­te zuvor jedoch eine Nut­zen-Risi­ken-Kal­ku­la­ti­on vor­ge­nom­men wer­den. Der mög­li­che Nut­zen einer Hypo­sen­si­bi­li­sie­rung soll­te also die Risi­ken bei Wei­tem über­stei­gen. Ob dies mög­lich ist, muss indi­vi­du­ell im Ein­zel­fall durch den Arzt für All­er­go­lo­gie abge­klärt wer­den.

    Bei wem wird die Desensibilisierung angewandt?

    Zunächst muss geprüft wer­den, ob der Pati­ent für die Desen­si­bi­li­sie­rung geeig­net ist. Dies geschieht in der Regel durch die Erhe­bung des kör­per­li­chen Befun­des und durch spe­zi­el­le Blut­un­ter­su­chun­gen des Immun­sys­tems.

    Die Desen­si­bi­li­sie­rung ist also längst nicht für jeden All­er­gi­ker geeig­net. Kon­tra­in­di­ka­tio­nen für eine Hypo­sen­si­bi­li­sie­rung und damit nicht geeig­ne­te Per­so­nen­grup­pen sind:

    • Schwan­ge­re Frau­en (Schwan­ger­schaft vor Beginn der Hypo­sen­si­bi­li­sie­rung)
    • Per­so­nen mit Herz­kreis­lauf-Krank­hei­ten
    • Ein­nah­me von Beta-Blo­ckern
    • Per­so­nen mit Auto­im­mun­erkran­kun­gen
    • Per­so­nen mit unkon­trol­lier­tem Asth­ma
    • Per­so­nen, die sich kürz­lich einer Schutz­imp­fung unter­zo­gen haben
    • Bei aktu­el­len aku­tem Infekt

    Bei Pati­en­ten mit chro­ni­schem Heu­schnup­fen muss die­se The­ra­pie­form in der Regel jähr­lich immer wie­der neu wie­der­holt wer­den. Denn die in der Luft umher­flie­gen­den Pol­len­all­er­ge­ne unter­lie­gen einer gro­ßen Varia­bi­li­tät, ändern sich also stän­dig.

    Ziel und Idee der Desensibilisierung

    Ziel der Desen­si­bi­li­sie­rung ist es, dass das kör­per­ei­ge­ne Immun­sys­tem mög­lichst wie­der ganz nor­mal reagiert. Bei All­er­gi­kern reagiert das Immun­sys­tem aus oft nicht bekann­ten Grün­den völ­lig unkon­trol­liert und über­emp­find­lich mit den ent­spre­chend läs­ti­gen Sym­pto­men.

    Im Zuge der all­er­gi­schen Reak­ti­on wer­den soge­nann­te Mast­zel­len aktiv, wel­che bei einem erneu­ten Kon­takt mit dem All­er­gen gro­ße Men­gen an Hist­amin und ande­ren Boten­stof­fen aus­schüt­ten. In der Fol­ge kommt es zu Atem­not, Juck­reiz, Fließ­schnup­fen oder viel­fäl­ti­gen ande­ren all­er­gi­schen Sym­pto­men.

    Das direk­te Ziel der Hypo­sen­si­bi­li­sie­rung ist es also, die­se über­schie­ßen­de Reak­ti­on abzu­mil­dern und so lang­fris­tig posi­ti­ve Ver­än­de­run­gen der Lebens­qua­li­tät zu bewir­ken.

    Eine erfolgreiche Desensibilisierung verschafft langfristig Beschwerdefreiheit

    Der Erfolg einer Desen­si­bi­li­sie­rung bemisst sich dar­in, inwie­weit bekann­te Sym­pto­me rück­läu­fig sind oder auch ob weni­ger Anti­all­er­gi­ka benö­tigt wer­den. Ziel einer sol­chen Immun­the­ra­pie ist immer die mög­lichst lang­fris­ti­ge Beschwer­de­frei­heit.

    Lei­der kann die Hypo­sen­si­bi­li­sie­rung aber längst nicht allen Men­schen mit All­er­gien hel­fen. Typi­scher­wei­se glie­dert sich der Ablauf einer Hypo­sen­si­bi­li­sie­rung in 2 Abschnit­te:

    • die Anfangs­be­hand­lung
    • sowie die Erhal­tungs­pha­se.

    Anfangsbehandlung

    Wäh­rend der Anfangs­be­hand­lung, wel­che auch als Stei­ge­rungs­pha­se bezeich­net wird, erhal­ten Pati­en­ten wöchent­lich einen defi­nier­ten Extrakt des All­er­gens unter die Haut gespritzt. Von Woche zu Woche wird nun die Men­ge des All­er­gens gestei­gert, bis zu einer eben­falls defi­nier­ten Maxi­mal­do­sis.

