Borderline-Störung: Denken in Extremen

Frau mit Borderline-Störung

Borderline-Störung: Denken in Extremen

Schwarz oder weiß? Gut oder böse? Für den Bor­der­li­ner gibt es nur das eine oder das ande­re. Grau­tö­ne kennt er nicht. Ent­we­der liebt er sei­nen Part­ner über alles oder er hasst ihn und schickt ihn zum Teu­fel, nur, um ihn von Neu­em an sich zu bin­den. Ein­mal fin­det er sich selbst geni­al, ein ande­res Mal völ­lig unge­nü­gend. Bezie­hun­gen, Emo­tio­nen, Den­ken oder Han­deln: Men­schen mit einer Bor­der­line-Stö­rung zei­gen in die­sen Berei­chen Ver­hal­tens­wei­sen, die kaum nach­voll­zieh­bar sind.

Was ist eine Borderline-Störung?

Die Bor­der­line-Stö­rung gehört gemäß der Inter­na­tio­na­len Klas­si­fi­ka­ti­on psy­chi­scher Stö­run­gen zu den insta­bi­len Per­sön­lich­keits­stö­run­gen. Wer eine Stö­rung der Per­sön­lich­keit auf­weist, zeigt in vie­len Situa­tio­nen Erle­bens- und Ver­hal­tens­mus­ter, die von den Erwar­tun­gen der Gesell­schaft abwei­chen. Die­se Mus­ter sind bestän­dig, tief grei­fend und sta­bil. Das heißt, sie ver­än­dern sich im Lau­fe des Lebens nicht oder nur wenig. Der Betrof­fe­ne ist in vie­len Lebens­la­gen ein­ge­schränkt. Beein­träch­tigt sind sei­ne Gedan­ken, Gefüh­le, Bezie­hun­gen und die Impuls­kon­trol­le. Aller­dings ist der Über­gang zwi­schen einer als Krank­heit gel­ten­den Per­sön­lich­keits­stö­rung und einem extre­men Per­sön­lich­keits­stil flie­ßend. Ob eine Stö­rung vor­liegt, muss ein Fach­mann ent­schei­den.

Symptome der Borderline-Persönlichkeitsstörung

Die Sym­pto­me der Stö­rung sind viel­fäl­tig. Typisch sind Pro­ble­me in zwi­schen­mensch­li­chen Bezie­hun­gen. Bor­der­li­ner haben Angst vor dem Ver­las­sen­wer­den und tun alles, um dies zu ver­hin­dern. Trotz­dem ertra­gen sie die Nähe zu ande­ren Men­schen auf Dau­er schlecht. Mit­men­schen wer­den ein­mal idea­li­siert, ein ander­mal ent­wer­tet. Die Bezie­hun­gen sind durch Insta­bi­li­tät gekenn­zeich­net. Zudem haben Bor­der­li­ner oft hef­ti­ge Emo­tio­nen mit ver­zö­ger­tem Rück­gang. Ihre Frus­tra­ti­ons­to­le­ranz ist nied­rig. Häu­fig kön­nen sie zwi­schen Gefüh­len wie Angst, Wut und Trau­er nicht dif­fe­ren­zie­ren, was zu Span­nungs­zu­stän­den führt. Dann wie­der emp­fin­den sie völ­li­ge Lee­re. Die Iden­ti­tät des Bor­der­li­ners ist gestört. Sein Selbst­bild ist ver­zerrt und er ist sich oft selbst fremd. Meist fühlt er sich min­der­wer­tig und ist unsi­cher, wie er sich in sozia­len Situa­tio­nen ver­hal­ten soll. Sein Den­ken ist fest­ge­fah­ren und manch­mal magisch (in der Psy­cho­lo­gie eine Erschei­nungs­form, bei der eine Per­son annimmt, dass eige­ne Wor­te, Gedan­ken oder Hand­lun­gen Ein­fluss auf nicht damit ver­bun­de­ne Ereig­nis­se haben) oder para­no­id. Dem Bor­der­li­ner fehlt eine gewis­se Impuls­kon­trol­le und er zeigt selbst­schä­di­gen­des Ver­hal­ten.

