Bewusstseinsstörungen: Ursachen, Symptome & Maßnahmen

Dr. Natascha Kern
Dr. Natascha Kern
Ärztin
    Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den

    Bewusst­seins­stö­run­gen sind Beein­träch­ti­gun­gen der Psy­che und kön­nen durch ver­schie­dens­te Ursa­chen her­vor­ge­ru­fen wer­den. Erfah­ren Sie in die­sem Arti­kel, was laut Defi­ni­ti­on unter einer Bewusst­seins­stö­rung ver­stan­den wird, wel­che Sym­pto­me und Ursa­chen typisch sind und wie die Behand­lung abläuft.

    Bewusstseinsstoerungen, Frau mit ausgestrecktem Arm, dunkel, verschwommen
    Bewusstseinsstörungen: Ursachen, Symptome & Maßnahmen

    Definition: Was ist eine Bewusstseinsstörung?

    Das Wich­tigs­te in Kür­ze:
    • Die Bewusst­seins­stö­rung beschreibt eine Ver­än­de­rung in der mensch­li­chen Psy­che.
    • Es wird unter­schie­den zwi­schen qua­li­ta­ti­ven und quan­ti­ta­ti­ven Stö­run­gen.
    • Typi­sche Sym­pto­me: Des­ori­en­tiert­heit, Hal­lu­zi­na­tio­nen, Stö­rung des Schlaf-Wach-Rhyth­mus oder Bewusst­seins­ver­min­de­run­gen
    • Bei Ver­dacht auf Bewusst­seins­stö­rung soll­te sofort ärzt­li­che Hil­fe in Anspruch genom­men wer­den.

    Im Grun­de genom­men ist eine Bewusst­seins­stö­rung eine Ver­än­de­rung des gewöhn­li­chen und nor­ma­len Bewusst­seins. Die Vital­funk­tio­nen der mensch­li­chen Psy­che sind gestört und die übli­che All­tags­in­ter­ak­ti­on wird beein­träch­tigt.

    Inter­es­sant: Auch posi­tiv emp­fun­de­ne Beein­träch­ti­gun­gen oder Ver­än­de­run­gen des All­tags­be­wusst­seins wer­den als Bewusst­seins­stö­rung bezeich­net.

    Unter­schie­den wird zwi­schen der quan­ti­ta­ti­ven sowie der qua­li­ta­ti­ven Bewusst­seins­stö­rung, wel­che sich maß­geb­lich in ihren Sym­pto­men unter­schei­den.

    Nach­fol­gend wer­den wir uns die­sen unter­schied­li­chen Arten der Stö­rung der mensch­li­chen Psy­che wid­men und auf Ursa­chen und Sym­pto­me genau­er ein­ge­hen.

    Quantitative Bewusstseinsstörungen

    Quan­ti­ta­ti­ve Bewusst­seins­stö­run­gen beschrei­ben Beein­träch­ti­gun­gen im Wach­heits­grad des Pati­en­ten. Die ver­schie­de­nen Stu­fen sind:

    • Benom­men­heit
    • Som­n­o­lenz
    • Sopor
    • Koma

    Benommenheit

    Die Benom­men­heit ist die leich­tes­te Form der quan­ti­ta­ti­ven Bewusst­seins­stö­run­gen. Dabei sind die Per­so­nen in der Regel klar und ansprech­bar, aller­dings in der Auf­fas­sung von Infor­ma­tio­nen oder Situa­tio­nen als auch in den Reak­tio­nen ver­lang­samt.

    Somnolenz

    Bei der Som­n­o­lenz ist eine Per­son sehr müde und schläf­rig, kann aber durch Anspre­chen erweckt und auch eini­ge Zeit wach gehal­ten wer­den. Eine Kom­mu­ni­ka­ti­on ist ein­ge­schränkt mög­lich.

    Sopor

    Ist jemand sopo­rös, dann ist die Per­son sehr schläf­rig und nicht durch Anspre­chen oder leich­tes Rüt­teln zu wecken. Jedoch kann man aus dem Sopor durch einen star­ken äuße­ren Reiz wie einen Schmerz­reiz erweckt wer­den. Aller­dings schaf­fen die Betrof­fen es auch dann nicht, selbst­stän­dig wach zu blei­ben. Eine Kom­mu­ni­ka­ti­on ist nicht mög­lich.