    Erhaltungsphase

    Wer­den die­se All­er­gen-Appli­ka­tio­nen anstands­los ver­tra­gen, erfolgt der Über­gang in die Erhal­tungs­pha­se. Dabei wird jeweils die Maxi­mal­do­sis des All­er­gens ein­mal monat­lich inji­ziert. Die Desen­si­bi­li­sie­rung gegen eine Insek­ten­gift­all­er­gie kann sich bis zu 5 Jah­re hin­zie­hen.

    Risiken und Nebenwirkungen der Desensibilisierung

    Zusam­men­ge­fasst sind fol­gen­de Neben­wir­kun­gen mög­lich:

    • all­er­gi­sche Reak­tio­nen und Rötun­gen an der Ein­stich­stel­le
    • Juck­reiz oder Schwel­lun­gen
    • Nes­sel­sucht oder Asth­ma bron­chia­le
    • all­er­gi­scher Schock (in sehr sel­te­nen Fäl­len)

    Soll­ten wäh­rend jeder Pha­se einer Desen­si­bi­li­sie­rung schwe­re Neben­wir­kun­gen in Form einer Ana­phy­la­xie (aku­te, all­er­gi­sche Reak­ti­on des Immun­sys­tems) auf­tre­ten, so wird die Behand­lung sofort abge­bro­chen. Loka­le all­er­gi­sche Reak­tio­nen wie Rötung oder Juck­reiz an der Ein­stich­stel­le sind jedoch in der Regel nor­mal und unpro­ble­ma­tisch.

    Um die Behand­lung so sicher wie mög­lich zu machen, blei­ben Betrof­fe­ne nach der Injek­ti­on meist eine hal­be Stun­de unter ärzt­li­cher Beob­ach­tung, um zu prü­fen, wie der Pati­ent auf die Behand­lung reagiert.

    FAQ: Häufige Fragen schnell beantwortet

    Wer pro­fi­tiert beson­ders von der Immun­the­ra­pie?

    Per­so­nen mit Insektengift‑, Pol­len- und auch Haus­staub­mil­ben­all­er­gie spre­chen den Erfah­run­gen nach beson­ders gut auf die Desen­si­bi­li­sie­rung an. Auch all­er­gi­sches Asth­ma kann häu­fig erfolg­reich behan­delt wer­den.

    Muss ich die The­ra­pie sel­ber zah­len?

    Nein, in der Regel über­nimmt die Kran­ken­kas­se die Kos­ten der Hypo­sen­si­bi­li­sie­rung.

    Wel­che For­men der Hypo­sen­si­bi­li­sie­rung gibt es?

    Neben der klas­si­schen Form der Hypo­sen­si­bi­li­sie­rung (wöchent­li­che Sprit­zen mit stei­gen­der All­er­gen­kon­zen­tra­ti­on) gibt es die Kurz­zeit-Hypo­sen­si­bi­li­sie­rung (Erhal­tungs­pha­se wird schnel­ler erreicht), die Rush-Hypo­sen­si­bi­li­sie­rung (meh­re­re Sprit­zen täg­lich) sowie die sub­lin­gua­le Hypo­sen­si­bi­li­sie­rung (kei­ne Sprit­zen, son­dern Trop­fen oder Tablet­ten).

    Wor­auf muss ich am Tag der Injek­ti­on ach­ten?

    Am Tag der Desen­si­bi­li­sie­rung soll­ten Sie auf Sport, kör­per­li­che Anstren­gun­gen und Hit­ze­be­las­tun­gen (bei­spiels­wei­se durch eine Sau­na) ver­zich­ten.

    Wo bekom­me ich wei­te­re Infos zum The­ma All­er­gie?

    Bei wei­te­ren Fra­gen kön­nen Sie sich an den Deut­schen All­er­gie- und Asth­ma­bund e.V. wen­den, der Ihre Fra­gen beant­wor­tet.

    Fazit & Tipps

    Die Desen­si­bi­li­sie­rung kann Sie end­lich von läs­ti­gen All­er­gie-Sym­pto­men befrei­en und Heu­schnup­fen, leich­te Asth­ma­for­men oder Insek­ten­gift­all­er­gien mil­dern. Bespre­chen Sie mit Ihrem Arzt, ob die The­ra­pie für Sie in Fra­ge kommt und sich tat­säch­lich lohnt.

    Übri­gens: Eine Desen­si­bi­li­sie­rung ist nicht bloß per Injek­ti­on mög­lich, son­dern bei­spiels­wei­se auch durch Gabe des Medi­ka­men­tes in die Nasen­schleim­haut (Desen­si­bi­li­sie­rungs­spray) oder in Trop­fen- oder Tablet­ten­form zum Ein­neh­men. Die Erfolgs­quo­te bei einer Pol­len­all­er­gie liegt bei 60 bis 70 Pro­zent, bei der Bie­nen- und Wes­pen­all­er­gie sogar bei bis zu 90 Pro­zent.

    Quellen

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