Bettwanzen – wenn’s im Bett sticht

Bett mit Lupe und Bettwanze

Bettwanzen – wenn’s im Bett sticht

Bett­wan­zen – das klingt nach Armut und Schmutz, viel­leicht auch ein wenig nach Mit­tel­al­ter. In Wirk­lich­keit sind die Tie­re jedoch auch heu­te noch weit­ver­brei­tet und das mit­nich­ten nur in Ent­wick­lungs­län­dern, son­dern eben­so in Deutsch­land. Zwar ist das Vor­kom­men, auch dank bes­se­rer hygie­ni­scher Ver­hält­nis­se, gerin­ger gewor­den, doch auf­grund ihrer anspruchs­lo­sen und robus­ten Lebens­wei­se tre­ten sie nach wie vor gele­gent­lich auf. Wei­te­re Fak­to­ren für das Wie­der­auf­kom­men der klei­nen Läst­lin­ge sind ihre Resis­ten­zen gegen ver­schie­de­ne Che­mi­ka­li­en sowie der Trend zu nied­ri­gen Wasch­tem­pe­ra­tu­ren.

Biologie und Aussehen

Es exis­tiert nur eine Art Bett­wan­zen (Cimex lec­tu­la­ri­us) aus der Fami­lie der Platt­wan­zen. Im Gegen­satz zu den meis­ten ande­ren Tie­ren pro­fi­tie­ren Bett­wan­zen von der mensch­li­chen Besied­lung. Sie kom­men aller­dings auch in Nes­tern und Bau­ten wil­der Tie­re sowie in Nutz­vieh­stäl­len vor. Obwohl sie mensch­li­ches Blut prä­fe­rie­ren, kön­nen sie sich auch von vie­len wei­te­ren Tie­ren ernäh­ren.

Bett­wan­zen sind sehr unauf­fäl­lig braun-röt­lich gefärbt und daher aus­ge­zeich­net getarnt, ins­be­son­de­re in und auf Holz­mö­beln. Dazu hal­ten sie sich in Ruhe­pha­sen abso­lut still in win­zigs­ten Spal­ten auf – vor einer Mahl­zeit sind sie kaum dicker als ein Blatt Papier. Dabei mes­sen sie 4–9 Mil­li­me­ter und sind behaart. Ihr Mund ist als Sta­chel aus­ge­formt, durch den sie Blut auf­neh­men kön­nen. Haben sie aus­rei­chend Nah­rung auf­ge­nom­men, kön­nen sie zehn Mona­te ohne Blut aus­kom­men. Weib­chen kön­nen inner­halb nur eines Jah­res 200 Eier legen, wes­halb sich Bett­wan­zen oft wie eine Pla­ge aus­brei­ten.

Bett­wan­zen ver­fü­gen über einen her­vor­ra­gen­den Geruchs­sinn, den sie nut­zen, um Men­schen anhand des in der Atem­luft aus­ge­sto­ße­nen Koh­len­stoff­di­oxids zu fin­den. Wenn sie nicht fres­sen, hal­ten sie sich jedoch in eini­ger Ent­fer­nung außer­halb des Bet­tes auf. Dank ihres aus­ge­feil­ten, über Phe­ro­mo­ne gesteu­er­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­hal­tens fin­den sich oft vie­le Tie­re zusam­men und kön­nen bei Gefahr eben­so schnell flüch­ten.

Bettwanzen erkennen und bekämpfen

Bett­wan­zen zu erken­nen, ist dank der unauf­fäl­li­gen Natur der Tie­re nicht ein­fach – zumal sie aus­schließ­lich nacht­ak­tiv sind. Bei genau­er Suche kön­nen unter, und um Bet­ten auf glat­ten Böden gele­gent­lich die lee­ren Häu­tungs­hül­len gefun­den wer­den. Die Sti­che selbst jucken hef­tig, ähneln aller­dings denen der deut­lich häu­fi­ge­ren Mücken. Auf­fäl­lig ist ihr Geruch: Ein Zim­mer mit Bett­wan­zen­be­fall weist häu­fig einen leicht süß­li­chen Duft auf, der gele­gent­lich als der Kori­an­der­pflan­ze ähn­lich beschrie­ben wird.