Leidensdruck

Bor­der­li­ner fin­den ihr Leben zeit­wei­se uner­träg­lich. Sie kämp­fen mit ihren Stim­mungs­schwan­kun­gen, haben ein labi­les Selbst­wert­ge­fühl, brin­gen kei­ne sta­bi­le Bezie­hung zustan­de und machen unüber­leg­te Din­ge, die ihnen spä­ter leid­tun. Es fällt ihnen schwer, ein aus­ge­gli­che­nes Leben zu füh­ren. Sie wech­seln Freun­de, Wohn­ort und Job häu­fig. Die Betrof­fe­nen spü­ren, dass sie anders sind, wis­sen jedoch nicht, wor­an das liegt oder wie sie es ändern könn­ten. Depres­sio­nen und Miss­brauch von schä­di­gen­den Sub­stan­zen kom­men häu­fig zur Bor­der­line-Stö­rung hin­zu. Die Ange­hö­ri­gen lei­den unter den Bezie­hungs­tests des Bor­der­li­ners, sei­ner Impul­si­vi­tät und dar­un­ter, dass sie kaum Mög­lich­kei­ten haben, ihm zu hel­fen. Egal, was sie tun, je nach Stim­mungs­la­ge wird der Bor­der­li­ner sie ver­göt­tern oder ableh­nen.

Entstehung und Ursachen der Störung

Die Bor­der­line-Stö­rung ent­wi­ckelt sich bereits in der Kind­heit oder Jugend­zeit. Man geht davon aus, dass eine gewis­se gene­ti­sche Ver­an­la­gung besteht. Die­se reicht allei­ne jedoch nicht aus. Erfährt ein Kind zusätz­lich Ableh­nung oder erlebt Trau­ma­ti­sches wie kör­per­li­chen oder psy­chi­schen Miss­brauch, erhöht sich die Chan­ce für eine Bor­der­line-Stö­rung. Kann das Kind die Gefüh­le bei die­sen nega­ti­ven Erfah­run­gen nicht regu­lie­ren, neigt es zur Dis­so­zia­ti­on. Das heißt, es spal­tet gewis­se psy­chi­sche Funk­tio­nen von­ein­an­der ab und bil­det dys­funk­tio­na­le Vor­stel­lun­gen von sei­ner Umwelt. Es teilt die­se in gut und schlecht ein. Als Fol­ge kann es sich nicht rich­tig an der Rea­li­tät ori­en­tie­ren und ver­hält sich ent­spre­chend unan­ge­mes­sen. Dies ruft Reak­tio­nen her­vor, die das Kind nicht ver­steht. Es emp­fin­det die Welt als unbe­re­chen­bar und ver­hält sich erneut unpas­send. Ein Teu­fels­kreis ent­steht.

Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung

Vie­le Bor­der­li­ner mer­ken zwar, dass sie anders sind, kämen jedoch nie auf die Idee, des­we­gen Hil­fe in Anspruch zu neh­men. Wenn sie doch einen Fach­mann auf­su­chen, tre­ten bald Pro­ble­me in der Bezie­hung zum The­ra­peu­ten auf. The­ra­pie­ab­brü­che sind häu­fig. Als hilf­reich hat sich zum Bei­spiel die Dia­lek­tisch-Beha­vio­ra­le The­ra­pie erwie­sen. Sie ist eine spe­zi­el­le Psy­cho­the­ra­pie, die fest­ge­fah­re­ne Gedan­ken- und Ver­hal­tens­mus­ter ana­ly­siert und dem Betrof­fe­nen hilft, die­se zu ver­än­dern. Ist der Pati­ent beson­ders stark beein­träch­tigt, zusätz­lich depres­siv, sui­zi­dal oder dro­gen­ab­hän­gig, kann ein sta­tio­nä­rer Auf­ent­halt sinn­voll sein. Dies muss von Fall zu Fall ent­schie­den wer­den. Ohne Psy­cho­the­ra­pie nimmt die Stär­ke der Stö­rung mit zuneh­men­dem Alter meist ab, doch blei­ben die Sym­pto­me bestehen.

Unterschied zur bipolaren Störung

Die bipo­la­re Stö­rung gehört zu den affek­ti­ven Stö­run­gen und ist kei­ne Per­sön­lich­keits­stö­rung. Es tre­ten zwar extre­me Stim­mungs­schwan­kun­gen auf, doch geschieht dies in Pha­sen. Depres­si­ve und mani­sche Epi­so­den wech­seln sich ab. Die­se dau­ern meist län­ger an und wer­den im Gegen­satz zur Bor­der­line-Stö­rung von Zei­ten der psy­chi­schen Gesund­heit unter­bro­chen.