    Bewusstlosigkeit und Koma

    Bewusst­lo­se und koma­tö­se Per­so­nen las­sen sich selbst durch star­ke Rei­ze von außen nicht erwe­cken. Auch hier gibt es ver­schie­de­ne Schwe­re­gra­de. Bei einem leich­ten Koma kann noch eine unge­ziel­te abweh­ren­de Reak­ti­on ohne Erwa­chen auf einen Schmerz­reiz statt­fin­den und die Pupil­len reagie­ren auf Licht­rei­ze. Bei einem tie­fen Koma fal­len die­se Reak­tio­nen weg und auch Schutz­re­fle­xe wie Hus­ten oder Wür­gen sind nicht mehr vor­han­den.

    Ursachen quantitativer Bewusstseinsstörungen

    Die Ursa­chen für die­se Form des gestör­ten Bewusst­seins kön­nen sehr unter­schied­lich sein. Es kön­nen sich sowohl kör­per­li­che als auch see­li­sche Erkran­kun­gen oder Ver­gif­tun­gen dahin­ter ver­ber­gen.

    Mög­li­che Ursa­chen von Bewusst­seins­stö­run­gen sind zum Bei­spiel:

    • Hypo- oder Hyper­gly­kä­mie (erhöh­ter Blut­zu­cker­spie­gel)
    • Schä­del-Hirn-Trau­ma­ta (bei­spiels­wei­se nach einem Unfall)
    • Schlag­an­fall oder Epi­lep­sie
    • Ent­zün­dun­gen des Ner­ven­sys­tems
    • Erhöh­ter Hirn­druck
    • Ver­gif­tun­gen

    Qualitative Bewusstseinsstörungen

    Qua­li­ta­ti­ve Bewusst­seins­stö­run­gen äußern sich nicht durch eine Ver­än­de­rung im Wach­heits­grad, son­dern durch Abwei­chun­gen in der Bewusst­seins­klar­heit. Nor­ma­le psy­chi­sche Abläu­fe sind gestört, Pati­en­ten lei­den unter kogni­ti­ven, affek­ti­ven oder psy­cho­mo­to­ri­schen Stö­run­gen oder sogar Hal­lu­zi­na­tio­nen.

    Es wird all­ge­mein unter­schie­den zwi­schen:

    • Bewusst­seins­ein­engung
    • Bewusst­seins­er­wei­te­rung
    • Bewusst­seins­ver­schie­bung

    Bewusstseinseinengung

    Men­schen mit einer Bewusst­seins­ein­engung sind wach, reagie­ren jedoch nur ein­ge­schränkt auf ihre Umwelt. Häu­fig wird nur auf bestimm­te The­men oder Rei­ze reagiert. Ursa­chen für eine Bewusst­seins­ein­engung sind meist psych­ia­tri­sche Erkran­kun­gen, see­li­sche Belas­tung oder der Ein­fluss von Medi­ka­men­ten. Auch mit Hyp­no­se oder Medi­ka­ti­on kön­nen sich man­che Men­schen in einen sol­chen “fokus­sier­ten” Zustand ver­set­zen.

    Bewusstseinserweiterung

    Unter Bewusst­seins­er­wei­te­rung ver­steht man Zustän­de, die über ein nor­ma­les Maß der Wach­heit oder Wahr­neh­mung hin­aus­ge­hen. Dazu gehö­ren bei­spiels­wei­se Hal­lu­zi­na­tio­nen oder eine ver­zerr­te Wahr­neh­mung der Rea­li­tät. Die­ser Zustand kann gefähr­lich wer­den, da die Betrof­fe­nen sich und ihre Umwelt oft nicht mehr ein­schät­zen kön­nen. Sowohl psych­ia­tri­sche Erkran­kun­gen als auch bestimm­te Dro­gen kön­nen einen sol­chen Zustand her­vor­ru­fen.

    Bewusstseinsverschiebung

    Bei einer Bewusst­seins­ver­schie­bung sind Gefüh­le der Inten­si­täts- oder Hel­lig­keits­stei­ge­rung typisch, wie auch tran­ce­ähn­li­che Zustän­de und sub­jek­tiv erwei­ter­te Sin­nes­wahr­neh­mun­gen. Ursa­chen sind häu­fig Medi­ka­men­te oder auch eine begin­nen­de Schi­zo­phre­nie.