Bett­wan­zen kön­nen sowohl selbst­stän­dig als auch mit­hil­fe von Exper­ten bekämpft wer­den – Letz­te­res ist bei groß­flä­chi­gem und hart­nä­cki­gem Befall häu­fig not­wen­dig. So oder so soll­ten Betrof­fe­ne jedoch bes­ser lan­gen Atem mit­brin­gen. Als Erst­maß­nah­me ist es hilf­reich, alle Füße von Bet­ten und Möbeln in was­ser­ge­füll­te oder sehr glat­te Glas­ge­fä­ße zu stel­len. Hier­in kön­nen Bett­wan­zen gefan­gen wer­den, einer­seits, um einen Befall sicher fest­zu­stel­len, ande­rer­seits, um sie abzu­sam­meln. Ein Insi­der­tipp ist das Aus­le­gen von Boh­nen­blät­tern rund um die eige­ne Schlaf­stät­te. Die Tie­re ver­fan­gen sich in den fein behaar­ten Blät­tern und kön­nen auf die­se Art ein­ge­sam­melt wer­den.

Klei­dung und Bett­wä­sche kön­nen ent­we­der auf mehr als 55 °C erhitzt oder aber auf unter -17 °C ein­ge­fro­ren wer­den, um die Eier der Tie­re unschäd­lich zu machen. Die­se Metho­de ist vor allem sinn­voll, wenn Betrof­fe­ne befürch­ten, in einem von Bett­wan­zen befal­le­nen Hotel­bett geschla­fen zu haben, und die Tie­re nicht nach Hau­se ein­schlep­pen wol­len. Die Mög­lich­keit der Erhit­zung eig­net sich auch für den Befall eines gesam­ten Hau­ses, muss jedoch von Exper­ten durch­ge­führt wer­den. Sie ist ver­gleichs­wei­se umwelt­scho­nend und weit­aus weni­ger schäd­lich als die Ver­neb­lung oder Bega­sung der Räu­me mit Pes­ti­zi­den.

Gefahr für den Menschen

Bett­wan­zen kön­nen das Q-Fie­ber über­tra­gen, von dem in Deutsch­land ca. 100–350 Fäl­le jähr­lich auf­tre­ten. Aller­dings befällt die Krank­heit in ers­ter Linie Vieh, wes­halb die meis­ten Erkrank­ten in engem Kon­takt zu Nutz­vieh ste­hen. Die Erkran­kung ist mel­de­pflich­tig, ver­läuft in den meis­ten Fäl­len jedoch harm­los – ledig­lich bei weni­ger als 10 % der Betrof­fe­nen tre­ten Kom­pli­ka­tio­nen mit bis­wei­len töd­li­chem Aus­gang auf.

In den Kör­pern von Bett­wan­zen wur­den auch wei­te­re teils gefähr­li­che Viren und Bak­te­ri­en ent­deckt, zu denen unter ande­rem HIV und Hepa­ti­tis B zäh­len. Tat­säch­lich konn­te jedoch bis­lang kein ein­zi­ger Fall einer tat­säch­li­chen Über­tra­gung aus­ge­macht wer­den. Um jedes Risi­ko aus­zu­schlie­ßen, soll­ten Betrof­fe­ne bei der Bekämp­fung der Schäd­lin­ge aller­dings Hand­schu­he und Atem­schutz­mas­ken tra­gen.

Die Sti­che selbst jucken inten­siv und ähneln daher denen von Mil­ben. Sie fin­den sich jedoch häu­fig in Rei­hen hin­ter­ein­an­der. Ein Auf­krat­zen soll­te drin­gend ver­mie­den wer­den, um kei­ne Bak­te­ri­en ein­zu­tra­gen und eine Infek­ti­on zu ris­kie­ren. Eine Behand­lung rich­tet sich daher vor allem gegen den Juck­reiz. Einen Arzt soll­ten Betrof­fe­ne immer dann auf­su­chen, wenn wei­te­re Sym­pto­me, wie bei­spiels­wei­se Fie­ber, Abge­schla­gen­heit oder star­ke Schwel­lun­gen hin­zu­kom­men.