    Ursachen qualitativer Bewusstseinsstörungen

    Häu­fi­ge Ursa­chen sind zusam­men­ge­fasst:

    • Medi­ka­men­ten- und Dro­gen­kon­sum
    • Stoff­wech­sel­stö­run­gen
    • Kar­dio­vas­ku­lä­re Pro­ble­me
    • Mor­bus Alz­hei­mer
    • Schi­zo­phre­nie
    • Gehirn­ent­zün­dun­gen

    Welche Sofort-Maßnahmen sollten eingeleitet werden?

    Liegt eine aku­te Bewusst­seins­stö­rung vor und der Pati­ent ist nicht in der Lage, ange­mes­sen auf sei­ne Umwelt zu reagie­ren, ist nicht ansprech­bar oder zeigt bei­spiels­wei­se kei­ne Reak­ti­on auf Schmerz­rei­ze, soll­ten umge­hend Maß­nah­men ergrif­fen wer­den.

    Um irrever­si­ble Schä­den zu ver­hin­dern, soll­te des­halb der Not­ruf gewählt und Ers­te-Hil­fe-Maß­nah­men ein­ge­lei­tet wer­den.

    Da die Ursa­chen sehr viel­fäl­tig sein kön­nen und davon abhängt, wel­che The­ra­pie ein­ge­lei­tet wird, muss der Pati­ent zunächst genau unter­sucht wer­den. Der nor­ma­le Ablauf einer Unter­su­chung ist meist fol­gen­der:

    • Erst­un­ter­su­chung: Kör­per­li­che Unter­su­chung (Atem­we­ge, Kreis­lauf, etc.)
    • Ana­mne­se: Erhe­bung von Infor­ma­tio­nen zum Pati­en­ten (Vor­ge­schich­te, Ent­wick­lung der Bewusst­seins­stö­rung, Medi­ka­men­te)
    • Neu­ro­lo­gi­sche Unter­su­chung: Ver­schie­de­ne neu­ro­lo­gi­sche Erst­un­ter­su­chun­gen (zum Bei­spiel durch Über­prü­fung der Pupil­len­re­ak­ti­on oder der Moto­rik)
    • Dif­fe­ren­zi­al­dia­gno­se: Eine genaue Dia­gno­se wird erstellt und dar­auf auf­bau­end eine ziel­füh­ren­de The­ra­pie ein­ge­lei­tet

    Wich­tig: Auch wenn die Bewusst­seins­stö­rung nur leicht wahr­nehm­bar ist oder Sie sich nicht sicher sind, ob Sie oder ein Ange­hö­ri­ger an einer Stö­rung des Bewusst­seins lei­det, soll­te drin­gend ein Arzt kon­sul­tiert wer­den.

    Fazit

    Bewusst­seins­stö­run­gen sind ein weit gefass­ter Begriff, wel­che ver­schie­den­ar­ti­ge Ver­än­de­run­gen des nor­ma­len Bewusst­seins­zu­stands beschreibt. Die Sym­pto­me sind so viel­fäl­tig wie die Ursa­chen, wes­halb eine fach­kun­di­ge Unter­su­chung durch einen Arzt unab­ding­bar ist.

    Oft geht die Bewusst­seins­stö­rung ein­her mit einem zuvor erleb­ten Schlag­an­fall, Herz­in­farkt oder einem Unfall. Um blei­ben­den Hirn­schä­den zu ver­hin­dern, soll­te des­halb sofort der Not­ruf gewählt wer­den.

    Quellen

    3.5 (70%) 2 Stimme[n]



    Dr. Natascha Kern
    Unse­re Autorin: Dr. Nata­scha KernÄrz­tinArzt/Ärztin nach gel­ten­der Appro­ba­ti­ons­ord­nung

    Dr. Nata­scha Kern stu­dier­te Human­me­di­zin an der Johann Wolf­gang von Goe­the-Uni­ver­si­tät in Frank­furt am Main. Sie arbei­tet am Insti­tut für Rechts­me­di­zin in Frank­furt. Seit 2017 schreibt Sie als Gast­au­torin auch für Health Rise.

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